Ausgabe 
(6.6.1933) Nr. 147
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Nr. 147. SahegMS 1SS3

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diesem Geiste zusammenzuarbeiten zur Klärung aller mit dem Völkerbund zusammenhängenden Fragen und zur Vorbereitung ihrer Lösung. Der dauerhafte Friede Europas kann ohne die Mitwirkung Deutsch­lands nicht Zustandekommen. Ein geeinigtes und ge­

ordnetes Deutschland mutz auch dem Ausland als Verhandlungspartner wertvoller erscheinen als ei» Deutschland, besten innere Zerrissenheit und Unruhe immer wieder der Stabilität entgegenwirkt.

Schweres WendahmmMü W Frankreich

Bisher 15 Tote und 1W Verletzte - Wahrscheinlich Erhöhung

der Zahl der SMer

Montreux, 8. Juni. Auf der Vollversamm­lung des Weltverbandes der Bölkerbundsgesellschas- ten nahm der Vorsitzende der deutschen Völkerbunds» gesellschast, Gouverneur z. D. Dr. Schnee, in Lageren, grundsätzlichen Ausführungen Stellung zu der durch die nationale Erhebung in Deutschland für die deutsche Außenpolitik geschaffene Lage.

Gouverneur Schnee ging aus von der Reichs- tagSrede des Reichskanzlers, in der ebenso wie in einer Reihe anderer Erklärungen im Gegensatz zu den hetzerischen Ausführungen gewisser ausländischer Kreise die

deutsch« Bereitwilligkeit zu einer endlichen Verständigung

Miller auf dem Boden gleicher Rechte klar und un- mißverständlich herausgestellt worden sei- Die na­tionale Erhebung unter der Führung des Reichs­kanzlers Hitler habe zur Bildung eines einheitlichen deutschen Volkswillens hinsichtlich Deutschlands Hal­tung in der Außenpolitik geführt.

Deutschland sei damit in ganz anderem Maße wie vordem in der Lage zu einer praktischen und posi­tiven internationalen Zusammenarbeit, denn hinter der deutschen Völkerbundsgesellschoft, wie auch hinter der deutschen Vertretung im Völkerbung steht setzt zum ersten Male eine einheitliche geschlos­sene deutsche Willensmeinung. Auf dieser Grundlage ersolgende Verständigungen bieten die Gewähr der Stabilität und der Dauer aus selten Deutschlands.

Die nationale Erhebung, die vom Auslande in ihrem Wesen und in ihrer Tiefe vielfach noch nicht begriffen ist, hat für das deutsche Volk das nach­geholt, was andere Nationen längst ausweisen können:

die nationale Geschlossenheit,

die endlich den in Deutschland herrschenden Geist der Zersplitterung beseitigt und ein einheitliches deut­sches Volk zusammengeschmiedet habe. Der Boden für die Erhebung ist zum wesentlichen Teil durch den von außen auf das deutsche Volk ausgeübten Drup bereitet worden. Die Nichtachtung der deut­schen Gleichberechtigung, vor allem auf dem Gebiete der Wehrhastigkeit und der Verteidigungsmöglichkeit, die Auferlegung untragbarer Lasten, die Ausschließung Deutschlands vom Kolonialbesitz und andere im Versailler Vertrag getroffenen Festsetzun­gen hätten ihre Wirkungen auf das deutsche Volks­empfinden nicht verfehlt. Unter diesem außenpoliti­schen Druck sei Deutschland zu seiner Schicksals­gemeinschaft zusammengeschweißt. Die nationale Ei­nigung des deutschen Volkes habe eine Verständigung nicht erschwert, sondern erleichtert.

Darüber hinaus aber habe die nationale Erhe­bung die

Schrecken des Kommunismus

von dem übrigen Europa abgewendet. Diese das europäische Kulturleben, ja das Leben der Nationen selbst bedrohende Gefahr sei offenbar im Auslande unterschätzt worden, sonst hätte ein Ausatmen durch die Bevölkerung aller jener Länder gehen müssen, von denen durch den Sieg der nationalen Erhebung der Alpdruck der kommunistischen Gefahr genommen worden ist.

