Ausgabe 
(15.7.1931) Nr. 52
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Nr. 52

Mittwoch, den 15. Luti

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DeutMer Boden wird verpfändet!

Ausweisung Adolf Hitlers «nd Vervot der St. G. D. A HZ. gefordert?

Zur Stunde ist die Lage noch vollkommen ungewitz. Das Kabinett erholt sich von seinen Dauersitzungen, aus denen als neuer rettender Strohhalm eine Neuverpsändung deutschen Bodens herausgekommen ist. Man hat also noch immer nicht den Mut, die Konsequenzen zu ziehen und von der Führung zurückzutreten. Die geplante Herausgabe neuer Rentenbankscheine findet unser schärfstes Mißtrauen, denn wir befürchten als einziges Ergebnis, datz unersetzlicher - deutscher Boden in dem Zusammenbruch des Systems an das Ausland verloren geht. Im einzelnen liegen folgende p Morgenmeldungen vor:

s Aittkgriss auf dte Aenienvank

festhalte, so müßten sich die weitersehenden Mitglieder der französischen Regierung doch fragen, ob nicht der versuch, von der Regierung Brüning als Gegenleistung für finan­zielle Hilfe politische Zugeständnisse zu erpressen, selbst wenn er zeitweilig Erfolg haben sollte, auf lange Sicht doch zweck­los wäre, da die Rückwirkungen aus die öffentliche Meinung in Deutschland die Lage des Kanzlers unhaltbar machen würden. Es sei auch keine Aussicht vorhanden, Satz in Deutschland eine Regierung gebildet werde, die den fran­zösischen Wünschen weiter entgegenkomme.

soSS arrÄseSSefert ßverven

Der „Angriff" meldet:

Bekanntlich hat Frankreich als Gegenleistung für eine etwaige „Hilfe", die es Deutschland gewähren will, eine Reihe von wirtschaftlichen und poliMsen Forderungen gestellt, ins­besondere die Einstellung des Baues des neuen Panzer­

kreuzers, Einschränkung der Wehrmacht auch aus anderen Gebieten, verzicht aus di «Zollunion, Abänderung des deutsch- französischen Handelsvertrages in dem Sinne, datz er noch günstiger für Frankreich wird, als er ohnehin schon ist und Anerkennung der knabänderlichkeit der Ostgrenzen.

während die Regierung wegen der Zollunion und des Handelsvertrages anscheinend zu Verhandlungen bereit ist. deren Führung die geplante Reise vrünings nach Paris dienen soll, hat sie die rein politischen verlangen Frankreichs vor­läufig als »indiskutabel bezeichnet.

Aus allerbester diplomatischer Ouelle erfahren wir nun­mehr, datz Frankreich drei weitere Forderungen erhebt, die man aus guten Gründen vorläufig geheiin hält; Frankreich verlangt:

Auflösung des „Stahlhelm", verbot der RSVAP.,

Ausweisung Adolf Hitlers aus -ein deutschen Reichsgebiet.

Dr. Schacht soll helfen

s Berlin, l4. Iuli. Nach einer Stunde trat der kabinetts-

»>! ausschuß für Finanz- und Wirtschaftsfragen in der 10. Nbend- H stunde erneut zusammen, um sich an die nunmehr dringend ! zu lösenden innerfinanziellen Fragen heranzumachen. Wie l der Plan, die notwendigen Zahlungsmittel durch den Rück­et f griff auf die Rentenbankscheine zu vermehren, gediehen ist, ^l i läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Es ist aber " auch zweifelhaft, ob vor Mittwoch — vielleicht erst Mitt­et! woch abend — die in dieser Hinsicht erörterten Pläne greif- d! bare Form gewinnen. Sicher ist, daß bis zum Mittwoch abend hil,"bezw. Donnerstag früh eine Art innerfinanzielle deutsche j s Selbsthilfe geschaffen sein muß, da aus alle Fälle die Banken s, am Donnerstag die Schalter wieder öffnen sollen.

