Ausgabe 
(17.9.1931) Nr. 105
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Donnerstag, 17. Lepternber 19)1 Xr. 10)

FrankreieH veherrseht Verttn

Harte «edinsttngen für DesterreSM

Die ^revotte in der engiifeyen Statte

«ürger zweiter Klasse

Kamps um Kutturiverie in Cremen

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Verlagsort Bremen Herausgeber: Kurt Thiele Verlag: Bremer Nationaljozjalistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Re­daktion: Bahnhosstratze 26. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878

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Kamps dem Hunger

Erklärung unseres neuen Innenministers.

Vraunfchweig, 16. Sept. Der neue braunschweigische i Innen- und volksbildungsminister lila gges übergab bei ! seinem Dienstantritt der presse eine Erklärung, in der es I heisst:

„Nachdem die Wahl des Landtages aus mich gefallen ist, .1 habe ich das Amt des braunschweigischen Innen- und volks- il bildungsmtnisters übernommen. Ich b n mir bewußt, datz ich als t Länderminister gemäß -er Verfassung Verordnungen der Reichs i regierung auszuführen habe, die, statt den Beginn einer Ge- s sundung und eines neuen Aufstieges einzuleiten, lediglich letzte ' Folgerungen einer seit Iahren betriebenen hemmungslosen ! Unterwersungs-, Ersüllungs- und Verelendungspolitik sind. > Die Verantwortung für diese Maßnahmen lehne ich ab: sie liegt allein bei der Reichsregierung, die für die Führung der

deutschen Gesamtpolitik verantwortlich ist und trifft mich ebensowenig wie einen anderen Länderminister. der nicht von sich aus jene Fetzlpolitik unterstützt. Meine Ausgabe, für die ich volle Verantwortung zu tragen habe und übernehme, besteht darin, im Nahmen der mir gegebenen Möglichkeiten die Durchführung unvermeidlicher Notmatznahmen so zu ge stalten, datz ich vor meinem Gewissen und vor dem Urteil der schassenden braunschweigischen Bevölkerung bestehen kann. Ein schwerer Winter steht uns bevor. Im Gefolge einer völlig verfehlten Reparations- und Rationalisierungspolitik greift der wirtschastszusammenbruch reihend um sich, schwellen Arbeitslosigkeit und Mangel zu drohender höhe an. In diesem Augenblick der Gefahr mutz der Wille zur Volks und Zchicksalsgemeinschaft sich durch die Tat bewähren".

Die IieveMon in der englischen Flotte

beschämende Vorsänge siir das einst so stolze Alvion

Zur Löhnungrrevolte in der Atlantikflotte.

London, 16. Sept. Wegen der Unbotmätzigkeiten auf 1 den Schiffen der Ktlantikflotte, die zurzeit in Cromartv-Firih l liegen, ist dort noch kein Landurlaub erteilt worden. Die l Mannschaften scheinen jetzt in Ruhe die Entscheidung der i Admiralität auf ihre Beschwerden abzuwarten. Der Lhef des t Flottenstabes, Ronteradmiral Calvin, nahm am Mittwoch- c>> vormittag an einer Besprechung in der Admiralität teil, bei ä der auch der Erste Lord der Admiralität. Sir Austin Lbam- rl berlain, anwesend war.

Zu den Vorgängen an Bord der Schiffe erfährt die . „Evening News", datz nach der Flaggenparade am Dienstag i um 8.00 Uhr vormittags die Mannschaften sich weigerten, >c die Anker zu lichten. Sie brachten drei Hochrufe auf den K Bönig aus, um zu zeigen, datz sie mit ihrer Art der Gehor- 9 samsverweigerung in keiner Weise illoyal gegen den Bönig i seien. Sie setzten sich dann rittlings auf die Ankerketten, ) sodatz die Anker nicht gelichtet werden konnten. Die höch­st rufe auf den Bönig wurden zuerst auf dem Linienschiff . „Rodney" ausgebracht und dann von den Mannschaften der i übrigen 15 Schiffe aufgenommen. Die Mannschaften hatten H zunächst damit erreicht, datz die Schiffe nicht in See gingen, c Sie machten dann „Freizeit". Am Mittwochvormittag wieder- >s holte sich das Schauspiel, datz die Matrosen nach der Flaggen- c parade ein Hurra auf den Bönig ausbrachten. Die Heizer < hatten sich jetzt geweigert, Dampf aufzumachen.

