Ausgabe 
(6.8.1931) Nr. 69
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Verlagsort Bremen. Herausgeber: Kurt Thiele. Verlag: Bremer Natwnollozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Re­daktion: Bahnhofstrahe 26. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878

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Llrn Preußens VottSentfGeib

C»n Aufruf der AGDAHS.

Unsere Pressestelle veröffentlicht einen Aufruf zum Volksentscheid, in dem es n. a. heißt:

Entscheidung in preutzen ist Entscheidung für das Reich, preußische Nationalsozialisten, bekundet euer vertrauen zur Partei, Auf euch ruhen die Augen aller Kämpfer für das dritte Reich. Gebt den hoffnungsvollen wieder den Glauben an den Sieg. Möge man euch das geschriebene lvort ver- i_ bieten, im Geiste können sie uns nicht zwingen.

Mit euch ist der Lebenswille und das Recht der Ration! Mit euch ist der unbesiegbare Geist Adolf Hitlers! Mit euch

ist Deutschland!

Ls ist eure Pflicht, unermüdlich Stunde für Stunde

für unsere Ueberzeugung zu kämpfen und zu werben. Denkt und fühlt in diesen Tagen nichts anderes als das, was euer deutsches Mesen und die Verantwortung vor der Nation

euch vorschreibt. Stellt euer ganzes Sein und eure ganze

Kraft in den Dienst der großen Sache.

Tragt den preußischen Adler zum Sieg, damit Deutsch­land auferstehe.

Der Glaube versetzt Berge ,aber der Mille zerbricht

Ketten.

VeSeutuns des

VoSLSenlfeHesdS

! Brüning mutz kapitulieren.

m > Rom, 3. August. Der Berliner Vertreter des „La-

t voro Fascista" weist auf die große Bedeutung des ^ . Volksentscheids hin und spricht die Ansicht aus, daß l man sschvn jetzt mit einem Erfolg rechnen könne. Der ^ 2 Kamps um die Auflösung des Preußischen Landtages

: ziele zunächst zwar nur auf den Sturz der soialdemo-

K l ' kratischen Regierung in Preußen 'hin. Der Sturz

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Brauns! würde aber auch die Stellung Brünings au­tomatisch unhaltbar machen, da es keiner Reichsregie­rung möglich sei, ohne enge Zusammenarbeit mit der Regierung in Preußen an der Macht zu bleiben. Mit anderen Worten, die Rechte würde nicht in Preußen an der Macht und gleichzeitig im Reich in der Opposition sein. 'Große Bedeutung sei daher der Unterredung zwischen Hindenburg und Hugenberg beizumessen. Zu dem Gerücht über die Vermittlung Hindenburgs zwi­schen Brüning und der Rechten meint der Vertreter des „Lavoro Fascistia", daß im Falle eines Sieges der Rechten im Volksentscheid Brüning keine andere Mög­lichkeit hätte, als die Bedingungen der Rechten an­zunehmen. Es sei wahrscheinlich, daß sich die Rechte mit einer Regierungsbeteiligung begnügen würde. Von "einem vorauszusehenden Erfolg des nächsten Sonn­tags werde eine grundsätzliche Aenderung der Einstel­lung in der deutschen Innen- und Außenpolitik abhän­gen, die aufmerksam verfolgt werden müsse.

VküniNS und AluffEnt

Berlin, 3. August. Anläßlich der Abreise nach Rom gab der Reichskanzler folgende Erklärung an die Presse: „Meinem Kollegen, Dem Herrn Reichsaußenminister, und mir ist es eine besondere Freude, die Reise nach Rom anzutreten und so die Gelegenheit zu finden,-, den hervorragenden Chef der italienischen Regierung persönlich kennen zu lernen. In Deutschland ist man sich dessen bewußt, daß alle politischen Entscheidungen in Italien in diesen Jahren von dem 'Ziel ernster Ver­antwortung für Europas Befriedung und wirtschaft­liche Wiederaufrichtung getragen waren - zwei Ziele, in denen Deutschlands und Italiens Interessen sich durchaus begegnen. In diesem Sinne möchte ich der Hoffnung auf einen harmonischen und erfolgreichen Verlauf der bevorstehenden zwangslosen deutsch-ita­lienischen Besprechung Ausdruck geben".

GVMderzug des KvnzSers

Rom, 6. August. Der deutsche Botschafter von Schubert ist am Mittwoch um 22,05 Uhr aus Rom abgereist, um den Reichskanzler und den Reichsaußen­minister am Donnerstag am Brenner zu empfangen. Am Nachmittag verließ der Sonderzug des italieni­schen Ministerpräsidenten, der den deutschen Gästen zur Verfügung gestellt wird, Rom. Er besteht aus sechs Wagen, einem Gepäckwagen, einem Küchen und Speisewagen und einem Wagen für den Reichskanz­ler und den Reichsaußenminister., sowie zwei wei­teren Wagen. Der für Brüning bestimmte Wagen ent­hält einen großen Salon, ein Arbeitszimmer, ein Schlaf- und Badezimmer und der Wagen des Reichs­außenministers besteht aus zwei Iagdzimmern und zwei Arbeitszimmern.

vrcmei» »na VMseiilMM!