Wie der „Börsen-Tourier" in diesem Zusammenhang mit­teilt, läßt sich zwar im Augenblick zuverlässig sagen, daß an ein allgemeines inneres Moratorium nicht gedacht wird, wohl aber komme gegebenenfalls ein teilweises inneres Mora­torium in Betracht, dessen Einzelheiten noch zu erwägen wären. Das Hauptproblem sei im Augenblick indessen, wie weit ein Auslandsmoratorium sich als notwendig erweisen werde, ein Problem, das naturgemäß mit aller Vorsicht behandelt werden müsse. Dem „Börsen-Lourier" zufolge ist weiterhin Fühlungnahme mit dem früheren Reichsbankpräsi- denten Dr. Schacht genommen worden, um ihn bei der Aus­führung der sich ergebenden vielgestaltigen und schwierigen Aufgaben heranzuziehen, nicht zuletzt, weil gerade im Aus- land seine Autorität auf währungs- und finanzpolitischem Gebiet gewürdigt werde.

Reue» frsrrroMsHeN Hotzn

Paris ,15. Iuli. Die französische presse behauptet, in deutschen Regierungskreisen erkenne man endlich die Nützlich­keit der von der französischen Regierung erteilten Ratschläge an und begönne sie nunmehr durchzuführen, verschiedene große Blätter haben sogar die Aufdringlichkeit, Deutsch­land Mut zuzusprechen und die Reichsregierung aufzufordern, ! in ihren Bemühungen nicht nachzulassen, um den von Frank­reich geforderten Beweis zu erbringen, datz man zunächst ßf einmal selbst Ordnung in die inneren Angelegenheiten bringen wolle. Line Aenderung in der Haltung Frankreichs wird unter diesen Umständen als die Krönung des deutschen Werkes vorausgesagt.

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Front sesen HSarro

London, 15. Iuli. Die gesamte Londoner presse befaßt li sich eingehend mit der französisch-deutschen Frage. Ein langer Artikel der „Times" vertritt den vom englischen Außenamt beeinflußten Standpunkt, daß eine Einigung zwischen Deutsch­land und Frankreich die beste Lösung sei. Nichts würde man in London lieber sehen, als wenn nach dem englischen Besuch in Paris und Berlin die deutschen Minister nach Paris gingen. Hilfe könne nur durch eine bedingungslose Zusammenarbeit England, Frankreichs und Amerikas kom­men. Noch sei es nicht zu spät, wenn auch die französische öffentliche Meinung leidenschaftlich an den „Sicherheiten"

Wir klagen an

Der ÄufannnenvrurH der Rardwolöe und der Banaivank — Gtervender LideraliSrnuS — «User «rleil und die Veyuld der anderen

In Zeiten politischer Hochspannung, in der wie diesmal eine Katastrophe die andere ablöst, ist es not­wendig, allen kleinen Tagesstreit beiseite zu schieben, Fragen untergeordneter Bedeutung außer Acht zu las­sen und zu versuchen, die Kräfte und Strömungen zu kennzeichnen, die jetzt zusammenbrechen oder wieder aufbauen sollen. Der Nationalsozialist steht in einer ge­wissen abwartenden Haltung neben den Vorgängen der letzten Tage, die ihn nicht überraschen. Er ist jederzeit bereit, von sich aus verantwortungsvoll die Leitung her Politik zu übernehmen.

'Was ist geschehen? Nach der Nordwolle, einem der größten Konzerne Deutschlands ist die Danatbank, eine der größten Banken zusammengebrochen, zwei be­deutungsvolle Ereignisse, die doch nur als äußere Zei­chen für den Gesamtverfall eines Systemes zu werten sind.

Der Hooverplan hat nicht das gebracht, was die anderen von ihm erhofft hatten. Wir haben wie seit vielen Jahren vom ersten Tage an auf seine Wert- losigkeit hingewiesen, die durch die französische Hal­tung gefährlichen Charakter annahm. Beim Dawes- und Youngplan hat es Jahre gedauert, bis die anderen das Verhängnis begriffen hatten, diesmal nur Tage. Das Hamburger Fremdenblatt als eine der führenden Zeitungen dieses Systemes schreibt zu Beginn der Woche im Leiter:

„Das Erstaunliche hat sich vollzogen: Die Hoff­nungen, die man an den Hooverplan geknüpft hatte, sind unerfüllt geblieben."

