Ausgabe 
(7.11.1931) Nr. 149
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Der erste Vorsitzende des Vorstandes des Norddeutschen Lloyd, Geheimrat Dr. h. c. Stirnr ing, ist in der Nacht zum Sonn­abend einer Lungenombolie im Krankenhaus Bethanien in Hamburg erlegen. Geheim­rat Stimming weilte bekanntlich vor weni- ' gen Tagen bei Verwandten in einem Ham­burger Vorort zu Besuch und glitt dort in der Wohnung auf dem Fußboden aus. Er erlitt eine Gehirnerschütterung sowie andere i Verletzungen, die seine Ueberführung ins L Krankenhaus notwendig machten. Zunächst

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- bestanden keine Besorgnisse. Im Lause der letzten Tage hatte sich jedoch das Befinden Stimmings verschlechtert und im Laufe der l letzten Nacht ist er verschieden.

Geheimrat Stimming wurde am 15. Mai 1876 in Fürstenwalde a. d. Spree geboren, n wo die väterliche, einer havelländischen 7 Siedlersippe angehörende Familie, seit drei

- Generationen ansässig, eine Brauerei besaß. Er besuchte das Gymnasium seiner Vater-

- stadt und verließ es Ostern 1894, um. die Universität Erlangen zu beziehen und gleich­zeitig seiner militärischen Dienstpflicht beim Königl. Bayer. 19. Jnf.-Regt. zu genügen.

^ Ostern 1896 bezog Stimming die Universi­tät Berlin. 1898 bestand er das Referendar­examen am Kammergericht und nahm sei- > nen juristischen Vorbereitungsdienst zunächst beim Amtsgericht in Seelow und später beim Landgericht 1 Berlin auf.

Von der rein juristischen Tätigkeit nicht voll befriedigt, trat Stimming 1899 in den

- Verwaltungsdienst der Kaiserlichen Marine ' ein. Nach Abschluß seiner Verwaltungstech­nischen Ausbildung bestand er im Dezem­ber 1901 das Assessoreramen. Im Jahre

' 1902 war er als Marine-Jntendantur- Assessor zum Norddeutschen Lloyd in Bre- ^ men abgeordnet, um einen Einblick in den ' Betrieb der großen Bremer Reederei zu er­halten. Unter der Leitung des 1913 ver- , storbenen Direktors Bremermann lernte er

München, 6. Nov. In einer Stellung­nahme der NSDAP. heißt es, ob das Volk die Politik Brünings als die einzig mögliche betrachte, werde Brüning am 15. November erneut in Hessen feststellen können. In den Augen der Nationalsozialisten sei das einzig mögliche der Rücktritt des Kabinetts Brü­ning, das jeder rettenden Aenderung der deutschen Außen- und Innenpolitik hem­mend im Wege stehe.

In einem Aufsatz des Hauptschriftleiters Rosenberg heißt es am Schluß: Trotz aller Zentrumstagungen bleibe nur eine Wahl: Entweder mit Hitler als Führer zu gehen oder unter die Walze der nationalsozialisti­schen Volkserhebung zu geraten.

Die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP. schreibt zur Kanzlerrede, die be­ängstigende Not unserer Tage hätten nicht jene zu verantworten, die seit Jahren vor der Verelendungspolitik des Systems ge­warnt haben, sondern die politische Macht­gruppe, die die Macht im Staate in den Händen hielte. Daß Herr Stegerwald eine koalitionspolitische Fronterweiterung nach rechts als unmöglich ablehne, sei ein Mei­sterstück zentrümlicher Vertarnungskunst.

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Schwerin, 6. Nov. Im Landtag von Meck­lenburg-Schwerin fand die am Donnerstag abend ausgesetzte Abstimmung über die An­träge zu der zweiten Notverordnung statt. Abgelehnt wurde eine Wiederholung der be­reits am Donnerstag erfolgten Teilabstim­mung, die nach der Ansicht der Nationalso­zialisten rechtskräftig vorgenommen worden war. Das Ergebnis der Abstimmung be-

damals den Betrieb im Proviantamt sowie in den Passage- und Frachtabteilungen ken­nen. —

Nach dieser informatorischen Tätigkeit beim Lloyd war Stimming von 1903 bis 1910 als Marine-Jntendantur-Rat bei der Kaiserlichen Marine-Intendantur in Kiel tätig. Im Mai 1910 wurde er als Hilfs- referent in das Reichsmarineamt berufen. Aber schon nach kurzer Zeit wurde er von dem damaligen Staatssekretär des Reichs­schatzamtes, Wermuth, in dieses Amt be­rufen, wo er alsbald zum Regierungsrat und ständigen Hilfsarbeiter, im Jahre 1913 zum Geheimen Regierungsrat und vortragenden Rat, 1917 zum Geheimen Oberregierungsrat ernannt wurde.

Zu Beginn des Krieges war Stimming zunächst im Verwaltungsdienst in Kiel be­schäftigt und sodann im Reichsmarineamt mit der Organisation der Proviantzentrale der Kaiserlichen Marine betraut. Im Früh­jahr 1915 forderte ihn der damalige Staats-

deutet die Annahme des Antrages, die zwei­te Notverordnung aufzuheben, ein Beschluß, an den die Regierung aus Grund der Reichsnotverordnung allerdings nicht ge­bunden ist.

