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Neue Erpressungü-BersuGe
Etn Überflüssiger ^ZesuiH — Neue Garantie« gefordert
Aus französischen politischen Kreisen verlautet, daß man deutscherseits ein politisches Moratorium in dem Sinne vorschlagen werde, daß sich Frankreich, Deutschland, England und Italien verpflichten, keinerlei politische oder wirtschaftliche Schritte zu tun, ohne die ^vorherige Zustimmung ihrer Partner eingeholt zu haben. Man verstehe unter diesen Umständen, daß es Frankreich nicht möglich sei, sich zu binden, ehe es finanzielle und moralische Garantien erhalten habe die die Grundlage der zukünftigen französisch-deutschen Verhandlungen bilden müßten. Aus diesem Grunde könne der Zeitpunkt der Reise der französischen Minister nach Berlin nicht endgültig festgelegt werden, ehe der französische Ministerrat Gelegenheit gehabt habe, nicht nur die günstige Gelegenheit eines so beschleunigten Besuches, sondern auch dasProgramm zu prüfen.
Frankreich fordert
Es wurde schon öfter in diesen Spalten darauf hingewiesen, in welch skrupelloser Weise Frankreich die Notlage Deutschlands benützt, um immer wieder politische und wirtschaftliche Forderungen an Deutschland zu stellen, die durch ihr Ausmaß deutlich erkennen lassen, daß Frankreich immer und immer wieder eine konsequente Ierstörungspolitik gegenüber Deutschland betreibt. Bei der Gelegenheit, wenn Deutschland irgend einen diplomatischen Vorstoß unternimmt, irgend einen Wunsch äußelrt, irgend eine Notmaßnahme fordert, überhaupt irgendwie Gerechtigkeit verlangt, benutzen die französischen Staatsmänner die Gelegenheit, um neue Zugeständnisse aus dem völlig wehrlosen Deutschland herauszupressen.
So ist auch die vorgesehene Reise der französischen Staatsmänner ein Grund für Frankreich, auf neue ; Forderungen und Garantien hinzuweisen. Dabei ist es - bezeichnend für die chauvinistische Mentalität der französischen Staatsmänner, daß sie ihre Reise nur unter der Bedingung unternehmen wollen, wenn Deutschland gewisse Zugeständnisse macht. Man beachte: Zugeständnisse für eine politische Reise. Man kann eine solche Maßnahme wahrhaftig nicht mehr anders be- , zeichnen, als ein politisches Banditenstück ohnegleichen. Unser m!ißerfolggekrönter Außenminister wird zwei- felllos recht wenig Glück haben, wenn er seine Absicht, das Abrüstungsproblem anzuschneiden, verwirklichen will.
Frankreich wird in der in Bälde stattfindenden Genfer Sitzungsperiode sein Abrüstungstheater weiter spielen und wird sich herzlich wenig darum kümmern, ob der erfüllungsbereite deutsche Außenminister , einige Wünsche zu äußern wagt oder nicht.
Frankreich fordert und fordert!
Etwas zuzugeben, wird ihm niemals einfallen. Vielleicht merkt das auch einmal Herr Curtius oder sein Inspirator, der Reisekanzler Brüning. Vorläufig bitten sie noch die Franzosen inständig, doch ja nach Berlin zu kommen, wobei man als einzige peinliche ^ Angelegenheit nur den Umstand betrachtet, daß es I eventuell zu Nazidemonstrationen gegen die französi- ' schen Minister kommen könnte. Was für schwere Sor- : gen doch unsere Minister haben! Wir bedauern sie aufrichtig und wünschen von Herzen, daß sie bald all die- ^ ser Sorgen ledig sein werden.
Lleverflüssiser besuch
Einladung der französischen Minister nach Berlin.
Paris, 13. August. Wie bereits kurz gemeldet, stattete der deutsche Botschafter von tzoesch dem französischen Ministerpräsidenten in den Vormittagsstunden des Donnerstag einen Besuch ab, um ihm die offizielle Einladung der Reichsregierung zu dem Berliner Besuch der französischen Minister zu überreichen.. Obgleich über die Unterredung keinerlei amtliche Verlautbarung herausgegeben wurde, glaubt man in gutunterrichteten Kreisen zu wissen, daß Ministerpräsident Laval den deutschen Botschafter davon in Kenntnis gesetzt habe, daß er sich ganz den von der Reichsregierung zum Ausdruck gebrachten Wünschen hinsichtlich des Zeitpunktes des Besuches anschließen wird. „Die Liberte", die diese Mitteilung aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, fügt den Ausführungen hinzu, daß der französische Ministerpräsident und Außenminister Bri- and der Einladung Folge leisten werden. Da man in Berlin im Augenblick nicht über Finantzfragenj sprechen werde, erübrige sich die Anwesenheit Flan- dine.
