Ausgabe 
(29.9.1931) Nr. 115
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Verlagsort Bremen Herausgeber: Kurt Thiele Verlag: Bremer Nationali ozialisliiche Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Re­daktion: Vahnhofstrahe 26. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 26878

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Deutschlands Ausverkauf

VeryangnrSvoNe Fehler ver RetSHS Aesterans Der Sieger Lava!

In einer Pressebesprechung hat der französische Ministerpräsident eine zwischen der Reichsregierung und der französischen Regierung

vereinbarte offizielle Mitteilung

verlesen, in der die Einsetzung einer deutsch-franzö­sischen Kommission bekanntgegeben wird, die in meh­rere Unterkommissionen gegliedert werden soll. Die Kommission hat die Aufgabe, wie es offiziell heißt, die deutsch-französische „wirtschaftliche Zusammenarbeit" einzuleiten.

Es ist nicht anzunehmen, daß in den Besprechun­gen eine vollständlige Klärung erreicht wird, denn. man hat das Gespräch stets abgebrochen, wenn man auf die kritischen Fragen der Reparationen und der Abrüstung kam.

Es ist bezeichnend, daß man auf deutscher Seite erklärt, daß von dem sogenannten Stillhalteabkommen für die kurzfristigen Kredite nicht die Rede gewesen sei, während von französischer Seite verlautet, daß eine Verlängerung der kurzfristigen Kredite oder eine all­mähliche Umwandlung in langfristige Kredite mit billigeren Zinsen in Aussicht genommen sei, aber nur gegen

gewisse politische Zugeständnisse Deutschlands.

Die wirkliche Absicht des französischen Minister­präsidenten ist es, die Reparationsfrage und ' das Problem der sogenannten wirtschaftlichen Zusammen­arbeit in der Form zusammenzubringen, daß Deutsch­land sich bereiterklären soll, zugunsten der Tribute wieder größere Sachlieferungen nach Frankreich aufzu­nehmen.

Wohin die Verhandlungen der deutsch-franzö-, fischen Wirtschaft laufen sollen, ergibt sich ohne weiteres aus der Mitteilung, daß man sich besonders über die Zusammenarbeit in der chemischen und Elektroindustrie unterhalten habe, und aus der Tatsache, daß zu der französischen Delegation auch der Präsident der Pa­riser Handelskammer, Paul Bouisson, gehört, der der Führer der französischen chemischen Industrie ist. Er hat schon zur Zeit des Gawes-Planes 'stets den Ge­danken vertreten, daß Deutschland an Frankreich seine Tribute mit einigen chemischen Erzeugnissen, besonders der Farbenindustrie, bezahlen soll, in denen Frankreich nicht konkurrenzfähig ist und die Frankreich gern von Deutschland außerhalb der freien Wirtschaftskonkurrenz haben möchte.

Der französische Ministerpräsident hat die Absicht, neben einer allgemeinen Betönung des Verständigungs­willens mit Deutschland zu wirtschaftlichen Verein­barungen zu kommen, dist die deutsche Industrie in späterer Zeit daran hindern soll, gegen einen neuen Reparationsplan Stellung zu nehmen und vor allem die sicher auftretende französische Forderung einer abermaligen Garantie des Diktats von Versailles und der deutschen Ostgrenze abzulehnen.

Handlanger

des pariser ÄnrperialiSmuS

Paris, 28. Sept. Die würdelose und krie­cherische Art, wie sich das Berliner Reichsbanner und seine Gesinnungsfreunde vor den französischen Ministern auf d*e Knie. geworfen haben, hat die deutschen politischen Kreise in Paris, und zwar nicht

nur der der Rechten nahestehenden, sondern auch die Diplomaten, auf das peinlichste überrascht. Es ist selbstverständlich, daß der Berliner Empfang durch seine Rückwirkung auf die französische Psyche unsere Politik in den nächsten Monaten empfindlich stören wird.

