Ausgabe 
(10.6.1931) Nr. 42
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Geschäftsstelle und Redaktion: Bremen, Bahnhofstr. 26. Fernsprecher Domsh. 25878. Erscheint wöchentlich 2 mal. Bezugspreis monatlich 1.12 einschließlich Bestellgeld. Verlagsort Oldenburg (Oldbg.)

Nr. 42

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Anzeigen: 10-gesp. Nonpr.-Zeile 0.25, auswärts 0,30 Stellenges. und Fam.-Anz. 0.10 Kleine Anz. 0.15 Ersatzansprüche können nicht gestellt werden, wenn das Erscheinen irgendwie verhindert ist.

Mittwoch

10. 3um

1031

vlutlerror üverall!

In Lhemnitz 2 SA.-Leute erschossen, 5 schwer verletzt. — In Bremen SA.-Mann vor die Stratzen- 4 bahn geftotzen und schwer verletzt.

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In der Nacht zum Dienstag wurden in Bremen am Waller Park vier SA.-Leute von 35 bis 40 Kommunisten planmätzig überfallen und zu Boden geschlagen. Der SA -Mann K. wurde vor die herankom­mende Straßenbahn gestotzen und von der Fangvorrichtung noch gefaßt, mutzte aber mit schweren Verletzun­gen besinnungslos ins Krankenhaus überführt werden. Die Täter wurden nicht gefatzt.

Im einzelnen erfahren wir zu dieser neuen Blut- 'tat der Kommune folgendes:

Die 4 SA.-Leute kamen von einem Turnabend und befanden sich auf dem Nachhauseweg. Als sie den Haupteingang des Waller Parks passiert hatten, stürz­ten etwa 35 bis 40 Rotmordbanditen aus dem Hinter­halt, nachdem sie sich vorher im Park versammelt hatten, und fielen in der gemeinsten Weise über unsere Parteigenossen her, die naturgemäß dieser Uebermacht ! nicht standhalten konnten. Mit Knüppeln und Messern

Erstochen, erschlagen, erschossen!

SS.-Mann Tschierse, Arbeitet, 24. Mai ZA.-Mann Billet, Buchdrucker, 24. Mai Hitlerjunge G. Liebsch, Jungarbeiter, 26. Mai Hitlerjunge Wagner, Jungarbeiter, 28. Mai Stahlhelm-Kamerad H. Ernst, Jungarbeiter, 28. Mai Stahlhelm-Kamerad Hahn, Maurer, Z0. Mai Polizei-Hauptwachtmeister P. Janker, ZO. Mai Stahlhelm-Kamerad S. Müller, Buchhalter, Z0. Mai SN.-Mann E. Steinbach, Schüler, 7. Juni SA.-Mann H. Eutsche, Ingenieur, 7. Juni

Wir senken die Fahnen!

wurden die Ueberfallenen bearbeitet. SA.-Mann K. wurde schließlich vor eine herankommende Straßenbahn gestoßen, die ihn überfahren hätte, wenn sich nicht im letzten Augenblick die Fangvorrichtung gelöst hätte.

> K. verlor die Besinnung und wurde mit schweren Verletzungen, darunter zwei klaffenden Kopfwunden und einer Wirbelsäulenstauchung in das Diakonissen- haus überführt.

Bei dieser Gelegenheit hat sich noch ein skanda­löser Zwischen?«« ereignet. Die Frau eines SA.-Man- nes, die ihrem Mann entgegenging, erfuhr von dem Ueberfall und eilte sofort in ein Geschäft, um die Po­lizei alarmieren zu können. Obwohl Menschenleben in Gefahr waren, verlangte die Geschästsinhaberin erst Bezahlung des Gespräches, verweigerte sogar die An­nahme des Trauringes als Pfand, da die Ehefrau zu-

3 fällig kein Geld bei sich hatte. Nur durch ihr energi­sches Auftreten gelang es dann, trotzdem die Polizei zu verständigen.

