CrnzelprerS is VfS
llationMzia
Pll.Mamtlickesl)igakLw
Sremer
SelchLstsstelle und RedMon: Bremen, Bahnhosstrahe 2S. Fernspr. Dom»h. 25878. Erscheint wöchentlich 2 mal, Bezugspreis monatlich 1.12 RM einschließlich Bestellgeld. Berlagsort Bremen.
Z
sckeZMma
bremer llalioMoziMeL
Anzeigen: 10-gesp. Nonpr.-Zeile 0.25, auswärts 0.30 RM. Stellengesuch« und Fam.-Anz. 0.10 RM. Kleine Anz. 0.IS RM S-gesp.
ellamezeil« 1.— RM., auswärts 1.25 RM Ersatzansprüche könne« nicht gestellt werden, wenn das Erscheinen irgendwie verhindert ist-
Nr. 54
Montag, den 20 . Juli
4934
„KrsnkretG der Sieger"
Gehröder VarrE zusanrrnengevrorHen — KsprltMiMevumsen der LaHufen
aufsedetSt
„De«tfGIa«d Hat z« fGtverge« «nd amzuneynien
Die 2 «i»s«e gefalle« r
Paris, 2V. Iuli. Während in Paris die deutschen Minister bemüht waren, die deutsch-französische Atmosphäre zu bereinigen, hielt der französische Kriegsminister Maginst in Msntmedy eine Rede, die blitzartig das wahre Gesicht Frankreichs aufzeigt. Maginot erklärte u. a., datz Frankreich im Augenblick in einer entscheidenden Stunde läge. Er könne nicht zugeben, datz Frankreich vor einem Volke kapituliere, das immer die notwendigen Kredite gefunden habe, um seine kriegerischen Gelüste zu befriedigen. Frankreich müsse sein Gold und sein Geld verteidigen. Der Friede fordere eine dauernde Anstrengung. Zwei Bedingungen seien notwendig, um ihn zu verwirklichen: Einmal mühten die friedliebenden Länder stark bleiben und zum anderen die kriegerischen Länder schweigen. Frankreich habe seinen Sieg
zu teuer beazhlt, um ihn zu verg«den. Es sei noch nicht der Besiegte, sondern immer noch der Sieger.
^
Setzt Lava! sieh burrfi?
Noch immer überstürzen sich die Ereignisse und es ist zur Stunde noch nicht zu übersehen, in wie schneller Zeit eine endgültige Entscheidung fällt. Der neue Bankzusammenbruch, schon lange erwartet, wird zum neuen Fanal deutscher Wirtschaftsnot, zur neuen Anklage für die Verantwortlichen und Schuldigen an der hereinbrechenden Katastrophe. Die letzten im deutschen Volke wachen auf und begreifen jetzt, wie sehr sie mit trügerischen Hoffnungen seit vielen Jahren hingehalten wurden, wie noch in den letzten bremischen Etatsverhandlungen die Regierungsparteien von erhöhten Einnahmen faselten und uns verhöhnten, die wir warnend unsere Stimme erhoben. Jetzt ist es stille geworden um diese Herren und machen sie noch den Mund auf, so reden sie mit Argumenten, die sie uns gestohlen haben.
Ein gleiches trügerisches Spiel erleben wir in Paris und wir warnen unsere Leser, soweit es uns die neue Notverordnung gestattet, den vielen schönen Worten und Vereinbarungen zu glauben, die jetzt in den offiziellen Erklärungen zu lesen sind. Tatsache ist, datz Frankreich rücksichtslos an den allerdings in diplomatischer Sprache sehr höflich gestellten Ilnter- werfungsbedingungen festhält., Tatsache ist aber auch, datz zu Beginn der Londoner Verhandlungen die englischen Luftstreitkräfte eine grotze Abwehrübung eines angenommenen Angriffes durch eine Kontinentalmacht durchführen. Trotz alledem versucht man in Deutschland wie bisher einen neuen Optimismus hochzuzüchten und scheut dabei sich nicht, zum Mittel der Lüge und Entstellung zu greifen. So behaupten die marxistischen Blätter, Frankreich habe keine Bedingungen gestellt, während jeder Leser, der zwischen den Zeilen zu lesen versteht, aus der Abschlußerklärung der Pariser Verhandlungen erkennen kann, datz Frankreich in den entscheidenden Punkten nicht nachzugeben gewillt ist. Es handelt sich hier um die Einstellung des Panzerkreuzerbaues, Aufgabe der Zollunion, neue Anerkennung des Versailler Friedensdiktates und darüber hinaus Finanz- und Kreditkontrolle für Deutschland. Darüber hinaus ist auch davon gesprochen worden, datz wir erneut den Danziger Korridor bestätigen, mit einem Wort, auch ein Ostlocarno abschließen. Laval hat sich ausdrücklich vorbehalten, alle diese Fragen auf der heute nachmittag beginnenden Londoner Konferenz noch einmal zur Sprache zu bringen. Nrüning ist es scheinbar bisher gelungen, diese französischen Forderungen abzuwehren, wenn auch die veröffentliche gemeinsame Erklärung manchen Zweifel aufkommen läßt.
