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Nr. 56
MiiLwoch, den 22. Juli
193^L
Zuspitzung in London?
Wallstreet will arssH Sie iivrisen Kredite L«riiekzieyen EntseHeSSneis steHt nnmitteSSar vevor
Die Rationale Opposition greift ein
^ Wir Knollen tzanSeln
Die Dinge entwickele sich weiter so, wie wir sie vorausgesehen haben. Frankreich hat seine Stel- ar lung durchweg behauptet. Amerika hat sich dem fran- ja zösischen Standpunkt genähert und wartet mit einem neuen tzooverplan auf, der den deutschen Optimisten m eine schwere Enttäuschung bereitet hat, wenn man auch .c> noch immer in der Wilhelmstraße in Berlin behaupte tet, zuversichtlich zu sein. Reichskanzler Brüning hat, c soweit es bekannt ist, ebenfalls seine Linie noch nicht » verlassen und so stehen sich die Parteien schroff ge- genüber.
Eine ganz wesentliche Stütze für die deutschen Beils lange ist die Kundgebung der nationalen Opposition, die keinen Zweifel darüber läßt, daß sie sich an neue Ab- ^limachungen nicht gebunden fühlt. Die Erklärung von -jH Hitler, Hugenberg, Seldte usw. wird in allen englischen ztz Zeitungen auf der ersten Seite gebracht — die Bremer 7! Nachrichten haben sie irgendwo hinten geschickt ver- vi baut — und man ist sich darüber klar, daß der Reichskanzler durch diese Opposition in seiner ablehnenden! Haltung festgehalten wird. Wie wir schon vor einigen Tagen schrieben, ist nunmehr die nationale Opposition zum entscheidenden Faktor der Außenpolitik geworden. Alle etwaigen Erfolge in London sind auf ihr Konto zu buchen.
Allerdings ist damit noch nichts erreicht, denn I eine Zerschlagung der neuen Diktatverhandlungen be-! deutet für das heutige System keinen Erfolg sondern - seinen Zusammenbruch. So können die Londoner Verhandlungen nur ein Auftakt zu der kommenden Entwicklung sein, denn uns liegt nichts an dem unvermeidlichen Zusammenbruch, aber alles an dem Aufbau eines neuen und gesunden Staates. Da wir aber die feste Ueberzeugung haben, daß Männer des heutigen Systemes auch nach ihrer schon zum Teil erfolgten Umstellung für diese Aufgabe unmöglich sind, fordern wir immer wieder in aller Sachlichkeit den Rücktritt der gegenwärtigen Regierung, die der nationalsozialistischen Bewegung weichen muß. Wir halten Herrn Brüning vor, daß jedes Zögern die kommende Katastrophe verstärkt, daß die nun einmal notwendige Generalreinigung im Sommer weit weniger Opfer kosten wird, als im kommenden Winter. Für diese Verschlimmerung der Lage trägt dann die Regierung Brüning doppelte Verantwortung. -art.
Wetzt einmal „Glilltzalterett"
Streichung der Tribute gefordert Rewyork, 22. Iuli. während in politischen Kreisen ohne Unterschied der Partei dem neuen hoover-plan zugestimmt und höchstens einwandfreie Bürgschaft gegen die Nichteinbeziehung der vereinigten Staaten in europäische Angelegenheiten gefordert wird, hat der Optimismus, den einige Bankiers nach Bekanntwerden der Washingtoner Vorschläge äußerten, einer eingehenden Prüfung nicht standhalten. Es zeigt sich jetzt, daß man der Anregung des Präsidenten, die kurzfristigen veutschlandkredite sozusagen auszulegen, mit ziemlichem Mißtrauen gegenübersteht. Es wird befürchtet, daß keineswegs alle in- und ausländischen Bankiers die Schonzeit mitmachen, sondern daß diese Gläubiger die Gelegenheit benutzen würden, um ihre eigenen kurzfriftigen Anleihen abzurufen, ganz abgesehen von der Gefahr, daß nach dem ' Ablauf der Schutzfrist eine Massenkündigung einsetzen könnte. Besser wäre schon der Gedanke einer Umwandlung der kurzfristigen in langfristige Kredite, am besten aber die Wiederherstellung des Vertrauens in Deutschlands Kreditwürdigkeit, was automatisch den Rückfluß der Kapitalien bewirken würde. Das sicherste Mittel, das vertrauen wieder zu stärken, wäre
eine drastische Herabsetzung, wenn nicht gar die völlige Streichung der Tributlasten. Daß diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist, wird von keinem Wallstreet-Bankier mehr bestritten.
