Ausgabe 
(25.8.1931) Nr. 85
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

t »r. « Lilc 5

«r'» 1. »», t

Etuzelvrets LS zzfg.

Neues EisenvaynungMtik vet Duisvurg

HSolnisther Korridor — Gefahr für Europa

ÄenlruniSpolitik vrieyt zufarnnien

NrveiterHeiiuns verholen

iDie GehuSd der Gehüuensann Vreffe

brernevllatiimalsozialistMeZeitung

parteiamMrtles Organ öer bremer NationalsSMtisteu

Nerlagsvri Bremen Herausgeber: Kurt Thiele Nerlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele, Geschäftsstelle und Ne- daltion: Bahnhcfstrahe 2k. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878

Die BNZ erscheint jeden Werktag u kostet RM 1.90 frei Haus, durch die Post zuzüglich 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im Vor­aus zahlbar. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot, Aussperrung usw hat der Bezieher keinen Anspruch aus Rückzahlung des Bezugspreises

Anzcigenbereckinnng: hiesige die io gew. Nonp.-Zeile RM 0,25. aus­wärts RM 0.30, im Teriteil die 3 gespaltene Terizeile RM 1.— auswärts RM 1.25. Stellengesuche u. Familien-Anzeigen RM 0.10 Kleine Anzeigen RM 0,15. Platzoorschristen ohne Verbindlichkeit

LLMmalurn der Hochfinanz

Grande der enaMGe« P»esier«n»örr»fe — srene «an»p»ette in «arinftadt «eanNenvanrdUan» aefMftHt Giynild der Vrentzenkasfe

Aas englifGe Kabinett »«»»ttksetreten

London, 24. August. Die Kabinettsitzung dauerte nur bis 12.30 Uhr. Als mehrere Minister beim Ver­lassen der Amtswohnung MacdonaldK über den Stand der Ginge befragt wurden, antworteten sie nur: „Es ist alles vorüber, wir sind zurückgetreten."

Die ausscheidenden englischen Minister.

London, 24. August. Es gilt als sicher, dass die folgenden Minister kein Portefeuille in dem neuzubil­denden Kabinett übernehmen werden: Außenminister Henderson, Handelsminister Gräham, Gesundheitsmi­nister Arthur Greenwood, der Erste Lord der Admi­ralität, der Minister für öffentliche Arbeiten George; Lansbury und der Unterstaatssekretär für Schottland,! Tom Iohnston,. Es heißt, daß im ganzen zehn Minister: aus dem Kabinett ausscheiden werden. Der Minister für ^ die Dominien, Thomas, erklärte, daß er in dem Käbineti verbleiben würde.

ZNe WsMMeeL OefßsM«

Drr Einfluß drr Mischen Hochfinanz London, 25. August. Der „Daily Herold" glaubt einen überraschenden versuch der amerikanischen Bankiers enthüllen ^ zu können, auf die englische Innenpolitik einen maßgeblichen 1 Einfluß auszuüben. Das Blatt erklärt, hinter dem am Montagabend veröffentlichten Angebot der Federal Reserve- Bank von Newyork, der Bank von England weitere große Kredite zur Verfügung stellen zu wollen, verberge sich die! überraschende Tatsache, daß dem Kabinett Macdonald von ^ der Federal Reserve-Bank mitgeteilt worden sei, ein solcher: Kredit könne nur unter der Voraussetzung bewilligt werden, daß sofort erhebliche genau spezifierte Einsparungen vorge-k nommen würden, und zwar entweder im Verwaltungsapparat als ganzem oder bei den Erwerbslosen-Unterstützungssätzen. Dieses wirksame Ultimatum der Newyorker Bankiers hätte eine ausschlaggebende Rolle bei den Meinungsverschiedenheiten des alten Kabinetts über einen Abbau der Erwerbslosen- zahlungen um 1V v. H. gespielt. Die Gegensätze seien durch die Forderung der Bank von England nach weiteren Kre­diten unter den gleichen Bedingungen noch verstärkt worden. Der „Daily herald" sagt, die Erfüllung der Forderungen der amerikanischen Bankiers würde vom Standpunkt des Volkes aus keinen Patriotismus darstellen, sondern vielmehr die Annähme einer Diktatur nicht nur der englischen, sondern auch der internationalen Sanken. Dies sei für das britische An­sehen ein Schlag, der in jüngster Zeit nur mit der Auf­stellung des versailler Vertrages verglichen werden könne. Die Bildung einer Rationalregierung sei der ärgste Schlag gegen die Rechte und die Machtmittel einer demokratischen Regierung.

