Ausgabe 
(30.9.1931) Nr. 116
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

srnreipreis is Vfg.

>1ittxvock, ZO.iLeptember 19Z1 I^r. 116

AeLtirngsvervot Nr. SS

«erttner Auven fordern NrenfEtzenexvorl!

GeHupo und Kinder streiken in Berlin

Der Cemai hat zuriiekzutreten

Dtdenvurser NG Araktion Segen Notverordnnns

VttMLvUatümMMMiwZMlM-

parteiamtliches Organ öer Kremer NahonatsMalistea

Veriogsori Bremen Herausgeber: Kurt Thiele Verlag: Bremer Naiionaliozialisiische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Re­daktion: Bahnhofstraste 26 Sprechstunden der Redallion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878

Die BNZ erscheint jeden Werktagu kostet RM 1.90 srei Haus, durch die Post zuzüglich 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im Vor­aus zahlbar. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot, Aussperrung usw hat der Bezieher keinen Anspruch aus Rückzahlung des Bezugspreises

Anzeigenberechnung: hiesige die 10 gesp. Nonp.-Zeile NM 0,25, aus­wärts RM 0.30, im Tertteil die 5 gespaltene Tertzeile RM 1.— auswärts RM 1.26. Stellengesuche u. Familien-Anzeigen RM 0.10 Kleine Anzeigen RM 0,15. Plattvorschriften ohne Verbindlichkeit

Ein empörender Vorfall

2nal»on«»<Voz.Ireiey6tas6aiSgeordnete aus vern Zug geprügelt

Vrrand unv LavM fegen zu

Härmn, 29 Sept. Während des halbstündigen einer Person, die an das Abteilfenster trat, mit dem

Aufenthalts des Zuges, der den französischen Minister­präsidenten Laval und den französischen Außen­minister Briand von Berlin nach Paris wieder zurückführte, ereignete sich auf dem Bahnhof in Hamm ein empörender Borfall, der zweifellos durch die starken Absperrungsmatznahmen in Rücksicht auf die französischen Minister eine besondere Schärfe erhielt-

Die Nationalsozialistischen Reichstagsabgeördneten Fell er-Düsseldorf und Karl Kaufmann-Ham­burg saßen in dem auf dem anderen Gleis haltenden Hamburger Zug und interessierten sich, zum Fenster hinausschauend, für das ungewöhnliche Polizeiaufgebot, dessen Ursache nicht erkennbar war- Beide trugen Parteiabzeichen. Dabei wurden die Abgeordneten von

Wort „Filou" beschimpft. Feller verließ den Zug, um den Redner zur Rede zu stellen.

Hierauf wurden sie

von der Polizei mißhandelt und gewaltsam in den Zug gedrängt,

dann wieder aus dem Zuge herausgeholt und unter Mißhandlungen zur Polizeiwache abge­führt, wo man die Reichstagsabgeordneten von einem dreijährigen Kind, das unter ihrer Obhut zu den Groß- eltern fuhr, trennte.

Nach Feststellung der Personalien sind beide Ab­geordnete unter Begleitung von 20 Polizeibeamten wieder an den Zug gebracht worden.

Matte LVufkHe füe VesMa

„In Berlin keine französischen Interessen geopfert "

Paris, 30. Sept- Gas Hauptinteresse der Pariser Morgenblätter gehört immer noch der Reise Lavals und Briands nach Berlin. Dabei taucht immer wieder die Warnung vor übertriebenen Hoffnungen auf. Die Blätter wiederholen, daß über politische Fragen vor­läufig überhaupt nicht verhandelt werden könne.

