Ausgabe 
(30.7.1931) Nr. 63
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

EinzelpreLs 1S HSfg

llationMzia

Pluteiamtlickes VriM öer

»remer

S«schLst»ft«llr u»d Redallton: Bremen, Bahnhosstratze Lü. Fernl-r. D»»iimh. 25S78. Erscheint wöchentlich l, Bezugspreis monatlich 1.12 RM. einschließlich Bestellgeld. Vkrlagsort Bremen.

scke-eituno

bremec llaÜolmlsoziMe»

Anzeigen: IS-gesp. Ronpr.-Zeil« Ü.2K, auswärts Ü.SV RM Stellen­gesuche und Fam.-Anz. 0.10 RM. lUetn« Anz 0.1» RM IchchP. ReNamezeil« 1.— RM., auswärts 1.2S RM Ersatzansprüche Snnen nicht gestellt werden, wenn das Erscheinen irgendwie verhindert W-

Nr. 63

Donnerstag, den 30. Juli

^93^

»»»»»»»»»

Vrrrrnng umgefallen?

Deritf«Hland soll die HSarifer Forderungen nnneyrnenr

2 LleverfSlle auf GA in Vrenren

England HSHnt

«eihaG der Hamdarvett

London, 3V. Juli. Die Berichte der Londoner Pre sse über den Besuch Macdonalds und Hendersons in Berlin betonen, daß irgendwelche greifbarn Ergebnisse zu Gunsten Deutschlands nicht erzielt worden seien, Wohl aber habe der Besuch beim deutschen Volk einen guten Eindruck hinterlassen. Er habe, so sagt der „Times"--Bericht den guten Willen sicherlich verstärkt. Man könne ^>ie psychologische Wirkung in Deutschland schon jetzt fühlen. Die von englischer Seite gemachten freundschaftlichen Empfeh­lungen zu einem Ausgleich mit Frankreich zu kommen, seien zwar für viele Deutsche noch wenig schmack­haft, aber die Notwendigkeit eines derartigen Ausgleichs, für den auch nötigenfalls Opfer zu brin­gen, werde jetzt bei vielmehr Deutschen erkannt, als es noch vor wenigen Wochen der Fall war. Man sehe jetzt in Deutschland die wirkliche Lage besser ein, als früher, obwohl der zeitweilige außergewöhn­liche Optimismus über die Möglichkeiten, die sich der deutschen Politik böten, übertriebener Einschätzung der französischen Macht und Nnbarmherzigkeit und der Bedeutung des französischen Goldes gewichen sei.

GHSD stützt ArankretO

London, 29. Juli. Der „Daily Telegraph" läßt sich aus Berlin melden, daß eine sogenannte deutsch­französische Annäherung in der Luft liege und daß die Fragen der deutschen Panzerkreuzer und der Zollunion mit Oesterreich bald (im Sinne des deutschen Nachge- bens« natürlich) geklärt werden würden. Macdonald und Henderson hätten besondere Einladungen zu den ,, in Preußen herrschenden Sozialdemokraten, und die­se wären sowohl gegen die Zollunion wie gegen den " Bau der deutschen Kriegsschiffe. Sie hätten also andere ^ Ansichten wie Brüning. Wenn man bedenkt, daß der A Londoner Besuch des Marxisten Wels bereits die eng- " lichen „Genossen" veranlaßte, auf ein Nachgeben der ' Reichsregierung in beiden genannten Fragen gegen­über Frankreich hinzuarbeiten, und sie damit erst die unverschämten französischen Forderungen, die Deutsch­land den letzten Rest der Souveränität nehmen, her­ausforderten, ist die Schlußfolgerung logisch, daß die preußischen Sozialdemokraten unter Vermittlung Mac Donalds und Hendersons die Kapitulation Deutsch­lands vor den Franzosen, die das Finanzelend Herauf­beschwören halsen, vorbereiten.

'Der galizische „Vorwärts" hatte ja bereits Auf­gabe von „Prestige-Fragen" gefordert.

