Ausgabe 
(20.5.1931) Nr. 36
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Geschäftsstelle und Redaktion: Bremen, Bahnhofstr. 26. Fernsprecher Domsh. 25878. Erscheint wöchentlich 2 mal. Bezugspreis monatlich 1.12 K.tk einschließlich Bestellgeld. Verlagsort Oldenburg (Oldbg.)

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20. Mai

1931

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Das Olcienburger

Ergebnis:

Nationalsozialisten

97 778

19

(3)

Deutsche Volkspartei

5 558

2

(9)

Sozialdemokraten

54 878

11

(1b)

Deutsche Staatspartei

8 613

1

(5)

Kommunisten

18 935

3

(1)

Wirtschaftspartei

4 274

—

(2)

(3)

Landvolk

5 403

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Christlich-Soziale

2 942

—

(-)

Zentrum

46 192

9

(!)

Deutschnationale

12 629

2

(3)

U.S.P.D. (panzerkreuzerscheu) 224

—

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Der Wahltag ist vorbei. Der 17. Mai war ein Angriffstag, am 18. hat der Kampf von neuem be­gonnen. Und doch können wir für einen Augenblick Rast machen und Umschau halten über das neugewonnene Feld, das in sorgsamer Kleinarbeit von uns bestellt und zur Reise gebracht werden wird. Wir suchen keine Wählermassen, die heute hier und morgen dort sich sammeln, sondern wir brauchen Mitkämpfer für unser letztes großes Ziel, zu dessen Erreichung wir einen neuen Schritt vorwärts getan haben. So steht der rein parlamentarische Erfolg für uns in zweiter Linie und es wird die Zukunft ausweisen, wie wir diesen für unseren eigentlichen Kamps auswerten werden. Zu einer wirklichen Regierungsmehrheit reicht es nach keiner Seite und es wird abzuwarten sein, wie sich die Dinge entwickeln. —

Der Wahlkampf selbst ist heiß und erbittert ge­führt worden, keine Mühe wurde gescheut; unsere SA. ist keinen Tag zur Ruhe gekommen, und so dürfen unr­einen Augenblick einhalten und uns freuen und stolz sein auf unseren Erfolg, auch wenn der Gegner ihn leugnet oder umlügen will. Es ist schon ein wirklich guter Scherz, wenn die Bremer Arbeiterzeitung als markanteste Tatsache dieses Wahlergebnisses die offen­sichtliche Niederlage der Nationalsozialisten feststellt und einen starken Rückmarsch unserer Bewegung her- ausrechnet. Aber auch die Volkszeitung sieht betrübt ihre Felle wegschwimmen und hilft sich zunächst mit einer kleinen Fälschung, die ihren Verlust von 11000 Stimmen auf 8000 herabmindert und meint dann, daß diese 8000 anscheinend unbedeutende mittelständ- lerische Gruppen wären, die ihnen bei früheren Wah­len zugelaufen und nun eben wieder weggelaufen wä­ren. Sie können es also immer noch nicht glauben, daß auch der deutsche Arbeiter genug von ihrem marxisti­schen Schwindel hat und längst im Braunhemd in un­seren Reihen marschiert. Während man vor der Wahl in allen Pressen aus dieses für ganz Deutschland un­geheuer wichtige Stimmungsbarometer hinwies, meint die Volkszeitung nun, daß Oldenburg sozial und ökono­misch eine Ausnahmestellung einnähme. Ob wohl die Volkszeitung das auch geschrieben hätte, wenn wir 20 000 Stimmen verloren und nicht gewonnen hätten? Hilfloses Wortgeklingel soll den Reinsall beschönigen.

Und dann die Staatspartei, sie hat sich selbst ge- ^ sünsteilt und damit noch grausamer hingerichtet als l es im grauen Mittelalter bei Mördern üblich war. Von ^ 5 Sitzen ist ihr einer geblieben und nun sendet sie im Lande Briese herum, die mildtätige Gaben anscheinend für ein ehrenvolles Begräbnis heischen. Uns ist da so einer auf den Redaktiönstisch geflattert, in dem die Parteifreunde zu einem Sonderbeitrage von 3.— Mk. verpflichtet werden, um im Sommer die Partei sanie­ren zu können. Hoffentlich ereignen sich da während der Hundstage keine Hitzschläge.