Der ganze Vorfall gibt uns Veranlassung, die Polizeibehörde in Bremen zu fragen, wie lange sie der Arbeiterzeitung gestatten will, Tag für Tag durch un­geheuerliche Lügen und Entstellungen die bremische Arbeiterbevölkerung gegen die Nationalsozialisten auf­zuhetzen. Diese Presse ist letzten Endes allein verant- worlich für diese Bluttaten, bei denen diesmal nur

durch einen Zufall nicht ein Menschenleben vernichtet wurde.

Wir Nationalsozialisten werden jedenfalls am kommenden Donnerstag in einer Protestkundgebung am Hohentorpsplatz uns gegen die fortgesetzten Blut­taten und gegen die noch immer ungehinderte Hetzar- beit ihrer geistigen Urheber verwahren. Es ist Pflicht jedes Parteigenossen, zu dieser Kundgebung zu erschei­nen. Die SA tritt um 8 Uhr an der Llohdhalle an

und marschiert geschlossen zum Bersammlungsplatz.

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Wie wir kurz vor Redaktionsschluß erfahren, mußte auf polizeiliche Anordnung die Kundgebung vom Grünen Kamp auf den Hohentorsplatz verlegt werden.

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Der Sachsen-Gautag in Chemnitz ist gewesen. Ueber 35 000 Teilnehmer, darunter 20 000 Braunhemden, hatten sich dazu eingesunken. Adolf Hitler und Dr. Goebbels waren zugegen. Nach dem imposanten Fackel- zug am Sonnabend, an welchem sich 9000 S.A.-Männer beteiligten, kam es zu Zusammenstößen.

Die Kommunisten, die durch eine Parteianweisung in Alarmzustand versetzt worden waren, hatten am Sonnabendabend in verschiedenen Parteilokalen Stoßtrupps zusammengezogen, darunter auch in der kommunistischen Buchhandlung im Hause Brühl Nr. 16. Als einzelne Nationalsozialisten am Sonntag­morgen kurz nach 5 Uhr morgens an diesem Haus vorübergingen, wurden sie mit Pflastersteinen bewor- fen. Ein Nationalsozialist wurde von den Kommunisten in das HauS gezogen, dort mitzhandelt und festgehalten. Eine aus dem Hauptquartier der NSDAP. zu Hilfe gerufene Abteilung von Nationalsozialisten in Stärke von etwa 40 Mann wurde bei ihrem Eintreffen vor der kommunistischen Buchhandlung mit einem Stein­hagel und mit Schüssen empfangen.

Darauf drangen die Nationalsozialisten in das Haus ein, und in den Erdgeschoßräumen und auf der Treppe kam es zu einem erbitterten Handgemenge zwischen den Nationalsozialisten und den 80 Kommunisten, die sich im Gebäude aufhielten und mit Pistolen, Dolchen und Seitengewehren ausgerüstet waren. Von der Straße aus wurde auf die Nationalsozialisten geschossen, ferner wurden von den angrenzenden Häusern Pflastersteine geworfen. Der 19jährige Oberprimaner Edgar Stein­bach, der Sohn eines bekannten Ehemnitzer Musik­direktors, wurde durch eine» Schutz getötet. Der In­genieur Heinrich Gutsche anS Mittwcida erhielt einen Bauchschutz, an dessen Folgen er im Krankenhaus ge­storben ist. 10 weitere Nationalsozialisten erlitten zum Teil erhebliche Stich- und Schlagverletzungen.

Die Polizei riegelte schließlich das Viertel ab und verhaftete 80 Kommunisten.