Die Mannschaft des Breuzers „Norfolk" sandte einen S Brief an die Admiralität, obwohl alle Kommandanten Be- : ruhigungsansprachen an ihre Mannschaften gehalten hatten.

Die verheirateten unter den unzufriedenen Mannschaften is sind besonders empört über die grotzen Abstriche bei den Zu- >1 lagen, die sie bei Trennung von ihren Familien für deren 1 Unterhalt bekommen.

Auf den englischen Kriegsschiffen in China herrscht eben- f falls Unzufriedenheit über die Lohnherabsetzungen, jedoch sind i dort bisher keine Disziplinwidrigkeiten vorgekommen.

Die Fragen der Gehalts- und Lohnherabsetzungen in der 1 Armee und Marine kommen am Mittwochnachmittag im l Unterhaus? zur Sprache.

Das Unterhaus ettminl Gtettums

London, 16. Sept. Sir Austen Chamberlain teilte j im Unterhaus mit, daß diejenigen Schiffe der atlan- t tischen Flotte, deren Mannschaften sich geweigert hätten, L zu den Uebungen in See zu gehen, Befehl erhalten K hätten, in die Heimathäfen zurückzukehren. Dort wür- S den durch den Flottenchef und den Vertreter der Admi- 7 ralität die Fälle untersucht werden, bei denen durch ^ die Lohnherabsetzungen ganz besondere Härten ent­standen seien. Die Regierung habe die Admiralität er­

mächtigt, Abänderungsvorschläge vorzulegen, sobald das Untersuchungsergebnis vorliege.

Die Vorgänge in der engl. Atlantikflotte.

London, 16. Sept. In den englischen Marinegar­nisonen ist, nach hier vorliegenden Meldungen, alles ruhig. Urlaub wird dort, wie gewöhnlich, gegeben. Der Kommandeur der Marinegarnison in Portsmouth hielt einen Appell ab, der ohne Zwischenfälle verlies. Er de­mentierte später Gerüchte, daß Matrosen um ihre Ent­lassung gebeten hätten. „Evening Standard" erklärt, daß die in der französischen Presse erschienenen Be­richte über die Vorgänge in der Atlantikflotte erheblich übertrieben worden seien.

Ein Offizier, der aus Jnvergordon in London eintraf, meinte, die Lage auf der atlantischen Flotte sei zwar nicht ernst, abjer derartige Ereignisse seien, in der englischen Marine noch nicht vorgekommen. Die Lohnkürzungen seien höher als bei Beamten und an­deren Berufen. Die Leute hätten ihre Klagen in der Marine üblichen humorvollen Art vorgetragen, die Disziplin würde aufrecht erhalten.

Frankreiq, veyerrfMt «er«u

Paris, 16. September.

Die „Agence Economique et Financiers" beschäf­tigt sich am Mittwoch mit dem Plan des deutsch­französischen Wirtschaftsausschusses. Man sei augen­blicklich noch mit der Bearbeitung des Programms beschäftigt, das Laval und Briand dem Kanzler Dr. Brüning in Berlin vorlegen würden. Aus begreiflichen Gründen wünsche Laval, daß der Plan streng geheim bliebe, bus zu dem Augenblick in dem er den Leitern der deutschen Politik vorgelegt würde. Es erscheine jedoch sicher zu sein, daß der französische Plan von dem Geiste getragen sei, der das „konstruktive Memorandum" beseelte, das dem europäischen Studienausschuß am 16. Mai dieses Jahres vorgelegt wurde. Damit wird Deutschland dem großen europäischen Wirtschaftssy­stem eingegliedert. Die Idee der Kontinentalsperre mar--- schiert.

Geringe Erwartungen von Berliner Reise.

Paris, 16. Sept. Der außenpolitische Berichterstatter des „Petit Journal", Marcel Ray, der seine Informationen aus guter Duelle zu schöpfen pflegt, erklärt heute, datz das

Ergebnis der Berliner Reise der französischen Minister von der Haltung der Reichsregierung abhänge. Diese Reise könne zwar eine Verständigung darstellen, es sei aber überspannt, bereits von einem außergewöhnlichen Erfolg oder von einer Umwälzung der deutsch-französischen Beziehungen zu sprechen. Preisfrage: Was ist da wohl überspannt gewesen?

