Ausgabe 
(8.8.1931) Nr. 71
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Verlagsort Bremen. Herausgeber: Ku rt Thiele. Verlag: Bremer Natwnalloziallslische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Re- daktwn: Bahnhofstrahe 26. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878

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Die rote Bastion Preußen muß fallen

Arühstüek und dunkelt Ln Rpnr - Halde SNatznaHrnen gegen Hreesffeveegernattigung

Warum sGwergt die ReiGSVank?

Berlin, 7. August. Unser Führer Adolf Hitler richtete an die Nationalsozialisten Preußens einen Aus­ruf, in dem es u. a. heißt:

Die Schutzgesetze dieser Demokratie verbieten den Mahren Schutz der Nation. Das deutsche Volk wird seit 12 Jahren von einer Elend- und Notkrise in die andere geworfen. Alles ist ins Wanken geraten. Auf 1 dem Gebiete des Erwerbslebens und der Arbeit jagt eine Enttäuschung die andere.

Millionen haben ihre sauer ersparten Groschen verloren, andere ihren Arbeitsplatz. In zahllosen Dik­taten wurden auf unser Volk Lasten über Lasten gehäuft, die in Generationen nicht abzutragen sind. Alle Versprechungen vom Ende unserer Not und der Ueberwindung der Arbeitslosigkeit haben sich nicht er- ic s füllt. Insbesondere haben sich auch die auf den Tributplan gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt.

Wer hat nun recht gehabt? Wir oder die Parteien der Poungplanunterzeichner?

Das deutsche Volk stürzt, aber Sozialdemokratie und Zentrum leben. Solange diese nicht überwunden werden, wird Deutschland nicht auferstehen. Die Bastion aber, von der aus die Sozialdemokratie Deutschi­land beherrscht, ist Preußen. Am Sonntag, 9. August tritt an die deutsche Nation die Frage, ob nach 12 Jah­ren unendlich! schweren Schicksals, Deutschland nun enlich reif geworden ist, den Weg nach aufwärts zu sehen.

90 Millionen in aller Welt sehen auf euch 40 Millionen Preußen.

Ihr seht die Not; erfüllt daher eure Pflicht.

Der GtaMHelrn antivorSet

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Berlin, 7. August. Das Bundesamt des Stahl­helm teilt mit:

An Preußens Wähler und Wählerinnen! Die am Volksentscheid beteiligten Bünde, Partei­en und Organisationen veröffentlichen folgende Erklä­rung und bitten die Zeitungen, aus Gründen der Loya­lität ihr ebenso wie der Kundgebung der preußischen Regierung Raum zu geben:

Sämtliche Zeitungen, 2500 an der Zahl sind unter Berufung auf die Pressenotverordnung des Reichspräsidenten vom 17. Juli gezwungen wor­den, eine Kundgebung der preußischen Regierung an Preußens Wähler und Wählerinnen gegen den Volks­entscheid zu veröffentlichen. Es gibt kein verfassungs­mäßigeres und demokratischeres Mittel des politü- tischen Kampfes, als die Befragung des Volkes in einer politischen Angelegenheit von Bedeutung. Um dieses verfassungsmäßige Mittel zu bekämpfen und eine dem Volkswillen nicht mehr entsprechende Re­gierung zu schützen, wird die Pressefreiheit, das höch­ste Gut eines freiheitlichen Staates, vernichtet. Ein besserer Beweis für die Notwendigkeit dieses Volks­entscheides konnte nicht erbracht werden.

Eine sachliche Erwiderung auf die von parteipoli­tischen Erwägungen diktierte Kundgebung der preußi­schen Regierung erübrigt sich in diesem Augenblick der Entscheidung. Wir sind überzeugt davon, daß nicht nur unsere bisherigen Anhänger in Stadt und Land, die durch derartige parteipolitische Kundgebungen nicht wankend gemacht werden können, sondern daß darü­ber hinaus alle wirklich freiheitlich denkenden Männer und Frauen auf diese Vergewaltigung der Meinungs­freiheit die einzig mögliche würdige Antwort geben: Ja! der Preußische Landtag ist Aufzulösen".

