Ausgabe 
(23.7.1931) Nr. 57
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Kremer

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Nr. 57

Donnerstag, den 23. Luli

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Die Konferenz gefGeiieri r

W Doey Mnanzrontrolle über Äeutfeytand

Die Vauern fteyen auf — Die Maiionaiforiaksten sollen helfen

Rmye vor dem Giurrn

Landbund Bvemen — Oldenburg protestre reu und fordern Rücktritt der Regierung

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Bremen, 23. Iuli. Der Landbund Dldenburg-Lremen hat durch seinen Vorsitzenden Lattermann-Gberrege b. Llsfleth ein längeres Schreiben an den Reichsernährungsminister Dr.^ Schiele gerichtet, in dem er eingangs darauf hinweist, daß die Marsch- und Moorbauern, die fast ausschließlich Weide- und Milchwirtschaft betreiben, schon vor einem Sahr vor dem Ruin standen, weil für diesen Teil der Landwirt­schaft weniger wie nichts getan sei.

Setzt ist das eingetreten, vor dem ich Sie vor einem Iahre warnte, der Ruin ungeheuer vieler bäuerlicher Exi­stenzen der Marsch. Diese Leute, wertvollste Teile des Volkes, sind ins Elend gebracht, durch die gewissen- und verant­wortungslose bauernfeindliche Politik der nachrevolntionären Reichsregierungen."

Das Schreiben geht sodann in schärfsten Worten aus die Getreidepolitik des Ministers Schiele ein und stellt fest, daß sich die Lage der Veredelungswirtschaft geändert hat, gewaltig sogar, aber leider zum Schlimmen. Ls gipfelt in der Frage, ob es nicht besser sei, wenn sich der frühere Führer der Landwirtschaft von diesem Rabinett, das ihn an der durchgreifenden ksilfe für die Landwirtschaft hindert, löst und fährt fort:

„Ls ist mir zu Ohren gekommen, daß sich die Reichs­und Landesregierungen zu der Ruhe in den Reihen der Bauern freuen und sich vielleicht auch etwas wundern. Es ist keine Rirchhofsruhe, wie die Herren wohl annehmen, sondern es ist eine Ruhe vor dem Sturm. Unsere Bauern

sind zu etwa 8« Prozent in die NZDAP. eingetreten, nicht nur wegen der von ihnen verlangten restlosen Aen­derung des heutigen Systems, die sie auch bei der DNVP. haben könnten, wie Sie selbst als früheres Mitglied der­selben ja wissen werden. Die Bauern sind meines Wissens zu den Nationalsozialisten gegangen, weil sie von diesen erwarten, daß sie die Schuldigen an den heutigen ent­setzlichen Zuständen, die Nutznießer der Revolution und die verderbet dessen, was gut im Volke war. für ihre Tätigkeit einmal persönlich verantwortlich machen werden.

Die Bauern haben von Ihnen, Herr Reichsernährungs­minister, erwartet, daß Sie dem unwahren Worte der internationalen Sozialdemokratie, -atz der sozialdemokra- tische Arbeiter die Faust an der Rehle des deutschen Volkes habe, die unausgesprochene Wahrheit entgegengehalten hätten, wenn ein solcher Ausspruch getan werden sollte, patzt er nur auf den nationalen Bauernstand. Der Bauer hat die Hand an -er Rehle des deutschen Volkes. Denn wenn der Bauer an der Produktion gehindert wird oder seine Produktion nicht liefert, verhungert das deutsche Volk. hätten Sie den übrigen Herren der Reichsregierung die Wahrheit und die Gefahr dieses Satzes klar machen können, so hätten Sie segensreich für Volk und Wirt­schaft gewirkt. Beides ist leider nicht geschehen. Die Kon­sequenz wäre schleunigster Austritt aus diesem Rabinett. Leider Gottes haben bisher aber nur wenige den Mut und die Energie aufgebracht, freiwillig und rechtzeitig zu gehen."

