Ausgabe 
(4.7.1931) Nr. 49
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Sremer

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Nr. 49 Mit Bilderbeilage 20 Z)fg.

Sonnabend, den 4. Juli

4934

Amerika gibt naG

Der uingefMsehte Hooveeplan als Rresensehtvinvel — Reue so« RttMonen GtHuldenlaft ohne Gegenwert — W tever 2 SR Leute ermordet?

GsHrnettns erneut Weltmeister

so« RrtMonen VrivatsGuldeu

Paris, 4. Juli. Um Mitternacht hat einer der französischen Unterhändler dssm Vertreter der Agentur tzavas erklärt, daß sich die französischen und amerikani­schen Minister über die Durchführungsmodalitäten des Hooverschen Vorschlags geeinigt haben. Nunmehr mutz noch die Zustimmung der andern europäischen Gläubi- zermächte Deutschlands eingelöst werden.'

A Die Verhandlungen zogen sich bis kurz vor 1 Uhr hin. Nach Schluß der Sitzung verlas der Unterstaats­sekretär Francois Poncet folgendes Kommunique: Schatzamtssekretär Mellon hat die Bestätigung abge­geben, daß die amerikanische Regierung beschlossen hat, die Aufrechterhaltung der deutschen Zahlungen )es unaufschiebbaren Annuitätenteils anzunehmen., wie )ies im Voungplan vorgesehen sei. Andere Meinungs- >erschiedenheiten, die von geringerer Bedeutung sind, verden dem am Sonnabend früh stattfindenden Mini- kerrat unterbreitet werden. Die Einigung über den «chnischen und finanziellen Teil der Verhandlungen cheint unter Vorbehalt der Annahme der anderen nteressierten Mächte in nächster Zeit zustande kom- nen".

Frankreich kam es bei allen Verhandlungen rarauf an, einmal die ungeschützte Jahreszahlung von >00 Millionen auf jeden Fall überwiesen zu bekom- nen und zum anderen, wenn schon eine Anleihe in gleicher Höhe an Deutschland zurückfließen sollte, diese kommerziellen Charakter tragen müsse. Damit erhält Frankreich die Sicherheit, daß bei dem kommenden Staatsbankrott diese 500 Millionen nicht verfallen, vndern von den privaten Schuldnern abgetragen wer­ten müssen.

Aus diesem Grunde hatte Frankreich gefordert, die »00 Millionen nicht der deutschen Regierung, sondern er Industrie zur Verfügung zu stellen, da das von Amerika abgel hnt wurde, hat man sich nunmehr auf W Reichsbahngesellschaft geeinigt, die privatgesell-. '^Gastlichen Charakter trägt, die am Roden liegende ^»rutsche Volkswirtschaft wird also neue 500 Millionen Nark Schulden auf sich nehmen müssen, ohne zunächst inmal das Geld wirklich zu erhalten, da es ja in bar arnicht aufgebracht und abgeführt, sondern nur umger­echnet wird.

Aber selbst wenn es zunächst bar bezahlt und »ann als Anleihe zurückfließen würde, ständen wir wr der empörenden Tatsache, daß Millionen deutscher kNenschen hungern und verelenden müssen, um einen setzen Papier, der neue 500 Millionen Mark, neue ^ron- und Sklavenarbeit fordert.

Daß unsere Schlußforderungen nicht übertrieben ind, bestätigt uns ein Bericht des Verwaltungsrates »er Reichsbahn, in dem es im Wortlaut heißt:

„Der Verwaltungsrat müßte feststellen, daß selbst voller Entlastung der Reichsbahn von der Repara- ionssteuer die Sorge um die Aufrechterhaltung des

Gleichgewichts von Einnahmen und Ausgaben keines­wegs behoben ist."

Wir haben hier eine Art von Spiegelbild für den Reichsetat. Also selbst bei voller Entlastung bleibt >ie Schwierigkeit im großen Maße bestehen, und „auf eben Fall muß sich die Reichsbahngesellschaft in der Auftragserteilung für Beschaffungen und bei Anträgen mf Tarifermäßigung die größte Zurückhaltung auf- rlegen".

