Ausgabe 
(22.4.1931) Nr. 28
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NatilmMzial

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Dar n« AdtiNS-rvaani. Schmrj-r»l m Ängsten.

Die Deutsche Volkspartei hat sich in Berlin zu- ' sammengesetzt, um ein neues Aktionsprogramm sich : auszusinnen, daß die letzten Wähler an der Stange hal-

k. ten soll. Es ist erstaunlich, wieviel Gutgläubigkeit und ^ Naivität man voraussetzt, mit wieviel Kritiklosigkeit k aber auch Vergeßlichkeit man gerechnet hat, als die t Führer der Volkspartei ihr neues Programm zusam- i menschrieben. Zeile für Zeile stößt man auf die kras- festen Widersprüche, auf Worte und Sätze, die noch k mehr sind als geschmacklose Phrasen. Schon ihre Kamps- n ' ansage an die preußische Regierung trägt den Stempel t der Lächerlichkeit, denn gerade die Volkspartei hat es s ja unzählige Male in der Hand gehabt, die schwarz- t rote Herrschaft in Preußen auffliegen zu lassen. Beson- » ders überraschen aber dann die Ausführungen von ': . Herrn Dingeldey, die dem politischen Verhalten der SÜO' Deutschen Volkspartei in den letzten Jahren mitten ins ' Gesicht schlägt. Alles, was die Reichstagsfraktion in Außen-- und Innenpolitik in der letzten Zeit getan hat, 7^7 wird in Grund und Boden verurteilt und forsche soge­nannte nationale Töne sollen die Wählerschaft darüber- ! hinwegtäuschen, daß die Volkspartei führend an der 7> Versklavung des deutschen Volkes beteiligt ist, daß sie " > allein nicht nur in Thüringen und Bremen die zuver-

- lässigste Stütze des Marxismus gewesen ist, der natür- n i lich in diesem Aktionsprogramm als regierungsunfähig " 7 ^ i hingestellt wird.

.7^ ^ Nein, Herr Dingeldey, es lohnt sich nicht, sich sach-

RM» ^ iich mit ihrer Partei auseinanderzusetzen, solange ihre ^ Zuverlässigkeit ausschließlich darin besteht, daß hie MW grundsätzlich das Gegenteil von dem tut, was sie in der Oeffentlichkeit als ihre Meinung propagiert. Vor ^ einem Jahr hat man dem deutschen Volk den Uoung- plan in schönsten Farben mundgerecht gemacht und M: heute reden dieselben Männer in ihrem neuen Ak-

tionsprogramm von dem wirtschaftlichen Unsinn des Aoungplanes und seiner Unhaltbarkeit und an anderer ^ . Stelle von der Pflicht, dem deutschen Volke schonungs- B los die Wahrheit zu sagen. Heute schlägt man sich die Seite der Sozialdemokraten und morgen er- ^ .K klärt man sie für regierungsunfähig, heute schickt man Stresemann u. Curtius nach Locarno, Thoiry, Genf u. morgen erklärt man, es sei unverantwortlich, sich vor?

- aussetzungslos einer westlichen Front gegen den Bol- schewismus anzuschließen, wenn uns nicht zuvor Le-

'E--' bensraum, Lebensfreiheit und militärische Kraft wie- hergegeben würde.

"" Diese innere Verlogenheit der Deutschen Volks-

'',.77 Partei nimmt uns die Möglichkeit sie als Gegner zu ° werten und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die kom- ' 7 7>! wenden Wahlen werden ihr die allgemeine Verach- ^' i»k ^ tung durch den Stimmzettel zum Ausdruck bringen.

Zentrum und Marxisten „stellen sich um".

Nicht nur die Volkspartei sucht zu retten, was zu retten sie hofft. Der ganze preußische Regierungsblock ist ins Wanken geraten und man spielt scheinbar mit dem Gedanken, dem Volksentscheid durch „freiwillige" Landtagsauflösung zuvorzukommen. Selbst von derNot- verordnung beginnen die Marxisten ein wenig abzu­rücken, nachdem sie ein Haar in ihr gefunden haben. Die Bremer Volkszeitung ruft scheinheilig nach „mehr Toleranz" und bekundet damit nur ihre Angst vor der kommunistischen Konkurrenz.