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Do«H Finanzkontrolle

London, 23. Iuli. Ruf Vorschlag der deutschen Dele­gation (!!) sollen einige maßgebende internationale Finanziers die deutschen Wirtschaftsverhältnisse überprüfen. In der

Meldung heißt es:

Es liegt im Interesse Deutschlands, -atz von dieser Ron- feren; eine Reihe matzgebender Vanstiers vom Typ der Leute (wir kennen diesen Typ ganz genau), die sich bereits bei früheren derartigen Gelegenheiten als hervorragende Renner des internationalen Wirtschaftslebens und als un­voreingenommene Beurteiler der internationalen Wirtschafts­lage erwiesen haben, nach Berlin gebeten werden, um fest­zustellen und mitzuwirken bei der Beobachtung, ob das, was in Deutschland vereinbart wird, ausreicht, um in Deutsch­land die Rreditverhältnisse aufrecht zu erhalten. Sie sollen gleichzeitig die Verantwortung übernehmen, der Ronferenz oder einem anderen Institut zu berichten, datz eine weitere Ronferenz notwendig ist, weil sich gezeigt hat, -atz die bis­herigen Matznahmen nicht ausreichen.

Es ist bedauerlich und für die deutsche verständnislosig- keit nationaler Fragen der Ehre bezeichnend, daß die Weser- Zeitung mit folgenden Worten diese internationale Wirt- schafts- und Finanzkontrolle ihren Lesern schmackhaft machen will:

„Es muß besonders unterstriche» werden, daß unter keinen Umständen die Auffassung aufkommen darf, daß es sich hierbei um irgend eine Art von Rontrollkomitee handelt. Die Anregung dieses Romitees ist in keiner weise aus tak­tischen Gründen vorgeschoben worden, und von keinerlei Seite ist bisher irgend ein Rontrollkomitee erwähnt worden. Das Romitee zur Aufrechterhaltung der Rredite könnte bei­spielsweise in Basel oder sonstwo zusammentreten."

Wo diese Schnüffelkommission ihre hohen Aufwandsgelder - vertilgt, ist auch uns gleichgültig. Aber wir verwahren uns

gegen internationale Leobachter der deutschen Wirtschaft, denn wir wissen, daß ihre „empfehlenden Ratschläge" in der Praxis diktatorischen Anordnungen gleichkommen. Wir verzichten auf diesen „Typ von Leuten", die eine starke Ähnlichkeit mit Blutegeln haben und bedauern, daß sie sogar auf Vorschlag der deutschen Regierung ihre Schnüffel- tätigkeit aufnehmen sollen.

Eine verpatzte Gelegenheit

London, 23. Juli. Die „Times" überschreibt ihren Leitartikel über die Londoner Konferenz mit den Wor­ten „Eine verpaßte Gelegenheit". Deutschland habe weder eine langfristige Anleihe noch einen kurzfristi­gen Kredit erhalten. So weit also neues Geld in Frage komme, werde Dr. Brüning mit leeren Händen nach Deutschland zurückkehren. Aber anscheinend (h hätten die Gläubigermächte versprochen, die in Deutschland befindl. Gelder nicht zurückzuziehen. Das sei zwar sehr wichtig, aber man könne es kaum ein Ergebnis nenne, das der eindrucksvollen internationalen Konferenz wür­dig sei, die so übereilt einberufen sei. Es würde in der Tat unmöglich sein, wenn man die Enttäuschung ver­heimlichen wolle, die allgemein in England über die mageren Ergebnisse einer Zusammenkunft empfunden würde, die soviel hätte dazu beitragen können, um die Welt wieder auf den Weg der Wohlfahrt zurückzu­führen. Es sei nicht schwierig, die Gründe hierfür zu finden. Von Anfang an sei die Konferenz an der Er­örterung der grundlegenden Fragen verhindert gewe­sen. Solange Amerika die Erörterung der Kriegsschul- denfrage und Frankreich die Aussprache über die Repa­rationen ablehnten, sei es klar, daß eine Dauerreglung für Deutschlands wirtschaftliche Probleme nicht gefun­den werden könne.

