Ausgabe 
(11.9.1931) Nr. 100
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Ein grover VertrauensvruG

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Bremer SPD.-Viertreter brechen ehrenwört- liche Erklärung.

Wir baden uns in Brenren in den letzten Wochen an allerlei gewöhnen müssen. Ein Senator, ein Bür­gerschaftspräsident verschwanden von der politischen Bühne und der Öffentlichkeit wurde mit einem Mal klar. daß Korruption und Verfilzung von Staat und Privatwirtschaft gerade in der freien Hansestadt Bremen ihr Domizil aufgeschlagen haben. Und doch sorgt die Bremer SPD. dafür, daß diese Schmutzaffären nicht ohne Steigerung bleiben. Ihre eigene Presse lebt vom Sensationsbedürfnis der Masse, von der Lüge, Ver­leumdung und Entstellung und nun neuerdings auch von groben Bertrautensbrüchen, die auf die Ehrenhaf­tigkeit der SPD.-Führer ein bezeichnendes Licht wer­fen.

Bekanntlich tagt zur Zeit ein Prüfungsausschuß, der sich mit den finanziellen Transaktionen des Bre­mer Staates zu beschäftigen hat und der in der ersten Bürgerschafts-Verhandlunq einen zusammenfassenden Bericht erstatten wird. In diesem Prüfungsausschuß sind sämtliche Parteien vertreten und es war selbst­verständlich, daß die Vertreter sich ehrenwörtlich dazu verpflichteten, nicht einmal ihren Fraktionskollcgen über

WLr Hasßes« ven GtersS S

Diesem Staat in seiner heutigen Form, diesem Hort aller Barbarei und aller Tyrannei hat die Sozialdemokralie Rampf angesagt Rampf auf Leben und Tod! Ihn zu unter­

wühlen, die Wurzeln seiner unheilvollen Wacht zu unter­graben, gehört zu den vornehmsten Aufgaben des klassen­bewußten Proletariats! Wir lieben diesen Staat nicht Wir hassen ihn. Die hassenden grüßen dich, Cäsar!"

*

Das durfte vor 27 Iahren die sozialdemokratische „Ar­beiterzeitung", Dortmund, unter dem Regime des verhaßten „Polizeistaates" gegen die Monarchie schreiben, ohne verboten

Auf jeden Fall wirft diese Tatsache ein bezeich­nendes Licht auf die politischen Kampfesmethoden der Bremer SPD. Uns Pflegt man nicht begangene Schandtaten in großer Aufmachung vorzuwerfen und versäumt keine Gelegenheit, sich selbst schändlich zu benehmen. Es wird der Volkszeitung auch nichts nützen, wenn sie sich hinter Veröffentlichungen eines Hambur-

Blattes verkriecht, denn gerade diese Veröffentlichungen werden in einer Weise ergänzt und weiter ausgeführt, wie es nur durch den groben Vertrauensbruch möglich war.

Wir stellen nur fest. daß hier ein ganz grober Vertrauensbruch vorliegt und ein Einschreiten gegen die Volkszeitung und dien sofortigen Ausschluß der SPD.-Vertreter aus dem Prüfungsausschuß zur Folge haben müßte.

Jedenfalls werden wir wieder einmal Gelegenheit haben, die Sachlichkeit und Objektivität der zuständigen Behörden und Instanzen beobachten zu können. -art.