Gas „Journal" verweist in diesem Zusammen­hang auf die Erklärung Lavals, in der ausdrücklich fest­gestellt sei, daß er in Berlin keine französischen Inter­essen geopfert habe- Das Blatt hebt weiter hervor, daß Laval in seiner Erklärung nicht ganz züfällig einen Zusammenhang zwischen der Berliner und der Washingtoner Reise hergestellt habe- Erst in Amerika würden die Verhandlungen äußerst heikel werden, weil dort bestimmt von den Reparationen und der Ab­rüstung gesprochen werde-

Die „Journee Industrielle" wendet sich gegen einen Teil der deutschen Presse, der schon jetzt politische Fragen mit Weltwirtschaftsfragen verquicke und von dem deutsch-französischen Ausschuß die sofortige Be­handlung der Vertragsrevision verlange. Minister­präsident Laval habe sich gerade über diesen Punkt klar und deutlich ausgesprochen, sodaß auch auf der anderen Seite des Rheines keinerlei Unklarheit darüber bestehen könne. Die „Volontee" zweifelt, ob der deutsch-fran­zösische Ausschuß den beiden Ländern wirkliche Vorteile bringen könne. Er werde sich sicherlich wie alle ande­ren Organisationen gleicher Art darauf beschränken^ seine Arbeiten nach der jeweiligen politischen Atmo­sphäre zu richten.

Der /Angriff"

nnf L Wochen verboten r

Berlin, 29. Zept. Auf Grund der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 28. März l93l ist wegen angeblicher Beschimpfung eines leitenden Beamten des Staates der „An­griff" mit Wirkung vom Dienstag auf die Dauer von drei Wochen verboten worden. Bei dem verbot handelt es sich um

einen Artikel vom Montag, den 28. September, der sich mit den Strafanträgen des Ztaatsanwaltschastsrates Dr. Stenig in dem Lchwurgerichtsprozeh beim Landgericht 3 gegen vier Mitglieder des Sturmes 33 der NSDAP. beschäftigte und in dem der Vertreter der Staatsanwaltschaft einer beleidigenden (!) Kritik unterzogen wurde.

VsrAMerZ?

Der Gberpräsident der Rheinprovinz hat die in Köln erscheinende nationalsozialistische Tageszeitung „westdeutscher Beobachter" einschließlich ihrer Kopsblätter auf Grund der zweiten Notverordnung des Reichspräsidenten aus die Dauer von zwei Wochen verboten.

Mnettritt des GenettS gefordert S

Hamburg, 29. Sept. Das nationalsozialistische „Hambur­ger Tageblatt" schreibt zu den Bürgerschaftswahlen u. a.:

„Die alte Koalition ist hoffnungslos in der Minderheit. Eine Mehrheit aus SPD. und KPD., die an sich möglich wäre, ist kaum zu erwarten. Was wir über die Bildung einer neuen Regierung zu sagen haben, hat keine Eile. Es entsteht nunmehr die Frage, wie sich das Ergebnis der Bürgerschafts­wahlen auf den Senat auswirkt. Im Artikel 36 wird be­stimmt, daß der Senat von dem vertrauen der Bürgerschaft abhängig ist und vom Amte zurückzutreten habe, wenn die Bürgerschaft ihm ihr vertrauen entzieht. Der Beschluß for­dert die Zustimmung der Mehrheit sämtlicher Abgeordneten und, sofern er nicht mit einer Mehrheit von zweidritteln der Anwesenden gefaßt ist, eine zweite Beratung und Abstim­mung frühestens nach sieben Tagen. Die Mehrheit für einen solchen Beschluß ist durch die Stimmen der Nationalsozialisten und veutschnationalen sowie durch die Kommunisten (87) ohne weiteres gegeben, wenn auch nicht eine Zweidrittel­mehrheit. Es bliebe dem Senat also nichts anderes übrig, als nach der zweiten Abstimmung zurückzutreten. Es steht ihnen zwar noch das Recht zu, einen Volksentscheid darüber herbeizuführen, ob er selbst zurückzutreten hat oder die Bür­gerschaft neu zu wählen ist. Ver Senat hat in seinem Wahl­aufruf von „Vernunft und Ruhe" gesprochen, und er wird ani besten tun, wenn er, einmal in die Minderheit gedrängt, nicht erst den sicheren Mißtrauensantrag abwarten würde, sondern sofort die Konsequenzen zöge. Lr hat daher zurückzutreten!

Ldiwmi! 6«sa»sN58lciic scr 5 v ä p sd 1 Mtvder L1/LL

ES stinkt ....

auch in der SPD- Von Dr. Kurt Brencken.

