Ausgabe 
(15.9.1931) Nr. 103
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Genf, 14. September.

Der Internationale Verband der beim Völkcr- buno beglaubigten Journalisten veranstaltete am Mon­tag das traditionelle Völkerbunds-Frühstück. Der Reihe nach ergriffen der Präsident der Völkerbundsversamm­lung, Titulescu, und die Vertreter der Großmächte das Wort.

Reichsaußenminister Curtius ging dabei in seiner Rede von einer Zeichnung auf der Tischkarte aus, die einen Zug sämtlicher europäischer Staatsmänner im Pilgergewand mit Briand an der Spitze zeigt, wobei Briand, hoch auf einem Felsen stehend, in das „ge­lobte Land" blickt. Wie aus der Zeichnung hervor­gehe, so sagte Curtius, lasse das Bild keineswegs, wie Briand befürchtet habe, auf eine gefährdete Stellung Briands und damit des ganzen Pilgerzuges schließen. Dr. Curtius sei beim Betrachten der Zeichnung viel­mehr der Ansicht, daß die Staatsmänner in geschlos­senem Zuge heute ihrem Führer Briand zu einem ge­meinsamen Ziele folgen.

Die Kritik am Völkerbund sei nur als ein Zeichen liberaler Opposition aufzufassen, getragen von dem Wunsche auf Ausbau dieser großen Organisation.

Bei einer anderen Gelegenheit hat Curtius gesagt: er denke nicht daran, auszubrechen; Briand sei „Chef und Führer aller Mitglieder des Völker­bundes."

Ein Kommentar zu diesem geschmacklosen Ver­halten. erübrigt sich.

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Paris, 13. Sept. Die französischen Morgenblätter nehmen eingehend zu deu Ministerreden beim Presse- Bankett Stellung. Die Ausführungen des Reichsau- ßennünisters Dr. Curtius werden im allgeineinen als ein Versuch zum Einlenken bezeichnet. In der Ueber" schüft unterstreicht der „Petit Parisien" besonders,, das; Curtius den französischen Außenminister als Führer aus dem Wege zum Frieden anerkannt halbe. 2n Genf sei schon vorher das Gerücht verbreitet gewesen, das; Dr. Curtius dieses Bankett zum Anlaß nehmen werde, das schlechte Echo seiner Rede in der französischen Presse zu verbessern. Tatsächlich zeuge seine letzte Rede von dem Wunsch, die am Sonnabend so ungeschickt heraufbeschworene Mißstimmung zu beschwichtigen. Lei­der aber könnten die interessanten Ausführungen Dr. Durtius mit den schriftlich niedergelegten und voni Staatssekretär von Bülow durchgesehenen Ausführun­gen nicht auf die gleiche Stufe gestellt werden. Wäh­rend die Hauptrede die Anschauung der Reichsregierung zum Ausdruck gebracht habe, seien die gestrigen Worte die private Meinung Dr. Curtius. 2n der deutschen Politik gäbe es einige Irrtümer und falsche Manöver, die durch keine Liebenswürdigkeiten ausgeglichen wer­den können.

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London, 15. Sept. Es bestünde guter Grund zu der Annahme, so schreibt der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph", daß die Rede des Dr. Cur­tius in Geist sein Schwanengesang als Außenminister sein werde. In diplomatischen 'Kreisen mache man keinerlei Hehl daraus, daß Curtius so gesprochen habe, tveil er sich von seinem Posten zurückziehen wolle, vor­aussichtlich nach dem Besuche von Lava! und Briand m Berlin. Ger Berichterstatter rechnet mit der Mög­lichkeit, daß Reichskanzler Brüning vielleicht auch die "itung des Auswärtigen Amtes mit übernehmen

könnte. Er habe letzhin schon eine führende Rolle in der deutschen Außenpolitik und in den internatioalen Verhandlungen gespielt.

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Unser Ministerkandidat Pg. Klagges sprach am Freitagabend in einer nationalsozialistischen Versamm ­lung in Wolfenbüttel. Pg. Klagges erklärte sich bereit, Hitlers Auftrag, das Ministeramt zu übernehmen, aus­zuführen. Sobald die Mehrheit des Landtages seiner Kandidatur zugestimmt habe, werde er unverzüglich das Amt eines Volksbil-ungs- und Inneinnnnisters übernehmen. Er könne versichern, daß ihn die Ver­antwortung nicht geringer als seinen Vorgänger be­drücke. Er würde seine Aufgabe darin sehen, den von der Reichsregierung geforderten Maßnahmen eine Ge­stalt zu geben, die mit sozialem Verantwortungsbewußt­sein in Einklang zu bringen sei und die vor dem Urteil des braunschweiqischen Volkes begönne. Zu den Ver­leumdungen des „Volksfreundes" habe er zu erklären, daß er niemals ein Gegner des Christentums gewesen sei und daß er auch niemals ein Gegner des Christen­tums sein werde. Sein erstes Gebot sei die Parole: Wir wollen Deutsche sein, frei nach innen und außen. Grundsätzlich vertrete er den Standpunkt, daß Politik und Religion getrennt werden müßten. Die Notwen-' digkeit eines nationalsozialistischen Ministers werde er beweisen, indem er seine Hauptaufgabe darin erblicke, die bitterstie Not eines jeden Volksgenossen, ungeachtet seiner politischen Zugehörigkeit, zu lindern.