Die Reichsbahn wird von der Reparationssteuer richt entlastet, erhält sie aber zurück gegen neue Schul- »erpflichtungen. Trotzdem und darum kann sie weder ?5hne aufbessern noch Aufträge erteilen

sprechen, an dem bisher nur die Börsen verdient ha­ben?

Wird Brüning, wird Generalfeldmarschall von Hindenburg, der mit unseren Stimmen gewählte Reichspräsident dieses neue Schanddiktat unterzeichnen?

Sie mögen es tun..— Das deutsche Volk ist er­wacht. Trotz Mord und Terror marschiert die braune Armee. Es kommt die Stunde, in der wir den Staat vor seinen Feinden retten werden für die kommenden Generationen, für ein freies, lebensstarkes und lebens­frohes Volk. -art.

Rmersk«» srrizufrLeven

Washington, 4. Juli. Im Weißen Hause war man sichtlich enttäuscht, das amerikanische Volk am Vorabend des heutigen Unabhängigkeitstages noch nicht mit der Nachricht über den Abschluß der Pariser Verhandlun­gen erfreuen (!) zu können.

Unterstaatssekretär Castle stellte fest, daß die ame­rikanische Regierung in der französischen amtlichen Erklärung noch keine grundsätzliche Annahme des Hooverplanes erblicken könne. Diese Aeußerung Cast- les richtete zunächst noch einige Verwirrung an, da man den Hooverplan gefährdet glaubte. Indessen wurde inoffiziell versichert, daß die Regierung der Vereinig­ten Staaten die Bereinigung der noch umstrittenen „technischen Einzelfragen" im Laufe des heutigen Ta­ges erwartet.

Sorgen rn London

London, 4. Juli. In London ist noch nichts be­kannt, worauf sich die Ausstände des Präsidenten Hoover an der französischen amtlichen Mitteilung über die Pariser Verhandlungen erstrecken. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Herald" meint jedoch, Sonn­abend früh habe man also da gestanden, wo man be­reits vor ein öder zwei Tagen gewesen sei.

Es sei zwar noch immer Hoffnung auf eine Eini­gung vorhanden und die Aussichten dafür seien ziem­lich gut, aber sie sei eben noch nicht erfolgt. Der Mit­arbeiter erwähnt nichts mehr von der Notwendigkeit englisch-französischer Verhandlungen, während des Wo­chenendes und spricht auch nicht mehr von der Mög­lichkeit einer persönlichen Zusammenkunft zwischen dem französischen und englischen Finanzminister.

Rotende«ung nur noeH 40,1 Vrozenl

Berlin, 2. Juli. Nach dem Rusweis der Reichsbank vom 30. Juni lyZl beträgt die Deckung der im Umlauf befind­lichen Reichsbanknoten durch Gold und deckungsfähige Devisen in der Rerichtswoche nur noch 40, l v. H. gegen 40,4 v. h. in der Vorwoche. Die äußerste Deckungsgrenze beträgt 40 v. ^ was darunter liegt, heißt „Inflation".

Ratastrophenpolitik betreiben aber bekanntlich nicht etwa die Finanz- und Mrtschaftsakrobaten des Erfüllungssystems, sondern die bösen Nationalsozialisten, die seit Jahren vor den katastrophalen Folgen der Erfüllungspolitik, die sich heute in erschreckendem Maße zeigen, gewarnt haben.

Valrßoten

Von Dr. Josef Goebbels.

„Noch ist das deutsche Volk keine Nation ge­worden. Der Geist der Habsucht und des schmutzigen Vorteils lebt immer noch. Interessenhaufen auf eigene oder Standesvorteile bedacht, verstoßen auch heute ge­gen den wahren Geist der Selbstverwaltung, der ohne Seibstverpflichtung und Selbstverantwortung nicht denk­bar ist."

Nun habt keine Angst, daß wir ob dieser blu­tigen Kritik der gegenwärtigen Zustände verboten wer­den. Denn nicht einer von uns, sondern der preußische Innenminister Severing hat dieses große Wort ge­lassen ausgesprochen. Und zwar bei der Feier der hundertsten Wiederkehr des Todestages des Freiherrn vom Stein in Frankfurt in der Paulskirche. Woraus schon zu entnehmen ist, daß keinerlei Möglichkeit be­steht, gegen uns irgendeinen Paragraphen des Repu- blikschutzgesehes oder der Hindenburgschen Notverord­nung in Bewegung zu setzen. Man mutz sich heute ge­radezu auf sozialdemokratische Kronzeugen berufen, um etwas Wahres und Treffsicheres über die politische Lage zu sagen Herr Severing beweist viel Mut, wenn er so mit tadelnden Worten über seine eigene Partei und ihre Funktion das Urteil ausspricht.

