Ausgabe 
(27.7.1931) Nr. 60
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Krem«

«ktnAelpreS» is HSfg

NatiMallitziMWe Zeitung

Ü^rteimatliLesvrgaü der

»«schtflsftell« u,d RedakUon: Bremen. Bahnhofstrab« 2S. Fernspr.

D««»h. 2SS78. Erscheint wöchentlich 2 mal. Bezugspreis monatlich l.l2 RM einschließlich Bestellgeld. Berlagsort'Bremen.

tzremer llaÜoruiiloZiMeL

Anzeigen: IS-gesp. Ronpr.-Zeile 0.2Ü, auswärts V.S0 AM. Stellen­gesuch« und Fam.-Anz. 0.l0 RM Aletne Anz. O.li RM S-gesp. .ellamezeile 1.— RM., auswärts I.2K RM. Ersatzansprüche Sauen

Erscheinen irgendwie verhindert ihl

nicht gestellt werden, wenn dar

Nr. 60

Montag, den 21 Juli.

^93il

I*ei«HSVanner empfangt Henderson

Ctn «esuiH ohne „deutfehsreundkiGe" Gefnhte

Vemvs^fOss SM VerSSs?

! Berlin, 27. Juli. Der englische Außenminister ljender- nason traf am Montag um 8,37 Uhr mit dem Rordexpreß lmauf dem Bahnhof Friedrichstraße ein. henderson wurde zu- wi nächst vom Reichsaußenminister Dr. Lurtius, sodann von dem m englischen Botschafter Sir horace Kumbold begrüßt, der dem i7s Minister die Zerren der englischen Botschaft vorstellte. Im ms Auftrage der Reichsregierung waren zur Begrüßung weiter >ft erschienen Staatssekretär von Lülow, Ministerialdirektor RDieckhoff und der Chef des Protokolls Graf Tattenbach. Aus ilsdem Bahnsteig hatte ferner eine Abordnung des Reichs- ia banners Aufstellung genommen, die den englischen Autzen- iil minister mit dem Rufe: „Dem Freunde Deutschlands ein si dreifaches heil!" begrüßte. Leim Verlässen des Bahnhofes hielt henderson eine kurze Ansprache vor der Tonfilm- apparatur, in der er seiner Freude darüber Ausdruck gab, m eine kurze Zeit in Berlin weilen zu können. Auch vor M'dem Bahnhofsgebäude wurden mehrfach hoch- und heilrufe '»rufe auf henderson laut. Die Abfahrt vollzog sich in völliger iv Ordnung.

»!

vorsiOtise Gngllanv

Klären, daß es sich nicht etwa um einen neuen Beweis für ein Abkommen zwischen England und Deutschland han­dele. So etwas gäbe es nicht. Das englische Volk werde nie­mals einem vertrage zustimmen, der sich gegen Frankreich richte. Gleichzeitig aber sei es fest entschlossen, sich niemals wieder mit Frankreich gegen Deutschland zu verbünden. Die Zeit der Bündnisse sei vorbei. Der Besuch deute weder deutschfreundliche, noch frankreichfeindliche Gefühle an.

GlirMosv Sm GQNfforres

Berlin, 26. Juli. Im Laufe des Sonntags hat, wie die TA. erfährt, zwischen dem amerikanischen Staatssekretär Stimson und Reichskanzler Dr. Brü- nmg und dem Reichsaußenminister Dr. Curtius ein reger politischer Meinungsaustausch über die zur Zeit im Vordergrund stehenden Fragen stattgefunden. Der amerikanische Staatssekretär, der im Laufe des Vor­mittags das Pergamen-Museum besichtigt hatte, un­ternahm anschließend einen kurzen Ausflug nach Sans- souci, bei dem ihn der Reichskanzler und der Reichs­außenminister begleiteten.

vlätterstimmen zum Ninisterbesuch in Berlin London, 27. Iuli. Ueber den heutigen Besuch Mac- MÄdonalds schreibt der „Daily Herold": Der Besuch soll dazu Idienen, die Erörterung der dringlichen deutschen Fragen fort- l:«;usetzen und den englischen Ministern durch eigene Anschau- zung Gelegenheit geben, ihre Erfahrungen zu vervollständigen. We liberale „News Ehronicle" sieht sich veranlaßt zu er-

Eine Reise Lavals nach Rom vor Berlin.

Amerikanische Blätter verzeichnen das Gerücht, daß Ministerpräsident Laval die Absicht habe, noch vor seiner Reise nach Berlin der italienischen Regie­rung einen Besuch in Rom abzustatten. Der Besuch Briands und Laval in Berlin soll angeblich bis Ok­tober hinausgeschoben werden.