Kernen Centime otzne
Ztnte?°TVeNsuns
Paris, 22. öuli. Die pariser Morgenpresse zeigt sich über die Wendung auf der Londoner Konferenz nicht im geringsten verärgert. Auf den ungeheuren Reichtum in der Staatskasse bauend, macht man kein hehl daraus, daß ohne Deutschlands Unterwerfung kein Lentime gegeben wird. Das Telegramm der nationalen Opposition an den Kanzler bringen alle Platter an erster Stelle. Die Zurückhaltung, die seit dem pariser Besuch Dr. Lrünings zu beobachten ist, besteht weiter.
Der außenpolitische Berichterstatter des „Echo de Paris" erwartet, daß die Londoner Besprechungen am Mittwoch oder Donnerstag die Aufstellung eines Modus zeitigen, der der Kapitalflucht jedoch nur ein sehr ungenügendes Hindernis biete. Sehr wahrscheinlich würden aber die Besprechungen später fortgesetzt werden, denn es sei schlechthin unmöglich, die deutsche Finanzlage mit so allgemeinen Formeln zu retten.
Mse „Lsmetz" zur natrsnalen
lDNVSWßon
London, 22 .Suli. Lei Besprechungen der Ministerkonferenz betont die „Times", daß es sich hierbei zunächst nur um Vanksragen handele. Das Blatt kommt dann auf das Telegramm der nationalen Opposition zu sprechen und sagt, Hitler und andere Führer der nationalen Opposition benutzten zwar übertriebene Ausdrücke in dem Telegramm an den Kanzler, aber diese lauten Demonstrationen drückten nur die tief gefühlte Unzufriedenheit aus, die auch Millionen andere gute Bürger hegten. Es sei wirklich an der Zeit, mit offenen Augen die Sorgen Deutschlands zu untersuchen und dann zu urteilen, was an ihnen wahr und was unbegründet sei. Die Meinung über die Abrüstung und die Revision der Verträge, die von den extremen Elementen so ungeschliffen zum Ausdruck gebracht würde, beschränke sich nicht etwa nur auf einen Teil der Bevölkerung allein. Ein versprechen zu einer Untersuchung und einer neuen Erwägung der Dinge könnten viel zum ganzen der gegenwärtigen Unzufriedenheit beitragen. Die Anwesenheit Brünings sei eine Gewähr für die Mäßigung und den guten Willen der heutigen deutschen Politik.
Die Franzosen wollen Donnerstag London verlassen
London» 22. Juli. Ministerpräsident Laval und Außen minister Vriand wollen angeblich am Donnerstag von London wieder nach Paris zurück reisen. Eine offizielle Bestätigung dieser Nachricht fehlt noch.
Keine Cinis*»r»S der Ainnnznnnister in London
London, 2l. Suli. Die Konferenz der Finanznünister und Finanzsachverständigen endete am Dienstag, ohne daß sich eine Einigung auch nur abzeichnete. Die Minister werden voraussichtlich am Mittwochvormittag der vollkonfe- renz ihre Berichte über die Frage vorlegen, wie man die Maßnahmen zur Verhinderung der Kapitalabzüge aus Deutschland ergreifen könne.
vom Foreign Office wurde folgende amtliche Verlautbarung ausgegeben:
„Der von der Hauptversammlung am Vienstagvormittag eingesetzte Ausschuß der Zinanzminister unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten als Präsidenten der Konferenz versammelte sich am Dienstagnachmittag und zwar die Finanzminister der vereinigten Staaten, Frankreichs und Englands sowie Dr. Brüning und Francqui.
