Ausgabe 
(11.8.1931) Nr. 73
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Verlagsort Bremen. Herausgeber: Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Re- dallion: Bahnhosstratze 26. Sprechstunden der Redaftjon: Montag bis Freitag von 17 bis 19 rlhr. — Fernsprecher Domsheide 25878

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Frankreich triumphiert

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Die zrarifer Mdendpreffe ist zufrieden

Paris, tO. August. Die pariser Abendpresse zeigt sich über den Ausgang der Volksabstimmung sehr zufrieden. Aus den Ausführungen der Blätter geht nur zu deutlich hervor, daß man in Frankreich wenig Wert darauf legt, wie sich die Regierung nennt, die die Geschicke Deutschlands leitet. Wertvoll ist es für sie lediglich, einen Partner gegeu- überzuhaben, dem sie in Verfolgung ihrer imperialistischen Hegemoniepolitik ihren Willen aufzwingen könne. So schreibt die „Liberte" u. a.: Die politische Entspannung, die sich nunmehr vollziehen werde, werde nicht nur die Berliner Reise der französischen Minister ermöglichen, sondern auch Reichskanzler Lrüning in die Lage versetzen, die von Frank­reich geforderten politischen Garantien zu erfüllen. Auch der „Intransigeant" weist darauf hin, daß die Klärung der Atmosphäre nunmehr die Lösung der wichtigsten zwischen Deutschland und Frankreich noch offenen Fragen erlaube. Der „Eemps" ist ebenfalls der Auffassung, daß die in Lhequers und Paris eingeleiteten Besprechungen unter verhältnismäßig günstigen Bedingungen (für Frankreich) fortgesetzt werden könnten.

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Die Reichsleitung der NSDAP zum Volksentscheid

München, 10. August. Die Pressestelle der Reichs­leitung der NSDAP. veröffentlicht folgende Stellung­nahme zum Volksentscheid:

„Der Volksentscheid des Stahlhelm, dem die N. S. D. A. P. aus nationaler Disziplin ihre Unterstüt­zung nicht versagt hat, hat Zwar ein zahlenmäßig entscheidendes Ergebnis, das über die sofortige Auf­lösung des längst überfälligen preußischen Landtages ausreicht nicht gebracht, muß aber angesichts der Tatsache, daß rund 10 Millionen wahlberechtigter preu­ßischer Staatsbürger der schwarzroten Herrschaft vor aller Oeffentlichkeit ihr schärfstes Mißtrauen zum Aus­druck gebracht habe, als

ein durchschlagender Erfolg der nationalsozialistischen

Opposition

geweitet werden. Die NSDAP. die in dieser Hinsicht jeder Zeit ganz unzweifelhaft die Hauptlast des Kamp­fes getragen hat, darf diesen Erfolg umsomehr für sich in Anspruch nehmen, als die Erfahrungen des gestrigen Tages gezeigt haben, daß die Anhänger na­hezu aller anderen Parteien und Organisationen, die an diesem Volksentscheid des Stahlhelm beteiligt waren, mehr oder weniger versagt haben.

Es ist zunächst festzustellen, daß die Kommunisten fast vollständig dem Volksentscheid ferngeblieben sind, da die revolutionären Teile der KPD. ihrer Parteipa­role die Gefolgschaft verweigert haben. Ganz eindeu­tig geht dies daraus hervor, daß in allen den Ge­bieten, wo die KPD. bisher ihre stärkste Stellung innehatte, die Abstimmungsergebnisse des gestrigen Volksentscheids die abfallendsten Tendenzen gegenüber den am 14. September abgegebenen Stimmen der ge­samten Parteien des Volksentscheids ausweisen. Die gleiche Beobachtung kann man für die Parteien der bürgerlichen Mitte machen. Die Unterstützung des Volksentscheids durch die Deutsche Volkspartei war, wie nach der offenen