Aber auch sonst haben sichwine Reihe netter Pläne angesponnen, die alle aus der Sorge um die Diäten entsprungen sind. Das Zentrum empfindet peinlich den Einbruch der Nationalsozialisten in ihre westlichen Wahldomänen und ist über den unaufhaltsamen Nieder­gang seiner mittelparteilichen Bundesgenossen ehrlich betrübt. Die Marxisten sehen mit Besorgnis ihre eigene Zersplitterung vor Augen, denn neben den Gewerk­schaften und ihrer Jugendorganisationen machen ihnen die „Panzerkreuzerverräter" viel zu schaffen. Die gün­stigste Lösung wäre für sie, eine gewisse Zeit auch in Preußen in Schein-Opposition zu gehen, um hem­mungsloser agitieren zu können. Natürlich würde man die vielen gutversorgten Bonzen auf ihren Plätzen be­lassen, und im übrigen ein Brüningkabinett zweiter Auslage schaffen, das man in ähnlicher Weise in Schach hält wie im Reich. Obendrein könnte man sich ja dahin verständigen, daß die Marxisten für ihren vorüber­gehenden Verzicht auf Ministersessel mit dem Reichs­präsidentenstuhl getröstet werden. Die Volkspartei bläst mit ihrem Schrei nach einer starken bürgerlichen Re­gierung in Preußen in das gleiche Horn und wenn es keine dreimal verfluchten Nationalsozialisten gäbe, ließe sich da ein nettes politisches Geschäft machen, an dem alle Beteiligten für lange Jahre verdienen könnten. Jedenfalls sprechen alle Anzeichen, auch das volks- parteiliche Aktionsprogramm, dafür, daß sich in Preu­ßen etwas tut, was durchaus das Licht der politischen Oeffentlichkeit zu scheuen hat. Man rückt scheinbar ein wenig nach rechts, stellt die Marxisten in die Sün­derecke und wartet auf bessere Zeiten.

Alle diese Rechnungen haben nur den einen Feh­ler, daß sie nicht aufgehen, daß sie die nationalsoziali­stische Bewegung nicht richtig einschätzen, daß sie un­sere rasch wachsenden Wählermassen für so dumm hal­ten, auf ihren Leim zu kriechen. Jedenfalls wird es unsere Aufgabe sein, auch diese letzten Rettungsver­suche eines morschen Parteisystemes, wobei weder Re­publik noch Staat gemeint ist, zum Scheitern zu brin­gen.

Weltanschauungen stürzen.

Adolf Hitler in Kaiserslautern.

In Kaiserslautern sprach Adolf Hitler in dk überfüllten Städtischen Ausstellungshalle. Immer wi< der unterbrochen durch stürmischen Beifall, führte e u. a. aus:

Das Weltgeschehen steht im Zeichen großer Am einandersetzungen. Das Alte beginnt zu stürzen, Trad tionen werden beseitigt. Es ist mehr als ein Stürze, von Staatsformen. Nicht Monarchien werden beseitig sondern Weltanschauungen gestürzt. In diesem große vw,«hetzen ist Deutschland nur ein Spielball srem der Mächte. Hält die Entwicklung ein weiteres Iah: Aut an, so ist zu befürchten, daß Deutschland a> /»gcht von Weltbedeutung vollständig ausschaltet. Her te bestehen zwei Extreme, die sich scharf befehden: Ar der ernen Seite der Marxismus in Reinkultur, ar -er anderen der Nationalsozialismus. Alles, was sii zwischen ihnen befindet, mutz eines Tages zerriebe

werden. Die bürgerliche Parteienwelt ist der Schritt­macher der Sozialdemokratie und beide gemeinsam die Schrittmacher des Bolschewismus. So muß es kommen, daß es in zehn Jahren keine bürgerlichen Parteien mehr geben wird. Es wird nur die beiden Weltan­schauungsgruppen geben, die zum Schicksalskampf an­treten.

Wenn jetzt die Gegner der nationalsozialistischen Bewegung fortgesetzt von einer Spaltung sprechen, so sind sie dahin zu belehren, daß die Leitung der Bewe­gung bereit gewesen ist, nach den Berliner Vorgängen 10 000 unsichere Elemente auszumerzen. 200 sind aber nur ausgeschieden worden, dafür sind aber S7 Ovv neue Kämpfer in die Reihen -es Nationalsozia­lismus eingetreten.

Die Bewegung wird ihren Weg gehen und aus die Welle des 14. September wird eine zweite folgen, bis das letzte Bollwerk beseitigt und Deutschland wieder stark und frei ist.

Um Hirrdenburg.