HSariS veharrt auf Tributen
Paris, 14. Rugust. Der „Mattn" beschäftigt sich am Freitag in seinem Leitartikel mit der Reparationsfrage und erklärt, daß die Reparationen keine Schulden seien und daß man die Reparationsfrage nicht hinter dem Rücken Frankreichs behandeln dürfe. Der Präsident der Rank von England, Rlontague Norman, habe einen Plan, der darin bestehe, olle Möglichkeiten zur Rufrechterhaltung des Pfundkurses und des britischen Bankansehens zu opfern. Er sei es gewesen, der durch seine Darstellungen über die deutsche Lage den Präsidenten hoover zu seinem bekannten Schritt bewogen habe, der einen Dolchstoß gegen die Reparationen bedeute. Der Verfasser kommt nach längeren Ausführungen in denen die englische Haltung in der Reparations- und Schuldenfrage scharf kritisiert wird, zu dem Schluß, daß >. Frankreich niemals zulassen werde, daß man über die Reparationssrage hinter seinem Rücken verhandele, daß 2. Frankreich ebenso niemals die veseitigung der Reparationen dulden werde und daß 3 . Frankreich nicht gestatten werde, daß man die Reparationen mit den internationalen Schulden in Verbindung bringe und aus die gleiche Stufe stelle. Da keine internationale Vereinbarung ohne die Mitwirkung Frankreichs möglich sei, sei es notwendig und nützlich, den Standpunkt von vornherein zu klären.
HSolnrfMer SNord
Kattowitz, 14. August 1931. In einem Restaurant in Siemianowitz sangen einige junge Leute in ange>- heitertem Zustand deutsche Lieder. Der Finanzangestellte OrliczeL verbot den Leuten!, deutsche Lieder auf polnischen Boden zu singen. Als diese sich aber an das Verbot nicht kehrten;, holte er die Polizei herbei, um die Deutschen verhaften zu lassen. Die Polizei überzeugte sich jedoch von der Ungefährlichkeit der gesungenen Lieder und erklärte, daß diese Lieder gesungen werden könnten. Orliczek, ein berüchtigter Chauvinist, erklärte daraufhin daß er die Sänger auf seine Art strafen werde. Er lief zum Finanzamt, nahm dort den Dienstrevolver eines Angestellten an sich und kehrte mit der geladenen Waffe nach dem Restaurant zurück, wo er sich in einem Hausflur versteckte. Als die jungen Leute auZ dem Gasthaus traten, gab Orliczek aus dem Hinterhalt vier Schüsse auf sie ab. Der 31jäh- rige Goretzi wurde dabei durch einen Kopfschuß auf der Stelle getötet. Der Mörder floh darauf, wurde aber von der Polizei am nächsten Tage in Eichenau verhaftet.
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42 Personen des Hochverrats verdächtig.
Gotha, 13. August. Von der Kommunistischen Partei Deutschlands, Bezirksleitung Groß-Thüringen ist in der Zeit vom 9. bis 15. August in der Jugendherberge in Finsterbergen ein Kursus zur Ausbildung von Funktionären abgehalten worden. Da der Verdacht nahelag, daß die entfaltete Tätigkeit, wie bei den Kursen, die in der letzten Zeit im Kinderheim in Elgers- burg abgehalten worden sind, den Strafgesetzen zuwiderlief, wurde von ein^m größeren Kommando der Thüringer Polizeidirektion Gotha. bestehend aus Kriminal- und Schutzpolizeibeamten, eine Durchsuchung des Gebäudes und der darin befindlichen Personen vorgenommen, die wesentliches Material zu Tage förderte. Der Lehrer und die Teilnehmer, insgesamt 42 Personen, wurden bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Gotha wegen dringenden Verdachtes der Vorbereitung des Hochverrats zur Anzeige gebracht. Auch wurde die Fortsetzung der Schulung untersagt.
Milde Strafen!
Berlin, 13. August. Eine Anzahl Kommunisten, die am 9. August anläßlich der Demonstration am Bü- lowplatz festgenommen wurden, wurden am Donnerstag vom Schnellrichter im Polizeipräsidium aufgrund der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 28. März 1931 zu Gefängnisstrafen bis zu drei Monaten verurteilt.
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