Sabotage durch führende Persönlichkeiten

nicht anders zu erwarten war, ebenfalls fast völlig negativ. Auch. die Wirtschaftspartei und der Christliche Volksdienst haben keinerlei ernsthafte Anstrengungen gemacht, ihre Anhänger an die Wahlurne heranzubrm-

gen, sodaß man von einem restlosen Versagen der bür­gerlichen Mitte in diesem von ihnen zwar parteioffk- ziell unterstützten, aber praktisch nicht durchgeführten Wahlkampf sprechen kann. Die Deutschnationale Volks­partei hat ungefähr das erhalten, was man von ihr erwarten konnte. Beim Stahlhelm sind nähere An­gaben nicht möglich., da der Stahlhelm keine politische Partei ist nnd als solche zahlenmäßig nicht in die Erscheinung tritt.

Die NSDAP., die sich im Interesse des schaf­fenden Volkes und der nationalen Sache für diesen Volksentscheid eingesetzt hat, obwohl sie keine Gele­genheit versäumt hat, bei Zeiten ihre Bedenken gegen das Stahlhelm-Volksbegehren geltend zu machen, darf heute mit Stolz darauf hinweisen, daß es ihr, wie im­mer, so auch gestern gelungen ist, durch die Werbekraft ihrer Idee und den unerschütterlichen Kampfgeist ihrer Anhänger die großen Massen gegen die schwarzrote Herrschaft in Preußen zu mobilisieren. Die National­sozialisten sind dem Ruf ihres Führers gefolgt und haben trotz allem ein solches Ergebnis ermöglicht, das im HiüMick auf die ungeheuren Hemmungert, die von der Preußischen Regierung der legalen Ab­stimmung in den Weg gelegt wurden, nicht hoch ge­nug eingeschätzt werden kann. Es ist nach den gestri­gen Abstimmungen ohne Zweifel, daß von den rund 10 Millionen Preußen, die öffentlich gegen Rot-Preu­ßen demonstriert haben,

mindestens 6 bis 7 Millionen auf das Konto der N. S. D. A. P-

zu setzen sind. Vom Standpunkt der NSDAP. aus sehen wir daher in diesem Ergebnis mit Recht einen durchschlagenden Erfolg. Nach dem Ergebnis der Ab­stimmungen würden wir aus einer Neuwahl in Preußen schon heute als die stärkste Partei des Lan­des hervorgehen. Das ist das überaus erfreuliche Faszit, das die Partei aus der gestrigen Wahlschlacht zieht. Im übrigen hat der gestrige Volksentscheid nur die Tatsache bestätigt, daß die verfassungsmäßigen Be­dingungen und die ungeheuer erschwerenden Umstände unter die eine solche „Volksabstimmung" gestellt äst, die wirkliche Entscheidung des Volkes niemals zum Ausdruck kommen lassen können und jeden zahlen­mäßig entscheidenden Erfolg von vornherein unterbin­den.

Die NSDAP. hat trotz ihrer Bedenken diesem vom Stahlhelm veranlaßten Volksentscheid ihre vollste Un­terstützung gegeben, um die nationale Opposition nicht im Stich zu lassen. Die gestrige Abstimmung hat erneut unter Beweis gestellt, daß die Entscheidung im Kampfe um die Erneuerung der Nation und um die Gestal­tung der deutschen Zukunft nur bei der Nationalsozia­listischen Deutschen Arbeiterpartei ist und nur durch sie fallen wird. Im Vertrauen auf die eigene Kraft geht unser Kampf unerschütterlich weiter bis zum Endziel.

MosKrrruniften EravsEänder

Berlin, 10. August. In roher Weise haben am Montag nachmittag bisher unbekannte Elemente den Grabhügel des am 29. Mai ds. 2s. am Senefelder Platz erschossenen Polizeihauptwachtmeisters Zankcrt, der auf dem Garnisonfriedhof beerdigt ist, geschändet. Man fand gegen 16.30 Uhr das Grab verwühlt und einen Marmorstein auf dem Grabe mit der Inschrift: „Ruhe in Gott, Rotfront lebt!" Der Stein wurde so­fort sichergestellt.