Versagt Hindenvurg?

Eingreifen erst nach dem Volksentscheid?

Berlin, 7. August. Amtlich wird mitgeteilt: Der jF! Reichspräsident läßt auf die ihm zugegangenen zahl- -s! > reichen telegraphische Anfragen mitteilen, daß die «s." I Anordnung der Veröffentlichung der gestrigen Kund- ) gebung der preußischen Staatsregierung ihm Veranlas- > sung gegeben hat, die Rcichsregierung um Vorschläge i Y j zur Aenderung der Verordnung vom 17. Juli 1931 zur '' - Bekämpfung politischer Ausschreitungen zu ersuchen. ' Die Reichsregierung wird unverzüglich solche Vor­schläge dem Herrn Reichspräsidenten unterbreiten.

Die Abänderung der letzten Pressenotverordnung hurste, wie wir erfahren, noch einige Tage auf sich warten lassen. Die Reichsregierung wird in dieser Angelegenheit zunächst Besprechungen mit den zu­ständigen Presseverbänden haben. Eine Entscheidung über die Gestaltung der Abänderungen wird dünn voraussichtlich am Montag, nach der Rückkehr des Reichskanzlers, fallen.

Das NsWrse DeutsEkanv steht Ses uns

Berlin, 7. August. 30 führende Persönlichkeiten des deutschen Geisteslebens haben sich in folgendem > Aufruf für den Volksentscheid zur Auflösung -es Preu­ßischen Landtages ausgesprochen:

„Die stimmberechtigten Preußen sollen am 9. Aug. im Volksentscheid darüber entscheiden, ob der vor drei Jahren gewählte Preußische Landtag aufzulösen ist, oder in seines gegenwärtigen Zusammensetzung weiter bestehen soll. Der jetzige Landtag bedeutet die Herr­schaft der Linken über Preußen. Wir halten diese Herr­schaft vor unserem deutschen Gewissen für unver­einbar mit allem, was wir für Deutschland erseh­nen und erstreben,. Vor jeder unserer großen Auf­gaben steht diese: Unser Volk mit neuer Achtung vor seiner Art, vor seiner Geschichte und vor den volkhaft- sittlichen Werten zu erfüllen. Wir erheben gegen die Linke den Vorwurf, daß sie in ihrem Machtbereiche wissend und wollend diese Achtung untergraben und mithin zerstört hat. Die Herrschaft der Linken ist das große Hindernis für die sittliche Erneuerung unseres Volkslebens. Sie muß fallen, wenn es mit unserem Volke wieder aufwärts gehen soll. Der Volksent­scheid kann und soll sie beseitigen. Wir fordern unsere Freunde in Preußen auf, beim Volksentscheid am 9. August mit Ja zu stimmen.

Der Aufruf ist unterzeichnet von Pros. Adolf Bärtels, Geh. Regierungsrat Rudolf Böhmer, Dr. Paul Ernst, Richard Euringer, Dr. Hans Grimm, Hein­rich v. Gleichen, Dr. Otto Gründler, Albrecht Erich Günther, Gerhard Günther, Rudolf Huch, Hanns Iohst, Edgar I. Jung, Dr. Hans Kahser, Guido Kol- benheher, Pros. Dr. Felix Krüger, Geh. Rat Pros. Dr- Eugen Kühnemann, Dr. Luetgebrune, Pros. Dr. Mann- hardt, Pi sf. Dr. A. O. Meher, Pros- Dr. Hans Ioa!- chim Moser, Börries Frhr. von Münchhausen, Gehi Rat Pros. Dr. Walter Otte, Gustav Schwer, Pros. Dr. Schüßler, Dr. Martin Spähn, Dr. Wilhelm Stapel, Dr. Emil Strauß, Willi Vesper, Pros. Dr. W. Vo­gel und August Winnig.

Vor der Ainanzkatastrophe

Unerfüllbare Verpflichtungen des Reiches. — Gefährliche Zchatzwechselpolitik.

