Ausgabe 
(29.8.1931) Nr. 89
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Verlagsort Bremen Herausgeber: Kurt Thiele Verlag: Bremer ' Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Re­daktion: Bahnhosstratze 26 Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878

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BerrnGterrdes Äentrurnsrrrteill

Varlarnentarrer und ^Ninister yaden versagt

Nürnberg, 28. August. Auf der Hauptversamm­lung des Katholikentages in Nürnberg gab Dr. Erb­prinz zu Löwenstein-Wertheim ein anschauliches Bild der katholischen Jugend und der neuen Zeit. Er betonte u. a.: Das besondere Augenmerk der berufenen See- lenhirten und der Vertreter der^ katholischen Bevölke­rung, müsse der Pflege der katholischen Schuhe und den Hochschulen gelten, wo die Jugend der zersetzenden Einwirkung schädlicher Einflüsse, besonders ausgesetzt sei. Verschwinden müßten aus unserem Volk die scham­losen Erzeugnisse einer gewissen Literatur- und Film­kunst. Der Redner fuhr wörtlich fort: „Aber was nüt­zen die Richtlinien der Bischöfe, wenn die katholische Öffentlichkeit die katholischen Parlamentarier und Staatsmänner, die Oberbürgermeister und Landräte nicht den Mut haben, den Mut, den das faschistische Italien schon lange gefunden hat, den Schamlosigkeiten in der sogenannten Kunst, im Theater und Lichtspiel mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten? Vielleicht wären sie dann in gewissen liberalen Blättern weniger populär. Aber wäre das so schlimm? Warum hörM wir diesen Ruf nicht auch, wenn er von rechts kommt? Warum gibt es hier so wenig Zusammenarbeit mit den christlichen Elementen im ganzen Staate?"

Wir haben diesem vernichtenden 'Urteil über die Politik Brünings durch einen Zentrumsmann und Katholiken nichts hinzuzufügen.

Brünings Hoffnung gierig Muff

London, 28. August. Ger Washingtoner Korre­spondent der „Times" meldet, daß die Erklärung des Reichskanzlers Dr. Brüning, die Zukunft der Repa­rationen hänge von den Vereinigten Staaten ab. Staatssekr. Cästle vorgelegt worden sei. Diese? betonte, daß diese Erklärung vielleicht eine Hoffnung ausdrücke, daß aber Dr. Brüning sicher keinen Grund habe, sich hoffnungsvoll zu äußern. Er glaube, daß die Aussich­ten für irgend etwas wie es von Dr. Brüning ange­deutet sei, gleich Null seien.

Der stellvertretende Staatssekretär Castle habe die Gelegenheit wahrgenommen, um ausdrücklich die Ver­mutungen zu entkräften, daß die Reparationen und Kriegsschulden irgend eine Rolle auf der Abrüstungs­konferenz in Genf spielen würden. Bezüglich der Ver­

schiebung dieser Konferenz mit Rücksicht auf die poli­tische Lage in England bemerkte er, es habe sich nichts ereignet, was die amerikanische Auffassung ändern könnte, daß die ^onferenz zur vorgesehenen Zeit statt­finden werde.

Bv rüstungskonferenz geplatzt?

Voraussichtlicher Rücktritt Hendersons als Präsident

der Abrüstungskonferenz.

Genf, 28. August. In hiesigen diplomatischen Krei­sen erwartet man auf Grund von offiziösen Mittei­lungen, die aus England hier vorliegen, daß der frü­here englische Außenminister Henderfon dem Völker­bundsrat seinen Rücktritt als Präsident der Abrü­stungskonferenz anbieten wird.

Die neuerdings wieder aufgetauchten Gerüchte über eine Vertagung der Abrüstungskonferenz werden in Völkerbundskreisen als unbegründet angesehen., ob­wohl auf französischer Seite seit längerer Zeit bereits dahingehende Bestrebungen im Ganae sind. die auch durch leitende Kreise des Völkerbundssekretariats unter­stützt werden. Eine Vertagung der Abrüstungskonferenz würde jedoch einen neuen einstimmigen Beschluß des Völkerbundsrates auf Grund eines neuen Antrages ei­ner Regierung notwendig machen. Dieser Beschluß müßte noch im Laufe des September gefaßt werden, da die Vertreter der überssieißchen Staaten bereits im September zur Teilnahme an der Abrüstungskon­ferenz abreisen.

isvooo Todesopfer

KurOtvnre LaifnnVeryeerungen

London, 29. August. Einer Reutermeldung aus Schanghai zufolge hat am Freitag ein furchtbarer Tai­fun die Deichs des ..Großen Kanals" in der Provinz Kiangsi zerstört, so daß hundert!? von Ouadratmeilen mit dichtbevölkerten Städten und Dörfern sintflutartig überschwemmt Wordleu sind. Meldungen aus' Tangt- schu schätzen die Zahl der Ertrunkenen auf über Hun­derttausend, während die Zahl der Obdachlosen in die Millionen geht.

Die Ausläufer dirs Taifuns richteten auch in Schanghai und Nanking beträchtlichen Schadlsn an, doch sind in diesen beiden Städten keine Menschenle­ben zu beklagen.'

