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Ar. 45 (mii Biwerbeilage 20 pf.)
Sonnabend, den 20. Juni
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VolMk des Kapitals
tzoover kündigt an — Henderfon kommt nach Berlin — Curtius soll nach Paris — Aber das Volk hungert
Die WiesssN MeMer«KsSverHa rsSSussNess seseHeSterl Ksover K^eM eZR
New Uork, 19. Juni. Präsident tzooder erklärte über die bereits gemeldeten Besprechungen im Weißen Haus, er habe mit mehreren Führern beider politischen Parteien über Maßnahmen gesprochen, die geeignet seien, zur wirtschaftlichen Wiedergesundung sowohl in den Vereinigten Staaten und im Ausland beizutragen in and insbeso ndere eine Stärkung der Lage in Deutschland herbeizuführen. Man sei sich noch nicht über beistimmte Pläne schlüssig geworden, aber die Art, in der die Vertreter beider Parteien aus die Angelegenheit ^eingegangen seien, sei durchaus befriedigend gewesen
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Es gibt Leute in Deutschland, die den Zusammenbrach der Mittelparteien und der SPD., die Reise nach Chequers und den kommenden Gegenbesuch von henderson in Berlin als einen großen politischen Erfolg von Brüning feiern. Zugegeben, Brüning ist ein energischer Mann, der dem Berliner Parteiklüngel nicht weicht, aber darum ist seine Politik nicht weniger, ja hoppelt verhängnisvoll.
Unser alter Standpunkt, daß Deutschland und auch Oesterreich einfache Ausbeutungsobjekte -es internatio- italen Kapitals geworden sind, sollte in diesen Tagen jedem denkenden Menschen klar werden,. Nur unter dieser Voraussetzung kommen wir auch gelegentlich zu Scheinerfolgen, die dann von einer stumpfsinnigen Presse zu nationalpolitischen Ereignissen gestempelt werden. Betrachten wir die Begebenheiten der letzten Zeit.
Der Plan einer Zollunion ging über die wirtschaftlichen Vorteile, die überhaupt an sich zweifelhaft sind, weit hinaus in das Gebiet kultureller und völkischer Zusammenarbeit. Wenige Tage vor der entscheidenden Genfer Sitzung flog die Wiener Kreditbank auf, die Kapitalhyänen der ganzen Welt stürzten sich auf Oesterreich., die Zollunion zerplatzte, England, Frankreich sanieren jetzt die Bank und lauter als je klirren die Ketten um den ehrwürdigen Stephansdom.
Ueber Deutschland bricht eine furchtbare Hungerverordnung herein. Die Parteien empören sich, keiner glaubt an die Sanierung der Finanzen auf diesem Wege. Wenige Tage später fallen die Parteien um, die kapitalistische Skladengeitzel hat sie getroffen. Der Reichsbank wurden über eine Milliarde Devisen entzogen, die Währung geriet in Gefahr und so nahm man die Hungerverordnung an, aus „nationalpolitischer Verantwortung".
Brüning fuhr nach Chequers. Die Presse schwelgte in Phrasen und Zukunftsmusik. Der Kanzler kehrte heim nach Berlin und es gelang der Regierung — Anen Ueberbrückungskredit von 250 Millionen von den deutschen Banken zu bekommen. Politik des Kapitals, während auf den Straßen deutsche Menschen verhungern.
Mellon fährt nach, Europa. Die Presse schwelgt ' Hin Phrasen und Zukunftsmusik. Aber Mellon verhan- ! delt mit Bankleuten, mit Normann und anderen, die „außergewöhnlichen Geld- und Kreditverhältnisse" werden erörtert, vielleicht auch eine Gnadenfrist für den 4 sterbenden Schuldner, aber von Menschen, die leben, ^"lieben, arbeiten, von dem Lebenskampf des einzelnen, wird nie gesprochen.
Pros. Cassel, der große Wirtschaftstheoretiker, war in Berlin. Dort reiht sich jetzt eine Wirtschaftstagung an die andere. Man redet von der Selbstverantwortung der Wirtschaft, vom Abbau der sozialen Lasten, man redet, redet und vergißt, daß die Wirtschaft an sich nichts, der Mensch, das Volk, aber alles ist.
