Ausgabe 
(30.5.1931) Nr. 39
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30. Mai

1931

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Wir Nationalsozialisten stehen im erbitterten -weltanschaulichen Kampf gegen den Marxismus und ! seine vielfachen Auswirkungen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Wir werben in diesem Kampf um jeden Volksgenossen und achten ihn auch als Gegner., solange er im offenen ehrlichen Kampf gegen uns steht. Ja, es gibt so etwas wie eine Gemeinsamkeit zwischen Gegnern, die in der gleichen, Überzeugungs­treuen Kampfgesinnung liegt. Gemeinsam ist auch die Verachtung, die politische Geschäftemacher trifft., die die schweren nun einmal notwendigen geistigen Aus­einandersetzungen innerhalb unseres Volkes dazu be­nutzen, um mit wechselnder Gesinnung — wohlverstan­den nicht Bekehrung — sich die Taschen zu füllen. Es sind das Parasiten schlimmster Art, die nach unserer Ansicht in ihrem charakterlichen Unwert an unterster Stelle stehen. Ein solcher Fall empört jeden anständi­gen Menschen, ganz gleich welcher politischer Richtung er angehört, nur muß er über die einfachsten Gefühle von Sauberkeit verfügen, wenn ein solches Jndividium einst einen guten Namen hatte, der über die Gren­zen des Vaterlandes hinaus Achtung und Anerkennung einflößte und der nun mit diesem Namen Schindluder treibt. Einen derartigen Menschen aus der natürlichen Volksgemeinschaft zu verlieren, die auch alle Gegner umfaßt, löst immer zunächst ein gewisses Bedauern aus, dem aber bald die Genugtuung folgt, von diesem bis­lang nicht erkannten Fremdkörper befreit zu fein.

Wir hätten über den Fall Mücke — der Mann wird am kommenden Donnerstag sein trauriges aber wohl einträgliches Handwerk in Bremen betreiben — nicht soviel Worte verloren, wenn es uns nicht wun­derte, daß das eben gegründete Kartell republikanischer Verbände mit seinem ersten öffentlichen Auftreten ein so unendlich tiefes Niveau, wie es diese Veranstaltung ausweist, betreten würde. Gibt es denn wirklich schon keinen politisch sauberen, ehrlich kämpfenden Gegner der NSDAP. mehr, der hier hätte gegen uns sprechen können? Muß man sich gleich mit einer solchen Erschei­nung belasten oder glaubt die Leitung dieses Kartells wirklich, daß ihre Anhänger charakterlos genug sind, um sich mit einem Renegaten begnügen zu müssen. Wir haben unsere Gegner wieder einmal überschätzt, was aber verständlich ist, denn wir kennen uns in den Niederungen und Sumpflöchern, in den Minderwertig­keitskomplexen dieser Vertreter eines schon gestorbenen -Systemes nicht aus. Aber wir glauben doch, daß trotz überfüllten: Saal und sicher lebhaftem Beifall bei nicht wenigen ein übler Nachgeschmack auf der Zunge zurückbleiben wird, der sich leicht am nächsten Morgen zum Brechreiz steigern kann. Ein so Bekehrter ist dann für unseren Freiheitskampf gewonnen und in dieser Erwartung begrüßen auch wir das Auftreten des Herrn von Mücke.

Ehe wir unseren Lesern noch einige Urteile ein­stiger Kameraden dieses famosen Vertreters zur Infor­mierung geben, wollen wir feststellen, daß nun sogar schon die Weser-zeitung die Gründung dieses seltsamen republikanischen Kartells und scheinbar auch solche Ver­anstaltungen ausdrücklich begrüßt, während diesmal die . Bremer Nachrichten sich bei der Ankündigung etwas vorsichtiger ausdrücken. Es ist uns bekannt, daß in beiden Redaktionen, sogar in den politischen Ressorts Parteien aller Schattierungen vertreten sind und es . ist nicht ohne Reiz, an dem jeweiligen politischen Ge­sicht des Blattes den jeweiligen Bearbeiter herauszu­finden. Allerdings hatte sich die Weserzeitung bislang von solchen Geschmacklosigkeiten freigehalten.