Halatt tm LonSo«

Der König von England gibt heute einen Tee, zu dem 10 000 Gäste geladen sind, darunter auch die Mi­nister und Staatsräte, die in den letzten Tagen wieder einmal bewiesen haben, daß ein Mann von wirklichem Format unter ihnen fehlt. Man hat herumgeschachert in kleinlichem Krämergeist und hinter schönen Wor­ten und Gesten engstirnig selbstsüchtige Motive Ver­borgen. Keiner der vielen Minister will begreifen» daß diese und alle zukünftigen Konferenzen scheitern müssen, solange man dem deutschen Volk seine Selbst­bestimmung, seine freie Wirtschaft rauben will. In das organische Leben der Völker läßt sich auf die Dauer weder mit leihkapitalistischen Expansionsplänen noch mit so brutalen Hegemoniegelüsten eingreifen. Die deutsche Erfüllungspolitik hat Jahre hindurch diesen unmöglichen Zustand ermöglicht und jetzt läßt sich das Ergebnis überblicken. Wir haben 16,4 Milliarden an das Ausland bezahlt und uns dazu 16,1 Milliarde ge­liehen, haben um ganze 300 Millionen willen uns mit kaum tragbaren Zinslasten auf Jahrzehnte belastet, haben tzunderttausendc deutscher Familien in ihrer wirtschaftlichen Existenz zugrunde gehen lassen, haben 5 Millionen Arbeiter, die seit Jahr und Tag weder Arbeit noch auskömmliches Brot in Deutschland fin­den, haben jede Achtung in der Welt verloren und sind auf dem besten Wege dazu., ein tzelotenvolk der Weltfinanz zu werden.

In diesen Tagen mußte es jedem, auch dem Gegner des Nationalsozialismus, soweit er bereit und in der Lage ist, sachlich zu denken, klar werden, daß ohne den Nationalsozialismus die eben angedeutete Ent­wicklung mit unaufhaltbarer Zwangsläufigkeit zu einem bitteren Ende geführt hätte. Oder wagt heute noch einer der Schwätzer von Beruf, zu behaupten, daß eine allgemeine internationale Verständigung, eine Ab­rüstung aller Länder auch nur in absehbare Zreit zu erwarten sei? Die Zukunftswechsel, die Dr. Stresemann in Locarno und Thoiry für deutsche Verzichte erhalten hat, sind zu Protest gegangen und unsere Klage hat man nun in London abgewiesen.

In diesem Augenblick ladet die deutsche Regierung internationale Finanziers nach Deutschland ein, um die Wirtschaft zu überprüfen, um mit anderen Worten nun auch dem letzten zu offenbaren, daß unsere Wirt­schaft nicht mehr um der deutschen Menschen sondern um -er Profite dieser internationalen Bank da ist.

Die nationale Opposition hat Herrn Brüning wäh­rend seiner Londoner Verhandlungen den Rücken ge­stärkt aber nun müssen wir doch mit aller Entscheiden- heit, soweit es die Notverordnung gestattet, gegen eine solche erneute Preisgabe Protest einlegen. Wir können uns diesen Schritt von Herrn Brüning nur so erklären, daß er sich weltanschaulich nicht von Bin­dungen lösen kann, die dem deutschen Volk so ver­hängnisvoll zu werden drohen. Herr Brüning und mit ihm die anderen Minister übernehmen jeden­falls nunmehr die volle Verantwortung für die kom­menden Dinge, nachdem sie bisher mit einem gewissen Recht darauf verweisen konnten, ein böses Erbe ihrer Vorgänge zwangsweise übernommen zu haben. Ge­wisse Teile des deutschen Volkes haben diesem zweifel­los energischen Kanzler getraut und man hat ihm dik­tatorische Vollmachten gegeben, mit denen es möglich gewesen wäre, vieles zu meistern. Aber Herr Brüning und mit ihm die Regierung wird ein Opfer dieses Systemes und die Sozialdemokrcktie hat nicht so un­recht gehabt, wenn sie trotz Panzerkreuzer und Not­verordnungen dieser Regierung die Treue hielt.

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