Ernster steht es schon um das Zentrum, das die­sen Wahlkampf wieder mit der ihm eigenen Hem­mungslosigkeit geführt hat. Seine durchaus kirchen- feindliche Politik, die in Preußen einen marxistischen Kultusminister beschützt und mit dem Reichsbanner sich in der Gottlosenpropaganda vereint, diese Politik läßt es sich immer wieder durch die Kirche bestätigen uno so hat es auch diesmal von der Kanzel herunter vor den Nationalsozialisten warnen lassen, weil sie angeblich nicht aus dem Boden der christlichen Welt­anschauung stehen. Es scheint uns durchaus unchristlich, eine solche Lüge nun auch von der Kanzel verkünden zu lassen und wir bedauern auf Grund unserer christ­lichen Weltanschauung die Entweihung -es Gottes­dienstes durch die Verbreitung solcher Unwahrheiten. Wie furchtbar dieser Propagandafeldzug sich auf ein­fache Gemüter auswirken muß, die in ihrem unbeding­ten Vertrauen zur Kirche eine Verbreitung von Un­wahrheiten für ausgeschlossen halten, geht mit erschrek-

kender Deutlichkeit aus einem Brief einer Mutter an ihren Sohn, einen Bremer SA.-Mann, hervor. In diesem Brief heißt es u. a.:

„Wie konntest Tu mir das antu», das ist der letzte Nagel zu meinem Sarge. Tu verbitterst mir meine letzten Tage, aber ich will Tag und Nacht vetettz, alle meine Enkelkinder sollen mir helfen und wenn B. zur ersten heiligen Kommunion geht, soll sie den lieben Heiland ganz besonders für dich bitten, daß der liebe Gott mit Gewalt dich zurückrcitzt. Wenn dn auf dem Sterbebette liegst, dann werden Tir die Augen geöffnet, dann soll Hitler Dich wohl begleiten nach oben. Tie Ostcr- beichte hast Du nicht gehalten, das weiß ich be­stimmt, sonst könntest Tu Dich nicht zu den Nazis bekennen".

So geht es weiter 4 Seiten hindurch und der Brief schließt mit dem erschütternden Satz: „Fch kann vor Weinen nicht mehr schreiben, Deine Mutter!"

Das Politische Zentrum trägt für diese Menschen­quälerei die volle Verantwortung und es scheint uns kein großer Unterschied zu sein, ob ein SA.-Mann von hinten durch Rotmord erschlagen oder ein Mutterherz durch Lügen und Entstellungen zu Tode gequält wird. Der ungeheure Druck, der hier ausgeübt wird, erklärt auch allein die Tatsache, daß das Zentrum seine Stim- menzayl in Oldenburg halten konnte. Gerade hier liegt ern Auches Arbeitsgebiet vor uns', immer wieder dem Volke den Nachweis zu erbringen, daß heute allein die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei auch den Bestand der Kirche retten kann. Oder will man nicht die Rauchfahnen brennender Klöster und Kirchen in Spanien als Warnungssignale werten?

Wir werden uns auch nicht vom Zentrum irre machen lassen in unserem Freiheitskamps und wir sind optimistisch genug, daran zu glauben, daß auch über kurz oder lang genau wie in der deutschen Volks­partei sich die gesunden Teile des Zentrums belehren und bekehren lassen werden.

Auch in diesem Sinne ist der 17. Mai nur ein Angriffstag für uns gewesen und mit dem 18. hat die Werbearbeit in altem Umfange eingesetzt.

-art.-

§s rüLSen Me KKLern.

Der Mobilisierungsplan des amerik. Generalstabs.

Der Generalstabschef Mac Arthur hat am Mittwoch dem kriegspolitischen Ausschuß den bisher geheimge­haltenen Mobilisierungsplan des amerikanischen Gene­ralstabes vorgelegt. Danach soll das gegenwärtig 118 000 Mann starke Friedensheer, das ausdrücklich als Rahmen-Armee bezeichnet wird, im Kriegsfall durch Aushebung binnen kurzer Frist auf vier Millionen gebracht werden, was einer Effektivstärke des amerika­nischen Heeres am Weltkriegsende entspricht. Weitere sieben Millionen wehrfähiger Männer im Alter bis zu 30 Jahren würden als Reserve bereitstehen. Weder Geistlichenoch Kriegsdienstverwei-- gerer aus Ueberzeugung würden von der Dienst- Pflicht entbund en werden. Eine militärische Kon­trolle der Kriegsindustrie sei nicht vorgesehen, doch sollen übertriebene Kriegsgewinne durch entsprechend formulierte Verträge unmöglich gemacht werden.

vnZsnseder ürevisSrmLsMrsZ.

Am Vortag der Genfer Ratstagung, am 17. Mai, hat die ungarische Revisionsbewegung wieder einmal einen Demonstrationstag größten Ausmaßes veranstaltet.

Alle ungarischen Städte und Gemeinden, alle wirt­schaftlichen und politischen Vereine und Verbände orga­nisierten eine Riesenkundgebung gqgen die Friedensdiktate. Zum Unterschied von allen früheren derartigen Kundgebungen sind diesmal auch die im Ausland lebenden Ungarn, vor allem die in Amerika mobil gemacht worden. Auch Bulgarien hatte sich der Revis.ionsdemonstration am 17. Mai an­geschlossen.

