Ausgabe 
(16.9.1931) Nr. 104
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GnsMehe Fiotterirevotte?

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Senator Kaiser» plaudert aus

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LrenwvNaüonMzialWscke Zeitung

partemmtüekes Organ der Kremer UMonalMalilken

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Klagges zum Minister gewühlt

Die Beenier N«rhr>eyten veeierrinven doiih« Die Voikszeiiuns deSgleitHen

Vraunschlveig, 15. Sept. Sm Landtag wurde am Diens­tag der nationalsozialistische Minister-Kandidat Regierungsral Klagges mit 20 gegen ly Stimmen gewählt. Für Klagges stimmten acht Nationalsozialisten, elf Abgeordnete der Bürgerlichen Einheitsliste und der Abgeordnete Grob. 17 Sozialdemokraten, ein Kommunist und der volksnationale Ab­geordnete Schrader gaben ungültige Stimmzettel ab.

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Minister Klagges ist geboren 1891 in Ostheide im Kreise Soest in Westfalen. Von 1911 bis 1919 war er Volksschullehrer in dem Bergarbeiterdorfe Harpen bei Bochum, !wo er die sozialen Nöte der Industriearbeiter­schaft kennen und verstehen lernte. Im Weltkriege wurde er als Infanterist schwer verwundet. Von 1919 bis 1926 war er Mittelschullehrer in Wilster in Holstein. Seit 1918 ist er im Kampf gegen!! den Marxismus öf­fentlich politisch tätig; 1924 war er bei der preußischen

Landtagswahl Spitzenkandidat der Nationalsozialisti­schen Deutschen Freiheitsbewegung (Völkische) in Schleswig-Holstein; von 1925 ab ist er Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Von 1926 bis 1930 war Dietrich Klagges Mittelschulkonrek- rektor in Benneckenstein im Harz. Hervorgetreten ist er noch als Verfasser der weltanschaulichen und wirt- schaftspolitischen Schriften „Kampf dem Marxismus" und „Weltwirtschastskise", die im Eher-Verlag er­schienen sind. Vom preußischen Disziplinargericht erste^ und zweiter Instanz wurde er lediglich wegen seiner Zugehörigkeit zur Nationalsozialistischen Deutschen Ar­beiterpartei ohne Pension dienstentlassen, obwohl er verheiratet und Vater von fünf Kindern ist. Seit Ja­nuar i931 ist Dietrich Klagges Regierungsrat und Referent im braunschweigischen Volksbildungsministe­rium.

CnsttfGe Flotte rsreittert?

Abbruch der Manöver.

London, 15. Sept. Der Chef der atlantischen Flotte meldet djer Admiralität, daß d"re Herabsetzung des Soldes und der Gehälter bei einem Teil der niederen Dienstgrade Unruhe ausgelöst habe. Infolgedessen habe er es für wünschenswert erachtet, das Uebnngspro- gramm der Flotte zeitweilig abzubrechen, um die Schiffe in die Häfen zurückzubeordern. Gleichzeitig sollen die vorgebrachten Klagen über gewisse Härten, die durch die Herabsetzung des Soldes und der Gehälter ent­standen sind, untersucht werden. Ueber das Ergebnis werde die Admiralität einen Bericht einreichen.

Die Gründe für die Unzufriedenheit in der englischen Marine.

London, 15. Sept. In den Marinekreisen in Ply- mouth herrscht ziemlich starke Unzufriedenheit über die Herabsetzung der Löhne und Gehälter. Man behauptet, daß bei den Herabsetzungen große Ungerechtigkeiten zu verzeichnen seien. Eisn Seemann (erklärte, daß von einem gleichmäßigen Opfer aller gar keine Rede sei. Der Lohn eines Obermatrosen werde um eine Mark je Tag oder um 25 v. H. herabgesetzt. Ein Vizeadmi­ral verliere aber nur 10 v. H. oder 11 Mark je Tag. Ein jüngerer Kapitän zur See verliere nur 1.85 Mark bei einem Tagesgehalt von 37.20 Mark, während sich die Kürzung bei einem Matrosen aus 92 Pfg. bei 5.25 Mark Lohn stelle. Man schätzt, daß die Lohnher­absetzung bei der Marine für den Handel von Plymouth einen Verlust von 5200 000 Mark im Jahre bringe.