Dr. Schnee schloß seine Rede mit einer eindring­lichen Mahnung an die Vertreter des Auslandes: Das deutche Volk ist durch die nationale Erhebung geeinigt; es steht in den großen Fragen der Außen­politik als eine gechlossene Einheit da. Was das deutche Volk will, ist ein dauerhafter Frieden aus dem Boden der Gleichberechtigung.

Wir sind hierher gekommen um mit Ihnen in

Paris, 5. Juni, Der Schnellzug Paris — Nantes, der Paris am Sonnabend 22 Uhr verlassen hatte und am Psingstsonnt ag morgen um 5 Uhr in Nantes eintreffen sollte, ist drei Kilometer vor der Einfahrt in den Bahnhof Nantes bei der Station Blottereau entgleist. Drei Wagen wurden vollkommen zertrümmert. Bisher wurden 14 Tote und 8V Verletzte gebo rgen, von denen eine Reihe in Lebensgefahr schwebt. Das Unglück soll daraus zurückzus ühren sein, daß der Lokomotivführer die vor­schriftsmäßige Geschwindigkeit bei weitem ü berschritten hat, um eine Verspätung wieder auszuholen.

Schreckensszenen an der Unglücksstätte

Paris, 5. Juni. Das schwere Eisenbahn­unglück bei Nantes hat bis zur Stunde nicht weniger als 15 Tote und über 100 Verletzte gefordert, von denen sich 75 im Krankenhaus befinden Die Zahl der Todesopfer wird sich wahrcheinlich noch erhöhen.

Die Ursachen der Katastrophe sind bereits eindeutig festgestellt. Der Schnellzug Paris- Nantes, der die französische Hauptstadt als dritter Ergänzungszug wegen des starken Feiertagsverkehrs gegen 10 Uhr abends am Sonnabend verlassen hatte, sollte um 5 Uhr früh in Nantes einlaufen. Wenige Kilo- meter vor Nantes ist jedoch am Donnerstag ein Güterzug entgleist und hatte auf der Strecke den Schienenftrang in 300 Meter Länge so stark beschädigt, daß eine

Umleitung der Züge vorgenommen

werden mußte. Zu diesem Zweck

hatte man eine doppelte Weiche auf ein Nebengleis gelegt, das für gewöhnlich als totes Gleis benutzt wurde. Den Lokomotiv­führern der Züge nach Nantes war hiervon ausdrücklich Mitteilung gemacht worden. Aus der Strecke befanden sich außerdem Signale, die u- a. zeigten, daß die Fahrgeschwindig­keit höchstens 30 Kilometer betragen dürfe. Der Lokomotivführer des Unglückszuges will diese Zeichen angeblich nicht gesehen haben. Der Zug, der trotz der Warnungssignale mit

mehr als 72 Stundenkilometern

über die Weiche gefahren wurde, wäre viel­leicht unversehrt in Nantes eingetroffen, wenn nicht der Lokomotivführer Gegendampf gegeben und sämtliche Bremsen gezogen hätt-., als er merkte, daß er sich nicht auf dem richtigen Schienstrang befand. Die Geschwin­digkeit des Zuges hatte die Weiche zer­trümmert, sämtliche Wagen waren aber heil hinüber gekommen und erst das plötzliche und

scharfe Bremsen, das die Lokomotive aus den Schienen warf, hat das schreckliche Unglück hervorgerufen. Der Wagen 1. Klasse, der sich hinter dem Gepäckwagen befand, stellte sich quer zum Schienenftrang, die folgenden Wagen schoben sich ineinander und wurden bis auf die beiden letzten vollkommen zer- trümmert-

Das Bild, das sich dem wie durch ein Wun­der unverletzten Lokomotivführer, dem Heizer und dem Weichenwärter bot, ist unbeschreib­lich. Aus den ineinandergedrückten Wagen ragten Körperteile der Toten und Schwer­verletzten hervor, die man oft erst durch Aus- einanderschweißung der Eisenteile befreien konnte.