Die augenblickliche Situation ist ungefähr fol­gende: Man verbietet den nationalsozialistischen „Volks- verhetzern" das freie Wort und macht sich selbst zum Sprachrohr des öffentlichen Unwillens, um sich vor den Massen ein einwandfreies Alibi zu verschaffen. Die

RÄHtungk SektSonsavenve

Neustadt und Fmdorff.

Näheres siehe Parteimitteilungen.

iso RNMonen DevSsenverttrft

Berlin, 4. Juli. Die Devisenanforderungen an die Reichsbank waren heute wesentlich stärker als in den letzten Tagen. Man schätzte die Abgaben heute auf 40 bis 50 Millionen Reichsmark, sodaß sich die Ver­luste an Deckungsmitteln seit dem letzten Ultimo-Aus­weis auf etwa 150 Millionen Reichsmark erhöht ha­ben. Auch am Geldmarkt waren Zeichen einer Ent­spannung nicht zu bemerken. Tagesgeld erforderte un-

Wer wagt nun noch außer den jüdischen Gazetten! verändert 8.5 bis 10.5 v. H., ebenso war Monatsgeld i >on einer Erleichterung durch den Hoover-Plan zu Nicht unter 7 bis 9 v. H. zu haben.

Sozialdemokratie hat seit je nach diesem Rezept gear­beitet. Bei allen Regierungskoalitionen im Reich wie in Preußen war sie seit 1918 maßgeblich beteiligt. Sie ist also in vollem Umfange für das, was sich in diesem Zeitraum in Deutschland abgespielt hat, mit- und haupt- verantwortlich. Wenn ihre hohen Funktionäre also die Zeit kritisieren, dann kritisieren sie damit ihre eigene Partei, und wenn sie über die herr­schenden Zustände ein vernichtendes Urteil abgeben, so treffen sie die Sozialdemokratie mitten ins Herz.

Es ist gewiß richtig, daß das deutsche Volk noch keine Nation geworden ist. Schuld daran aber trägt vor allem und in der Hauptsache die Sozialdemokratische Partei, die durch Duldung und Subvention landes- verräterischer Umtriebe den deutschen Namen befleckt und die deutsche Ehre besudelt hat. Es ist dieselbe So­zialdemokratische Partei, die durch hemmungslose Aus­nutzung sozialer Notstände zwischen den Klassen in Deutschland eine Mauer aufgerichtet hat und damit verhinderte, daß in der schlimmsten Notzeit aus den Jnkeressenhaufen ein Volk und aus dem Volk eine Na­tion wurde.

Der Geist der Habsucht, des schmutzigen Vor­teils lebt nicht nur immer noch, sondern er ist seit der glorreichen Novemberrevolte geradezu dick gemästet wor­den. Und die das taten, waren in der Hauptsache Sozialdemvkraten. Sie haben die Habsucht nach Posten und Pfründen, nach Macht und Einfluß geradezu zur Dominante der Parteipolitik" gemacht. Und der schmut­zige Vorteil konnte von den Barmats u.Sklareks und Kutisker nur deshalb in so empörender Weise auf Kosten des deutschen Volkes gewahrt und gesichert werden, weil hohe sozialdemokratische Parteifunktionäre ihnen dabei für Gulden und Dollars und wohlassor- tierte Sektgelage hilfreich zur Seite standen.

Die Sozialdemokratische Partei müßte zu ihrem tiefen Schmerz erleben, daß das deutsche Volk sich in den letzten zwei Jähren ohne sie und gegen Pe wie­der auf seinen nationalen Stolz besann. Das Inter­nationale, seit 60 Jähren von dieser Organisation der Landesverräter gepredigt und gefordert, ist stark lä­diert und deshalb bei den Massen unpopulär gewor­den. Bis tief in die Reihen der sozialdemokratischen, Arbeiter ist man der Meinung, daß alles das, was man