Headers on wird nach Berlin kommen, der Amerikaner Stimson nach Europa, Curtius vielleicht nach Paris fahren. Hoover gibt eine große Erklärung heraus und so verfliegt die saure Gur- kenzeit angefüllt mit politischen Sensationen. Seifenblasen, aber der Enderfolg, der Nachgeschmack bleibt immer Seife.
Politik des Kapitals hat noch nie an den lebendigen Menschen, an den schaffenden Mann, an Mutter und Kind gedacht, es sei denn, man hat ihre größtmögliche Billigkeit berechnet. Die Sozialdckmo- kratie ist an diesem Verbrechen groß geworden, aber der deutsche Arbeiter hat nur den Sklavenhalter gewechselt, der Bonze wurde Kapitalist, die Partei zum Erben des Kapitalismus und die Not wächst weiter, ins Grenzenlose.
Erst der Nationalsozialismus stellt wieder den Menschen in den Mittelpunkt seines politischen und wirtschaftlichen Denkens. Lebensraum und Lebensfreiheit sollen das Fundament werden. Die Wirtschaft muß dem Menschen dienen und das Geld als natürliches Tauschmittel seines verhängnisvollen absoluten Wertes entkleidet werden. Fragen des Blutes, der Familie, der Rasse, der Weltanschauung, der Religion wachsen wieder herauf und harren ihrer praktischen Lösung. Vor allem aber steht das Volk in seiner organischen Einheit und Kraft als Quelle alles sittlichen, geistigen und wirtschaftlichen Lebens.
Davon ist die Rede, Hier ruft die erwachende Nation, hier wartet die befreiende Tat. Die Männer des Kapitals aber müssen Raum geben den Männern der deutschen Nation.
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L VMMarvs Golv uns AevisenruenLser
Der keichsbankausweis vom 15. Iuni spiegelt die katastrophale Entwicklung, die wir seit Ansang des Monats am Geldmarkt beobachten können, deutlich wieder. Nachdem bereits im ersten Zuniausweis ein Rückgang des Gold- und Devisenbestandes um rund 160 Millionen RM. verzeichnet werden muhte, zeigt der Medisausweis einen weiteren Abgang an^ Gold von 534s Mill. RM. und einen offen ausgewiesenen Vevisenabgang von 8,6 Mill. UM. Dazu kommt noch ein Abfluß von rund 100 Mill. RM. Devisen, die auf dem Ronts der „sonstigen Wechsel und Schecks" verbucht waren. Berücksichtigt man weiter, datz im Ausweis vom 15. Iuni die Vevisenabgiinge seit Freitag, die etwa 20V Mill. RM. bis einschliehlich Montag betragen, noch nicht zum Kurdruck kommen, so beträgt der tatsächliche Abgang an Gold und Devisen rund eine Milliarde RM.
Warenhaus- und ArlSaMeuer tu «aden
In der letzten Sitzung des badischen Landtags fand ein nationalsozialistischer Antrag Annahme, der die Einführung einer Warenhaus- und Filialsteuer anregt. Die Ausführungsbestimmungen des Gesetzes werden noch ausgearbeitet.
Die Verhandlungen über die Regierungserweiterung sind auf einen toten Punkt angelangt, heute fanden erneut langwierige Besprechungen mit den Fraktionen statt, ohne daß ein endgültiges Ergebnis erzielt wurde. Man rechnet damit, daß die neue Regierung nicht vor dem herbst zustande kommen wird.
GeyattSsMsOung etnes roten GtadtoverhuuvteS
Der sozialdemokratische Bürgermeister Lichtechtem, der LRassel benachbarten Gemeinde Sandershausen, wurde vom Kasseler Schöffengericht wegen Urkundenfälschung und Betrug zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte sich eigenmächtig in eine ihm nicht zustehende Gehaltsstufe eingereiht und dadurch erhöhte Umzugskosten und auch höhere vienst- und Aufwandsentschädigungen erhalten. Nur durch einen Zufall kam diese selbstherrliche Gehaltserhöhung des Bürgermeisters seiner vorgesetzten Behörde zu (Ohren, so daß sie bei der Staatsanwaltschaft ein Verfahren beantragen mußte.
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Um die städtischen Werke in Bremen, von Kurt Thiele.
