Ausgabe 
(11.6.1933) Nr. 152
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Nr. 152 . Jahrgang isss

Verlag. Schristleitung und Geschäftsstelle: Papenstratz« 15. Speech- stunde» der Schriftleitung; Montag bis Freitag 18 bis 19 Uhr. Fernsprecher: DomSheid« 26051. — Die BNI erscheint wöchentlich siebenmal als Morgenzettung und kostet monatlich Kl 2.30 tret Haus durch die Post zuzüglich 63 Bestellgeld.

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Bremen. Sorm-ag, den 11. Juni 1S3L Einzelpreis 15 Big.

Anzeigen; hiesige die 13 gespaltene mm-Zeile 3LF 0.10. auswärts OLL 0.12; im Textteil ^ 0.50, auswärts LL 0.70; Stellengesuche und Familienanzeigen OLL 0.06; sonstige kleine Anzeigen Kl 00.8. Platz Vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung. Streik. Der- bot usw. hat der Bezieher keinen Anspruch au! Rückzahlung d.Bezugspr.

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9er Kampf

um die 4g-Stun-en-Woche

Erklärungen

Gens. 10. Juni. Die heutige Frühsitzung -er Internationalen Arbeitskonferenz, be­schäftigte sich in allgemeiner Aussprache mit der Einführung der vierzigftündigen Ar­beitswoche in der Industrie. Der Führer der Arbeitgebergruppe, der dänische Dele­gierte Oersted, erklärte im Namen der ganzen Gruppe, mit Ausnahme des italienischen Vertreters, daß die Frage einer internatio­nalen Regelung der vierzigstündigen Ar­beitswoche nach Auffassung der Arbeitgeber nicht spruchreif sei. Auch die Verkürzung der Arbeitszeit sei kein geeignetes Mittel, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. In län­geren Ausführungen trat der französische Arbeiterdelegierte Jouhaux den Ausführun­gen des Dänen entgegen.

Sodann legte im Namen der Reichsregic- rung Ministerialdirektor Dr. Mansfeld den deutschen Standpunkt klar. Er erklärte, daß die deutsche Delegation unter ganz bestimm­ten Einschränkungen, die er im einzelnen be­gründete, bereit sei, positiv an Verhand­lungen über eine Verkürzung der Arbeits­zeit mitzuarbeiten. Es sei der deutschen Dele­gation aber nicht möglich, ihre Zustimmung zu einem Abkommen über die 40-Stunden- Woche zu geben, ehe die Ergebnisse der Weltwirtschaftskonferenz in ihren Grund- zügen erkennbar seien. Der deutsche Vertre­ter stellte in den Vordergrund seiner Aus­führungen den Grundsatz, daß eine

wirksame Bekämpfung der wirtschaftli­chen und sozialen Schäden der Arbeits­losigkeit nur durch Schaffung neuer Ar­beiten

möglich sei. Von Maßnahmen jedoch, die nur das vorhandene Arbeitsvolumen gleichmäßig zu verteilen suchten, sei eine durchgreifende Erleichterung nicht zu erhoffen. Eine Ver­größerung des Arbeitsvolumens setze eine wirtschaftliche Belebung und Gesundung vor­aus. Soziale Maßnahmen und vor allm Dingen solche internationaler Natur könnten erst nach Schaffung dieser neuen stabilen Grundlage ihre sachgemäße Entscheidung finden. Der deutsche Vertreter warnte vor übereiligen Beschlüssen, ehe die wirtschaft­liche Neuordnung nicht, wenigstens in grotz-n Zügen erkennbar sei.

Wir haben uns in Deutschland, erklärte der Redner, während der letzten Kriseujahre auf das Entschiedenste bemüht, möglichst viel Arbeitnehmer durch Verkürzung der Arbeits­zeit an ihren Arbeitsplätzen zu belassen Ein ungeheueres Opfer wird durch die Kurz­arbeit den noch im Produktionsprozeß Ste­henden zugemutet. Sie bringen es, um we'- «rer Not zu begegnen und Tausende ih.cr