Am Mittwoch wurde der freie Zahlungsverkehr bei allen Vanken anscheinend ohne größere Schwierigkeiten wieder aufgenommen. Damit ist in den klugen der allzu leicht­gläubigen und vertrauensseligen Massen, die Situation für die nächste Zeit wieder einmal gerettet. Man muß ohne weiteres zugeben, daß sich damit das System noch ein­mal eine neue Galgenfrist (im wahrsten Sinne des Wortes) erschlichen hat, muß man aber auch fragen, auf welche Weise und unter welchen Gpfern. Am Ultimo Zuni betrug das kassenmähige Defizit des Reiches rund 1,5 Milliarden, es hat sich damit im letzten Vierteljahr um 180 Millionen Mark erhöht. Das Resultat wird im Monat Juli, über den genaue Eingaben ja noch nicht vorliegen, sich katastrophal verschlechtert haben. Die Eingänge aus direkten Steuern und Zöllen sind, wie schon heute feststeht, um ein erheb­liches zurückgegangen. Die Ansprüche, welche aber an die Reichskassen gestellt werden, wachsen von Tag zu Tag. Die Stützung der Dresdner Sank, die Stützung der Danat- vanlr haben dem Reich bereits große Summen gekostet. Durch das verbot für die Gemeinden, von Sparkassen und Girozentralen kurzfristige Kredite weiterhin in Anspruch zu nehmen, wächst die Unterstützungspflicht -es Reiches diesen Kommunen gegenüber in das Ungemessene. Was die Regie­rung an Gutem durch diese Notverordnung gegeben hat, hat sie auf der anderen Seite wieder genommen. Erreicht hat sie, daß die Sparkassen, bei denen die kleinen und aller- kleinsten Sparer ihre Notgroschen angelegt haben, wenigstens für die nächste Zeit sicher sind, und nicht durch Abgabe von Krediten an Gemeinden, die durch langjährige Anleihepolitik jetzt schon überschuldet sind, die Einlagen ihrer Sparer ge­fährden. Erreicht hat die Regierung aber ebenfalls, daß diese Gemeinden, die dadurch, daß die Wohlfahrtslasten und alle übrigen durch Wirtschaftskrisis und System hervor­gerufenen großen Geldbedürfnisse sich jetzt folgerichtig an die Stelle wenden müssen, die ihnen ihre letzte Pump­möglichkeit genommen hat, an die Reichsregierung. Diese hat ja jetzt schon das Kapitalbedürfnis der Gemeinden und die Notwendigkeit der Reichshilfe notgedrungen anerkennen müssen, um nicht die Gemeinden und damit das Reich durch die ohne Hilfe unabwendbare Einstellung der Unterstützungen dem Chaos auszuliefern.

Man frägt sich aber unwillkürlich, denn man hat doch die letzten Wochen dauernd gehört, das Reich hat kein Geld, das Reich kann selber nicht bezahlen usw., woher Nimmt die Reichsregierung jetzt plötzlich diese Riesensummen, und woher will sie die noch erforderlichen Mittel nehmen? Geld durch neue Steuern in die Reichskassen hineinzubekommen, das ist unmöglich, und diese Unmöglichkeit wird jetzt sogar von Reichsfinanzminister und. Regierungsräten im Finanz­ministerium eingesehen. Anleihen hat das Reich unseres Wissens nicht bekommen, und wird es nach den Worten der unglücklichen Rundfunkrede des Reichskanzlers in näch­ster Zeit auch nicht bekommen.

Wir fragen also mit vollem Recht als noch nicht voll­kommen entrechtete Staatsbürger, woher nimmt das Reich das Geld, woher nimmt das Reich die 3VV Millionen Mark, um die krachende Dresdner Sank zu stützen? woher nimmt das Reich das Geld, um der Industrie zu ermöglichen, einen Teil des Kapitals der vanatbank zu übernehmen, eine Anleihe an die Schwerindustrie, die von dieser bekanntlich erst in 5 Iahren zurückbezahlt werden soll. Woher will das Reich die Gelder nehmen, die eventuell die Garantie-Uebernahme