Wir haben immer wieder den Rücktritt des Kanzlers gefordert, da er aber nun in London die Verhandlung führt, erwarten wir von ihm den vollen Einsatz der politischen Kräfte unserer Nation. Stresemann hat nie von dem verhängnisvollen Fehler loskommen können, die nationale Opposition nicht als Waffe in den Verhandlungen zu benutzen. Wir erwarten von Brü- ning, daß er sich rücksichtslos ihrer bedient und den Leuten in London keinen Zweifel darüber läßt, was geschieht, wenn er den französischen Forderungen nachgibt. art.
Die HZarißee ANinisterkonferenz
Paris, 19. Juli. Die Abreise der deutschen Abordnung zur Londoner Konferenz ist auf Montag vormittags 10 Ahr festgesetzt, so datz sie am Nach^- mittag in London eintrifft. Die Londoner Konferenz beginnt um 18 Uhr.
Die Konferenz der in Paris anwesenden Außenminister begann um 10 Uhr in den Räumen des Ministerpräsidiums. An der Konferenz nahmen die deutschen und französischen Kabinettsmitglieder, die Staatssekretäre Mellon und Simson, sowie Header so n, der italienische Außenminister tzymans, und als Vertreter der österreichischen Regierung der Gesandte Grünberg er, sowie der japanische Botschafter in Paris teil. Die Verhandlungen dauerten bis gegen kurz vor 1 Uhr. Anschließend fand für die Teilnehmer der Ministerkonferenz ein Frühstück beim französischen Ministerpräsidenten Laval statt. ^
«Keifte ison GyepiuerS
Cnrtius über das Ergebnis der Besprechungen
Paris, 19. Juli. Reichsautzenminister Dr. Cur- tius hat sich trotz der Absage der angekündigten Pressekonferenz im letzten Augenblick noch entschlossen, vor dem Essltn bei Briand der internationalen Presse einige kurze Mitteilungen zu machen. Curtius erklärte, datz sämtliche in der Besprechung der versammelten Mächte am Sonntag vormittag erörterten Finanzfragen nach London übertragen worden seien. Dagegen hätten die deutschen und französischen Minister in einer offenen und freundschaftlichen Aussprache die weitgehende Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich in Angriff genommen. In diesen dem Geiste der Chequers-Unterredungen entsprechenden Verhandlungen sei man sich in grotzen Zügen über die noch im Laufe des Abends zu veröffentliche gemeinsame deutsch-französische Verlautbarung über das Endergebnis der Verhandlungen einig geworden. Curtius betonte sodann zum Schluß mit Nachdruck, datz nunmehr ein neuer Anfang im Geiste von Chequers in den deutsch-französischen Beziehungen gemacht worden sei.
Eine ivortreithe CrkMrrrng
mit verstecktem gefährlichem Inhalt
Paris, t9. Iuli. Die am Sonntag gegen 20 Uhr unterbrochenen deutsch-französischen Verhandlungen, die im Arschlutz an das Essen bei Briand fortgesetzt wurden, wurden gegen 23 Uhr abgeschlossen. Ueber das Ergebnis der gesamten deutsch-französischen Verhandlungen in Paris wird eine gemeinsame deutsch-französische Verlautbarung veröffentlicht, die in den Schlutzberatungen gemeinsam festgelegt worden ist. Die Verlautbarung hat folgenden Wortlaut:
„In einer kürzlichen Botschaft hatte der deutsche Reichskanzler den Wunsch ausgesprochen, in direkte Berührung mit der französischen Regierung zu treten, um die Mittel zu finden, gemeinsam an der Besserung der Beziehungen der beiden Länder arbeiten zu können. Der Ehef der französischen Regierung hat darauf spontan geantwortet, datz er mit Befriedigung einer Zusammenkunft entgegensehe, deren Durchführung sich im Hinblick aus die Ereignisse, die die wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutschlands berühren, sowie im
Die GGrSöer Vank
AUsQrrsmTSZMeOs'sMerr
Antrag auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens gestellt Bremen, 20. Iuli. von der I. F. Schröder-Bank, Kommanditgesellschaft auf Aktien, in Bremen wird gegen Mitternacht folgendes Kommunique ausgegeben:
„Die allgemeine schwere Wirtschaftskrise, die sich in jüngster Zeit besonders verschärft hat, hat sich auf unser Unternehmen so ausgewirkt, datz wir uns gezwungen sehen, unsere Kassen für diese Woche zu schlietzen. wir stehen in engsten Verhandlungen mit bremischen und auswärtigen wirtschaftskreisen zur Durchführung einer Stützungsaktion."