-es deutscher» Vertreters in Gens

Arbeitskameraden vor dem grausigen Schick­sal der Arbeitslosigkeit zu bewahren. Aber die Möglichkeiten, durch weitere Verkürzung der Arbeitszeit noch sozial zu helfen, sind im Verhältnis zur Arbeitslosigkeit sehr ge­ring. Wiederholt hat der Führer des neu n Deutschland feierlich die selbstverständliche engste Verbundenheit feiner Regierung mit dem deutschen Arbeiter bekannt. Er ist einer der tragenden Säulen des neu gezimmerten Reiches und zugleich sein wertvollstes Akti­vum. Die tiefe Sorge meiner Regierung am das Schicksal der Millionen von Volksgenos­sen, deren Hände jetzt zu feiern gezwungen

sind, macht es mir zur besonderen Pflicht, nur solche Maßnahmen gutzuheißen, deren Durchführung auch einen wirklichen Erfolg verbürgen kann.

Die Ausführungen des deutschen Vertre­ters wurden von der Versammlung mit größ­tem Interesse aufgenommen. Mehrere Dele­gierte sprachen der deutschen Delegation ihre Zustimmung zu den Ausführungen aus. Nachdem ein Vertreter der schwedischen Re­gierung sich für die beschleunigte Behandlung der Arbeitszeitverkürzung ausgesprochen hatte, wurden die weiteren Beratungen auf Montag vertagt.

AusWiche Arbeitsbeschaffung -er Reichsbahn

Berlin, 10. Juni. Die Aufträge der Reichs­bahn aus dem Arbeitsbeschaffungsprogramm 1932 gehen zu Ende. Um eine Verschlechte­rung des Arbeitsmarktes abzuwenden und darüber hinaus zu einer dringend gewünsch­ten Belebung beizutragen, will die Reichs­bahn im Anschluß an das Arbeitsbeschas- fungsprogramm der Reichsregierung durch eine Kreditaufnahme für weitere Aufträge sorgen. Sie steht wegen der Kreditbeschaf­fung in aussichtsreichen Verhandlungen mit der Reichsbank. Um bei den Lieferindustrien der Reichsbahn bis zum Abschluß dieser Ver­handlungen keine größere Lücke eintreten zu lassen, hat die Reichsbahn beschlossen,

izsberbiÄKmgSbeslellmmeri in Höhe von 50 Millionen AM.

hinauszugehen, die auf das demnächst in Kraft tretende Arbeitsbeschaffungsprogramm angerechnet werden. Diese 50 Millionen RM verteilen sich etwa in folgender Weise: Für die Bestellung von Großlokomotiven 6,2 Mil­lionen RM., von Kleinlokomotiven 3,8 Mil­lionen RM., von Wagen 15 Millionen, v^n Ersatzstücken und Werkstoffen 10 Millionen, von Werkzeugen und Werkzeugmaschinen 1 Million^ von eisernen Oberbaustoffen neun Millionen und von Brücken- und Stahlbau­ten 5 Millionen RM.

LohnkÄutz siie Heimarbeit

Berlin, 10. Juni. Wie das VDZ.-Büro meldet, wird jetzt von den zuständigen Stellen das vom Reichskabinett am 8. Juni verabschiedete Gesetz über Lohnschütz in der Heimarbeit veröffentlicht,

das zum Schutze der Heimarbeiter wesentliche Aen­derungen des Hausarbsitsgesetzes vom 27. Juni 1933 bringt. Es. wird u. a. vorgeschrieben, daß der Ver­gebe! der Hausarbeit verpflichtet ist, dein Arbeit­nehmer auf seine Kosten Lohnbücher auszuhändigen, in denen Art und Umfang der Arbeit, sowie das dasür festgesetzte Entgelt einzutragen sind. Die Ge­werbeaufsichtsbeamten sind berechtigt, die Lohnbelege einzusehen. Entgeltregelungen müssen unter Betei­ligung der gleichen Zahl von Vertretern der Ge­werbetreibenden und der Hausarbeiter beschlossen werden.

Weiter enthält das Gesetz Bestimmungen, die ein Unterschreiten der festgesetzten Cntlohnungsbetriige verhindern. Der Minderbetrag muß nachgezahlt werden, gegebenenfalls außerdem eine Buße. Die Buße darf den Betrag von 1000 RM., und, wenn gegen den Gewerbetreibende» oder ZwischemneistSr bereits zweimal eine Buße festgesetzt wurde, den Be­trag von 10 000 RM. nicht übersteigen.

