Ausgabe 
(26.9.1931) Nr. 113
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parteiamtliches Organ der tzremer üatioaalsoZialistea

Verlagsorl Bremen Herausgeber: Flurt Thiele Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Re­daktion: Bahnhosstratze 26. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878

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Vrttning findet kerne Lösung

Kommune fihlagt tn Hatte vte Volizei tn d»e Fluryt

Berlin, 26. Sept. Das Kabinett Brüning kommt mit seinem sogenannten Wirtschaftsprogramm nicht voran. Jetzt endlich hat man die Vorarbeiten für die neue Notverordnung soweit zu fördern vermocht, daß man in die Generaldebatte der zu ergreifenden Maßnahmen eintreten konnte. Dabei aber hat sich herausgestellt, daß über die Einzelheiten der neuen Verordnung auch jetzt noch die Meinungen völlig aus- einandergehen. Von dem mit soviel Reklame ange­kündigten Wirtschaftsprogramm ist überhaupt nichts übrig geblieben, denn schließlich kann man den Umbau der Hauszinssteuer und ihre Ersetzung durch Ane Erhöhung der Umsatzsteuer nicht als ein epochales Programm ansehen, wie vor wenigen Wochen ange­kündigt wurde, — zur Wiederbelebung der Wirtschaft unter Verzicht auf Auslandskredite und die Wieder­eingliederung eines Teiles der Arbeitslosenarmee in den Produktionsprozeß! Von alledem ist jetzt keine Rede mehr!

Es ist erschütternd, zu beobachten, wie dieses Kabinett, das sich selbst diktatorische Vollmachten ver­liehen hat, die Zeit und alle Möglichkeiten völlig un­genützt verstreichen läßt, während die Arbeitslosenzahl immer bedrohlicher anwächst. Nach wochenlangen Be­ratungen werden dann Notverordnungen über Banken- aufsicht und Aktienrechtsreform herausgeben, die ein junger Regierungsrat ebenso gut in kürzester Frist zu­sammenstellen könnte, durch deren Erlaß aber nicht das geringste zur Verhinderung der herannahenden Kata­strophe erreicht wird.

Genau so ist es jetzt mit der neu bevorstehendes Verordnung. Da zankt man sich mit den Ländern über die Zweckmäßigkeit der Einrichtung von Son­der- oder Standgerichten, da erwägt man die Ver­längerung des Etatsjahres um ein Viertel Jahr, also bis zum 30. Juni 1932, . um durch solch eine Maß­nahme den Reichstag wieder auf 6 Monate zwangs­weise beurlauben zu können.

Da überlegt man, wie man die Bezüge der Ar­beitslosen Weiter herabsetzen kann, anstatt Maßnahmen zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit entschlossen ins Auge zu fassen.

Man ist sich jetzt auch noch nicht klar darüber^ob die Krisen- und Wohlfahrtsfürsorge wirklich zusam­mengelegt werden sollen, wie dies von verschiedenen Seiten gefordert worden ist, oder ob nicht Ersparungen auf anderem Wege, also durch eine neuerliche Her­absetzung -er Bezüge der Erwerbslosen erreicht werden können, wobei man jetzt insbesondere an die ledigen Erwerbslosen denkt!

Und dann kommt die ..Hauptfrage" der Herab­setzung der Hauszinssteuer. Aber auch hier gehen die Ansichten wild durcheinander. Gewiß, gesenkt soll die Steuer werden, aber um wieviel Prozent? Man spricht jetzt von 25 v. H., das heißt von 46 auf 34,50 Prozent. Das könnte ein'e Mietenherabsetzung um etwa 11 Prozent bedeuten, also eine erste wirklich (sichtbare Maßnahmie, das Preisniveau an das durch Notver­ordnungen verringerte Einkommensniveau anzu­gleichen. Aber Oweh, über die Verwendung dieser Summe bestehen soviel Ansichten wie Köpfe im Ka­binett. Da sollen sich Mieter und Vermieter die 11 Prozent teilen, so daß eine fühlbare Mietsenkung illusorisch gemacht würde. Da sollen die Vermieter allein in den Genuß der Gelder kommen und endlich überlegt man, die Neubaumieten durch diese Gelder an die Altmieten anzugleichen, so daß die Mieter von Altwohnungen gänzlich unberücksichtigt werden.

Und selbst wenn man sich auf eine noch so geringe

Senkung aller Mieten einigen würde,, so ergibt die Rechnung, daß die amtlichen Finanzen durch hiefk Herabsetzung der Hauszinssteuer 350 Millionen ein­büßen. Natürlich kann man diese Summe nicht ent­behren und so muß man eine Steuerhellabsetzun^ durch eine andere Erhöhung ausgleichen, wobei man an die Umsatzsteuer denkt.