Volen wird immer freGer

Marienwerder, 10. Sept. Der auf dem polnischen Grenzbahnhof Gardeja gegenüber Garnsee diensttuende deutsche Paßkontrolleur Koppenatsch ist heute während der Ausübung seines Dienstes ohne Angäbe von Grün­den und ohne vorherige oder nachherige Benachrichti­gung deutscher Dienststellen von einem besonderen pol­nischen Polizeikommando aus Graudenz festgenom­men und nach Graudenz abgeführt worden. Die Ver­haftung stellt eine Verletzung des deutsch-polnischen Abkommens vom 27. März 1920 über den gegenseitigen Eisenbahnverkehr dar, wonach der deutsche Paßkon-

ber, abends oder am Sonntag, 27. Septeinber, mor­gens in Berlin eintreffen würden. Auch Pertinar meldet im „Echo de Paris" aus Genf, daß die offizielle Ein­ladung an die französischen Minister erst in 3 Tagen überreicht werde. Der Grund für diese Verzögerung sei vermutlich darin zu suchen, daß Reichskanzler Brü- ning zuerst den „Fall Curtius" zu klären wünsche. Der deutsche Reichsaußenminister sei verurteilt. Die Initia­tive zum Verzicht auf die Zollunion sei allem Anschein nach von Curtius persönlich und nicht vom Reichs­

trolleur berechtigt ist, den Paßkontrolldienst für Deutsch- kabinett ausgeganxpn. Man sehe voraus, daß der land auf dem polnischen Bahnhof Gardeja zu ver- Außenminister noch bis zum Oktober in der Wilhelm

die Teilergebnisse der Untersuchung Bericht zu erstatten. Diese Pflicht zum Schweigen findet einmal ihre Be­gründung in der sonst gefährdeten Sachlichkeit, in der Absicht, das bremische Wirtschaftsleben nicht durch Alarmmeldungen und aufgebauschte Sensationsberichte zu erschüttern. Wir nahmen schon bei dem Sparkassen- run Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß gerade die Volkszeitung durch ihre revuemäßig aufgemachten Skandalberichte ganz wesentlich znr Förderung der unsinnigen Gerüchte beigetragen hat und auch ihr blieb es vorbehalten, den Sturz des Sparkassendirektors Wenhold zu einem Zeitpunkt anzukündigen, zu dem die Sparkasse sich in einer akuten Krise befand. Wir haben leider noch nichts darüber gehört, daß gegen die Volkszeitung als Unruhestifter eingeschritten worden ist.

Nunmehr allerdings wird der Senat nicht um­hin können, den Schreiberlingen der Redaktion und ihren Hintermännern etwas energisch auf die Finger zu klopfen. In plumper Dummheit haben sie sich dazu verleiten lassen, um weiter in Sensationen zu machen, Teile des Materials aus dem Prüfungsausschuß zu veröffentlichen, das ihnen von ihren eigenen Vertre­tern überbracht worden sein muß. Da uns unser Ver­treter, das Bürgerschaftsmitglied Wendt, naturgemäß auch jetzt noch keine Aufklärung erteilt, sind wir nicht in der Lage, zu prüfen, wie weit diese Mitteilungen auf Wahrheit beruhen, bezw. dazu in die Welt gesetzt wurden, um die Verantwortlichkeit der roten Sena­toren für alle Vliese Vorgänge abzuschwächen.

sehen. Eine sofortige gemeinsame Untersuchung des Falles, die von dem zuständigen Landrat in Marien- werder zur Aufklärung des Zwischenfalles und zur Beruhigung der über den Vorfall erregten Bevölkerung vorgeschlagen wurde, ist von polnischer Seite abgelehnt worden.

Breslau, 10. Sept. In der Nähe von Hindenburg (Deutsch-Oberschlesien) ereignete sich gestern ein neuer Grenzzwischenfall. Ein polnischer Zollbeamter gab auf zwei deutsche Männer, die sich in der Nähe der Grenze aber auf deutschem Boden bei dem Dorfe Paulsdorf aufgehalten Haben, einen Karäbinerschuß ab, der zum Glück fehlging. Der Zollbeamte will von den Deutschen „gereizt" worden sein. Auch behauptet er, er habe „nur einen Schreckschuß" abgegeben. Die Deutschen bestricken energisch, den Polen herausgefordert zu haben. Der Grenzzwischenfall dürfte zu einer diplomatischen Be­schwerde in Warschau Anlaß geben.