FretHers r

In der heutigen Verfassungsfeier des Bremer Senates hat ein Professor Iashagen Hamburg sich in längeren Ausführungen mit dem Begriff der Freiheit beschäftigt und dabei gleichzeitig von der deutschen Reichsverfassung gesprochen, die heute das offizielle Deutschland, soweit es dazu gesetzlich verpflichtet ist, mit Hilfe von schwarzrotgoldenen Fahnen feiert.

Wir haben an dieser Stelle schon oft uns für den Freiheitsgedanken eingesetzt und müssen mit aller Ent­schiedenheit dagegen protestieren, daß die Männer und das System sich mit einem Ideal zu schmücken versu­chen, für dessen Zerstörung sie mitverantwortlich sind.

Im Zeitalter liberalistischer Wirtschaftssysteme und jüdischer Vorherrschaft in Kultur und Presse ist das Wort .Freiheit" zu einem unwahren und falschen Schlagwort geworden, das sich am besten mit iiem Wort Hemmungslosigkeit auf seinen eigentlichen Wert zurückführen läßtz Hemmungslos das heißt frei ist heute kapitalistische Wirtschaft, ungebunden von Verant­wortung und Pflicht für die Allgemeinheit; hemmungs­los, d. h. frei und demokratisch ist der heutige Parla­mentarismus; hemmungslos, d. h. frei ist die Heu- tige Generalanzeigerpresse, die sich von den Interessen jüdischer Großinserenten leiten läßt und ihnen gewissen­los die Lebensbelange des Mittelstandes ausliefert und schließlich herrscht heute hemmungslos, d. h. frei auf dem Boden der freiesten Verfassung der Welt eine Gewaltdiktatur, die mit allen ihr zur Verfügung stehenden Staatsmitteln jedwede politische Betätigung unterbindet, s oweit sie nicht den heutigen Machthabern genehm ist.

Diese Freiheit ist heute im Bremer Rathaussaal von Professor Iashagen mit warmen Worten ge­feiert worden.

Wir reden von einer anderen Freiheit, die nichts mit all dem zu tun hat. Für uns ist allein der Mann, das Volk frei, das tun kann, was es will, aber daß nur das tun will, was es tun muß. Auf das Müssen kommt es an!

Hier liegen die Werte des deutschen Sozialismus, der sich ausschließlich leiten läßt von inneren Verpflich­tungen an die Allgemeinheit, an das Volk im Ganzen und der im Gegenteil zu heutigen Machthabern nicht feige genug ist, aus dieser Verpflichtung auch die nun einmal notwendigen Folgerungen zu ziehen. So wächst aus dem Begriff der persönlichen Freiheit des Ein-

Gettrstt setzt vor ersetzt

Das „Göttinger Tageblatt" unter Vorzensur.

Göttingen, 10. August. Das „Göttinger Tageblatt" ist unter Vorzensur gestellt worden. Diese Tatsache hat dem Verlag Wurm Veranlassung gegeben, an den Reichspräsidenten folgendes Telegramm zu senden:

„Seit zwei Tagen wird über die in unserem Ver­lage erscheinenden Tageszeitungen „Göttinger Tage­blatt" und „Niedersächsische Morgenpost" eine Vor­zensur in der Weise verhängt, daß die politischen Artikel der hiesigen Polizeibehörde vorgelegt wer­den und von ihr genehmigt werden müssen. Jede, auch die leiseste Kritik an Maßnahmen der Preußenregie- gierung wird aus den Artikeln herausgestrichen, so daß 'die Zeitungen mit weißen Zensurstellen erscheinen'. Da wir von der Verhängung des Belagerungszustandes noch nichts gehört haben, müssen wir in dem Vor­gehen der preußischen Amisstellen ein unzulässiges Ein­greifen in die verfassungsmäßige gewährleistete Pres­sefreiheit erblicken. Wir bitten Euer Exzellenz um so­fortige Abstellung dieses einer wahren Demokratie un­würdigen Zustandes, (gez. Unterschrift.)."

Der Reichspräsident hat geantwortet, daß er die telegraphische Beschwerde dem preußischen Innenmi­nisterium zur beschleunigten Prüfung übergeben habe.