Hierdurch würde natürlich das Preisniveau erneut gesteigert werden und das ganze nennt man dann Senkung der Preise, oder noch hochtrabender, Wirt-

schaftspr>ogramm! Dabei drohen von der englischen Pfundentwertung unermeßliche Rückwirkungen auf die Reste der deutschen Wirtschaft, soweit sie noch arbeitet!. Mit diesen Gefahren aber hat sich das Kabinett bisher überhaupt üoch nicht beschäftigt, da man vielzusehr mit den obigen Problemen beschäftigt ist. Bis Anfang Oktober hofft man dann eine Einigung über all diese Fragen erzielt zu haben, so daß die deutsche Öffent­lichkeit mit einer neuen — Verordnung beglückt werden kann! Und da wage noch jemand zu zweifeln, daß.<. -

2M« Lastwagen gegen Polizei

Halle, 26. Sept. Zu schweren Zusammenstüßein zwischen Polizei und Kommunisten kam es am Frei­tagabend vor dem Gebäude des Allgemeinen Kon­sumvereins in Halle. Der Allgemeine Konsumverein, der sich seit langem ausschließlich in kommunistischen Händen befindet, ist durch Mißwirtschaft an den Rand des Ruins gekommen. Ein Teil seines Grundbesitzes mußte bereits versteigert werden. Die Schulden gehen bereits in die Hunderttausende. Neben rund 25000 Reichsmark Sozialbeiträgen sind auch die Gas- und Wasserrechnungen seit langem nicht an die Städtischen Werke bezahlt worden. Am Freitagabend sollten im tzauptverwaltungsgebäude des Allgemeinen Konsum­vereins die Gas- und Wasseranschlüsse abgeschnitten werden. Als die Vollzugsbeamten mit starker polizei­licher Begleitung in der Landsbergerstraße, in der sich das Hauptverwaltungsgebäude des Allgemeinen Kon­sumvereins befindet, ankamen, wurden sie v!on mehreren hundert Kommunisten mit einem Bombardement von Steinen, Bierflaschen, Holzknüppeln usw. empfangen. Die Polizei ging mit Gummiknüppeln und Schreck­schüssen vor. Mehrere Beamte wurden verletzt- Im Hof des Allgemeinen Konsumvereins kam es zu einem Handgemenge. Ein Kraftfahrer des Allgemeinen Kon­sumvereins griff mit seinem Lastwagen die Beamten an und versuchte, sie mit dem Wagen an die Wand zu drücken. Ein Polizist sprang im letzten Augenblick auf das Auto, setzte dem Führer die Pistole an dien Kopf und, konnte so ein Halten des Wagens erzwingen. Die Polizei verhaftete zahlreiche Personen, die aber von ihren Genossen befreit wurden. Die Beamten mußten schließlich das Feld räumen.

Hitler verbietet

Uundqebungen gegen den französischen Mnitterbesuch. München, 25. Sept. vie Reichsleitung der NSVRP. ver­öffentlicht folgenden Rufruf:

i. Es ist der Reichsleitung zur Kenntnis gekommen, daß beabsichtigt sein soll, auf den Bahnhöfen, die der Zug durchsährt, sowie auf dem Ankunftsbahnhof den die französischen Vertreter erreichen werden, Kund­gebungen zu veranstalten. Es soll dadurch der fran­zösischen Regierung -er Vvrwand gegeben werden« ihre bekannten politischen Forderungen, welche sich in erster Linke gegen die NSDAP. richten, neuerdings

zu stellen, wobei gleichzeitig der Berliner Regierung die Annahme derselben erleichtert werde. Die Reichs- leitung verbietet daher allen Parteigenossen die Teil­nähme an irgendwelchen etwaigen Kundgebungen ge­gen die französischen , Minister. Von deren An­wesenheit ist keinerlei Notiz zu nehmen. Parteige­nossen, welche dagegen verstoßen, schließen sich von selbst wegen parteischädigenden Verhaltens aus der NSDAP. aus".

Meuer Worvverssrey in Derttn

Berlin, 25. Sept. Gegen Mitternacht wurde an der Ostender Straße der der NSDAP. angehörende 19jährige Kaufmann Friedrich Meier von etwa acht Kommunisten überfallen. Meier erhielt mehrere Schuß­verletzungen, so daß er dem Krankenhaus zugeführt werden mußte. Trotz sofortiger Verfolgung der Täter konnten diese nicht ermittelt werden.

MHedergarkg vet der Äentrurnsvrefte

Berlin, 25. Sept. Die allgemeine Finanzpleite macht sich in immer verstärktem Ausmaß auch bei den Presseerzeugnisfen der Regierungsparteien bemerkbar, wobA es auffällig ist, -aß auch die Zentrumspresse hiervon nicht verschont bleibt, obwohl diesen doch im­merhin nicht geringe Finanzierungs- und Kreditmög­lichkeiten offen stehen, wobei hingewiesen sei u. a. auf die großen Geldquellen der katholischen Kirche. Es muß dieser Niedergang also nicht zuletzt darin be­gründet sein, daß allmählich auch die Zentrumswähler­schaft hellhörig für die infam!en Machenschaften dieser Partei geworden ist, geht doch gerade in katholischen Kreisen das Wort um: „Das Zentrum ist wie ein westfälischer Schinken, von außen schwarz und von innen rot."

Mit der Einschränkung der „Germania" aus ein einmaliges Erscheinen pro Tag verfügt das Zentrum in Zukunft nur noch über eine Tageszeitung in Deutschland, die mehrmals täglich erscheinen kann und zwar handelt es sich hierbei um die „Kölnische Zei­tung". Gleichzeitig wird bekannt, daß zwei ange­sehene Zentrumszeitschriften, der im 67. Jahrgang be­stehende Literarische Handweiser und die im 19. Jahr­gang herauskommende Zeitschrift „Die Bergstadt" ihr Erscheinen ebenfalls einstellen müssen.

Jeder Bremer

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Die Redaktion steht Parteifreunden zur Auskunft über das Hamburger Wahlergebnis am Sonntag Abend

telephonisch zur Verfügung