Und nun einige Ergänzungen. Die bürgerliche Wilhelmshavener Zeitung begrüßt das Auftreten dieses Mannes mit einem Artikel, dem wir folgendes entneh-- men:

Wer finanziert denn eigentlich Ihre schönen Re­den, Ihre Reisen usw.? Haben Sie auch nur einmal einem Kameraden von der alten „Emden" eine Unter­stützung zukommen lassen? - Soll ich Jhrren

einiges über Ihre „glorreiche" Tätigkeit als 1. Offi­zier an Bord der alten „Emden" erzählen? Noch leben heute die Zeugen vom Backbord -- 4 - Geschütz (neben der Offiziersmesse), die aus bestimmten Gründen vor Hunger nicht in den Schlaf kommen konnten; noch lebt der Obermatrose, der durch Sie, Herr v. Mücke, — Sie wissen ganz genau warum — auf einen Dampfer wegen eines Briefes strafversetzt wurde, und noch leben viele Kameraden vom Steuerbordrettungskutter. Ja, jetzt tauchen alle diese Erinnerungen wieder auf, und ich bedaure noch heute die Matrosen und Heizer, die nach getaner schwerer Arbeit in der brennenden Tropen­sonne vom Mitteldeck auf die Hütte und zurückgejagt wurden. Warum, mußte das sein, frage ich Sie heute? Erzählen Sie in Ihren Reden vor dem „Reichs-

Meiler rwei Normalen.

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Wie erst jetzt bekannt wird, wurde in der Nacht zum Dienstag in Dühringshof (Kr. Landsberg) der 17jährige Arbeiter Gerhard Liebsch aus Berlin, Prenzlauerstraße 45 von Kommunisten erstochen.

Gerhard Liebsch gehörte der Hitler-Jugend an, während sein älterer Bruder bereits SA.-Mann war. Am zweiten Feiertag begaben sich die beiden Brüder mit dem Fußballverein von Dechsel nach dem etwa 20 Kilometer entfernten Dühringshof. Nach dem Spiel begaben sich die jungen Leute in ihr Vereinslokal.

Als Gerhard Liebsch einmal allein hinausging, folgten ihm sofort mehrere rote Berbxecher, stießen ihn auf die Straße, umringten ihn und drängten ihn auf die andere Straßenseite. Dann fielen sie über ihn her und einer -er vertierten Mörder stieß ihm einen Dolch unterhalb derRiPpen bis fast zum Herzen hinauf in die Brust. Der tödlich Getroffene wankte noch drei Schritte weiter, dann brach er blutüberströmt zusammen. Mehrere Einwohner des Ortes, die Augenzeugen dieser fürchterlichen Bluttat waren, beobachteten, wie die Mörder den Sterbenden »och mit Füßen traten und dann davonliefen. Als die Kameraden Liebschs auf die Straße eilten, war der junge Arbeiter bereits tot und die feigen Mörder waren im Dunkel der Nacht entflohen.

Als die Mörser an der Leiche Gerhard Liebsch vernommen wurden, wagten sie es noch, den Toten zu beschimpfen, zu verhöhnen und anzuspcien.

An lotse, redn Veetotito.

Hagen, 28. Mai. Anläßlich eines Umzuges der Nationalsozialisten wurden am Donnerstag abend in -er Mivtelftraße die Nationalsozialisten von Kommunisten überfallen. Es fielen rasch hintereinander unge­fähr 12 Schüsse. Der Nationalsozialist Emil Wagener wurde tödlich getroffen, 16 weitere zum Teil unbe­teiligte Personen wurden durch Kopf- und Bauchschüsse verletzt. Die Täter entkamen, bevor die Polizei an der Nnfallstelle erschien. Die Verletzte» wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Die Untersuchung ist im Gange.

An »rmrUelier Mimt.

Nationalsozialistische Denkschrift.

Die nationalsozialistischen Parteileitungen und Bürgerschastsfraktionen der Hansestädte stellen, nachdem sie seit Fahr und Tag Sie unproduktiven Reformpläne einer Neugruppieruug Hamburg-Lübeck-Bremens ver­folgt haben, nunmehr einmütig und geschlossen einen Rahmenentwurs zur Diskussion, den wir im Innern des Blattes im Wortlaut veröffentlichen.

Ksmsrque M vremeir.

Der Sudelfilm „Im Westen nichts Neues" soll, wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, nun doch seinen Weg nach Bremen finden und in einer ge­schlossenen Veranstaltung vorgeführt werden. Aus­gerechnet die Staatspartei, die „Hüterin" der öffent­lichen Ruhe und Sicherheit, beabsichtigt scheinbar, die nationale Bevölkerung Bremens mit diesem Mach­werk zu provozieren. Wir empfehlen den Herven Dr. Dronke und Dr. Erich, die hier Remarque propa-» gieren wollen, ihren Betätigungsdrang auf die angeb­lich dringend notwendige Sanierung der Staatspartei zu beschränken — ein entsprechender Bettelbrief liegt auf der Redaktion vor —^ als mit den Marxisten <im Bunde die rechtlich empfindende Bevölkerung Bremens herauszufordern. Die Zeit ist nämlich vorbei, in der das ungestraft geschehen konnte.

banner" doch dies alles einmal, aber das wird Ihnen wohl schlechter bekommen, als die billigen Attacken ge­gen Nationalsozialisten. Mit ihrem Auftreten haben Sie es verwirkt, daß der Name unserer alten glor­reichen „Emden" noch im Zusammenhang mit Ihrem Namen genannt werden darf.