Sie muß höher sein, als der Gewinn, den der Unternehmer aus der Minderentlohnung gezogen hat. Die Buße geht an die Staatskasse. Die Be­stimmungen über die kostenfreie Gewährung des Lohnbuches treten am 8. Juli, die übrige» Vor­schriften bereits mit dem Tage der Berkündung, 8. Juni in Kraft.

AMammewßM des Danziger VoMages am 20. Juni

Danzig, 10. Juni. Der Senat hat beschlos­sen, den Volkstag zu seiner ersten Sitzung auf Dienstag, den 20. Juni, einzuberufen Die Festsetzung der Tagesordnung der ersten Sitzung des Volkstages liegt dem Volk«- tage ob.

Vr«cher«sn-ee i« Sorrfeeenzeaum

Die Hauptprobleme der Weltwirtschaftskonferenz. — Der Schwerpunkt in Washington. Das alte Pferd einer Weltwährung. — Amerika und der Silberpreis. — Nur über

Deutschland!

Äon unserem ständigen Berichterstatter!

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

G- London, 8. Juni 1933.

Die Augen der Welt lenken sich auf Lon­don, wo am Montag nachmittag der eng­lische König die Weltwirtschaftskonferenz er­öffnen wird, die ihren Beitrag dazu liefern soll, um der geplagten Geschäftswelt und Menschheit eine Erlösung aus den wirtschaft­lichen Nöten unserer Zeit zu bringen.

Im Westen Londons, im Neubau des geo­rgischen Institutes, sind Hunderte von Ar­teitern geschäftig, um die Räume für die Konferenz fertigzustellen und der Konferenz Ün einigermaßen wohnliches Heim zu geben, vas englische Arbeitsministerium, in dessen Hände die Unterkunftsvorbersitungen liefen, tut sicherlich sein Aeußerstes, um den Der- fletern von 67 Nationen zu zeigen, was britische Arbeitskraft leisten kann. Widrige imstande, wie auch die gieß: Hitze der letzten Üage. haben aber etwas lähmend gewirkt, and wer heute durch die Räume wandert, in »enen. die schicksalsschweren Entscheidungen getroffen werden sollen, sieht noch überall tm großes Durcheinander. Aber, so meinie em Völterbundsvertreter, der Völkerbund ist es gewohnt, aus dem Chaos Ordnung zu schassen. Wer das sagte,, der war ein hoss- mingsloser Optimist. Skeptiker meinen viel­wehr, daß das. was man heute im Kon- ftrenzgebünde sähe, ein ziemlich getreues Bild von den Gesamtvorb Weitungen für die Konferenz gäbe.

Die Erfahrung hat immer und immer wie­

der gezeigt, daß eine Konferenz nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie eingehend und gründlich vorbereitet ist. Diese Lehre trifft besonders auf die Fälle zu, wo, wie jetzt, das Programm außerordentlich um­fangreich ist und sich auf die schwierigsten wirtschaftlichen und finanziellen Fragen er­streckt. Es wäre notwendig gewesen, die Hindernisse, die der Wiederholung der Welt im Wege stehen, schon vor dem Zusammen­tritt der Konferenz aus dem Wege zu räumen.

Hierzu gehört in erster Linie die Frage der internationalen Regierungsschulden. Von irgendwelchen greifbaren Aussichten für deren endgültige Regelung ist zurzeit keine Rede. Enisprechend dem Wunsche der amerikanischen Regierung, daß die Verhandlungen hierüber mit jedem einzelnen Schuldner getrennt ge­führt werden müssen, kann das Schulden- problem nicht auf der Weltwirtschaftskonferenz zur Sprache gebracht werden, sondern das Schwergewicht der Verhandlungen über diese Frage wird voraussichtlich in Washington bleiben, womit jedoch nicht die Möglichkeit ausgeschlossen ist, daß auch in London ein­schlägige Verhandlungen, aber wie gesagt, stets außerhalb des Konferenzrahmens, statt­finden werden.