Eine Frau war über vier Stunden mit dem Oberkörper zwischen zwei Eisenstangen einge­klemmt, während zu ihren Füßen die Leiche ihrer Schwester lag, die sie infolge der furcht­baren Verstümmelung nicht erkannte. In einem Abteil fand man eine junge Mutter mit ihrem 18 Monate alten Kind in den Armen . Beide waren tot. Wieder andere waren bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. So wurde eine Reisende buchstäblich in zwei Teile zerschnitten. Die Schreckensszenen, die sich während der Rettungsarbeiten abspielten, waren herzerreißend. Am ersten Pfivgst- feiertag und in der Nacht vom Sonntag auf Monatg arbeiteten Feuerwehr. Militär und Gendarmerie an den Aufräumungsarbeiten-

Noch ein zweites Eisenbahnunglück in Frankreich

Paris, 5. Juni. Außer dem schweren Eisenbahnunglück bei Nantes ereignete sich in den Pfingstfeiertagen eine ganze Reihe an­derer Unglückssälle, bei denen zahlreiche Opfer zu beklagen sind.

In der Nähe von Tours stießen ein Per- sonenzug und Schnellzug zusammen, wobei

26 Personen verletzt

wurden. Zwischen Toulouse und Reve stürzte ein vollbesetzter Autobus in einen Graben und ging vollkommen in Trümmer. Fünf­zehn Personen erlitten Schnitt- und Quetsch­wunden; einige von ihnen mußten in ein Krankenhaus übergeführt werden. In Nord­frankreich raste ein Lastwagen, auf dem sich ein Mustkverein nach Lille begeben wollte, gegen eine Mauer und ging in Trümmer. Siebzehn Insassen wurden mehr oder minder schwer verletzt- In der Champagne stießen schließlich zwei Automobile in voller Fahrt zusammen, wobei drei Personen getötet und drei andere lebensgefährlich verletzt wurden.

MsMMMGhZ rn einem Heidedsrf

11 Gehöfte in AHMen ekrgeWÄsrl—Eine ViertelmMsn Maden

Rote«b«rg,5. Jmll.

DaS kleine Heidedorf Ahausen wurde am heutigen 2. Psingsttag während des Gottesdienstes von einer Feuersbrunft heimgesucht, durch die fast ein Viertel des Dorses in Asche gelegt wurde. Das Feuer war durch spielende Kinder, denen in Abwesenheit der Eltern Streichhölzer in die Hände gekommen waren, in einem Gehöft entstanden, während im Gottesdienst der Eiuleitungschoral gesungen wurde. Als das Feuerhorn durch das vereinsamte Dorf gellte, brach der Psarrer sofort den Gottesdienst ab und forderte sämtliche männliche Kirchenbesucher aus, die Löscharbeiten in Angriss zu nehmen. Da viele Häuser und Gehöfte aber noch mit dem ninder- sächstschen Strohdach gedeckt waren, breiteten sich die Flammen mit großer Geschwindigkeit aus und äscher­ten in ganz kurzer Zeit 11 von etwa 30 Gehöften, die das Dorf umfaßt, ei». Neben den Gebäuden sind große Mengen von Mobiliar, 5V Schweine und an­deres Vieh durch die Flammen vernichtet.

Der Schade» beträgt nach erster Schätzung an­nähernd 250 Ovv Reichsmark. Die meisten der von der Katastrophe Betroffenen stehen, da ihnen das Feuer alle Habe vernichtet hat, vor dem Nichts. Im Laufe des Vormittags trafen die Feuerwehren aus 18 umliegenden Ortschaften ein, denen es dann ge­lang, die Brände einzudämmen. Durch Funken­slug, den der Wind begünstigte, war zeitweise in Ortschaften im Umkreise von sieben Kilometern, Brandgefahr vorhanden. Menschenleben sind nicht zu Schaden gekommen.

*

Zu dem Brande gibt unser an der Brandstelle weilende Mitarbeiter noch folgende Einzelheiten:

Das stille Heidedorf, das bisher mit seinen Bau­ernhäusern und niedersächsichen Strohdächern ver­

träumt in der Heide lag, bietet nach dem Brandun­glück einen erschütternden An­blick. Ueberall m der Landschaft stehen die Trüm­mer, rauchende Balken, eingestürzte Mauern, und ratlos vor vernichtetem Eigentum stehende Dorfbe­wohner besprechen mit hilfsbereiten Nachbarn die

notwendigen Schritte für die erste Hilfe.

Das Feuer nahm seinen Ausgang von einem Ge­höft, auf dem vierjährige Kinder mit Streichhölzern gespielt hatten. Da unglücklicherweise auch die ge­füllte Räucherkammer Feuer fing, nahmen die Flammen die furchtbare Ausdehnung durch einen überaus starken Funkenflug. Auch die

brennenden Würste und Schinken

wurden weithin geschleudert, so daß selbst vom Brandherde weiter gelegene Höfe bald in Flammen standen. Die Strohdächer brannten weg wie Zun­der, und wo sie einmal vom Feuer ergriffen wa­ren, war es unmöglich an Löscharbeiten zu denken.

