Ausgabe 
(25.9.1931) Nr. 112
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Hitler und Görrng in Hamvurg

P^e»M6reg»erung verweigert Antwort anf unser Vrotest Tetegrainm Drei UverfuMe SItassenversannnIungen

Hamburg, 25. Sept. Die NSDAP. hielt am Donnerstagabend in Hamburg drei große Wahlver­sammlungen ab, die sämtlich stark überfüllt waren. In allen drei Versammlungen sprach als Hauptredner der Führer der NSDAP., Adolf Hitler. Bei Sagebiel sprach, als erster Redner Hauptmann Goering, der u. a. ausführte: Deutschland stehe heute bereits mitten im Zusammenbruch. Mit den Notverordnungen sei nichts mehr zu retten; durch sie werde einzig und allein die Not der Reichsregierung gekennzeichnet. Deutsch­lands Schicksal sei entweder der Sowjetstern oder das Hakenkreuz. Siege der erstere, so werde Deutschland in einem Meer von Blut untergehen; im anderen Falle werde Deutschland in Ehren und Freiheit weiter- besteheln.

Sodann nahm Adolf Hitler das Wort. Er führte u. a. aus:

Gehe die Entwicklung weiter wie jetzt, so werde man bald erleben, daß die meisten Staaten sich ein, eigenes Wirtschaftsleben ausbauten. Dazu würden in erster Linie Länder wie Frankreich, (England und Rußland imstande sein, Länder, die sich unabhängig machen könnten. Dieser Aufbau werde Deutschland aber am schwersten treffen müssen, weil innerhalb seiner Grenzen 55 Millionen Menschen zusammen­gepfercht seien, die sich nicht selbst ernähren können^ Für Deutschland gibt es zwei Möglichkeiten: Ent­

weder, wir brechen die Tore im Osten und schaffen uns einen neuen Binnenmarkt, oder wir versuchen, un­serem Handel im Export nach Westen Weltfreiheit zu geben. Das sei aber nur zu erreichen

d urch die nationale Kraft der ganzen Nation.

cZLKLAKOZ't GSNSVeßDENL

Berlin, 24. Seht. Das Telegramm, das der Füh­rer der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion an den Reichskanzler gerichtet hat und in dem die Auf­merksamkeit der Reichsregierung darauf gelenkt wird, daß Mordtaten bewaffneter Marxisten gegen wehrlose Nationalsozialisten sich erschreckend häufen, wird an zuständiger Reichsstelle als so unsachlich bezeichnet, daß eine Antwort nicht möglich sei. Die Reichsregierung habe bereits in der vorigen Woche Mitteilung von der Einsetzung von Sondergerichten gemacht, deren Auf­gabe es sei, Terrorakte abzuurteilen. Das Telegramm der Nationalsozialisten sei von seinen NrhebeiP offen­bar nur als Propaganda-Maßnsahme gedacht gewesen-

Die Journaille nimmt diese angebliche Stellung­nahme der verantwortlichen Stellen selbstverständlich zum Anlaß, um erneut in der übelsten Weise über die Nationalsozialisten herzufallen und zwar in derart gehässiger Form, daß man sich des Eindruckes nicht erwehren kann, daß die Iudenpresse mit allen Mitteln versucht, die Nationalsozialisten zu Unbesonnenheiten! hinzureißen, um damit einen Vorwand zu haben, neue Verbote und neue Terrorakte fordern zu können.

Es ist heute keine Zeit Anstandsunterrrilcht zu erteilen, es ist aber höchste Zeit, einmal die Dinge beim richtigen Namen zu nennen und mit harter Faust ohne jede Zimperlichkeit dafür zu sorgen, daß in Deutschland die Sicherheit des Staatsbürgers wieder gewährleistet wird.

Mit Verlautbarungen, in denen man es ängst­lich vermeidet, dem Uebel an die Wurzel zu ge^en, hilft man sicherlich nicht die Beruhigung der Be­völkerung zu fördern.

Stztze der Reichskanzler aber anstatt dessen Soziat- demokratie, Zentrum, Demokratie und Pazifismus ein. so sei damit nichts mehr zu retten.

Wenn Deutschland heute unterliege, so verliere ein König von Preußen nicht seine Krone, sondern Millionen von Menschjen ihr tägliches Brot. Die Männer des heutigen Systems kennten nur einen Ge­danken: Schutz der Republik. Aber heute sei nicht ein System, sondern ein ganzes Volk in Gefahr.

Es handele sich nicht um die Frage, ob Deutsch­land heute Republik oder Monarchie sei, sondern um das Schicksal des ganzen deutschen Volkes.

Kein Volk könne auf dfe Dauer zwei Staaten m sich tragen, einen Staat, der arbeiten müsse, um leben zu können, und einen Staat, der betteln gehen müsse, um nicht zu verhungern.

Heute richte das Finanzkapital erst die Wirt­schaft zugrunde und dann sich selbst. Jetzt erlebe es die ganze Welt, daß es so wie bisher nicht mehr weiter­gehe. Wenn heute auch andere Staaten zusammen­brächen, so werde Deutschland einen Vorteil davon nicht haben, denn die ausländischen Staaten würden Zollschutzmauern errichten, wozu Deutschland aber nicht in der Lage sei.

Hitler erklärte sodann, daß es für Deutschland nur zwei Möglichkeiten gebe: entweder es werde kom­munistisch, dann werde eine Katastrophe hereinbrechen, die Deutschland nicht so überstehen dürfte, wie Ruß­land, oder aber der Nationalsozialismus setze sich durch und verschaffe Deutschland wieder Weltgeltung^.