Die maßgebenden Herren der Bremer Deutschen Volkspartei behaupten mit sich stets wiederholender stereotyper Gleichmäßigkeit, daß ihre Partei die Partei der Sachlichkeit und der Erfolge sei. Wie wir sie kennen, glauben sie das auch wirklich. Ueber ihren kleinen Kreis hinaus aber werden das heute wohl schwerlich noch viele glauben. Jedoch, mit diesen „Erfolgen", nein genauer mit diesem Professor Cue'schen Eingerede von den Erfolgen haben sie im vorigen November den Wahlkampf bestritten. Und das dürfte wohl ihr vornehmlichster Erfolg gewesen sein, daß noch rund 24 000 Wähler dieses Gerede von den Erfolgen geglaubt haben. Aeußert aber jemand eine andere Meinung, dann machen diese Herren in geharnischtem Protest. Der lautet dann ziemlich wörtlich folgendermaßen: Wir lehnen es ab, auf diese unverantworstlichen Angriffe gegen die Führer der Partei im Landesverein, in der Bürgerschaft und im Senat, die seit 1918 in unermüdlicher erfolgreicher Arbeit zum Wohle Bremens gewirkt haben, näher einzugehen, und überlassen es dem gesunden Sinn der Bevölkerung an Hand der bremischen Entwicklung das Urteil über die Handlungsweise der Angreifer zu fällen. Klingt das nicht, als ob ein Schulmeister seine Klasse abkanzelt? Es kann eben keiner aus seiner Haut! Warum denn erstens immer Schule spielen und zweitens aus so alten, Geschichtsbüchern Unterricht erteilen? Neuzeit, meine Herren, Neuzeit! Brächten die Herren den Mut auf, auch nur ein einziges Mal neue und neueste bremische Geschichte vorzutragen, dann müßte das folgendermaßen lauten: Seit im November 1918 die Marxisten die ruhmreiche Deutsche Front erdolchten, genießt auch unsere Freie Hansestadt Bremen die „Segnungen" der parlamentarischen Demokratie. Die Mehrheitsverhältnisse und damit die Zusammensetzung des Senates wechselten, jedoch war die Deutsche Volkspartei zwölf Jahre lang ununterbrochen an der Regierung beteiligt. Heute nun sehen wir uns gezwungen, offen folgendes zu erklären: Wir sind am Ende unserer Regierungskunst.
Wir haben, weil es modern war in der Demokratie gepumpt, und wir haben um ganz das Muster einer parlamentarischen Republik zu sein, immer mehr gepumpt, und als langfristige Kredite nicht mehr zu haben waren, haben wir systemtreu kurzfristige aufgenommen, und jetzt hat uns der Bankjude die Schlinge um den Hals gelegt und hat erklärt: Her mit den städtischen Werken oder ich ziehe zu!
Das ist heute die Lage Bremens. Und nun wenden sich die Herren mit den „Erfolgen" an uns. Aus-
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Wien ,20. Iuni. Die Bildung einer Regierung, die eine amtliche Verlautbarung für Freitag in Aussicht hatte, ist mißlungen. Die Verhandlungen mutzten am Sonnabend um 2 Uhr früh ergebnislos abgebrochen werden.
Bis gegen Mitternacht verliefen die Beratungen Vr. Seipels mit den früheren Mehrheitsparteien ziemlich günstig. Es kursierten bereits Rlinisterlisten eines Kabinetts Seipel- Schober. Dann traten aber ernste Schwierigkeiten zu Tage, und als um 0,30 Uhr die Verhandlungen eine Unterbrechung erfuhren ,wurde bekannt, daß Vr. Schober sich weigerte, in ein Kabinett zugleich mit vr. Kienböck einzutreten, während vr. Seipel auf der anderen Seite erklärte, auf vr. Kienböck als Finanzminister beharren zu müssen. In der Verhandlungspause traf vr. Schober im Parlament ein und begab sich nach einer kurzen Rücksprache mit seinen Parteifreunden selbst in den Verhandlungssaal. Eine Einigung wurde jedoch nicht erzielt. Ls ist noch ungewiß, ob die Verhandlungen heute, Sonnabend, von vr. Seipel weiter fortgesetzt werden oder ob sie auf einer vollständig anderen Grundlage weitergeführt werden. Es besteht, wenn vr. Seipel die Verhandlungen fortsetzt, am ehesten noch die Möglichkeit eines Minderheitenkabinetts, in dem die Thristlich-Sozialen und und der (österreichische Landbund vertreten sind.