Es ist unvermeidlich, daß -ist gesamte franzö­sische Bevölkerung ohne Unterschied der Partei zu der Auffassung kommen muß, daß die Politik der letzten Jahre, das ruhige Festhalten, wie man hier zu sagen pflegt, das Richtige gewesen ist. Die Illusionen der Locarno-Episoden haben neue Nahrung erhalten. Deutschland wird sich schon mit Versailles, franzö­sischer Hegstmonie und Tributpolitik abfinden. Schchi die wenigen Kommentare, die der Empfang und der erste Tag der Berliner Besprechungen gefunden haben, zeigen, wohin die Reise geht.

GrnHssttlM ver HinSenvrrrs

Berlin, 29. Sept. Briaud und Laval wurden gestern morgen beim Reichspräsidenten empfangen. Staatssekretär Dr. Meißner geleitete die Gäste ins Haus. Nach einer Vorstellung durch den französischen Botschafter wurden sie in das Arbeitszimmer des Reichspräsidenten geleitet. Ueber den Inhalt der Be­sprechung wurde kein Bericht ausgegeben.

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Berlin, 29. Sept. Ministerpräsident Laval und Außenminister Briand haben nach zweitägigem Aufent­halt in der deutschen Reichshauptstadt am Dienstag früh Berlin wieder verlassen.

Die Abfahrt vom Hotel Ablösn erfolgte gegen 7.30 Uhr. Unter den Linden und in den zum Bahnhof Friedrichstraße führenden Straßen hatten sich mehrere hundert Zuschauer eingefunden, die die abreisenden französischen Minister höflich begrüßten. Vereinzelt wurden wieder Rufe: „Es lebe der Friede", ausge­bracht. Vor dem Bahnhof Friedrichstraße stand eine größere Zuschauermenge. Die polizeilichen Absper­rungsmaßnahmen waren wieder sehr umfangreich,. Polizeipräsident Grzesinski und Polizeioberst Hei­ln aunsv er g leiteten persönlich die Absperrungs­maßnahmen.

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Breslau, 29. Sept. Der erweiterte Parteivorstand der Breslauer Sozialdemokratie, der aus den 130 lei­tenden Funktionären der Parteiorganisation Groß- Breslau besteht, hat in einer Montagabend abgehal­tenen Sitzung eine Entschließung zur politischen Lage gefaßt, in der festgestellt wird, daß die von der Sozial­demokratie betriebene Politik der Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien versagt habe, und daß dstr Druck auf die deutsche Arbeiterklasse in steigendem Maße gewachsen sei. Die Entschließung nimmt ferner zu den Hamburger Wahlen mit der Bemerkung Stel­lung, sie beweisen, daß die Tolerierungspolitik der SPD. der Partei schweren Schaden zufüge- Sie for­dert aus all den Gründen nach wie vor eine Kurs­änderung und schließt mit der Erklärung, <dsaß die Breslauer Sozialdemokratie denen folgen werde, d>ie die deutsche Arbeiterklasse auf diesen Wegen zu führen gewillt sind

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Unter der Ueberschrift „haltet den Dieb" mußten wir schon einmal den Marxisten den Spiegel vor die Fratze halten- was wir aber am Sonntag erlebten, schlägt dem Faß den Loden aus.

Da erhalten wir eine Sonderausgabe der Bremer Zeitung des jüdischen Volkes, genannt „Volkszeitung", die gleichzeitig mit einer unvergleichlichen Eleganz sich betitelt: „Bremer Arbeiterzeitung" — „Bremer Volksblatt" „Bremer Bürger- zeitung", das Grgan der sozialdemokratischen Partei und freien Gewerkschaften. Das letztere mag stimmen, was darüber steht kennzeichnet den Inhalt, nämlich: Betrug.

Es ist weder eine Arbeiterzeitung noch «in Volksblatt, geschweige denn eine Bürgerzeitung, es sei denn, daß vietz, Karkmeyer, Wenhold Mitarbeiter sind und deshalb diesem Lügenblatt unberechtigterweise auch das Prädikat „Bürger­zeitung" verliehen haben, was sich, wie man annehmen darf, die Bremer Bürger sehr verbitten.