Ein strahlender August-Sonnentag lag über Bre­men, als Reichspräsident von Hindenburg vor einigen Jahren aus dem Hauptbahnhof auf den Platz trat, der von einer nach Tausenden zählenden Menschenmen­ge besetzt war, die Hindenburg mit offenen Herzen empfing. So blieb es den ganzen Tag über, an dem ihn Bremens Bevölkerung immer wieder stürmisch be­grüßte. Hindenburg hatte sich Bremen gewonnen und Bremen vertraute diesem Mann, der um seiner inne­ren Größe um seiner charaktervollen Festigkeit willen von dem Teil des deutschen Volkes gewählt war, das noch an ein Vaterland, an ein starkes und mächtiges Deutschland glaubte. Wenn auch ein großer Teil dieses nationalen Deutschlands damals weder Weg noch Ziel klar erkannt hatte, in ihnen lebte die Sehnsucht nach einem neuen Vaterland und Hindenburg schien ihnen der Mann, diesem noch so verschwommenen Ziel die ersten festen Umrisse zu geben.

Schon Jahre vorher hatte der noch nicht gewählte Feldmarschall von Hindenburg auf dem Promenaden­deck des zum ersten Mal ausraufenden Ozeanriesen Co- lumbus Worte gefunden, die zu Bausteinen für ein neues Deutschland werden konnten.

Und noch ein Augenblick sei festgehalten., die Mi-

..MenrepMik" Nicht strasbar.

s Liegnitz, 20. April. Pg. Pfarrer Münchmeyer, »

> der seit Jahr und Tag von Gericht zu Ge- >

> richt geschleppt wird, hatte sich wieder einmal W L wegen Bergehen gegen das Republikschntzgesetz > M zu verantworten. Pg. Rechtsanw. Dr. Frank > M erreichte aber einen bemerkenswerten Frei- >

> sprnch. In der Urteilsbegründung heißt es: S

Sü „Der Ausdruck „Judenrepublik" ist nicht M

N strafbar, wenn er gebraucht wird, um damit S

ZZ den herrschenden Einfluß des Judentums in >

S der Republik zu betonen!" S

Darüber hinaus stellte der Borsitzende in W 8 seiner Begründung weiter fest, daß es gerichts- W ÜV bekannt sei, daß die NSTAP. nicht gegen die U W Republik als Staatsform, sondern nur gegen' M S gewisse republikanische Parteien kämpfe. W

nuten vor der Abfahrt des Reichspräsidenten auf dem Bremer Bahnsteig. Trotz aller Absperrmaßnahmen drängten sich Hunderte vor dem Wagen des Präsiden­ten, ein Fenstervorhang öffnete sich und Hindenburg grüßte mit seinen ernsten Soldatenaugen bremische Jugend. Dann sangen sie, nicht mit spießigem Hurra­patriotismus das Deutschlandlied, sondern in wirk­licher Ergriffenheit: „Wir treten zum Beten — —"

Mit einem unendlich großen und reichen Schatz von Vertrauen und Glauben reiste Hindenburg von Bremen, hatte diesen Schatz sich gewonnen nicht nur hier, sondern überall im Westen und Osten, Süden und Norden des deutschen Vaterlandes. Eine große Macht lag in seinen Händen, nicht gestützt auf Para­graphen, geschweige auf Gummiknüppeln und Not­verordnungen, sondern getragen von 13 Millionen Menschen, seinen Wählern. Auch der Nationalsozialist gehörte zu ihnen, obwohl er nicht annahm, diese Per­sönlichkeit einmal für sich und seine Weltanschauung zu gewinnen. Aber er wußte, Hindenburg war Hü­ter der Ehre der Nation, Hindenburg war, wenn auch nicht Nationalist so doch ein Patriot im besten Sinne des Wortes und er war ein Soldat seines Volkes gewesen. Das mußte die Sicherheit geben, nunmehr unter seiner Präsidentschaft frei und ungehindert, ja unterstützt und verständnisvoll gefördert an den natio­nalen und sozialen Neubau einer deutschen Nation gehen zu können.

Darüber hinaus durften alle seine Wähler damit rechnen, daß Hindenburg nicht seinen unter Diktate setzen würde, die die Existenz der Nation gefährden. Das alles lag in dem Glauben an die Persönlichkeit der in Bremen in dem Dankeslied „Wir treten zum Beten" seinen beredten Ausdruck fand.

Es ist alles anders gekommen. Einen bitteren Weg, reich an Enttäuschungen, über die Annahme des Uoungplanes bis zur letzten Notverordnung sind wir

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