HSutfüi «nv orevolution

Zur Tragödie der Heimwehr

Die österreichische Heimwehraktion brachte wieder etwas Leben in die langweilige paneuropäisch über­tünchte politische Atmosphäre Europas. Aber für einen Augenblick nur. Denn schon nach 24 Stunden war der Spuk verflogen, und die liberal-marxistische Journaille konnte sich in dem wohligen Gefühl sonnen, daß ihre parlamentarische Demokratie in Oesterreich einen Sieg ! gegen die „Reaktion" errungen habe.

Mit dieser einseitigen Betrachtungsweise kann sich freilich nur der Liberalist zufrieden geben, der gewohnt ist, die Welt schematisch in rechts und links zu teilew. Der Nationalsozialist hat die Pflicht, die Dinge tiefer zu sehen.

Wir Nationalsozialisten haben Wert und Unwert der Heimwehr immer richtig eingeschätzt. Bei allem, guten Menschenmaterial war sie für uns doch nur eine bürgerlich geführte, ideenmäßig überhaupt nicht durch­gebildete „patriotische" Organisation, die niemals eine große völkische Revolution erstrebte, sondern höchstens Macht im bürgerlichen Staate wollte. Allerdings im Sinne der nationalsozialistischen Idee. Die Heimwehr hätte zur Zeit der Ministerschaft Starhembergs ihre große Stunde haben können. Sie verpaßte diesen schick­salhaften Augenblick und versackte infolge querulieren­der Führerstreitigkeiten, infolge reaktionärer Einflüsse und vor allem infolge der vielen Bindungen an klerikale und parlamentarische Interessentenkreise. Oft genug hat der Nationalsozialismus den Finger auf diese Heim­wehrwunde gelegt und sich entsprechend distanziert, un­beschadet der Anerkenntnis besten. Wollens bei einem großen Teil der Bewegung. Aber es war zu viel Ge­fühl und zu wenig politische Linste in der Heimwehr vorhanden, als daß sie auf die Dauer wirklich poli­tische Stoßkraft hätte behalten können.

So wurde diese einst hoffnungsvolle Bewegung das Opfer habsburgisch-klerikalEr Wühlereien. Der großdeutsche Gedanke wurde mehr und mehr erörtert., Man braucht nur die „Wiener Heimwehrzeitung"!, die bem christlichsozialen klerikalen Flügel angehört, aufzuschlagen, um zu erkennen, woher der Wind weht. In Nr. 16 vorn 11. 8. finden sich in einem „Großpreu- ßen und die deutschen Donau-Rheinlande" überschrie- benen Artikel u. a. folgende Stellen:

„Bayern, der getreue Eckardt und Vorkämpfer deutscher Landesfreiheit gegen großpreußisch Ber­liner Raubgelüste, heute wieder wie anno 71 bei der Kaiserkrönung von Versailles, .... war nicht entzückt von der Zumutung, preußisch zu werden.

„Uebelste Traditionen und Ambitionen des ho- henzollerschen Berlin im großdeutsch-kleindeutschen Sinne..."

Diese antideutsche Gesinnung steht nicht vereinzelt da, sie ist typisch für einen großen Teil der österreichischen Heimwehr. Aus solchen Aeußerungen spricht der Geist des Prälaten Seipel, des österreichischen Kaas. Dieser schlaue Praktiker und gerissene Jesuit hat seit Monaten in der tzeimwehr seine Hand unsichtbar im Spiel, um die Bewegung für seine habsburgisch-donaubündlerischen Ziele einzuspannen, um vor allem den noch widerstre­benden nationalistischen Flügel unter Starhemberg zu zerschlagen. Er brauchte diese Zerschlagung, um den Weg zu einer Verständigung mit Frankreich frei zu machen, um den klingenden Judaslohn der Anleihen hereinzuholen und um Oesterreich damit in die fran­kophile Front einzugliedern. Seipel rechnete auf die politische Naivität der Heimwehrführung. Und er ver­rechnete sich nicht. Er war in Iuhenburg, also in der Nähe Pfriemers, als die Aktion begann. Es liegt auf der Hand, daß der Heimwehrführer Pfriemer nicht von ungefähr losgeschlagen hat. Er war das Werk­zeug anderer Mächte. Sicher ist, daß er von großem vaterländischem Wollen getragen war. Aber daß er in dieser primitiven Form „putschte", beweist, daß er politisch instinktlos war. Die Aktion mußte fehlschlagen.

lind was vorauszusehen war: schon schreien die