Atunb um die Hanfadani

Der Wurs mit dem Tintenlöscher

Ger Zusammenbruch der Beamtenbank und die dann folgenden Enthüllungen über die skandalöse Lei­tung dieser Bank sind manchen Kreisen in Bremen nicht ungelegen gekommen, denn sie boten einen vor­trefflichen Blitzableiter für die Erregung der Bevöl­kerung, die durch zurückliegende Vorgänge verursacht war.

Wir erinnern also noch einmal an die dunklen Affären um die Schröderbank, an den plötzlichen Rück­tritt von Staatsrat Dr. Müllershausen und an die Flucht Senators Bömers vor dter Verantwortung. Die bremische Bevölkerung ist noch immer nicht darü­ber aufgeklärt worden, welche Summen der bremische Staat tatsächlich bei der Schröbjerbank verloren hat und sie ist auch nicht immer darüber informiert, ob sich der Verlust dieser Bank auf 30 oder 70 Millionen belauft. Wir haben in unserer Ausgabe vorn 13. Aug. den Senat um Auskunft gebeten und sie bis heute nicht erhallen. Wir müssen also annehmen, daß sich die Verluste tatsächlich aus 70 Millionen belaufen und bei der Rekonstruktion dieser Bank der Oeffentlichkeit kein reiner Wein eingeschenkt wurde.

Jedenfalls ist es bei diesen Verhandlungen auch innerhalb der bremischen Regierung zu Mißhelligkei­ten gekommen, die dann zum Ausscheiden von Staats­rat Dr. Müllershausen geführt haben. Unseres Wis­sens hat man vom bremischen Staat bei dieser Ge­legenheit einen Status über seine Finanzlage ver­langt, den Senator Bömers angefertigt hat. Als er Staatsrat Dr. Müllershausen zur Gegenzeichnung vor­gelegt wurde, entdeckte dieser einen .„kleinen Rechen­fehler" von zehn Millionen Gulden und nun soll es, wie man sich in eingeweihten Kreisen schmunzelnd er­zählt, zu einem lebhaften Auftritt gekommen sein, bei dem ein Tintenlöscher eine durchschlagende Rolle spielte und Staatsrat Dr. Müllershausen es vorzog, für die weitere Finanzgebarung des bremischen Staa- ftes die Verantwortung abzulehnen.

Uns interessiert bei alledem nur jene 10 Millio­nen Gulden, dije einige Zeit später bei der Gläubiger- versammlung der Nordwolle in Gestalt von 17 Millio­nen Reichsmark wieder zum Vorschein kamen. Wir haben uns m>A dieser Angelegenheit etwas näher befaßt und stießen dabei abermals auf die Hansa­bank, auf deren ungeklärte Tätigkeit wir ja schon vor längerer Zeit hingewiesen haben.

Diese Bank ist vor Jahr und Tag mit einem Aktienkapital von 10 Millionen gegründet worden, verfügt als Vorstand über die Herren Direktor I. L. Richter und H. Wenhold und über einen Aufsichtsrat in deni wir folgende Herren finden: Bürgermeister Dr. Donandt, Senator H. Bömers, Dir. G. E. Glässel, G- Carl Lahusen, C. Menke, H. Marwede, Dr. jur. A. Strube, I. F. Schröder, D. Schnurbusch, Bremen.

Diese Herren hatten es sich zur Aufgabe ge­setzt, die bremische Wirtschaft „in weitestem Sinne" zu fördern und hatten dabei in ihren Statuten einen sehr interessanten Paragraphen, der den starken staat­lichen Einfluß auf diese Bank erkennen läßt. Der Paragraph 14 lautet nämlich:

Um die Durchführung des gemeinnützigen Zwei­tes der Gesellschaft, Förderung der bremischen Wirt­schaft in weitestem Sinne zu sichern, soll die Ge­

sellschaft . Gewinne nicht erzielen. Ueberschüssige Beträge fließen der Staatskasse zu.

Nun, die Gesellschaft hat keine Gewinne erzielt und sie ist auch, trotz des „weitesten Sinnes" eigentlich nie in Tätigkeit getreten, denn in den Geschäftsberich­ten von 1928, 1929 und 1930 heißt es:

Wegen äußerer Hemmungen ist es zu einer Auf­nahme des Geschäfts während dieser Zeit noch nicht gekommen.

Bei diesen Hemmungen hätte man bleiben sol­len, denn als man 1931 doch in Tätigkeit trat, ver­lor man 10 Millionen Gulden, die, und das ist djas allermerkwürdigstze, jetzt als ein Verlustgeschäft des bremischen Staates in Höhe von 17 Millionen in der Katastrophenbilanz der Nordwolle wieder auftauchten^

Wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn wir be­haupten, hier auf eines jener trüben Geldgeschäfte ge­stoßen zu sein, die dem bremischen Staat die dereinst so große Kreditwürdigkeit gekostet haben. Bei der noch, immer herrschenden Verfilzung in Bremen, die sich auch über die tzansabank bis zu den Lahusens erstreckte, chat man hier 30 Millionen, denn 13 weitere Millionen kommen noch hinzu, in einem bankrotten Unterneh­men verpulvert, die jetzt der Steuerzahler wird auf­bringen müssen. Dabei handelt es sich um folgenden Schwindel.

Mitte Juni ging durch die deutsche Presse die Nachricht, daß es der Nordwolle gelungen sei durch Vermittlung des Bankhauses Rodius Königs in Am­sterdam von in- und ausländischen Freunden der Ge-

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