Völlig abgebrannt bezw. geschädigt wurden:

Besitzer Allermann, Wohnhaus und zwei Neben­gebäude. Schuhmacher I. Brandt, Wohnhaus und Nebengebäude. Häusling H. Kracke, Wohrchaus und sämtliche Gebäude. Gastwirt Dieks, Wohnhaus und drei Nebengebäude, 2 Pferde. Witwe Runne, Wohn­haus und sämtliche Gebäude. Hofbesitzer Hasfelhof, Wohnhaus und Scheune. Hofbesitzer H. Lange (Nr. 11) Wohnhaus und Ställe. Hofbesitzer H. Hesse, Wohnhaus und Stallgebäude. Kölner H. Küsel, Wohnhaus und zwei Nebengebäude. Kätner H. Dierks, Wohnhaus und Nebengebäude und Kötner H. Bruns, Wohnhaus und Nebengebäude.

An der Brandstelle trafen nach und nach außer den Wehren aus Rotenburg und Visselhöved« 14 weitere Feuerwehren ein, die in aufopferungsvoller Arbeit im Lauft des Vormittags dem Flammenmeer Einhalt geboten.

Der SzemMug MMerns geglückt

Koch Zwischenlandung in Oslo, Weiterflog nach Moskau

Berlin, S. Juni. Nach hier vorliegenden Meldung- nhat der aus einem Weltflug befindliche amerikanische Flieger Müttern überraschend seinen Kurs geändert. Er ist entgegen dem nr» sprünglichen Plan, in Paris und Berlin zuischcnzulanben, am Sonntagnachmittag aus einer kleine« Insel an der norwegischen Küste, etwa 150 Kilometer von Oslo entfernt, niedergegangen. Bon dort aus flog Matter» nach Oslo weiter, wo er nach einer kurzen Nachtruhe am Montagsrüh um 6.40 Uhr zum direkten Weiterflug nach Moskau startete.

In Moskau gelandet.

Moskau, 5. Juni. Der amerikanische Flieger Maltern ist am Montagnachmittag um 3.25 Uhr Moskauer Zeit auf dem hiesigen Zentralslug- Hafen gelandet.

Matter» ist Deutsch-Amerikaner. — In Moskau zum Weiterflug gestartet.

Moskau, 5. Juni. Der amerikanische Flieger Matt ern ist nach kurzem Aufenthalt auf dem Moskauer Zentralslughafen wieder zum Weiterflug gestartet. Er wurde auf dem Flughafen von Ver­tretern der russischen zivilen Fliegerei, der Militär­fliegerei und der Ossoaviachim empfangen. Für den Weiterflug wurde der Flieger mit russischem Karten- material versorgt.

Matterns verstorbener Vater ist übrigens in Mannheim geboren, seine Mutter lebt mit ihrer Schwester, einer Frau Muelzcj, in Fort- worth (Jndiana).

Neuer Weltslug des Amerikaners Maltern.

Der amerikanische Langstreckenslreger James Mal­tern (rechts) mit seinem Kameraden Bcnnett Grifsin, mit dem er im Juli 1932 einen Rundslug um die Welt unternahm.

Was aas die KMenLaaLe Sehet

Von Pros. Dr. Hans F. K. Günther.

Rasse und Rassenpflege sind heute die Grundlage des Staates. Jeder Deutsche muß dies beher­zigen. Gerade zur rechten Zeit er­scheint in 3. Auflage des Vor­kämpfers der Rasftnkunde, Pros. Günthers „Kleine Rassen- kunde des deutschenVol- kes" (Geh. RM. 2.25. Mit 113 Abbildungen und Karten), der wir mit Erlaubnis von I. F. Leh- manns Verlag München, den fol­genden Abschnitt entnehmen.