Der Freispruch aller Redakteure, die der „Deut­schen Friediensgesellschaft" eine sehr innige Berüh­rung mit tschechischen, polnischen und französischen; Bestechungsgeld^n nachgesagt hatten, ist im nationalen Lager mit Recht als das moralische Todesurteil der sogenannten „deutschen" Friedensbewegung bezeichnet und gewertet worden. Wenn in der Urteilsbegründung sich der Vorsitzende des Gerichts das Wort eines Zeugen zu eigen machte: „Es stinkt im pazi­fistischen Lage r", so gab er damit nur einer Ueber­zeugung Ausdruck, die schon seit Jahr und Tag Ge­meingut aller Dentschbewußten ist. Ein Eingehen auf die allgemein bekannten Einzelheiten dieses Sensations­prozesses, dessen Verlauf jeden deutschen Staatsbürger entrüsten, ihm die Schamröte ins Gesicht ( treibest mußte, erübrigt sich an dieser Stelle. Wir sind ieden- salls der Ansicht, daß noch manche schmutzige Wäsche der landesverräterischen Friedensapostel Mit dem Mantel einer hier kaum wohl zweckmäßigen Nächsten­liebe zugedeckt worden ist und „Das andere Deutschland" sowie die ebenfalls schwer kompro­mittierte „Liga für Menschenrechte" noch man­ches auf ihrem keineswegs unbeschwerten Gewissen haben, was eine Durchleuchtung zu scheuen hat.

Interessant ist vor allem, daß die Sozialdemo- kratie, deren landesverräterische Wühlarbeit während der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht oft und deutlich genug angeprangert werden kann, es jetzt für geboten hält, von den bestochenen Pazifisten mit- gut gespielter Entrüstung abzurücken. Sage mir, mit wem Du um­gehst. und ich werde Dir sagen, wer Du bist." Der plötzliche Eifer der Marxisten, das nickst ganz blüten- weiße Tuch zwischen sich und den pazifistischen Silber- lingraffern zu durchschneiden, muß selbst dem unbe­fangensten Beurteiler der jüngsten Vorgänge höchst verdächtig erscheinen. Wann endlich aber wird das ganze hoch- und landesverräterische Werk der Sozial- demokratie, die der Nobelpreisträger Thomas Mann vor einiger Zeit im „Berliner Tageblatt" -als die nationalste, weil staatserhaltende Vartei Deutschlands bezeichnete, des Reichsbanners (Auslandsgelder zur Wahlprovaqanda geaen Hindenburg) und jener für fremde Gelder käuflichen Pazifistenbrut schonungslos in seiner ganzen Erbärmlichkeit vor den Augen des sehend gewordenen deutschen Volkes entlarvt werden? Wann kommt dieser Tag der Generalabrechnung, vor dem sich alle inneren Feinde des Reiches so grenzenlos fürchten wie vor den Posaunen des jüngsten Gerichts?

Ein Wort des Grafen Brockdorff-Rantzau, ein mannhaftes Wort, gesprochen unmittelbar im An­schluß an die Annahme der feindlichen Frieldensbe- dingungen durch die „Regierung der Deutschen Repu­blik", drängt sich in diesem Zusammenhang hervor: >„Ich habe als Minister die Konsequenzen gezogen; aber ich habe d^en Glauben an das deutsche Volk nicht verloren. Es braucht Führer! Ich vertraue darauf, daß es uns einst beschieden sein wird, nicht nur dem äußeren Feinde standzuhalten..... sondern auch den inneren niederzuringen."

Wer aber war damals und ist noch heute dieser „innere" Feind? - „Ger Feind steht rechts", lautete vor Jahr und Tag jene verhängnisvolle Erklärung des heutigen Reichsinnenministers Dr. Wirth, die dem Ansehen des wahrhaft nationalen Deutschlands mehr geschadet hat als manche diplomatische Schlappe der deutschen Außenpolitik nach dem Kriege.- Als vor etwas mehr als zehn Jahren Matthias Erzberger den Kugeln einiger von nationalen Instinkten irregeleiteten deutschen Hände erlag, feierte ihn an seinem Grabe das Zentrum als den „Staatsmann von gigantischer Größe", den „Retter der deutschen Einheit" und den „unvergleichlichen Patrioten". Reichspräsident Ebert

X