Minderheitenfragen sollen dem politischen Ausschuß überwiesen werden.

Genf. Die deutsche Abordnung hat in der Voll­versammlung des Völkerbundes am Donnerstag bean­tragt, den die Minderheiten behandelnden Teil des Jahresberichtes des Generalsekretariats an den sechsten (politischen) Ausschuß zu verweisen. Der deutsche An­trag bezweckt, auf diese Weise im politischen Ausschuß eine grundsätzliche Aussprache über die Minderheiten­frage herbeizuführen. sagt man!

^Drianv konrint doch!

Curtius als Sühneopfer.

Paris, 11. Sept. Das „Journal" weiß am Frei­tag zu berichten, daß die Reise der französischen Mini­ster nach Berlin endgültig auf Ende September fest­gelegt Wordjen sei. Die offizielle deutsche Einladung werde in zwei bis drei Tagen in Paris erwartet. Man werde an dem ursprünglichen Zeitpunkt festhalten, so- daß der Besuch vom 26. bis 28. September stattfinde. Die grundsätzliche Verständigung darüber sei in Genf erzielt worden, während die Einzelheiten auf dem Wege ütkr Paris festgelegt werden sollten. Das „Jour­nal" fügt hinzu, daß Ministerpräsident Laval und Außenminister Briand am Sonnabsend, 26. Septem­

straße bleiben werde, um nach dem Besuch der fran­zösischen Minister abzutreten. Er sei has Sühne-Opfer, das man der deutschen öffentlichen Meinung bringe.

Gin kümmerliches GrsevnLS

Berlin, tO. Sept. In einer volksparteilichen Presse­besprechung im Reichstag unterrichtete der Parteiführer und Fraktionsvorsitzende Abg. Dir. Dingeldey a,m Donnerstag- nachmittag die Vertreter der Parteipresse über die gestrige Sitzung der Reichstagsfraktion in Potsdam.

Wie die TU. dazu erfährt, sei die Fraktion besorgt wegen der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung, bei der leider auch die parteipolitischen Tendenzen sich wieder vordrängen. Man befürchte ein Abweichen von dem über­parteilichen Rurse. Die Fraktion selbst sei bereit, vertrau­ensvoll mit der Regierung zu arbeiten, sie müsse aber natür­lich gewiß sein, daß die Wege der Regierung, die sie bei der kommenden Notverordnung einschlagen werde, mit den privatwirtschaftlichen und nationalen Gesichtspunkten der Partei vereinbar seien. Um für die kommenden Verhandlungen sachliche Unterlagen zu besitzen und mit eigenen Vorschlägen hervortreten zu können, habe die Fraktion am Mittwoch Fachausschüsse eingesetzt, die auf der Hamburger Tagung berichten sollen, umsowohl die etatsmäßige als auch die wirt- schaftsfördernde Seite in Erwägung ziehen zu können.

In der Frage der Zollunion sieht, wie die TU. weiter erfährt, die Reichstagsfraktion der Volkspartei eine neue poli­tische Lage für vorliegend an. Es werde Sache der verant­wortlichen Instanzen sein, darüber zu entscheiden, ob daraus persönliche Folgerungen zu ziehen seien. Die Fraktion als solche habe deshalb davon abgesehen, einen Beschluß zu fassen, um diesen Entscheidungen nicht vorzugreifen. Ver Partei- Vorsitzende habe aber eine persönliche Fühlungnahme mit dem Außenminister eingeleitet.

Berlin plette r

Die Rassenverhältnisse beim Magistrat sind so ungünstig, daß es zweifelhaft ist, ob den Beamten und Angestellten die am Donnerstag fällige zweite Monatsrate ihrer Ge­hälter voll ausgezahlt werden kann. Man spricht sogar da­von, daß auch eine nur kleinere Teilzahlung kaum möglich sein wird. Als Hauptgrund werden die im September be­sonders schlecht eingegangenen Steuerrückstände angegeben.