Diese angeblich vorübergehende auf 8 Tage befristete Zahlungseinstellung dieser Bremer Bank bedeutet einen schweren Schlag für die bremische Wirtschaft. Seit Sonnabend sind Verhandlungen zur Stützung der Bank, die mit der Entwicklung des bremischen Wirtschaftslebens in der Nachkriegszeit auf das engste verbunden ist, im Gange, wie wir erfahren, sollen diese Verhandlungen ziemlich günstig stehen. Da man aber dabei auf einen Erfolg der Londoner Verhandlungen hofft, sind nach unserer Ansicht die Hoffnungen nicht so ohne weiteres günstig, wenn wir auch im Interesse der bremischen Wirtschaft den Zusammenbrach dieser Bank in jetziger Zeit nicht gewünscht hätten, da er nicht ohne Folgen bleiben wird.
wir haben seit vielen Iahren immer wieder gewarnt und den Wahnsinn der Tributkreditpolitik angeprangert. Heute, wo es zu spät ist, blasen die anderen in das gleiche Horn. Aber die Bevölkerung läßt sich nicht mehr betrügen von schönen Worten, hinter denen weder Männer noch Taten stehen. Ietzt fällt die Entscheidung, jetzt fallen aber auch die Herren von der Volkspartei bis zur SPD. wie ein Unglückshaufen in sich zusammen. Das Volksurteil wird sie vernichten.
Hinblick auf die Rückwirkung auf die anderen Staaten zwangsmäßig geworden war. Infolgedessen sind die Vertreter der beiden Regierungen am l8. und 19. Juli in Paris zusammengetreten. Sie waren sich darin einig, die Bedeutung dieser Zusammenkunft anzuerkennen und zu bestätigen, daß sie den Anfang einer vertrauensvollen Zusammenarbeit <!st bedeuten soll. Der Reichskanzler hat hierbei die verschiedenen Seiten der Krise, unter der sein Land leidet, beleuchtet. Die Vertreter der französischen Regierung erklärten in Anerkennung der Schwere dieser Krise, datz sie unter dem Vorbehalt gewisser Finanzgarantien und Matznahmen für die politische Beruhigung bereit seien, zu einem späteren Zeitpunkt die Grundsätze einer finanziellen Zusammenarbeit im internationalen Rahmen zu erörtern. Die Vertreter der beiden Regierungen haben jedoch bereits jetzt darauf Wert gelegt, ihren Willen zu betonen, unter sich im Rahmen des möglichen die künftigen Bedingungen für eine wirksame Zusammenarbeit auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet zu schaffen. Sie sind sich darüber einig geworden, ihre Bemühungen zu vereinen, um den Kredit und das vertrauen in einer Atmosphäre der Ruhe und der Sicherheit wieder herzustellen."
VerzeynfaeWeS VerfarNes
Moskau, 19. Juli. Das sowjetrussische Regierungsorgan „Jswestija" führt unter der Ueberschrift „Verzehnfachtes Versailles" u. a. aus: Die deutsche Regierungspresse versuche, dem deutschen Volke zu beweisen, daß ihm nichts anderes übrig bleibe, als sich französischen Forderungen zu unterwerfen, bewiese aber nur, daß ihre Politik phantastisch sei und das reale Kräfteverhältnis nicht berücksichtige. Eine deutsch-französische Annäherung sei bereits erfolgt, aber in solcher Form, daß mahl den eigenen Augen nicht trauen möchte. Die Durchführung des französischen Programms würde die Bildung einer Kolonie des Weltfinanzkapitals mit 65 Millionen Einwohnern in Zentraleuropa bedeuten. Der deutsche Staatsapparat würde dann vollständig dem Weltfinanzkapital unterstellt werden. Die Sicherung durch die Zolleingänge versetzt Deutschland buchstäblich in die gefährliche Lage Chinas. Ob Deutschland einen zehnjährigen Verzicht auf eine Revision des Versailler Vertrages unterschreibe oder nicht, sei eine Frage zweiter Bedeutung; denn zweifellos besitze ein an Händen und Füßen gebundener Staat keine Mittel, den Versailler Vertrag zu