London, 16. Sept. Die wegen der Herabsetzung des Soldes entstandene Unzufriedenheit unter ,h>en Mannschaften der atlantischen Flotte machte sich bei größeren Versammlungen an Land in Invergordon am Sonnabend, Sonntag und Montag Luft. Diese ver­liefen am Sonnabend unter dem Einfluß von Alkohol recht geräuschvoll, sodaß besondere Patrouillen an Land geschickt werden mußten, um Ausschreitungen der etwa 700 Mann betragenden Urlauber zu verhindern. Am Montag veranstalteten die Matrosen und Heizer nach der „Daily Mail" mehrere Versammlungen. Es wur­den Entschließungen angenommen und dem ältesten Offizier mit dem Ersuchen übermittelt, sie der Admi­ralität zuzustellen. Ein hoher Offizier -- der „Daily Mail" zufolge war es der stellvertretende Flottenchef selbst — flog nach London, um der Admiralität Be­richt zu erstatten.

375 Seeleute des Schiffes „Iron Duke" über­reichten dem Kommandanten eine Entschließung. Dieser

ließ die Mannschaften antreten und sehte ihnen ausein­ander, daß die Lohnherabsetzungen nicht von der Admi ralität ausgingen, sondern ein Teil der Regierungs­politik seien. Es wird erwartet, daß der 1. Lord d»r Admiralität, Sir Austin Chamberlain, sich im Laufe des heutigen Mittwochs auf eine besonders eingebrachte Anfrage zu den Vorgängen'im Unterhaus äußern wird'

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Genf, 15. Sept. Dr. Curtius hat am Dienstag nachmittag den ursprünglich für Montag vereinbarten Besuch bei Briand abgestattet. Es handelt sich hierbei wie von zuständiger deutscher Seite betont wird, zu­nächst nur um die Erwiderung dies Besuches, den Briand vor einigen Tag!en Dr. Curtius abgestattet hat. Briand beabsichtigt bereits am Dienstagabend oder Mittwochvormittag abzureisen. Die Unterredung zwi­schen den beiden Ministern soll, wie verlautet, außer der Erörterung der im Rahmen des Völkerbundes behandelten Fragen auch der Vorbereitung des auf den 26. September festgesetzten Berliner Besuches der fran­zösischen Minister gegolten haben. — Wollen sie also wirklich kommen?

Vfrrerner verhaftet

Innsbruck, 16. Sept. Dr. Pfriemer ist am Diens­tag in Marburg verhaftet und nach Laibach abgeschoben worden, obwohl von den österreichischen Behiürden keinerlei Ersuchen um Festnahme vorlag. Ein solches Ersuchen würde, wie von zuständiger Stelle erklärt wird, auch nicht gestellt, da eine Auslieferung wegen politischer Vergehen nicht erfolgen kann. Man ist aber der Meinung, daß Südslawien Dr. Pfriemer verhaf­ten ließ, um ihn als lästigen Ausländer ausweisen zu können.

Pfriemer hatte sich in Marburg im Hotel „Mee- rana" einquartiert und war vollkommen niedergeschla­gen. Auf Befragen erklärte er einem Pressevertreter,, man könne ihm jede Frage stellen, nur keine über den Putsch, da er das nicht ertragen könn». Er erklärte le­diglich: „Lassen Sie mich in Ruhe, ich kann nur sagen, daß an allem, was geschehen ist, Verrat schuld ist."

Weitere Verhaftungen in Oesterreich.

