Ausgabe 
(30.10.1931) Nr. 142
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Rerloosori Rikwen Heralisyeber: Kur! 2kiele Verlag: Bremer Ratwnaliozialisiiiüie Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Re­daktion: Papenstratze 15 Sprechstunden der Redaktion : Montag

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Hinbendurg appelliert a« das Gewisse«

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Handeln Gier

Wir appellieren a« Hindenvura

Berlin, 29- Oktober. Im Hause des Reichspräsi­denten fand heute die erste Sitzung des vom Herrn Reichspräsidenten berufenen Wirtschaftsbeirates statt, zu der sich außen den Mitgliedern des Wirtschaftsbei­rates der Reichskanzler, die Reichsminister, der Reichs­bankpräsident und der Generaldirektor der Reichsbahn eingefunden hatten. Reichspräsident von Hindenburg empfing die Erschienenen im großen Saale des Präsi­dentenhauses und begrüßte sie und sagte unter anderem:

Im Bewußtsein der Verantwortung, die ich vor dem deutschen Volke und vor meinem Gewissen trage, habe ich mich entschlossen, angesichts der außerordent­lichen Wirtschaftswirrnis einen besonderen außerge­wöhnlichen Weg zu beschreiten.

Niemand von Ihnen wird verkennen, in welchem Maße die Lage Deutschlands durch weltpolitische und wirtschaftliche Umstände bestimmt wird Hier liegen die schweren und großen Aufgaben der deutschen Außenpolitik.

Von Ihnen erwarte ich, daß Sie sich mit mir und der Reichsregierung von dem unbeugsamen Willen beseelen lassen, wie auch immer die Entwicklung der Welt sein mag, aus der eigenen Kraft Deutschlands heraus, von unserem Volke abzuwenden, was eige­nes Handeln nur irgend abzuwenden vermag. Nur so wird eine Grundlage geschaffen für die notwendigen internationalen Bemühungen zur Lösung der gesamten Weltkrise.

Nur das Bewußtsein solcher Pflichterfüllung und äußerster Kraftanstrengung wird unser Volk befähigen, in innerer Verbundenheit und mit nationaler Würde das zu tragen, was sich an einem Schicksal als unab­wendbar erweist.

Die Aufgabe, die Ihnen gestellt ist, kann nur bei richtiger Wertung der wirtschaftlichen Kräfte und in gerechter Abwägung widerstreitender Interessen ge­löst werden. Ich erhoffe als Ergebnis dieser Zu­sammenarbeit wirtschaftlicher Sachverständigen und der Reisregierung einen Ausgleich Wirtschafts- und sozialpolitischer Gegensätze und eine Besserung der deutschen Wirtschaftsnot.

Wenn diese schwere Aufgabe gelöst werden soll, darf jeder von Ihnen sich nur der Gesamtheit des deutschen Volkes und dem eigenen Gewissen verant­wortlich fühlen, muß sich jeder innerlich loslösen von dem Gedanken an Gruppeninterefsen und an Einzel­

rücksichten Nur wenn solche Gesinnung Sie, meine Herren, erfüllt, werden Ihre Beratungen den sittlichen Wert und die überzeugende Kraft besitzen, ohne die ein gesundes und lebensstarkes Volk sich nicht führen läßt-

Jawohl, Herr von Hindenburg, ganz unsere Mei­nung, auch wir fordern Verantwortung nur vor der Gesamtheit. Denn nur wir haben uns innerlich los­lösen können von Gruppen und Einzelinteressen, nur wir snck» frei von Emzelrücksichten-

Aber Herr von Hindenburg, wenn Sie es wirklich ernst meinen mit Ihren Worten, wenn Sie tatsächlich obige Bedingungen stellen wollen zum Aufbau der deutschen Wirtschaft, zum Aufbau des deutschen Vol­kes, dann schicken Sie sofort Ihre Ratgeber nach Hause befreien Sie sich von diesem Wirtschaftsbeirat der ja in Wirklichkeit nichts anderes ist, als das, was Sie oben in Worten verurteilen Der ja in Wahrheit nur ein Kreis, eine Versammlung von Vertretern größter

und kleinster Gruppen- und Trustinteressen darstellt, deren Auftraggeber zemeist alles andere als Verant­wortung vor der Gemeinschaft erfüllt, die doch im Grunde nur als Vertreter ihrer ureigenen Interessen, nicht die Belange der Gesamtheit erkämpfen wollen und können.

Machen Sie Ernst, Herr von Hindenburg, mache« Sie sich und uns frei von der Interessenpolitik, seien Sie sich der ganzen Tragweite Ihrer Worte bewußt und handeln Sie.

Beauftragen Sie den einzigen Mann in Deutsch­land, der Ihren Worten in der Tat ganz genügt- Rufen Sie Adolf Hitler) Er, nur er allein wird frei von jeder Rücksicht handeln, er alleine kann nur helfen und im Besitz des sittlichen Wertes unserer Idee und unserer Bewegung mit überlegener Kraft ein nettes, starkes Deutschland zimmern-

Handeln Sie, Herr von Hindenburg)

Äettunssvervote auf Kosten See Steuerzahler

GeHaderrsrfatz an unsere HSresse

Dresden, 29. Oktober. Das Landgericht Dresden hat am Freitag eine Schadenersatzklage der national­sozialistischen Tageszeitung ,Der Freiheitskampf" ge­gen den Sächsischen Staat für begründet erklärt und das Land Sachsen zu 25 000 Mark Schadewrirsatz verurteilt.