>

WrrS LsMyer avseNsr««?

j Berlin, 26. Juli. Wie wir erfahren, hat eine -Aussprache im Kabinett über die Angriffe gegen die i Leitung der Reichsbank stattgefunden. Dem Kanzler s sind die heftigen Angriffe in der Presse gegen die >c Politik Dr. Luthers nach London laufend durchtele- -*psoniert worden. Dr. Brüning soll auf dem Stand­punkt stehen, daß in der jetzigen kritischen Zeit der No- ^bienbankpräsident das uneingeschränkte Vertrauen des ^vn- und Auslandes besitzen muß. Politische Kreise ollen daraus den Schluß ziehen, daß der Kanzler den Reichsbankpräsidenten nicht länger zu halten geneigt ist. Für die NachfolgeschaftDr. Luthers werden neben Dr. Schacht neuerdings auch Dr. Kehl (Deutsche Bank rnd Diskontogesellschaft) und Dr. Bötzkes (Generaldi- i tektor der Bank für Industrieobligationen) genannt.

IrotrnatznErnen in Liiveeik

Lübeck, 27. Juli. von amtlicher Seite wird gemeldet: Die finanziellen Schwierigkeiten des Reiches und der Länder iwingen auch die lübeckischen Dienststellen zu außerordent­lichen Maßnahmen. Die Zusatzrenten für Sozial- und Klein­rentner, für Kriegsbeschädigte und Rriegerhinterbliebene wer­den am Anfang des Monats zunächst nur zur Hälfte aus­gezählt werden. Mann die restlichen Zahlungen erfolgen Werden, wird noch bekannt gemacht werden. Die Mietebei­hilfen werden ebenfalls erst bei einer späteren Zahlung aus­gekehrt. Ferner mußten die Wohlfahrtstarifarbeiten aus crsparnisgründen eingestellt werden.

Zlvangsversteigerung ohne Interessenten

Vörverden (Kr. v-rden), 27. Juli. Auf dem Halm sollte n unserer Feldmark zwangsweise durch einen Gerichtsvoll­zieher Roggen verkauft werden. Es war aber kein Räufer ! gekommen: offenbar, um dem Landwirt nicht das zu einem »pottpreis zu nehmen, was er in mühsamer Arbeil gehegl md gepflegt hatte und ihm nun verloren gehen sollte.

Am Sonntag vormittag gegen 11 Uhr ereignete sich am Ruinenberg, der am Truppenübungsplatz bei Wünsdorf in der Nähe von Zossen liegt, ein schwe­rer Segelflugunfall., bei dem der Führer eines Se­gelflugzeuges, der Ingenieur Kölgen, mit mseinem Flugzeug abstürzte und getötet wurde.

Am Sonntag vormittag wurde von der Ma- ricnfclder Gruppe des Siemens-Flugsportklubs eine Reihe von Segelflügen unternommen. Gegen 11 Uhr startete der Fluglehrer der Marienselder Gruppe, der Ingenieur Kölgen, zu einem Höhenflug vom Ruinen­berg. Als das Flugzeug sich in einer Höhe von 35 Metern befand, stürzte es plötzlich ab und ging voll­ständig in Trümmer. Die hinzueilenden Flugschüler fanden ihren Lehrer schwerverletzt bewußtlos auf.

Man rief einen Arzt zu Hilfe, der aber nur noch den Tod des Fluglehrers feststellen konnte. Der In­genieur hatte einen schweren Schädelbruch, innere Ver­letzungen und 6>nochenbrüche erlitten.

Der Verunglückte, der bei einem Industriewerk in Marienfelde angestellt war, hinterläßt seine Frau, die sich augenblicklich im Rheinland befindet, und zwei Kin­der. Die Behöben haben eine Untersuchung des Un­glücks eingeleitet.

«nrrryen in CHiie und Berncrnz

Neuhork, 26. Juli. In Santiago de Chile sind im Zusammenhang mit der revolutionären Bewegung schwere Unruhen im Gange. Die ständigen Feuerkämpfe haben bisher 50 Opfer gefordert. Man rechnet mit dem Ausbruch eines Generalstreiks am Montag.

Neuhork, 26. Juli. In Jalapa im Staate Veracruz (Mexico) wurden zwei katholische Priester in der Kir­che Ladoctrina vor dem Altar von unbekannten Tätern erschossen. Bei dem Attentat wurden außerdem zwei Kirchenbesucher verletzt. Zur gleichen Zeit wurde ein Anschlag auf den Staatsgouverneur Tejeda verübt. Während Tejeda nur eine Verletzung am Ohr davon­trug wurde der Attentäter von Begleitern des Staats- go >: vernnrs er s ch o svn.