Die Bremer Nachrichten aber, die sich in gleichem fahrlässigen Optimismus bewegten, kommen zu der resignierenden Feststellung:

„Die augenblickliche Bilanz ist trübe: Vom Hoo- verfeierjahr sehen wir nur den Zahlungsaufschub für 1.5 Milliarden, die wir sowieso nicht haben. Aber wir spüren einen Devisenverlust von zwei,! einen Kreditverlust von 4 und einen Effektenver- lust von 5 Milliarden. Hoffnung und Rettung bleibt nur noch: „Mobilisierung der amerikanischen Fi­nanzmacht".

Der letzte Satz dieses Bekenntnisses eigener Sünden bedeutet Aufgabe des letzten Restes national- wirtschaftlichen Verstandes, denn alle diese Milliar­den haben wir doch verloren, weil wir keine gesunde Kapital- und Kreditwirtschaft getrieben, sondern uns hemmungslos dem amerikanischen Leihkapital an den Hals geworfen haben; doch davon später.

Der Zusammenbruch der Nordwolle hat ver­ständlicher Weise überall starke Empörung ausgelöst, besonders bei den Hunderten von Familien, die dabei

ihre ganzen Ersparnisse verloren haben. Aber es gibt keinen schlagenderen Beweis für die erbärmliche Geist- losigkeit und Gesinnungslumperei im Marxismus, als z. B. die Pressestimmen in der Bremer Volkszeitung zu diesem Fall. Wie Straßenkläffer, wie Klatschweiber übelster Sorte haben sie sich um die schmutzige Wäsche der Nordwolle geschlagen, haben mit lautgrunzenden Wonnegefühlen Nachtgeschirre umgeworfen und mit Schmutz um sich gespritzt. Es war das gefundene; Fressen für Herrn Alfred Faust und seinesgleichen. Man hat natürlich auch uns verdächtigen wollen, hat Schauermärchen sich ersonnen, die bei der bekannten Einstellung von Lahusen zum Nationalsozialismus so­fort als solche erkannt wurden.

(Als dieser Aufsatz in Druck gegeben war, fiel dem Verfasser die neueste Ausgabe der Volkszeitung in die Hand, in der man feige wie die Leute nun ein- mag sind, sich hinter einer Berliner Zeitung verschanzt um einen Riesenschwindel in die Welt zu setzen. Wir begnügen uns mit der Feststellung, baß jede Zeile des Aufsatzes eine neue infame Lüge enthält, eine bewußte Lüge, denn sonst hätte man nicht der Schmiererei eine so gewundene Erklärung vorausgeschickt.)

Wir haben keine Veranlassung, die für diesen Zusammenbruch verantwortlichen Männer in Schutz zu nehmen und wir werden zur gegebenen Stunde, in der die Schuldigen auf Grund der Untersuchung er­kannt und überführt worden sind, mit unserem Urteil nicht zurückhalten. Es wird sachlicher und darum schär­fer sein, es wird aber vor allem ehrlicher als das der Vokszeitung sein, denn wir sind nicht mitverantwort­lich für den künstlich erzeugten hemmungslosen Wirt- schaftsoptimismus, in dessen dunstiger Treibhausat­mosphäre so krankhafte Gebilde entstehen konnten.

Aber das ist es nicht allein. Wer hat denn in lang­jähriger Arbeit den Ehrbegriff in Politik und Wirt­schaft zerschlagen, wer war denn Träger dieser libe- ralistischen Wirtschaftsauffassung, der der Profit alles, die Menschen aber nichts sind. Wir allein haben vor allem für das Kapital Verantwortung vor dem Gan­zen, vor der Nation und ihren Menschen gefordert; wir haben das Leihkapital bekämpft, das heute mit Deutschlands Wirtschaft Fangball spielt. Die aber heute sich so aufregen und in Kloaken wühlen, die sie selbst angelegt haben, sind über uns hergefallen und haben uns beschimpft und verfolgt. Heute stehlen sie unsere Gedanken und Forderungen, die sich jetzt für äffe erkennbar als richtig erwiesen haben und brüsten sich mit ihnen vor dem Volk. Aber die Totengräber der deutschen Wirtschaft sind erkannt, mögen sie Ge­neraldirektoren von Banken und Konzernen öder satte