Ungeachtet der Schwierigkeiten, die die Kriegsschuldenfrage bereitet, hat die amerika­nische Regierung aus dem Bewußtsein heraus, daß schon vor der Konferenz gewisse grund­sätzliche Vereinbarungen über die haupssäch- lichsten Probleme zustande kommen müssen, vor einiger Zeit den Zollwaffenstillstand in

Vorschlag gebracht und bierzu die Zustim­mung der anderen Staaten erwirkt, wobei es jedoch nicht ohne beträchtliche Vorbehalte aller Art abging. Sie hat ferner versucht, zwischen den führenden Mächten einen Wäh- rungswaffenstillstand herbeizuführen. Dieser Plan ist aber an den Einwänden Englands gescheitert, das stattdessen Amerika nnd Frank­reich die Einrichtung von Währungsausgleich-- fonds nach englischem Muster empfahl. Hier­aus ist bisher nichts geworden. Von eurem WährungswaffenstiMand ist ebenfalls keine Rede, sondern Amerika hat seinen Dollar weiter fallen lassen, so daß heute Länder, die als orthodoxe Anhänger des Goldstan­dards galten, schon eine Anpassung ihrer Währung an die neugeschaffenen Verhält­nisse erwägen. Dies ist umso bemerkens­werter, als der französische Finanzminister noch vor einiger Zeit sein Aeußerstes tat, um England zur Rückkehr zu einem Gold­standard zu bewegen und die weitgehende Unterstützung der Bank von Frankreich und der französischen Regierung zusagte. In England selbst ist man nur dann zur An­nahme eines Goldstandards gewillt, wenn wirkliche Garantien für das ordnungs- und sachgemäße Arbeiten des Goldstandards ge­geben sind, die von der Weltwirtschaftskon- serenz zu schaffen sind. Es kämpft ferner darum, .daß eine etwaige Stabilisierung, des Pfundes auf einem Kurse erfolgen soll, der die Konkurrenzfähigkeit Englands nicht be­einträchtigt und glaubt, daß es sich an eine Grenze von etwa 3,75 Dollar zum eng­lischen Pfund halten soll.

Wie auf dem Gebiete der Währungen, so herrschen auch in den anderen der Konferenz vorzulegenden Fragen noch ernste Unklar­heiten. Die Konferenz beginnt , also ihre Tätigkeit in einem dichten Nebel. Es wird der ganzen Geschicklichkeit eines tüchtigen Navi-

Roosevelt mahnt die Schnl-ner-

staaten

Reue iulernalionale Schwierig­keiten

wtb. Washington, 10. Juni. Die Regierung der Bereinigten Staaten hat an alle Schulo- nerstaaten ein Schreiben gerichtet, in dem sie an die am 15. Juni fälligen Zahlungen er innert. Diese Mitteilung, deren Text vom Schatzamt abgefaßt worden war, ist durch Bermittlung des Staatsdepartements, das die Veröffentlichung seines Inhalts verwei­gerte, abgeschickt worden. Das Verfahren ent­spricht der bisher geübten Praxis.

Die internationale Politik des amerika­nischen Präsidenten hat in letzter Zeit durch starke parlamentarische Widerstände zu leiden. Nach der ersten Begeisterung, die Roosevelt hochgetragen hatte, scheint es jetzt, als ob zwischen ihm und seinen eigenen Partei­freunden» besonders im Senat, beträchtliche Meinungsverschiedenheiten beständen. Nach­dem durch das Abgehen vom Goldstandard eine gewisse Belebung der Geschäftstätigkeit eingetreten ist, zeigen sich wieder deutliche Rückfälle in die Jsolierungstendenzen, die Amerika lange Zeit nur zu einem stillen Part­ner der Weltpolitik gemacht hatten. Um end­lose parlamentarische Weiterungen zu ver­meiden, sah Roosevelt sich genötigt, auf die Kongreßermächtigung zum Abschluß von Handelsverträgen zu verzichten. Durch diesen Entschluß wird der bisherige Zustand bei­behalten, daß die Vereinigten Staaten bei allen internationalen Verhandlungen eine viel geringere Bewegungsfreiheit besitzen als die meisten anderen Staaten, bei denen die parlamentarische Ratifizierung mehr oder weniger Formsache ist. Ueber allen Beschlüs­sen der Weltwirtschaftskonferenz wird die Frage nach der Haltung des amerikanischen Kongresses und damit eine beträchtliche Un­gewißheit schweben.