Was diese Sonderausgabe die natürlich gratis in alle Häuser geworfen wurde — an Heuchelei, Lüge und Gemeinheit bringt, bedeutet wirklich eine Verhöhnung der Bremer Bevölkerung. Als Erklärung kann uns nur das eine dienen, daß es wirklich nun auch dem Gentleman-Arbeiter Faust an den Geldbeutel geht, nämlich, daß diese Zeitung zu diesen Mitteln greifen muß, um überhaupt noch Abonnen­ten unter den Dummen der Dümmsten zu angeln. Bisher konnte er ja auch in seinen Kreisen die peitsche schwingen, Bonzen einsetzen und absetzen, kritisieren mit und ohne Berechtigung, wobei er besonders sich der Fähigkeit rühmte, der beste Jongleur, haarscharf an der Grenze des Staats- anwaltes, zu sein.

Gb er selbst mit zu Rate gezogen wurde, wenn, wie es gerüchtweise verlautet, Gericht und Polizei bei wichtigen Strasfällen immer erst bei dem Herrn Bürgermeister vr. Donandt anfragten» ob eine Strafverfolgung genehm sei, ist schwer zu sagen. Seine Macht bestand in seiner Gemeinheit. Nicht seine Leistungen errangen seiner Zeitung Abonnenten und Inserenten, sondern die Furcht vor seiner Feder.

Es scheint, als ob dieses Mittel nicht mehr ziehen wollte, da er so schweres Geschütz auffährt, wie in seiner Sonder­ausgabe. Es geht um seine fetten Pfründe, da versteht er keinen Spaß, da trampelt er auf seine alten Freunde, die langjährigen Regierungskumpane. Genug, Faust kommt es, wenn es um ihn selbst geht, nicht darauf an, seinen eigenen roten Genossen in den Rücken zu fallen,. Nur unser Gerechtigkeitsgefühl veranlaßt uns, zu diesem Er­guß des Vietz-Karkmeyer-Genossen Faust Stellung zu nehmen.

Eine Zwischenfrage schnell an Herrn Studienrat Professor Dr. Dietz: „Mas sagen Sie zu diesem Blättchen?" Oder sollte Ihnen einer Ihrer treuen Freunde dasselbe nicht so in die Hand gedrückt haben, wie man Ihnen unsere Nazizeitung in die Hand gedrückt hat, wenn es sich darum handelte, sich wenigstens in der Welt als „Bürger" zu zeigen? Studieren Sie doch dieses Blättchen einmal! Es dürfte Ihnen sicher­lich nicht unbekannt sein, daß es geschrieben wurde von Ihren loyalen Freunden, denen nahezutreten Sie oft uns gegen­über mit dem Brustton der Entrüstung ablehnten.

Fällt Ihnen nicht auch auf, Herr vietz, daß in diesem Blättchen Ihre Partei und Ihr ungekrönter König in ge­meinster Weise angegriffen wird, nach Ihren eigenen Aeuße­rungen, Herr Professor vietz, aber mit diesem ballonbekappten König eng verfilzten: Mitarbeiter gänzlich unerwähnt ge­lassen wird?

Im einzelnen auf die widerlichen Ergüsse der marxistischen Sonderausgabe einzugehen müssen wir uns enthalten, denn es stört uns nicht, wenn recht viele Bremer dieses Blättchen lesen, das mit denen abrechnet, die uns in Bremen so un­endlich viel Unheil gebracht haben. Wozu uns unser Ge­rechtigkeitsgefühl aber zwingt, das ist mit Empörung die Unterstellung dieses Elsässer halbfranzosen hinzunehmen, daß die Deutsche Volkspartei die Alleinschuldige an all diesen unseligen Ereignissen in Bremen ist.

Morgen spricht Kttttvane, M. d. R.

rn der Huekelriede über