Der demokratische Antrag, auch die dritte Notverordnung aufzuheben, wurde mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Re­gierungsparteien gegen die Stimmen der Nationalsozialisten abgelehnt. Der zweite Teil dieses Antrages, der verschiedene Aen­derungen der Notverordnung fordert, wurde mit 26 Stimmen der Sozialdemokraten, der Kommunisten, der Nationalsozialisten und der Demokraten angenommen gegen 23 Stimmen der Regierungsparteien. Die Hauptausschuß-Beschlüsse, die kommunisti­schen Anträge wegen Aufhebung von Not-

Berlin, 6. Nov. Die Staatsanwaltschaft hat die Strafanträge für die Presse schrift­lich niedergelegt. Die Staatsanwaltschaft beantragte gegen Gruppenführer Helldorf und dessen Stabschef Ernst wegen schweren Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Auf­reizung zum Klassenhaß drei Jahre Gefäng­nis und wegen öffentlicher Beleidigung drei­hundert Mark Geldstrafe, ersatzweise 30 Tage Gefängnis. Gegen den Jungstahl- helmführer Diplomingenieur Brandt wur­den wegen schweren Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Aufreizung zum Klassenhaß zwei Jahre sechs Monate Gefängnis bean­tragt. Gegen die Angeklagten Damerou. Schulz, Hell und Hagemeister beantragte der

sekretär des Reichsschatzamtes Helfferich an, um ihn in den mannigfaltigen kriegswirt­schaftlichen Angelegenheiten als Referenten zu beschäftigen. Im September 1917 wur­de ihm auf seinen Antrag der Abschied aus dem Reichsdienst gewährt und der Uebertrili zur Verwaltung des Norddeutschen Lloyd ge­stattet. Am 1. Januar 1921, als der da­malige Generaldirektor Philipp Heineken als Präsident des Norddeutschen Lloyd in den Aufsichtsrat übertrat, trat Stimming an die Spitze des Lloydvorstandes.

Sein unermüdliches Eintreten für eine den Verhältnissen gerecht werdende und gleichzeitig auf die Leistungsfähigkeit des Reiches Rücksicht nehmende Reedereiabfin­dung, bedingte langwierige und aufreibende Verhandlungen mit den Reichsbehörden, an die sich die Beteiligten noch heute lebhaft er­innern.

Stimming ist zur Vertretung der Inter­essen seiner Gesellschaft u. a. Mitglied der Aufsichtsräte der Woermann- und Deutschen Ostafrika-Linie in Hamburgs der Stettiner

Verordnungen und Einstellung jeder Der» Handlung zur Herbeiführung von Lohnsen­kungen abzulehnen, wurde mit den 26 Stim­men der Linken und der Nationalsozialisten gegen 23 Stimmen der Regierungsparteien im Plenum abgelehnt.

Damit ergeben sich auch die üblen Unter­stellungen, die die „Bremer Nachrichten" an obige Tatsachen knüpfen. „Nationalsoziali­sten unterstützen Linke", heißt ihre Schlag­zeile. Dabei wissen sie genau so wie wir, daß wir nicht die Linke unterstützt, sondern versucht haben, mit der Linken die Regie­rung zu stürzen. Wie überall, wollen wir auch in Mecklenburg zur Macht, ist sie in unserer Hand, dann sind auch nur wir allein in der Lage und fest entschlossen, den Mar­xismus mit Stumpf und Stiel auszurotten.

Staatsanwalt wegen einfachen Landfrie­densbruchs in Tateinheit mit Aufreizung zum Klassenkampf je ein Jahr Gefängnis; gegen Samerski wurden wegen einfachen Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Auf­reizung zum Klassenkampf neun Monats Gefängnis beantragt. Die Staatsanwalt­schaft beantragte ferner, daß den durch Graf Heildorf und Ernst beleidigten Kaufleuten Deterding und Simons die Befugnisse zu­gesprochen werden solle, das wegen öffent­licher Beleidigung ausgesprochene Urteil im „Berl. Lokal-Anzeiger", im „Berl. Tagebl." und der „Deutschen Allgem. Ztg." auf Ko­sten der Verurteilten öffentlich bekanntzu­machen.

Dampfer-Compagnie, der Hanseatischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft in Hamburg und der Atlaswerke in Bremen; er ist außerdem Präsidialmitglied des Hansa-Bun­des, Mitglied der Friedrich List-Gesellschaft und Aufsichtsrat der Darmstädter und Na- tionalbank. Ein besonders warmes In­teresse hat er seit dem Kriege der Entwick­lung des Luftverkehrs gewidmet, dessen An­fänge er als Aufsichtsratsvorsitzender und Organisator verschiedener später im Deut­schen Aero Lloyd und mit diesem in der Deutschen Lust-Hansa aufgegangener Luft­verkehrsgesellschaft entwickeln hals.

In erster Linie aber hat Geheimrat Stim­ming sich der Weiterentwicklung des Nord­deutschen Lloyd gewidmet. Unter seiner Leitung sind die beiden schönsten und stol­zesten Schiffe Deutschlands, die „Bremen" und die „Europa" gebaut worden.

Der Lloyd und mit ihm Bremen verliert in Geheimrat Stimming eine seiner bedeutend­sten Führerpersönlichkeiten auf dem Gebiet« der Wirtschaft.