Auch in der Schuldenfrage, die durch den bevorstehenden Termin des 15, Juni wieder akut geworden ist, ohne daß die Probleme des 15. Dezember geregelt worden wären, ist Roosevelt durch innerpolitilche Rücksich­ten gehemmt. Die Schwierigkeiten sind innen und außen so gleichmäßig groß. daß die amerikanische Haltung bisher so gut wie passiv war. In England konnten die Gegner

weiterer Schuldenzahlungen mit Recht dar- auf hinweisen, daß für Frankreich aus ,einer Zahlungsverweigerung keinerlei Nachteile und für England aus seiner Zahlung keine Vorteile entstanden sind. Um nicht den Ein­druck eines Rechtsverzichtes entstehen zu lassen, hat Roosevelt nunmehr an die Schuld­nerländer eine Mahnung gerichtet, aus der er offenbar keine weiteren Konsequenzen ziehen will. Während England wenigstens über eine formale Zahlung mit Amerika ver­handelt, muß es auffallen, daß der fran­zösische Ministerpräsident in seiner gestrigen außenpolitischen Rede das Schuldenproblem überhaupt nicht erwähnt hat. So haben sich am Vorabend der Weltwirtschaftskonferenz statt der erhofften Klärung neue Unklarheiten in den internationalen Finanz^ und Wirt­schaftsbeziehungen ergeben.

Die Schweiz und das deutsche Trans? eemoratorium

wtb. Bern, 10. Juni. Die schweizerische Depe- schenagentur meldet, die Zollkommisflonen deL schweizerischen Nationalrates und des StädterateS haben sich mit der Frage befaßt, wie sich der Bundesrat gegenüber solchen Staaten zu verhalte» habe, welche zwar den freien Zahlungsverkehr be. schränken, aber sich weigern, durch Abschluß kurz- fristiger Abkommen den schweizerischen Interessen Rechnung zu tragen. Beide Kommissionen stehen auf dem Standpunkt, daß in solchen Fällen nicht nur durch Beschränkung der Wavrnemfuhr, sondern auch durch jede andere geeignete wirtschaftliche oder finanzpolitische Maßnahme, insbesondere durch Be­schränkung des Zahlungsverkehrs nach solchen Ländern, die schweizerischen Interessen gewahrt werden sollen-

Im Nationalrat wurde im Anschluß au die Be­kanntgabe des Beschlusses der Reichsregiernng betreffend Transfermoratorium einmütig disser Auffassung zugestimmt. Auch der Ständerat hieß die Erklärung einmütig gut.

In der Schweiz wird offenbar übersehen, daß der Handelsverkehr bei der in Aussicht genommenen Transferregelung von jeder Einschränkung frei bleibt. Im übrigen ist Deutschland gezwungen, auf alle Gläubiger Rücksicht zu nehmen, welche Ueber- legung gerade zu der beabsichtigten Transfermaß- nahme geführt hat. Wie wir hören, hat die Schweiz ihre Absicht, sofort Verhandlungen aufzu­nehmen, hier bereits mitgeteilt, und es steht zu hoffen, daß sie zu einem günstigen Ergebnis führen.

Neue Austritte uns -er VNVV.

cnb. Berlin, 10. Juni. Der deutschnotionale Landtagsabgeordnete Dr. Forschbach in Dortmund hat, der NTK zufolge, seinen Austritt aus der Deutschnationalen Bolkspartei erklärt. Er ist aus seinen Antrag als Hospitant in die Nationalsozia­listische Landtagssraktion ausgenommen worden.

Dr. Forschbach war über ein Jahrzehnt Mitglied des deutschnationalen KatholikenausschusseS.

Desgleichen bei der SVD

Berlin, 10. Juni. Wie das Vdz.-Büro meldet, hat der soztaldemokratisch« Preußische Landtagsab-

gateurs bedürfen, um die Kurse für das Kon- fevenzschiff so abzusetzen, daß es in diesem Nebel nicht auf Klippen läuft. Wird Mac- Donald der Mann hierzu sein? So fragen sich ängstlich die Völker der Welt, oder über­schreiten nicht vielmehr die Probleme die menschliche Leistungsfähigkeit?