Die Urteilsbegründung hebt hervor, daß das Verbot des Dresdener Polizeipräsidiums, das für vier Wochen gelten sollte, unbegründet war, weil eine Auf­forderung zu Gewalttätigkeiten nicht vorlag. Ger Polizeipräsident habe seine Sorgfaltspflicht fahrlässig verletzt)) „Das Verbot einer Zeitung", so sagt das Urteil, „ist eine sowohl politisch wie wirtschaftlich der­art einschneidende Maßnahme, daß den für das Verbot verantwortlichen Beamten eine ganz besondere Sorg­faltspflicht bei Prüfung der Voraussetzungen eines solchen Verbotes trifft".

Berlin, 29- Okt. Die Berliner nationalsozia­listische Tageszeitung „Der Angriff" war am 4. Fe­bruar dieses Jahres wegen eines am 3. Februar er­schienenen Artikels vom Berliner Polizeipräsidenten

Deut-Glanvs Zahlungen MGerttG gering'

Morgans Teilhaber Lamont macht in Frankreichs Auftrag Stimmung für deutsch-französische Reparationseinigung

Newhork, 29. Oktober. Der Morgan-Teilhaber Thomas Lamont. erklärt u- a. in seiner Besprechung des Schachtschen Buches „Das Ende der Reparatio­nen", die Franzosen seien das Volk, mit welchem sich Deutschland finanzielle wie politisch zu einigen ver­suchen müsse. Gedeih oder Verderb der deutschen Wirtschaft könnten von dieser Frage sehr wohl ab­hängen. Lamont fügt ferner hinzu, daß die deutschen Reparationszahlungen fast ausschließlich durch USA - Anleihen ermöglicht worden seien. Diese Politik könne unmöglich fortgesetzt werden. Die Lösung des Repara­tionsproblems müsse durch eine deutsch-französische Verständigung „auf eine reale Basis gestellt werden".

In diesem Zusammenhang kommt Lamont zu der erstaunlichen Bemerkung, daß die deutsche Zahlungs­fähigkeit eine Milliarde Mark jährlich betrage. Ganz im alten Young-Geist bemerkt Lamont, die von Deutsch­land zu nennende Summe dürfe „nicht so unver­nünftig gering" sein, daß sie von vornherein die Zu­rückweisung der Gläubegermächte verdiene". (!!)

Der Morgan-Partner betont weiter, Deutschland habe zwar das Recht unter dem Voung-Plan das Moratorium zu verkünden. Da aber ein solcher Zahlungsaufschub bereits bestehe, werde Deutschland besser nicht den im Young-Plan vorgesehenen Weg einschlagen, sondern so bald wie möglich an Frankreich herantreten, um eine direkte Einigung herbeizuführen Die USA.-Regierung werde jede vorgeschlagene Schul- denlösung „vorurteilslos prüfen".

auf die Dauer von vierzehn Tagen verboten worden. Die Beschwerde des Verlages ging erst am 11. Februar vom Polizeipräsidium an das preußische Ministerium des Innern und von da aus erst am 20- Februar, also vier Tage nach Ablauf der Verbotsdauer, an das Reichsgericht. Gas Reichsgericht hob am 23. Fe­bruar das Verbot als unbegründet auf. Darauf ver­klagte der Verlag den preußischen Fiskus, das preu­ßische Innenministerium und den Berliner Polizei­präsidenten auf Schadenersatz. Gas Landgericht I hat jetzt dieser Klage, die zunächst auf 1000 Mark bemessen wurde, stattgegeben und die beklagten Instanzen zur Vergütung der Schadenersatzansprüche an den Verlag Süsserot verurteilt. In der Begründung heißt es, ein derartig schwerwiegender Eingriff, wie das Verbot einer Zeitung, verpflichtet die staatlichen Organe, sich mit größter Beschleunigung der Behandlung der Be­schwerde zu widmsn. Das ergebe bereits die Tat­sache, daß nach jetzigem Gesetz Beschwerdeschriften auf ein Zeitungsverbot innerhalb von fünf Tagen dem Reichsgericht vorliegen müssen, um zu vermeiden, daß eine Beschwerde praktisch hinfällig werde

Hitler der General GtHleieher

Berlin, 29- Oktober. Zu einer Berliner Blätter­meldung über Besprechungen Hitlers mit dem Leiter des Ministeramtes im Reichswehrministerium, General von Schleicher, wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß tatsächlich zwei Unterredungen statt­gefunden haben. Diese dienten allein dem Zweck, an­gebliche Zersetzungsabsichten der Nationalsozialisten in der Reichswehr zu erörtern. Hitler habe dabei den Nachweis geführt, daß derartige Absichten in der NSDAP. nicht bestanden haben und auch nicht be­stehen, und er hat ausdrücklich versichert, daß er jeden aus der Partei ausschließen werde, der etwa derartige Tendenzen verfolge.

Calmette Kandidat für den Medizin-Nobelpreis?

Stockholm, 29- Oktober. Als Kandidaten für den Medizin-Nobelpreis werden u. a. Professor Bernhard Sondek-Berlin und Professor Albert Calmette der Direktor des Pasteur-Instituts in Paris genannt

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