Ausgabe 
(21.9.1931) Nr. 108
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hlonlss, 21. Leplember 19Z1 Kr. 108

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Wieder ein GA Wann ermordet r

England weyrl sich gegen Allynda / Heute reine «Sesen

> Von KoinnnnNfte« erschossen

Meferitz, 2V. Sjept. Heute abend kam es nach n einer kommunistischen Kundgebung auf dem Markt- tzl Platz, bor dem Verkehrslokal der Nationalsozialisten r in der Brätzerstraßie, gu schweren Uieberfällen auf Se SA.-Leu1e. bei denen der 24jährige Arbeiter Gustav Sehdlitz, der Mitglied der Meseritzer SA. ist, von Kommunisten erschossen wurde. Nach der Mordtat ' Ä flüchteten die Kommunisten. Die Polizei ist dem Täter «auf der Spur Sie hat bisher 1h Festnahmen vsr- ar genommen.

Wieder ein Nationalsozialist erschossen. So lauten tz jetzt fast täglich die Niederschriften der ersten Seite ii unserer Zeitungen und der Völkische Beobachter muß j in seiner ersten Nummer nach seiner letzten Verbotzeit il, darüber berichten, daß innerhalb 1h Tagen 800 SA.- ib Leute von Reichsbanner und Kommunisten verletzt

0 worden sind.

Vei dieser erschütternden Tatsache wagt es die, ü Weser-Zeitung uns, den Nationalsozialisten einen Vor- n trag über Macht oder Gjewalt vorzusetzen und in s scheinbarer Objektivität und innerlich unwahrem Phari- > säertum uns Vorwürfe zu machen. Wir haben noch

1 kein Mal in viesem Blatte einen Artikel gefunden, wenn ein Nationalsozialist in brutalster Weise er­mordet wurde, aber in dem Augenblick, in dem ein

- Verräter, ein Mann, der durch seine Ausführungen ' mitschuldig geword'en ist an so mancher Mordjtiat,

! einen für ihn peinlichen Zusammenstoß mit National- . sozialisten erlebt, da .findet inan auf einmal Worte der Entrüstung und Empörung. Kann sich die Weser- i Zeitung wirklich nicht vorstellen, wie es einer Bewe­gung zu Mute ist, in der jeden Tag einer ihrer Besten : ^ermordet und Dutzende schwerverletzt werden. Kann

' sie wirklich nicht begreifen, daß die Zeit Phrasenhafter Auseinandersetzungen endgültig vorbei ist, weil es keine Gemeinschaft mehr gibt zwischen dem jungen Deutsch­land der Nationalsozialisten und denen, die in eitler Selbstverblendung das große Werk zerschlagen wollen, nur weil ihnen dieses oder jenes nicht Paßt! Lebt die Weser-Zeitung auf dem Mond oder hat sie wirk­lich noch nicht begriffen, daß heute „peinliche Reden" von „jungen Menschen" gehalten, bitter notwendig - sind, wie das tägliche Brot, daß man heute nicht laut i genug schreien kann, um den letzten Mann aufzurütteln, daß es nicht mehr möglich ist. in salbungsvollen Fach- i artikeln und Schönfärbereien, die bremischen Finanz- ! skandale zu vertuschen.

Wir sagen der Weser-Zeitung und den Bremer n Nachrichten, daß sehr bald „die blutigen Anfänger" das Sagen haben werden, daß es dann aber auch ; ti blutiger Ernst werden wird mit der Ausrottung alles i l dessen, was krank und faul im deutschen Staate ist. n Wir werden im Nachen des göttlichen Schötpfer'ch i dann, wenn wir die Macht haben, ein Strafgericht !' abhalten, das nur noch einen Maßstab finden soll : an dem Unrecht, das man uns 10 Jahre lang straflos angetan hat. Diesen Sah hat Dr. Goebbels am offe- .' aen Grabe eines SA.-Kameraden erst vor wenigen s. Tagen gesprochen. Inzwischen sind wieder zwei er- ^ mordet worden und die Weser-Zeitung darf versichert '7 Ast- wir in „Selbstüberhebung" dieses Wort : Wirklichkeit werden lassen, so wahr wir Nationalsozia­listen sind. - -art.

Berliner Durcheinander

Berlin, 19. Sept. Heute in acht Tagen werden sich die französischen Minister zum Besuch in Berlin ein- finden. Man weiß, daß um diesen Besuch viel geredet und viel geschrieben worden ist; man weiß insbesondere auch, daß der Außenminister Curtius und der Staats­sekretär von Bülow in Genf alle Hände voll zu tun gehabt haben, um diesen Besuch, den nunmehr die Franzosen nicht mehr verschieben wollte, in die augen- blicklichtt Verfassung der deutschen Politik einzu­gliedern. Man weiß vor allen Dingen, daß sowohl von deutscher wie von französischer Seite händeringend nach Möglichkeiten gesucht worden ist, ein wirkliches Programm für die Behandlung politischer Fragen während des Besuches aufzustellen.