Man wird die Mauern der Friedensdiktate gewiß nicht mit einem solchen Proteststurm zum Einsturz bringen. Aber eine solche gigantische Demonstration' stählt den Freiheitswillen unterdrückter Nationen — den Willen, der allein die Voraussetzung für die Beseitigung der Diktate ist. Anstatt die Genfer Arbeit durch Bekundungen des Volkswillens zu Pützen, ist man bei uns ängstlich darauf bedacht, alles niederzu^ halten, was nach einer Volksbewegung aussehen könnte.

In lelrter AunSe. "

Kommunismus in Spanien! Brudermord, Tot­schlag, Brand, Straßenkämpfe — — — Heil Moskau!

Diese Nachrichten lesen sich leicht in den Zeitun gen, aber kaum einer macht sich klar, daß auch wir jeden Augenblick anstelle des gleichmäßigen Pulsschla ges des täglichen Lebens den Lärm eines Verzweif lungskampfes von Millionen von arbeits- und brot­losen Menschen an unser Ohr schlagen hören können.

Sicherlich haben die republikanischen Führer die Entwicklung der jetzigen Zustände in Spanien nicht ge­wollt, aber durch ihre Duldung und teilweise Mitar beit, unter vollkommener Verkennung der treibenden Kräfte ermöglicht. Nachdem sie ihre Helfershelferdien fte dem Marxismus geleistet, werden Pe hohnlachen zur Seite gestoßen, um freie Bahn dem Bolschewismu > zu geben. —

Sind bei uns die Zustände nicht ganz die glichen?

Sind wir nicht eigentlich schon mitten in dem Vor­postengeplänkel des Aufruhrs und Bürgerkrieges? Was erleben wir schon heute hier in unserem deutschen Vaterlande!? Millionen opferbereiter deutscher Volks­genossen haben sich zusammengeschlossen, um sich mit ihren Leibern dieser Entwicklung entgegenzuwerfen und

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Bei dem Stapellauf des Panzer-Kreuzers A in Kiel, zu dem Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Brüning erschienen waren, ereignete sich ein Zwischcnsall von geradezu symbolischer Bedeutung Mitten in den hochpolitischen Auslassungen Dr. Brü ningS lösten sich plötzlich die Keile deS HclgenS und -er Panzerkreuzer „Deutschland" lief ohne daS ge­ringste Interesse für Brüningsche Reden in sein Ele­ment. Auch das deutsche Volk wird eines TageS, ohne noch weiter Brüningsche Reden mitanzuhören, voni Stapel lausen und seiner neuen Freiheit zusteuern!

die auflodernde Flamme mit ihrem eigenen Leben zu ersticken. —

Wie wird ihnen dieses gelohnt? Gerade die Krei se, denen man zuerst, wenn die Lohe des Aufrufs flak kert, an Gut und Leben gehen wird, sind es, die un verständlicher Weise die doch auch für die Kämpfendeu aufs bitterste befehden, enttäuschen, ja, teilweise durcl^ ihr rücksichtsloses unverantwortliches Verhalten direk, in das Lager des Marxismus zurückgestoßen. —

Es kommt eines Tages und vielleicht ist dieser Tag näher als wir alle denken die große Kräftemessunn zwischen denen, die da sagen: wir kennen kein Vater land, das Deutschland heißt" und denen, die bis heut allein auf Grund ihrer nationalsozialistischen Gesin nung bereit sind, für die Nation ^zu kämpfen und.zu sterben. —

Die politischen Führer, die stets erhaben zu be tonen wissen, daß nur in ihren Reihen allein di „wahren Köpfe" sind, die weit Hinausblicken, rechnen und wägen, sie tragen vielleicht ihre Köpfe zu hoch. um sehen zu können, was sich in der politischen Ebene der Tatsachen abspielt.

Es ist ein Naturgesetz, daß das Gesunde, Kräftige sich durchsetzt und das Schwache und Morsche zusam menbricht und verfault. — Warum verleugnen die sich selbst überhebenden sogenannten prominenten Po litiker das Verständnis für dieses Naturgesetz beim Anblick der gewaltigen Bewegung, die durch's ganze deutsche Volk geht? Das Volk erkennt die Bewegung aber die erwählten Führer, denen das Volk einst blind vertraute, können oder wollen nicht sehen und nicht verstehen. — Man muß daran zweifeln, ab wirk lich ehrlicher Wille allein ihre Schritte lenkt, oder ob nicht eitler Ehrgeiz sie dahin führt, daß sie das Zei chen der Zeit nicht verstehen. —

Der Nationalsozialismus predigt und hämmert es in das Volk hinein, daß sich die Entwicklung Zwangs ^ufig dahin auswirkt, daß es zur Kräftemessung zwi ichen deutschen Nationalisten und Bolschewisten einzig und allein kommt. — Was sich hierzwischen bewegt, kann wohl den Fortgang der Entwicklung vorüber­gehend aus der einen Seite hemmen, auf der anderen Seite, wie es leider in Bremen, Thüringen und Preu-