Vor neuen SNinistereffen

Paris, 30. Iuli. Die von Berlin ausgehenden Gerüchte, ?- daß die Reise des Ministerpräsidenten Laval und des Bußen- , ministers Vriand nach Deutschland in der ersten Hälfte des

Monats August stattfinde, werden von den pariser Blättern ohne jeden Kommentar wiedergegeben, von amtlicher Seite werden sie weder bestätigt noch dementiert. Das „Deuvre" macht jedoch daraus aufmerksam, daß Laval die Bbsicht habe, sobald wie möglich nach Rom zu reisen, um sich dort mit den maßgebenden Ministers über die Flottenfrage zu ver­ständigen. Die aus englischer (yuelle stammenden Meldungen, daß die französisch-italienische Flottenfrage kurz vor der Be­reinigung stehe, entbehrten jeder Grundlage.

Keiner«es Nreisvore Ergebnisse

Aber sentimentale Redensarten.

Paris, 29. Juli. Die Pariser Presse zieht heute die Bilanz aus dem zweitägigen Besuch der englischen Minister in Berlin. Die allgemeine Auffassung geht dabei dahin, daß außer sentimentalen und oft sogar gefährlichen Erklärungen seitens des englischen Außen­ministers keinerlei greifbare Ergebnisse erzielt worden seien. „Intransigeant" stellt fest, daß man aus der Finanzlage Deutschlands und Englands die Schluß­folgerung ziehen könne, daß die Krisen beider Länder die gleichen Ursachen hätten, nämlich die sozialen Aus­gaben. „Temps" warnt vor den angeblich tendenziösen Gerüchten, wonach der Besuch der englischen Minister in Deutschland dazu geführt habe, einen englisch-deut­schen Block gegen Frankreich zu bilden. Das Blatt geht sodann auf die Ursachen der Finanzkrise in Deutschland ein und macht die Sozialdemokratie allein hierfür ver­antwortlich. Die allgemeine Lage in Deutschland sei heute noch ebenso verwirrt, wie vor drei Wochen und die Diagnose, die man stellen könne, müsse nach wie vor sehr zurückhaltend sein.

«wtiser Auftakt zur morgigen Versammlung

Kommune holt sich blutige Köpfe!

Unsere pfister-versammlung in den Zentralhallen scheint -- der Kommune auf die Nerven zu gehen. Gestern kam es f in der Stadt zu drei Ueberfällen auf unsere SB.-Leute, die Flugzettel für die Versammlung verteilten.

^ Zum ersten Zusammenstoß kam es gestern gegen ljü Uhr

0 am Ztempelamt. Als dort einige SB.-Leute Flugblätter ver-

- loren und sich dann auf die Anständigkeit des Gegners ver- > lassend in eine Diskussion einließen, kam es zu der ke­il kannten „geistigen" Auseinandersetzung mit der Kommune. " i Gemeinsam schlugen Kommune und Reichsbanner, zwei edle

1 Lrüder, auf unsere Leute. Ein Kamerad wurde schwer am t Buge verletzt, seine Hose wurde zerfetzt, eine Tasche wurde -.geklaut diese Sozialisten!

^ Dann, später gegen 1 Uhr, als l2 SB.-Männer an der

i Nordstraße ebenfalls Flugblätter verteilten, wurden sie von einer wüsten Horde von 50—6« Mann Kommune überfallen. Mit Messern, Schlagringen schlugen und stachen sie auf un-

- sere Leute ein. Doch hatten sich die Helden diesmal scheinbar arg getäuscht. SB. ging zum Bngriff über, schlug die Bande

in die Flucht, die sich dann mit blutigen Köpfen aus dem Staube machte. 3 Mann mit „Instrumenten" in der Hand wurden von der Polizei gefaßt. Ihnen wird der Spaß ver­gehen, deutsche Brbeiter anzufassen.

Zu einem dritten, schweren und planmäßigen Keberfall

kam es dann gegen 4 Uhr in der Hafengegend, hier wurde der SB.-Mann K. von großer Uebermacht angegriffen, Ka­meraden kamen ihm zu Hilfe, dann aber waren auch schon 40 Strolche zur Stelle, um unsere Leute endgültig „fertig zu machen." Mit Lisenstangen, Knüppeln, Messern und Stahlruten wollten sie ihrer „Idee" den nötigen Nachdruck verleihen. Unsere SB., weit in der Minderzahl, gab den Halunken eine gehörige Bbreibung deutscher Brbeiterfäuste. Daran werden jene noch lange zu denken haben! Bus unserer Seite gab es einige Leichtverletzte. Einem SB.-Mann blieb zum Glück ein Messer im Koppel stecken! Der Messerstecher, der, wie Zeugen einwandfrei bekunden, in sein eigenes Messer gefallen war, bezichtigte noch frech unsere Leute des Mord­versuchs! Die Polizei nahm sich seiner warm an.