Dos C«rde
„Die Katastrophe) Panik greift um sich". In Aemtern und Behörden laufen aufgeregte Menschen durcheinander. Die Regierung tagt unentwegt. Allen entringt sich der Schrei: „Die Katastrophe! Jetzt ist sie da".
Es gibt einen klassischen Satz in den Naturwissenschaften, der allgemein verständlich lautet: „Nichts kommt von nichts". Eine Katastrophe ist es, wenn Feuer vom Himmel fällt, das Meer ein Land überflutet, Erdbeben Städte zerstört. Ein Wrrtschaftszu- sammenbruch fällt nicht vom Himmel. Die Wirtschaft ist Menschenwerk und wird von Menschen geleitet. Eine Wirtschaftskatastrophe kommt nicht von nichts, sie kommt von den Menschen, die für die Wirtschaftsleitung verantwortlich sind.
Das ist -er erste Irrtum — zu glauben, -aß -er wirtschaftliche Zusammenbruch ohne Volkes vom Himmel fällt.
Wir Nationalsozialisten haben es haargenau vorausgesagt. daß es so kommen würde. Wir haben es dem Volk in die Ohren geschrieen, damit es erwache, ehe es zu spät ist. Wir sind dafür beschimpft, bespieen, totgeschlagen worden.
G5W-Wrrns, Kersten ^
Dem kommunistischen Blutrausch ist in Nenze bei Perleberg wieder ein junger Nationalsozialist, der SA- Mann Kersten zum Opfer gefallen. Der Kommunist Lent. -er bei dem Landwirt Otto Blunck angestellt ist, wollte auf dem Hof seines Arbeitgebers eine Waffe holen, um auf Nationalsozialisten schießen zu können. Der SA-Mann Kersten wollte ihn daran verhindern und erhielt beim Betreten des Hofes hinterrücks von Lent einen Schlag mit einer Waqenpumpe, die Kersten schwer verletzte. Er wurde sofort in das Per- leberqer Krankenhaus gebracht, wo er, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, seinen Verletzungen erlegen ist. Der Täter ist verhaftet.
Wer will sich auf die ..Weltkrise" berufen? Bricht Frankreich. Amerika oder England zusammen? Nein! Also ist es wohl etwas anderes, also sind es die Fehler, die Unfähigkeit, der Verrat der herrschenden Parteien. Wenn sie jetzt „die Katastrophe!" brüllen, und mit dem Finger nach dem Mond zeigen, — so sind doch sie allein die Schuldigen. Und wenn ein System noch so verantwortungslos aufgebaut ist, — das Volk weiß es ganz genau, wer verantwortlich ist und es kommt totsicher die Stunde, wo das Volk diese Männer zur Verantwortung zieht.
Das ist der zweite Irrtum — daß manche glauben, sich der letzten der großen Verantwortung entziehen zu können.
Und wenn es, was nicht wahr ist — die „Weltkrise" wäre, haben jene in Zeiten der Not ein Volk zu führen, die diese Not ins Land hereinlassen, oder jene, die diese Not abwehren? Die Regierung hat einige währungs- und kredittechnische Palliativmittel, die an den Symptomen herumkurieren, erlassen. Die Wurzeln des Uebels zu beseitigen, hat sie nicht unternommen. Das ist eine Tatsache. Ich erkläre, daß ich nicht daran denke, die Regierung damit verächtlich machen zu wollen. — und zwar aus einem sehr einfachen Grunde: Das Volk hat eine ganz bestimmte