Wallstreet jetzt zu Krediten bereit Newyork, 25 August. Die Wallstreet ist bereit, der neuen englischen Regierung innerhalb von 24 Stunden einen kurzfristigen Kredit in höhe von ZOO bis 500 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen, wenn dies gewünscht wird. Es finden bereits informatorische Besprechungen für eine Syndikatsbildung statt. Eine langfristige Kreditgewährung gilt als ausgeschlossen, da die Lage des Gbligationsmarktes zu ungünstig ist.

Die Bildung eines Koalitionskabinetts nn London wird in Newpork durchweg begrüßt, hauptsächlich wird auf die Notwendigkeit einer allerschärfsten Ermäßigung der Arbeits­losenunterstützung hingewiesen. Die Newporker Banken wün­

schen bei einer etwaigen Kreditgewährung die Federal Reserre- Vank möglichst auszuschalten, da sie der Ansicht seien, daß die Reservebanken schon zuviel Geld in Europa angelegt hätten.

Neue Nunkpllette

Die Darmstädter Volksbank e. G. m. b. H. stellt ihre Zahlungen ein.

Darmstadt, 25. August. Von der Leitung der Diarmstädter Volksbank c. G. m. b. H. wird mitgeteilt: „ Die Vokksbank e. G m. b. H. sieht sich genötigt von heute (Dienstag) ab ihre Schalter zu schließen. Die schon vor den Bankfeijertagen bestehende Jlliquidität der Bank hat nach Wiederaufnahme des normalen Zahlungsverkehrs eine Verschärfung erfahren, die die Stadt Darmstadt und das Land Hessen veranlaßten, ihre Hilfe zur Beschaffung von flüssigen Mitteln in der Form von Girierung von Kunden-Mzepten gegen ent­sprechende Unterlagen nicht zn versagen. Bevor diese Hilfe in größerem Ausmaß in Anspruch genommen Hilfe in größerem Ausmaß in Anspruch genommen wurde, ergab sich Sie Notwendigkeit einer weitgehenden Stützung, um die stärker werdende Beunruhigung der Bevölkerung hintanzuhalten. Stadt und Staat wurden bei der großen Bedeutung, die die Volksbank e. G. m. b. H. für das hessische Wirtschaftsleben und darüber hinaus hat, um Uebernahme einer Ausfallbürgschaft fiir die Verbindlichkeiten der Volksbank gebeten. Da die zur Uebernahme der Garantie erforderlichen Vor­aussetzungen nicht erfüllt wurden — der Finanzaus­schuß des Hessischen Landtages war einstimmig dazu bereit, während der Finanzausschuß des Stadtrats in seiner großen Mehrheit Stimmenthaltung übte — ist die Volksbank genötigt, ihre Zahlungen einzustellen.

CisesMErrsssMMeik ves ZzusErrr's

Duisburg, 24. August. 6 m Montagabend ereignete sich im Duisburger Hauptbahnhof ein Eisenbahnunglück. Der um 21,45 Uhr in Duisburg ankommende Berl.ner Lilzug fuhr auf einen im Hauptbahnhof stehenden Postzug auß wobei die Hinteren wagen des Postzuges sowie die Lokomotive des Lilzuges beschädigt wurden. Bisher konnten zwei Be­amte, die sich in dem letzten wagen befanden, in schwer­verletztem Zustande geborgen werden. Sonst ist niemand ver­letzt worden.

Noch immer «Steuerzinsen

Berlin, 24. August. Das Reichsfinanzministerium teilt mit: Die in der Notverordnung über Zuschläge für Steuerrückstänlde vom 20. Juli 1931 festgesetzten Zinssätze und Verzugszuschläge waren erforderlich, um wieder pünktliche Steuerzahlungen zu erreichen. Von verschiedenen Seiten ist mit Rücksicht auf die Herab­setzung des Reichsbankdiskonts angeregt worden., die getroffenen Maßnahmen aufzuheben. Die Aufhebung kommt jedoch im Hinblick auf die Finanzlage des Reiches noch nicht in Betracht. Die Finanzämter sind aber angewiesen worden, bei Festsetzung der Stun­dungszinsen auf die wirtschaftliche Lage des Pflichti­gen Rücksicht zu' nehmen und, soweit erforderlich, Entgegenkommen zn zeigen. Auch bei Festsetzung der Verzugszuschläge für Steuerrückstände von 5 v. H. für den halben Monat sollen die Finanzämter unnötige Härten vermeiden und von der Festsetzung eines Ver­zugszuschlages ganz absehen, wenn die Frist unver­schuldet nur um ein geringes überschritten wird.