Kann am Oelingen ckes preuö. Volkseritscbeickes mitwirken.

veranlasst seine Bekannten, Verwandten etc in Preussen rur Abstimmung.

scbreibt seinem breunäe, class er tür Aullösung cles vreukiscben bangtages ru stimmen trabe.

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Wann tritt «fterto» zurtt«?

Das hätte nicht kommen dürfen! Man war so wacker in bürgerlicher Ehrbarkeit gegen die verantwort­lichen Männer des Nordwolle-Skandales zu Felde gezogen, hatte sich in der eigenen angeblich so weißen Weste voller Empörung in die Brust geworfen, daß die Knöpfe sprangen und die goldenen Uhrketten sich spannten, hatte schmutzige Wäsche kilometerweit im eigenen Blättchen ausgebreitet und nun?

Arme S. P. D. Das heißt Pech haben, fortgesetz­tes Pech, fortsetzendes Pech bis ans baldige Ende. Und an allem sind die bösen Nazis schuld, genau so schuld, wie an den Schwierigkeiten der Schröderbank, an dem Loch in der Staatshauptkasse von nur zwei Millionen, an der noch immer auf Krücken wankenden Beamten- bank, schuld daran, daß Herr Faust sich rechtzeitig in den sonnigen Süden begab, ehe es Hier brenzlich wurde, kurzum die Nazis sind schuld. Das würde den Herren von der Volkspartei so Passen, mag es sich nun um einen hohen Beamten oder um Pros. Dietz handeln. Dann hätten sie ihren Lohn für ihre Vasallen­treue nach Links, dann hätte das politische Termin­geschäft sich doch noch gelohnt. Aber . wir meinen, die Dinge werden sich anders entwickeln und wir stehen unmittelbar vor einer dringend notwendigen Reini­gungsaktion in Bremen, die dem Koalitionssenat nicht immer ganz recht sein wird,.

Zunächst der Fall Osterloh, wirklich ,ein Fall vorn schöngeschnitzten Präsidentenstuhl abwärts die gan­ze Börsentreppe hinunter, denn von Börse und Bör- senegschäften hatte er ja nie etwas verstanden. Er scheint überhaupt nicht viel zu verstehen, denn wie wäre es sonst zu erklären, daß man ihm Papiere, von 10 000 Mk. schenkt und er merkt es nicht einmal. Sind sonstige Nebenverdienste und Vergütungen von Herrn Osterloh so erheblich gewesen, daß der Betrag für ihn keine Rolle spielte oder will man ernsthaft, wie es selbst die Bremer Nachrichten versuchen, die bremische Bevölkerung mit dieser faulen Ausrede über­zeugen?

Wohl füUH'n sich- die Herren vom Fangturm nicht dabei und sie haben bereits eine ausgepolsterte Hintertür geschaffen, durch die dann Genosse Osterloh verschwinden kann. Auch sie sprechen bereits von Kon­sequenzen politischer Natur, die zu ziehen sein werden und beschließen ihr Rückzugsgefecht mit zwei Feststel­lungen so erschütternd komischer Natur, daß wir sie unseren Lesern nicht vorenthalten wollen:

„Die Sozialdemokratie ist jederzeit bereit, durchzu- greifen, wo das erforderlich ist. (Barmat, Kutisker, Bauer, Heilmann usw.). Gerade das demokratische System erleichtert die Aufdeckung von Schäden und Unredlichkeiten.".

Nun, die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes kennt sich jetzt aus in diesem demokratischen System, das u. a. aus der einst in der Welt geach­teten Hansestadt Bremen einen Haufen allrüchigerSkan- dale. Bankkrachs und sonstiger Affairen werden ließ.

An dieser Schuld änderen auch nichts die bewußten Lügen und Textfälschungen der Bremer Volkszeitung, Lügen, die sie selbst erst berichtigt und dann erneut aus spricht: TextfälschuUgen, die ihr trotz sofortiges Nachweisbarkeit zur zweiten Natur geworden sind. Ausgerechnet solche Leute reden dann von eigenem Reinlichkeitsbedürfnis und würden doch selbst in keiner Moorbadeanstalt wegen völliger Verschmutzung zuge­lassen werden.

Wir fragen also: Wann verschwindet Osterloh?

Denn einer muß den Reigen doch eröffnen!

-art.