Wien, 15. Sept. Ein amtliches Belgrader Tele­gramm bestätigt, daß Dr. Pfriemer mit seinem Sohn und einigen Begleitern in Herburg eingetroffen ist. Ein Auslieferungsbegehren von österreichischer Seite dürfte nicht gestellt werden, da eine Auslieferung wegen Hoch-

Ka«ie Ausrede

In ihrer heutigen Ausgabe entrüsten sich die Bremer Nachrichten über unsere Feststellung, daß sie bei der bekann­ten Sparkassenaffäre einen unbescholtenen Mann auf der ersten Seite ihres Blattes in reichlich übler Weise verleumdet haben und nun gezwungen waren, eine Berichtigung zu brin­gen, die sie abermals kürzten. Dabei kommen die Br. Nachr. auf die mehr als faule Ausrede, daß auch wir Verleumdungen über den betreffenden Bremer Bürger gebracht hätten. Das ist eine glatte Lüge, die die Schünemannpresse ihren Lesern vorsetzt, denn wir haben lediglich die polizeilichen Mitteilungen gebracht, ohne Kommentar, während die Nachrichten darüber hinaus behaupteten, er habe offenbar aus Freude über seine Verleumdung die Nacht hindurch gezecht und es dann für richtig gehalten, ein Plakat der Sparkasse herunterzureißen. Gbendrein könnten ihm evtl. politische Motive oder Be­einflussungen nachgewiesen werden.

Alle diese Behauptungen, die allein die Bremer Nach­richten aufgestellt haben, waren frei erfunden und dazu an­getan, einen unbescholtenen Bremer in der öffentlichen Mei­nung herabzusetzen (Tatbestand tz 185). Wir stellen hierzu nur noch fest, daß die Bremer Nachrichten sich durchaus ihrer Verleumdung bewußt sind, denn wir können unseren Lesern verraten, daß sie den verleumdeten gebeten haben, von einer ihnen angedrohten Klage Abstand zu nehmen.

Ganz ähnlich verhält sich der Schwindel, den man mit dem Artikel „Unwirksame Ztaatsoerpflichtungen" in der Schünepresse treibt. Wir hatten hierzu festgestellt, daß der erste Artikel von der Schünemann-Redaktion gekürzt sei, worauf man diese Tatsache abstritt und heute auch den Verfasser erklären läßt, daß sein eingereichtes Manuskript von der Redaktion nicht gekürzt sei. Nur vergißt man zu sagen, daß dieses Manuskript eine Zweite Fassung darstellt, die auf Veranlassung der Schünemann-Redaktion unter wesent­licher Kürzung der ersten Fassung gemacht wurde.

So also sieht es mit der aufgeblasenen Ueberheblichkeit dieser erfahrenen Fachmänner aus. -art.

Verrats, also wegen eines politischen Vergehens, nicht zu erwarten ist. Im Zusammenhang mit der Flucht Dr. Pfriemers wurde Graf Berthold Stürgkh, eine Neffe des früheren österreichischen Ministerpräsiden­ten auf Schloß Halbenrain unter dem Verdacht der Mithilfe verhaftet. Er bestreitet jedoch, Dr. Pfriemer am Sonntag gesehen zu haben. Neu verhaftet wurde in Graz der Chefredakteur der Steirischen Heimat­schutz-Zeitschrift „Panther", namens Kaibisch. Gegen den Fraktionsführer des Heimatblocks im Nationalrat, Dr. Udo Neustädter-Stürmer, wurde Aufhebung der Immunität beantragt, ebenso gegen den Heimatblock-' Abgeordneten Lichtenegger. Unter den im Heimwehr­lager in Kloster Neuburg Verhafteten befindet sich auch der Neffe des österireichiischeu Heeveslministers, der ebenfalls Karl Vaugoin heißt. Ein niederösterreichischer Stabsführer der Heimwehr, Gallian, soll nach Un­garn geflüchtet sein. Starhemberg hat durch seinen Verteidiger Haftentlassungsantrag stellen lassen (mit der Begründung, daß er von dem Putsch nichts ge­wußt habe. Die Alarmbereitschaft habe er erst unter dem Eindruck der steirischen Vorfälle befohlen. Star­hemberg hat für die Dauer seiner „zeitweiligen Ver­hinderung" dem bisherigen Gauführer der oberöster­reichischen Heimwehr, Gras Karl Revertera, zum Stellvertreter ernannt. Revertera, der den Titel „zeit­weiliger Landesführer" führt, erließ einen Aufruf, in dem es heißt: „Die gegenwärtigen Schwierigkeiten wer­den uns nicht hindern, unsere Arbeit fortzusetzen und die hohen Ziele unserer Bewegung zu verwirklichen".