Zur Maschinenfrage in der Zigarrenindustrie

Wir geben nachstehende Busführungen wieder, da sie einen für Bremen besonders interessanten Beitrag zur Uebersteigerung der Rationalisierung darstellen, die ebenso wie die übrige Entwicklung der deutschen Wirtschaft den Menschen als Zweck aller wirtschaftlichen Letätigung ausschalten will. hier berührt der Bufsatz in seinen grundsätzlichen Darlegungen auch unser Wirtschaftsprogramm.

Die Schriftleitung.

Dr. R. M. Der Fortschritt der Technik drängt durch die stetige Weiterentwicklung der Maschine die menschliche Ar­beitskraft immer mehr vom Brbeitsmarkt. Soweit die Ma­schine Mangel an Arbeitskräften beseitigt, gesundheitsschäd­liche oder schwerste körperliche Arbeit dem Menschen ab­nimmt oder durch Präzisionsarbeit die beste Menschenleistung übertrifft, ist die Maschine an ihrem Platze, besonders wenn durch ihre Leistung auch noch das Produkt trotz Amortisation und Verzinsung des investierten Kapitals erheblich verbilligt wird und damit umsatzsteigernd wirkt. Bei dem Konkurrenz­kampf der Völker auf dem Weltmarkt wird man bei uns aber leider nicht immer nur diese idealen Zwecke der Ma­schine berücksichtigen können, sondern muß — auch gegen seine innere Ueberzeugung — dort die Maschine bevorzugen, wo sie durch verbilligung des Produktes die weltmarkt-- konkurrenzfähigkeit herstellt, auch wenn die Maschine die schon bestehende Arbeitslosigkeit vermehrt. Bei dem Roh­stoffmangel unseres Landes müssen wir zur Beschäftigung unserer Industrie die uns fehlenden Rohstoffe importieren und zur Bezahlung dieser Importe müssen wir in der Lage sein, unsere Produkte nutzbringend auf dem Weltmarkt unterzubringen.

Die Maschinenfrage bekommt aber ein ganz anderes Ge­sicht, wenn es sich um Produkte handelt, die, in der Haupt­sache wenigstens, im Lande verbraucht werden. Da tritt zunächst die Frage aus, ob solche Produkte, die größtenteils durch Menschenhand bei uns hergestellt werden, billiger vom Auslande — weil dort Maschinenprodukt — importiert werden können. Dieser Gefahr kann man durch geeignete Gesetzgebung Herr werden.

Die nächste Frage wäre, ob das Produkt im eigenen Lande für den Konsum wesentlich durch die Maschinenarbeit verbilligt werden kann. Gegen diese verbilligung müßte der durch die vermehrte Arbeitslosigkeit herbeigeführte volks­wirtschaftliche Schaden aufgerechnet werden. Liegt der durch Maschinenarbeit herbeigeführte Vorteil gegenüber dem durch die Arbeitslosigkeit geschaffenen Schaden — nicht etwa für den Einzelnen, sondern für die Volksallgemeinheit — gün­stiger, so ist die Maschinenarbeit gerechtfertigt, andernfalls ist sie es nicht und der Staat sollte auf Mittel sinnen, solche Maschinenprodukte durch geeignete Gesetzesmaßnahmen so zu versteuern, daß die Maschinenarbeit sich gegen die Menschen­arbeit nicht mehr lohnt. Das wäre einfach durch ausreichende Besteuerung solcher Maschinenprodukte zu erreichen, deren Herstellung durch Menschenarbeit im Interesse des Volks­tänzen liegt. Das Handarbeitsprodukt müßte außerdem als

Buch heute, noch wahrend Redaktionsschluß, belagert die Kommune überall in der Stadt unsere Zettelverteiler.

Volksgenossen, Proleten, merkt ihr denn nicht, wie man euch durch diese Mätzchen bange machen will? Wie man euch abhalten will, die Wahrheit zu hören?

Laßt euch nicht beschwindeln, hört von der Pleite der KPD.! Kommt morgen in unsere Versammlung, pg. pfister wird der KPD. die Maske von der Fratze reißen, die Er­bärmlichkeit und Verlogenheit dieser Volksverführer ent­larven!