Pg. Dreher, M. d. R., hat Herrn von Mücke folgenden Brief geschrieben:

Nicht nur als alter Mariner, sondern auch als alter Kämpfer für den Nationalsozialismus habe ich es bis heute abgelehnt, mit einem ehemaligen Kriegs­kameraden mich auseinanderzusetzen ,wie Sie es auf Grund Ihres eigenartigen politischen Umschwungs ver­dient hätten. Aber vielleicht darf ich einmal die Beweg­gründe Ihres Handelns etwas näher beleuchten.

Sie selbst waren der Gesinnung nach nie und nim­mer Nationalsozialist. Für Sie war die NSDAP. unr­ein Mittel zum Zweck für Ihre eigene Person. Jhr Name hatte ein Ansehen erlangt, weil Sie zufällig erster Offizier der ruhmreichen „Emden" waren, weil ^ Sie als rangältester Offizier des Landungskorps auch das Kommando über die „Ayesha" führen mußten. Da­bei wurden Sie eine gewisse Berühmtheit, währenddem all vrc anderen Offiziere und Mannschaften namen­lose Helden blieben. Denn der eigentliche Held dieser Taten waren Sie in der Praxis ja gar nicht, sondern es waren andere, die die Fahrt der „Ayesha" und den Marsch durch die Wüste geschmissen haben, das wissen Sie ja selbst am besten.

Nachdem die Revolution abgeebbt war, die natio­nale Bewegung wieder mehr hervortrat, waren Sie plötzlich auch wieder da. Sie zogen in Deutschland um­her, hielten Vortrüge über die Fahrt der „Ayesha", machten in Patriotismus, hielten aber ängstlich darauf, daß Ihre Vortrüge unter neutralem Deckmantel statt­fanden und niemand erfahren sollte, daß Sie „National­sozialist" waren.

Das hatte uns damals in Stuttgart schon miß­trauisch gemacht. Und dann lernte ich Sie persönlich

kennen und dabei war Ihnen der Kriegskamerad nichts, sondern Sie legten nur Wert auf die Tatsache, daß auch die Kasse gut funktionierte, niemand unentgeltlich her­einkam, daß Ihre Bücher recht zahlreich verkauft wur­den, mit einem Wort gesagt, die Einnähmen interessier­ten Sie nur. So hatten Sie ja auch an diesem Abend in Stuttgart, wie an so vielen anderen Orten, 400 bis 500 RM. verdient. Ich habe nie gehört, daß Sie davon einer armen Ortsgruppe unserer Bewegung einen kleinen Betrag zur Verfügung für alle ihre Mühe und Arbeit gegeben hätten, sondern für Sie bestanden Ihre Vortrüge nur als eine ergiebige Einnahmequelle.

Dann zogen aber eines Tages Ihre Vortrüge nicht mehr, die Eintrittspreise konnte kein Mensch mehr er­schwingen und daraus ließen Sie sich von uns in den Sächsischen Landtag wählen, jedoch geleistet haben Sie dort adsolut nichts. Weil dann nicht alles nach ihrem Kopse ging. träte.. Sie bald unter großem KlamaiH aus der NSDAP. wieder aus und fielen ihr in den Rücken, indem Sie ausgerechnet sich dabei landesverrä- terischer marxistischer Zeitungen bedienten. Wir waren viel zu nobel, um dagegenzuschlagen und der Sieg war trotzdem auf unserer Seite. Nun haben Sie ja eine neue Einnahmequelle gefunden. Der Jude läßt es sich schon etwas kosten, wenn es gegen die NSDAP? geht und bereitwilligst haben Sie sich „zur Verfügung gestellt". Ich habe mich also in Ihnen nie getäuscht. Nun haben Sie „Enthüllungen" über die NSDAP. gebracht, d. h. Sie wollten aus einer Mücke einen Elefanten machen, damit aus den Elefanten Barmat, Sklarek usw. eine Mücke werde. Dazu geben Sie sich nun her, Herr v. Mücke! Dadurch scheiden Sie aber von selbst aus dem Kreise Ihrer alten Kriegskamera­den. Das, Herr v. Mücke, mußte ich Ihnen einmal sagen. Und übrigens: Wieviel bekommen Sie für einen Vortrag?

Damit beschließen auch wir das Kapitel Mücke, der in Bremen seinen Namen weiter beschmutzen wird, wie er es bisher getan hat. -art.