Cnslanv KeKen sxanzSMeHe Kredite

London, 24. Sept. Auf eine Anfrage im Unter­haus, wie der Schatzkanzler über die Bereitwilligkeit Frankreichs denke, England Geld leihen zu wollen, erklärte Snowden, daß die englische Regierung den Wunsch der französischen Regierung, alles zu tun, um die englische Währung zu stützen, warm aner­kenne. Die Umstände seien jedoch nicht so, daß es für die englische Regierung von Vorteil sei, weitere französische Kredite aufzunehmen.

«espreiyiins VrüningCurtiuÄ

Berlin, 24. Sept. Die Besprechung zwischen dem Reichskanzler Dr. Brüning und dem Reichsaußenmi- minister über die mit dem Verlauf der Genfer Tagung zusammenhängenden Fragen ist auf Freitag vormittag verschoben worden.

Die Rrveitsiosiskeit in Cngknnd

Die Zahl der Arbeitslosen in England ist in der >. Septemberwoche um 38 000 Personen gestiegen und betrug am 7. September 2 800000 Köpfe. Auf dem Weg, den England mit Verringerung der Beamten- usw. Einkommen und Erhöhung der Steuern nach deutschem Muster zu gehen sich anschickt, wird Eng­land die ArbeitslosigAck nur immer weiter steigern. Das Problem heißt, den Konsum im Jnnland so zu mehren, nicht ihn in immer stärkerem Grade zu ver­ringern. Ohne Loslösung vom Goldwährungssystem wird das bei der nun einmal als Folge der unsinnigen Kriegstribute eingetretenen ungesunden Goldverteilung auf der Erde, weder da noch dort gehen.

SHineMWe INasseN -

oSeN Murarkre

Im Rahmen des Gedankens der nationalen Selbsthilfe ist in den letzten Wochen wiederholt die Forderung nach Autarkie aufgetaucht. Sogar ein Allsteinblatt fühlt sich bemüßigt festzustellen, daß das Schlagwort Autarkie „modern" sei. Aber schon diese Auffassung zeigt, wie man bei Allstem gewillt ist, das wirtschaftliche und Politische Problem einer nach Selbst­genügsamkeit strebenden Nationalwirtschaft zu "be­handeln: Autarkie ist Mode nach Allstein, Mode, wie einstmals lila Strümpfe.

Der Reichskanzler Dr. Brüning machte es sich nicht so einfach. Er bemühte den Rundfunk und führte nach der Versicherung; daß die Regierung sich nicht von einem .„überstürzten Nationalismus" werde leiten lassen" zur Frage der Autarkie folgendes aus:

„Keiner kann von der internationalen Jnteressen- verflochtenheit aller Länder überzeugter sein, als die Reichsregierung.

Es ist ausgeschlossen, daß wir Deutschland mit einer chinesischen Mauer umgeben können, innerhalb deren das deutsche Volk unter Befriedigung seiner eige­nen Bedürfnisse ausschließlich eigenem Handel und Wandel nachgehen könnte. Deutschlands Wirtschaft ist und bleibt auf enge handelspolitische Zusammen­arbeit mit dem Auslande angewiesen."

Dr. Brüning glaubt mit diesen Worten sämtliche Autarkiegelüste zu töten. — Was aber. so erlauben wir uns zu fragen, was aber hat die chinesische Mauer mit der Forderung- der nationalen Autarkie zu tun?

Ger Nationalsozialismus ist es gewohnt, daß alle seine politischen Forderungen eine falsche Auslegung erfahren. Ger ganze Kampf der Linken stützt sich auf dies System: Man zieht gegen den Nationalsozia­lismus zu Felde, indem man ihn mit dem Faschis­mus gleichsetzt. And so ist es auch mit der Forderung der Autarkie. Man bekämvit sie, indem man sie falsch auslegt und von der chinesischen Mauer spricht.

Nationale Autarkie bedeutet niemals einen ..ge­schlossenen Handelsstaat" im Fickteschen Sinne, keine Volkswirtschaft, in der jeder Außenhandel verboten sein soll. Ein geschlossener Handelsstaat ist sschon deshalb unmöalich, weil wir eine ganze Reihe unbe­dingt notwendiger Rohstoffe einführen müssen. Es seien nur Kupfer. Eisenerze. Kautschuk. Baumwolle aenannt. Einer Einfuhr muß aber in einer gesunden Volkswirtschaft eine Ausfuhr in derselben Höhe ge­genüber stehen, die die Bindungen an dem Weltmarkt noch verstärkt. In gesunden Zeiten wird man weiter auf die Einfuhr von einer ganzen Menge von Waren nicht verzichten wollek. z. B. Tee, Kakao. Oel- früchte. Bei dielen Posten sind allerdings (gerade heute starke Einschränkungen angebracht. Die Tat­sache aber, daß Beziehungen mm Weltmarkt bestehen und bestehen müssen, ist nicht zu leugnen und wird vom Nationalsozialismus auch nicht geleugnet. Aus politischen, wirtschaftlichen und fozialistischlen Erwägun­gen heraus darf aber diese Bindung der Nationalwirt­schaft zum Weltmarkt nur bestehen, wenn die Er - füllung von drei Forderungen garantiert ist.

1. Die Nationalwirtschaft darf nach dem Zier- reißen der Bindungen zum Weltmarkt nickt lebens­unfähig werden. Der Nationalsozialismus wünscht und will keinen Krieg, aber er ist sich bewußt, daß es Kriege geben wird. solange es völkische "Unter­schiede geben wird. Ger Krieg bleibt das Fiasko der Politik, und um für diesen Fall gerüstet zu sein,