Der Gang der Verhandlungen ist von dem englischen Schatzkanzler in seiner Rede vor dem Unterhause am 2. Juni angedeutet wor­den. Er setzt die Hebung der Weltpreise an die Spitze, will ihnen dann die Währungs- fragen und dann die Beseitigung der Han­delsschranken folgen lassen. Seine Gegner werfen ihm vor, daß er den Stier bei den Hörnern packen will, weil er sich die schwie­rigste und langwierigste Frage zuerst vor­nehmen will. Wie die Hebung der Welt­preise geschehen soll, darüber bestehen viele Theorien, meistens recht unpraktische, wie z. B. die des Wirtschaftlers Professor Keyncs, der zu diesem Zweck das alte Pferd einer Weltwährung aus dem Stall zieht, das aber niemals das Rennen wird machen können. Die Erfahrungen, die man bisher mit in- flatorischen Maßnahinen gemacht hat, sind nicht zu ermutigend; sie hatten entweder über­haupt keinen Erfolg, oder aber nur einen vorübergehenden. Es sind Vorschläge ge­macht worden, die Preise durch Abkommen zwischen den Ursprungsländern über die ein­zelnen Erzeugnisse zu heben. Amerika ver­spricht sich von einer Stabilisierung des Sil­berpreises sehr viel, und es ist sehr g-ut möglich, daß es diesen Vorschlag schon sehr bald zur Erörterung stellen wird, weil da­durch eine Hebung der Kaufkraft Chinas, Indiens und anderer Silberwährungsländer erwartet, ganz abgesehen davon, daß es hier­mit den Belangen seiner eigenen Silber­interessenten dient. Die Weisenländer Ar­

geordnete Dr. Hamburger sein LandtagSmandat niedergelegt. Er begründet die Mandatsnieder- legung mit seinem schlechten Gesundheitszustand und hat gleichzeitig dem Präsidenten Kerrl ein ärztliches Attest überreicht, das seinen leidenden Zustand be­stätigt. Dr. Hamburger, der frühere Oberregierungs­rat im Preußischen Innenministerium war, war das einzige Mitglied des Preußischen Landtages, das sich als Angehöriger der jüdischen Religionsgemeinschaft bezeichnete. Dr. Hamburger war im Wahlkreis 7 (Breslau) für die SPD gewählt worden.

gentinien, Amerika, Kanada und Australien führen zurzeit Verhandlungen, um die Aus­fuhr ihrer Weizenerzeugnisse zu regeln, sträu­ben sich aber noch heftig gegen eine Ver­minderung der Produktion. Auf anderen Ge­bieten, wie Gummi usw. sind schon seit Jahren Einigungsversuche im Gange, ohne daß ein rechter Erfolg zu verzeichnen ist. Bis also alle verschiedenen Warengattungen durch in­ternationale Abkommen erfaßt sind, muß eine ganz erhebliche Zeit vergehen, die weit außer­halb des Rahmens der Konferenz liegt. Das Hauptproblem ist und bleibt, wie man den Landwirt in der Welt wieder zu einem kauf­kräftigen Verbraucher machen wird. Ob die Konferenz diese Frage positiv beantworten kann, fft sehr fraglich.

Es wäre natürlich für Deutschland sehr wünschenswert, wenn die Konferenz klare Finanz- und Wirtschaftsverhältnisse in der Welt schaffen würde, da diese die unbedingt notwendige Voraussetzung für einen Wieder­aufbau der deutschen Finanzen und der Wirt­schaft sind. Dieses Jdealziel wird sich, wie gesagt, nicht erreichen lassen. Aber dennoch rst Deutschland berufen, den Arbeiten der Konferenz einen mächtigen Antrieb zu geben. Die deutsche Regierung ist, soweit ersichtlich, die einzige, die mit wirklichen klaren Zielen an die Konferenz herantritt. An der ernsten Lage Deutschlands kann die Konferenz nicht mit geschlossenen Augen vorbeigehen, son­dern sie ist gezwungen, sich mit der Nensta- bilisierung der finanziellen und wirtschaft­lichen Verhältnisse Deutschlands zu befassen, ob sie will oder nicht. Hier stehen die Unter­händler vor ganz klaren Fragen, denen nicht ausgewichen werden kann, und es besteht die Möglichkeit, daß auf dem Umwege über daS deutsche Problem greifbare Beschlüsse -r»> standekommen.