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London, 14. Sept. Ghandi hatte am Sonntag abend eine lange Unterredung mit Macdonald. Ghandi betonte dabei, daß er willens sei. die Verhandlungen fortzusetzen, wenn die englische Regierung bereit sei, die grundsätzlichen Fragen zu besprechen, so wie sie vom allindischen Kongreß festgelegt seien, andernfalls hätte es überhaupt keinen Zweck, in Erörterungen ein­zutreten. Die Einzelheiten sollten Sachverständigen überlassen werden. Pressevertretern gegenüber erklärte er. daß er den größten Wert auf eine baldige Aus­sprache mit seinen beiden tzauptgegnern, Churchill und Lord Rothermere lege.

Am Nachmittag sprach Ghandi im Rundfunk zum den Amerikanern. Er ließ seine Hörer zehn Minuten am Apparat warten, weil er sein Nachtmahl noch nicht beendet hatte. Obwohl anscheinend gänzlich unvorbe­reitet, sprach er fast eine halbe Stunde. Er begann mit dem Hinweis, daß der indische Kampf in seinen Prob­lemen nicht nur Indien, vielmehr die ganze Welt betreffe. Im weiteren sprach er über die von den In­dern im Kampfe um ihre Unabhängigkeit angewandten Methoden der Gewaltlosigkeit und schloß mit der Be­merkung, daß die Welt einen Weg aus der gegenwärti­gen Schwierigkeit suche und daß er den Glauben habe, daß es vielleicht der alten Rasse Indiens vorbehalten sei, der hungernden Welt den Ausweg zu zeigen.

Verlust seines zweiten Armes?

Bremerhaven, 14. Sept. Auf der Landesverbandstagung des Landesverbandes Niedersachsen des Stahlhelms machte der als Vertreter des Ersten Bundesführers Franz Seldte erschienene Landesführer von Groß-Berlin, Major a. v. Ste­phans, die Mitteilung, daß Seldte ernsthaft erkrankt sei und für ihn die Gefahr bestehe, auch noch den rechten Arm zu verlieren.

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wie uns von verschiedenen Seiten berichtet wird. hat der Sparkasfendirekrtor wenhold in einem Schreiben seinen Posten als Rechnungsführer der Finanzdeputation nieder­gelegt und sich damit seiner einflußreichen Rolle in der bremischen Regierung begeben.

Mir halten die Zeit für noch nicht gekommen, um im einzelnen die Gründe und Ursachen zu besprechen, die Herrn virektor Wenhold veranlaßt haben, sein Amt niederzulegen und stellen zunächst nur fest, daß damit unserer grundsätz­lichen Forderung aus klare und saubere Trennung von Auf­sichtsbehörde und Sparkasse überraschend schnell Genüge ge­tan ist. Welche weiteren Schritte Herr virektor Menhold vornehmen wird, ist noch nicht sicher, zumal eine Reihe von Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind. Man kann jedenfalls damit rechnen, daß er auch sein Mandat in der bremischen Bürgerschaft niederlegen wird.

Zum Schluß betonen wir ausdrücklich, daß dieser und eventuell folgende Schritte von virektor Wenhold keinerlei Anlaß geben, über die geschäftliche Lage der Sparkasse irgend­wie beunruhigt zu sein. wir halten im Gegenteil diese Ent­wicklung im Interesse der Sparkasse für außerordentlich erfreulich.

Fragen eines Bremer Katholiken!

Einem katholischen Deutschen ist nach Pressemel­dungen d as kirchliche Begräbnis verweigert worden. — Tausende deutscher Katholiken fassen nicht dieses Unge­heuerliche, sie schütteln den Kopf und glauben einfach, nicht, daß die Möglichkeit derartiger Unchristlichkeit in der katholischen Kirche Tatsache werden könnte.

In Mainz ist ein Mann gestorben, ein guter Ka­tholik, ein Deutscher,.dem man die trostreichen Worte für die trauernden Hinterbliebenen durch einen katho­lischen Geistlichen, dem man den letzten kirchlichen Segen verweigerte. Ja gewiß, sagt jeder Katholik, dann war es ein Selbstmörder, sonst, — — nein. sonst ist das bei uns unmöglich. Und doch!

Seine Heiligkeit Papst Leo 13., den wir als einen unserer Größten verehren, sagte:

„Die Kirche in die iPolitik verwickeln, oher sie benutzen um den Gegner zu überwinden, heißt die Religion maßlos mißbrauchen."

Unser hochwürdigster Herr Bischof von Mainz hat unbeachtet dieser weisen Mahnung in scheinbar zwangs­läufigem Verfolg der vom gesamten deutschen Klerus unterstützten Zentrumspartei Dienste zu leisten versucht, Dienste, die schwerwiegender für das gesamte katho­lische Deutschland nicht sein konnten, Dienste, die den Teufel an die Wand malen durch den dauernden Hin­weis auf den nach Meinung des katholischen Klerus bestimmt zu erwartenden Kulturkampf im Dritten Reich, Dienste, die den gläubigen Katholiken in ärgste Ge­wissenskonflikte zu bringen in der Lage sind und diese durch die doch heute wirklich kaum zu überbietende Lebensmisere dem drohenden Abgrund der Verzweif­lung nahe bringen.

Unser Parteigenosse Gemeindet, ein guter Katho­lik. ein deutscher Geisteskämpfer erlag an einem Herz­schlag in der Ausübung seines Berufes gelegentlich einer Kundgebung die, wie 'die gesamte Bewegung Adolf Hitlers, nür das keine Ziel hatte, sämtliche deutsche Volksgenossen in brüderlicher Liebe zu einen: zum Wohl der Gesamtheit.

Dieses Ziel. Abkehr von der Lebensverwerfung, Rückkehr zur Lebensbejahung, zur Urmöglichkeit, Gott