.D§k MokkMNd flGA-MKE

Wenn das Partsiblättchen der bremischen Volks­partei um der eigenen Pleite willen allerlei hetzerischen Unfug bringt, nimmt man das nicht weiter übel, denn es gibt heute kaum noch einen politisch denkenden Men­schen, der die Volkspartei als solche in ihrer verant­wortungslosen Grundsahlosigkeit ernst nimmt. Im­merhin ist es erstaunlich, wenn das unpolitische Blatt „Der Bremer Bürger", Organ der Bürgerveeine Süd- Ost sich dazu hergibt, ohne die Dinge selbst kennen oder beurteilen zu können, einen völlig verlogenen Hetzartikel gegen die NSDAP. aufzunehmen, den man mit „freundlicher Erlaubnis" dem Roland entnommen hat.

In diesem Hetzartikel, der sich mit der Tätigkeit der bremischen Bürgerschaft beschäftigt, heißt es gleich zu Beginn:

Die schlimmsten Zeiten der „Bremischen Natio­nalversammlung" von 1919-20 und der anschließen­den ersten Bürgerschaft sind durch diese skandalösen Vorgänge übertroffen worden, nur das Werfen von Tintenfässern hat noch gefehlt.

Für diese „skandalösen Vorgänge" macht man die Nationalsozialisten verantwortlich und wir sagen heute hätten wir das vorher gewußt, wir hätten mit Tin­tenfässern geworfen, um dem Schmierfink auch von Außen so schwarz glänzen zu lassen, wie er es inner­lich ist. Es heißt dann weiter in dem Blättchen:

Zugegeben, daß fie manchmal durch Angriffe und Zwischenrufe aus den Reihen der Sozialdemokraten oder Kommunisten gereizt werden, aber sie antworten in völlig geistloser und beleidigender Weise mit den öden Schlag- und Schimpfworten, die wir aus ihrer Presse kennen, und wenn es von der Linken grob zurückschallt, dann spielen sie die Beleidigten und lär­men und toben, lassen nicht einmal den Präsidenten zu Worte kommen, um den Sachverhalt festzustellen. Kurzum, die Bürgerschaft ist zur Radauversamm­lung geworden und man schämt sich, ihr anzuge­hören.

Wie die Dinge in Wirklichkeit liegen, haben die letzten Etatsberatungen und vor allem die Schluß­sitzung vor den Ferien ergeben. Allein die Nationalso­zialisten haben schon damals vorausgesagt, daß die an allen Stellen 'willkürlich erhöhten Einnahmepösitio- nen auf Grund der kommenden wirtschaftlichen Ent­wicklung nicht einkommen können und sie haben in einer Reihe von Mnträgen immer wieder in sachlichen Ausführungen ihre Stellungnahme begründet, so sachlich, daß einer der marxistischen Hauptschreier be­merkte, an den nationalsozialistischen Anträgen sei nichts von ihrem politischen Programm zu merken.

Wir haben recht behalten in unserer wirtschaft­lichen Voraussicht, grausam recht und wir haben be­wußt in der jetzigen Bürgerschaft keine programma­tischen Forderungen gestellt, weil sie nicht angenommen worden wären. Wir haben uns von dem nationalsozia­listischen Grundsatz leiten lassen: Verantwortung für die Gesamtheit zu tragen und nicht um irgendwelche mehr oder weniger unklare Finanzangelegenheiten her- umzugesetzeln.

Aber schon damals mußten wir abschließend fest­stellen:

Es wurde nicht beraten, es wurde höchstens ver­höhnt. Verhöhnt wurde der Versuch von uns, in kur­zen Worten unsere Anträge zu begründen. Verhöhnt wurden wir schon beim Besteigen des Rednerpultes noch ehe wir den Mund öffneten, verhöhnte beim Verlassen desselben und der unparteiische Zuschauer konnte feststellen, daß in den meisten Fällen die Her­ren Parlamentarier der Linken überhaupt den Wor­ten nicht lauschten, meistens sogar die Zeit im Re­staurant verbrachten und erst bei der Glocke, die zur Abstimmung rief, lachend hereinstürmten. Ca. 3000 Reichsmark kostet jede normale Sitzung den Steuer­zahlern - wieviel Hungernden könnte damit gehol­fen werden.

And bei dieser Sachlage kommt ein kleines sonst ' so friedliches Bürgerblättchen und bringt einen "durch­aus verlogenen Angriff, den es sich scheinbar, ohne die

l