Koalition?

Die Bremer Regierungskrise.

Die letzten Wochen in Bremen haben genügt, das Vertrauen weitester Kreise der Bevölkerung, auch das der unpolitischen Kreise zu Staat und Wirtschaft zu erschüttern. Ger Sturz des Senator Böhmers, die noch immer ungeklärten Vorfälle um die Schröder Bank der allmählich sich zu einem Riesenskandal auswach? sende Konkurs der Beamtenbank, vorher der Znsam- menbruch der Dynastie Lahusen, alles das hat bei mehr oder weniger bitteren Begleiterscheinungen die Massen politisch aufgerüttelt und ihnen eindeutig gezeigt, mit welcher Geschwindigkeit wir einer allgemeinen Wirt- schafts- und Staatskatastrophe entgegensteuern, zum entscheidenden Teil verursacht, zum mindestens nicht abgewendet durch die verantwortlichen Führer des herr­schenden Systems.

Wir haben mehr als einmal darauf verwiesen, daß es sich hier nicht um eine zufällige Häufung von Einzelfällen handelt, sondern daß sich hier zwangsläu­fig der Znsammenbruch des liberalistischen Wirtschafts­systemes vollzieht, was wir seit Jahren vorausgesagt haben. Staat und Wirtschaft sind zum Selbstzweck der jeweiligen Führer geworden. Es fehlen daher manch­mal nur wenige Schritte, bis aus den Staatsgeschäften kriminelle Taten werden können.

So gesehen, mußten wir mit immer schärfer wer­dender Deutlichkeit den Sturz des herrschenden Syste­mes fordern, da sonst immer weiter schaffende Stände ins Verderben gerissen würden. Wir wollen nicht grundsätzlich annehmen, daß die inzwischen entlarvten Führer bewußt diese Katastrophe beabsichtigt haben, aber ihr verantwortungsloses Handeln auf Grund ihrer liberalistischen Weltanschauung, ihre schweren Verstöße gegen unseren Grundsatz: .„Gemeinnutz geht vor Ei­gennutz" mußten zn dieser Entwicklung führen.

Als in den letzten Wochen die Zusammenbräche einsetzten, bedauerten wir, nicht voll das Heft in der Hand zu haben, um mit rücksichtslosen MaßnahmM dafür Sorge tragen zu können, die Schuldigen zu stra­fen und den Geschädigten zn helfen. Es gehört in das demagogische Lügen-Repertoir der Bremer Marxisten wenn sie als fast allein Schuldige, sich jetzt als Retter der Beamtienbank aufspielen wollen, wenn sie uns Vorwürfe androhen, wir seien die Schuldigen, wenn sie schließlich in geradezu hysterischer Derkennung der po­litischen Gesamtentwicklung nach mehr Einfluß der SPD. im Bremer Senat schreien. Wir haben als Oppositionspartei alles getan, was in unseren Kräf­ten stand, um den kleinen Sparern ihre Mittel zu er­halten. Wir werden auch auf diesem Wege entschlossen weitergehen, aber stets in der Erkenntnis, daß inner­halb des gegenwärtigen Regierungssystems wirklicher Wandel nicht geschaffen werden kann. Gas rissige Haus der Lahusen, das sie einst leimen und kitten wollten,^st längst zu einem Trümmerhaufen geworden, dessen Schutt jetzt beiseite geräumt werden muß, soll ein neues Gebäude errichtet werden.

In diesem Stadium der Entwicklung treten die Bremer Nachrichten, veranlaßt durch den deutschnatio­nalen Brief an den Senat, den auch wir veröffentlicht haben, mit der Aufforderung an uns heran, „uns nun endlich zur praktischen Mitarbeit bereit zu erklären" Sie lesen aus unserem gestrigen Leitartikel heraus, daß wir bei einer Umbildung des Senates .„weitergehende

x