Es verlautete bereits in den letzten Tagen, daß man bei dieser Programmaufstellung zu folgenden Ver­fahren gelangt sei: Deutschland und Frankreich sollten, jeder für sich, alle die Programmpnnkte aufstellen, die sie zur Besprechung zu stellen wünschten. Dann sollte von beiden Seiten jeder Punkt gestrichen werden, von dem man wußte, daß man sich nicht über ihn einigen würde. Wir sind heute in der Lage, mitzuteilen, was auf diese Weise übriggeblieben ist. Die deutsche Öffentlichkeit wird staunen. Ilebrig blieb:

1. Unterhandlungen über die Aufhebung des Bisumszwanges zwischen Deutschland und Frank­reich.

2. Unterhandlungen über die Beseitigung der

Ausnahmestellung von deutschen Staatsangehörigen in Marokko und

3. Unterhndlungen in der Fraage über die deutsche Holzeinsuhr in Frankreich.

Die zur Zeit zwischen Deutschland und Frankreich zu bereinigenden großen politischen Fragen sind bei der am 15. September in Genf zwischen Briand und Curtius vorgenommenen Besprechung nicht berührt worden. Man weiß nicht recht, ob nur deswegen, weil der .Fbbaureife" Außenminister selbst den Franzosen dafür nicht mehr qualifiziert genug erschien.

Im übrigen aber steht es fest, daß die Franzosen nach wie vor der deutschen „Verständigungsbereit­schaft" nach ihren Methoden nachhelfen werden. Man darf daher darauf rechnen, daß in den Besuchstagen von Frankreich aus wieder ein neuer Angriff auf die Mark einsetzen wird. Wie diesem Angriff begegnet werden soll, darüber scheint sich das Kabinett Brüning noch nicht recht einig zu sein, vor allem deswegen, weil der Kanzler selbst sich Wohl noch nicht darüber klar geworden ist, nach welcher Richtung er denn nutz eigentlich seine Politik führen will. Brüning hat stets erklärt, daß er für eine deutsch-französische Verständi­gung keinen politischen Preis zu zahlen gedenke. Aber auf der anderen Seite steht fest, daß er auch im Kabinett bisher nie zu erkennen gegeben hat, ob er denn nun eine innere Politik treiben will, die ohne fremde, vor allem also auch ohne französische Geldhilfe auszukommen gedenkt.

Krise in England

London, 20. Sept. Ein neuer Angriff auf das englische Pfund am Sonnabend und der Kurssturz der englischen Staatspapiere hatten den englischen Ministerpräsidenten Wacdonald veranlaßt, > sein Wochenende zu unterbrechen und noch am Sonnabend abend zu einer Konferenz nach London zu kommen. Durch den Vertreter der Bank von England, Clay, ließ er sich über die finanzielle Lage unterrichten. Die Sitzung dauerte annähernd zwei Stunden, worauf sich Macdonald nach Chequers zurückbegab.

Londoner ^rsrse gesrhlossen

Die Beschlüsse des englischen Kabinetts.

London, 20. Sept. Die englische Regierung hat die zeitweilige Aufhebung der einschlägigen Paragra­phen des Goldstandardgesetzes von 1925 beschlossen, was die Bank von England zwingt, Gold nur zu einem festgesetzten Preise zu verkaufen. Ein dem- entsprechender Gesetzentwurf wird am Montag dem Parlament vorgelegt und soll noch am selben Tage iu allen Stadien erledigt werden und die Zustimmung des Königs erhalten. Die Regierung hat ferner ver­fügt, daß die Börse am Montag geschlossen bleiben soll. Hierdurch soll jedoch das laufende Geschäft der Börse nicht beeinträchtigt werden. Die Banken bleiben geöffnet.

TZorgeseHirHte der Krise

London, 21. September. Zu der Vorgeschichte der Krise, die am Sonntag abend zu der historischen Tatsache führte, daß England seinen Goldstandart verlassen will, wird gemeldet, daß die Bank von England am Freitag 40 Millionen Gold­barren und ZfO Millionen Mark an Krediten und am Sonn- -bend in einem haben Tag 200 Millionen Mark verlor

Bereits am Donnerstag hatte das englische Kabinett von der Titp Warnungen erhalten und war auf die mögliche Ge­fahr für das englische Pfund und die Lage von England aufmerksam gemacht worden.

der»«« und Frankfurt seyiieden aueH

Frankfurt a. M., 20. September, wie die „Frankfurter Zeitung" meldet, werden auf Anraten des Handelsministe­riums die verliner und die Frankfurter Börse am Montag nicht geöffnet.

Berlin, 20. September. Der formelle Beschluß, die Ber­liner Börse am Montag nicht zu öffnen, wird erst in einer Sitzung des Berliner Lörsenvorstandes am Montag vormittag gefaßt werden.

Amerikanische Kredite zur Stützung des Pfundes erwogen

Washington, 20. Sept. Die Bundesreservebank und die klewporker Banken erwägen zurzeit, die Gewährung weiterer Kredite zur Stützung des englischen Pfundes. Ein Meinungs­austausch mit der Bank von Frankreich ist im Gange. In amerikanischen Kegierungskreisen wird die Stabilisierung des englischen Pfundes durch weitere Kredite für möglich gehalten.

Bervoi des V. Es. aussehoden

Der „völkische Beobachter", der vor 14 Tagen wieder einmal für längere Zeit verboten wurde, hatte reichsgericht- liche Entscheidung beantragt. Auf seine Verbotsbeschwerde hin erhielt er folgendes Telegramm:

„verbot völkischer Beobachter ab Ablauf des 18. Sep­tember 1YZ1 aufgehoben. Schriftliche Begründung des 6e- "blusses folgt. Keichsgericht, 4. Strafsenat."