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Schwcidnitz. Am Montag früh fand hier die Ver­handlung gegen den nationalsoz. Reichstagsabgeordne­ten Heinz Spangemacher statt. Pg. Spangcmacher, der selbst anwesend, soll s. Zt. Beamte aufgefordert haben, Mitglieder der NSDAP. zu werden. Für dieses fürch­terliche Verbrechen bekam er per Strafbcfehl drei Mo­nate Gefängnis. — (Man denke an Barmat!) Hiergegen legte Pg. Spangemacher Einspruch ei». In der Verhandlung wurde nun der Angeklagte frei­gesprochen. Vater Staat zahlt die Kosten.

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Aber das deutsche Volk erwacht.

Am Sonntag wurde die neue Notverorbnung der Oeffentlichkeit übergeben, nachdem man am Tage vorher schon mit Einzelmeldungen und Andeutungen die aus­zuplündernden Volksschichten schonend vorbereitet hatte. Aber auch sonst klappte der Regieapparat ausgezeichnet. Reichskanzler und Reichsaußenminister, die eigentlichen Väter dieser Angstgeburt, saßen zur gleichen Zeit bei guten Diners und Soupers in den feudalen Räumen eines englischen Landschlosses, um mit ihren englischen Ministerkollegen unverbindliche Gespräche zu führen, die nun programmätzig die ganze deutsche Presse füllen und die erste Empörung der Notverordnung verrauschen lassen sollen. Die Reise nach Chequers war ebenso überflüssig wie alle unsere Reisen in die Schweiz, sei es nun Genf oder Thoiry gewesen und wer es nicht glaubt, der lese das aufschlußreiche gemein­same Kommunique von Chequers, das sich in nichts von den früheren unterscheidet.

„Beiderseits herrschte Uebereinstimmung darü­ber, daß neben den Maßnahmen, die jedes einzelne Land für sich zu ergreifen hätte, die Wiederherstel­lung des Vertrauens und die wirtschaftliche Bele­bung von internationaler Zusammenarbeit abhängig seien".

Wir kennen die positive Mitarbeit Frankreichs an Deutschlands Geschicken und wir wissen von dieser internationalen Zusammenarbeit ein gar garstiges Lied

Donnerstag, 20.30 Uhr

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Deutsche Männer u. Frauen erscheint in Massen!

Laut polizeilicher Anordnung mußte die Kund­gebung vom Grünen Kamp auf den Hohentors­platz verlegt werden.

S.-A. marschiert geschlossen 20 Uhr ab Lloyd-Gepäckhalle durch Breitenweg—Georgstr.—Kaiserstr. zum Hohentorsplatz

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zu singen. Oder ist die von Briand und Henderson be­triebene Zerschlagung der Zollunion, ein erster Versuch internationaler Zusammenarbeit, bereits wieder ver­gessen?

Aber schon ein so gedankenleerer Satz wie der obige, der ebenso von Stresemann wie von Curtius stammen könnte, gibt der Wilhelmstraße in Berlin Gelegenheit, die weitgehendsten politischen Hoffnungen zu erwecken, um über die augenblickliche Krise hin­wegzukommen. Das Kabinett lehnt eine Einberufung des Reichstages schon aus dem Grunde ab, weil das Kabinett jetzt volle Handlungsfreiheit zur Wetterfüh­rung der Besprechungen von Chequers beansprucht. So­gar Paris und Washington führt man ins Treffen, alles um zu verhindern, sich schon jetzt vor dem Reichs­tag verantworten zu müssen. Dieses Spiel ,ist alt und uns aus den Silberstreisenjahren längst bekannt. Es ist nur erstaunlich, daß eine allzuwillfährige Re­gierungspresse trotz gelegentlichem Ausbrechen aus der Front immer wieder diese Mannöver mitmacht, immer wieder verhindert, daß eine klare und reinliche Schei­dung herbeigeführt wird, die die Katastrophenpolitiker der letzten 12 Jahre ausschaltet und neue Männer mit der Führung der Außenpolitik beauftragt.

Es ist sogar eine parlamentarische Unmöglichkeit, daß ein Kabinett erst mit dem Einsatz seines ganzen