Der Rasftnkunde kommt für das Völkerleben eine besondere Bedeutung erst dadurch zu, daß sich die Rasse beim Menschen nicht nur kundgibt in leiblichen Merkmalen, sondern auch in einem bestimmten seeli­schen Verhalten. Das zeigt sich von Volk zu Volk als ein jeweils anderes seelisches Verhalten, entsprechend der jeweils anderen Auseinandersetzung eines be­stimmten Rassengemisches mit einer gegebenen Um­welt und einer gegebenen geistigen Ueberlieferung. Das zeigt sich ferner von einem Zeitabschnitt in der Geschichte eines Volkes zum anderen als Stetigkeit «der als Wandel im seelischen Verhalten des Volkes, je nachdem das Rassengemisch dieses Volkes ungefähr aleich geblieben oder sich in seiner Zusammensetzung Dadurch gewandelt hat, daß die im .Volke vertretenen

Rassen sich verschieden stark fortgepflanzt haben. Un­gleichheiten bekunden sich endlich in den Unterschie­den des seelischen Verhaltens der Einzelmenschen.

Unbewußt betrachtet jedermann seine Mitmen­schen als rassenseelisch verschieden veranlagt. Von einem schlanken, schmalgesichtigen Menschen erwar­tet man im allgemeinen ein anderes Auftreten, Handeln und Empfinden als von einem untersetzten, brcitgesichtlgen; von einem flachnäsigen Menschen ein anderes als von einem Menschen mit schmaler, hoher Nase; von einem Menschen mit flach nach vorn liegenden Augen und unbetontem Kinn ein anderes als von einem Menschen mit zurückliegen­den, tiefer eingebetteten Augen mit betontem Kinn; von einem schwarzhaarigen Menschen ein anderes als von einem blonden, ja von einem kurzfingrigen ein anderes als von einem schmalsingrigen usw. Bor hundert und mehr Jahren hat die sog. Phrenologie das seelische Wesen eines Menschen nach Form­merkmalen seines Kopfes bestimmen wollen; bei alt- gnechischen Schriftstellern und solchen der italieni­schen Wiederbelebungszeit, dann vor allem wieder bei Lavater und durch ihn angeregten Zeitgenossen finden sich Versuche, aus Merkmalen des ganzen Leibes, besonders des Gesichtes, Aussagen über das seelische Wesen der Menschen zu gewinnen. In un- seren Tagen haben solche Versuche zu einer Phy­siognomik (Leibcsansdruckskunde, Gesichtsausdrucks­kunde) wieder viel Aufmerksamkeit gefunden.

All diesen unbewußten oder bewußten Vorstellun­gen liegen unbewußt oder bewußt gesammelte Erfah­rungen über die wechselseitige Bedingtheit leiblicher und seelischer Züge der einzelnen europäischen Ras­sen zugrunde. Das zeigt sich auch darin, daß die Aussagen über die Bedeutung eines leiblichen Merk­mals für die seelische Veranlagung seines Trägers im allgemeinen desto weniger überzeugen, je mehr man diese Aussagen aus außereuropäische Rassen, Rassengemisch« oder Einzelmenschen anzuwenden ver­sucht. Die Aussagen sind eben zumeist gewonnen am Bilde abendländischer Bevölkerungen und Einzel- menschen-

Eine Quelle unbewußt gesammelter Erfahrungen über die wechselseitige Bedingtheit leiblicher Merk­male mit seelischen Eigenschaften sind die Zeichnun­gen der Witzblätter oder auch die Werbezeichnungen der Anschlagsäulen, Zeitungen und Zeitschriften. Hierüber einiges im folgenden!

Will ein Zeichner, Maler oder Bildhauer den küh­len, zielbewußten, entschlossenen oder den edlen, vornehmen oder heldischen Menschen, Mann oder Weib, darstellen, so wird er zumeist ein Menschen­bild schaffen, das dem Bilde der nordischen Rasse mehr oder weniger nahekommt. Auch einem Men­schen, der als bezeichnender Vertreter der oberen Stände angesehen werden soll, werden zum Bei­spiel die Zeichner der Witzblätter viel eher Züge der nordischen Nasse verleihen als Züge der nicht-nordi- schen Rassen Europas.

Tatsächlich möchte man vordenkliche Willens­kraft, bestimmtes Urteilsvermögen bei kühl ab­wägendem Wirklichkeitssinn, Drang zur Wahrhaftig­keit von Menfch zu Menjchen, eine Neigung zu rit.

terlicher Gerechtigkeit als die bei nordischen Men- scheu immer wieder auffallenden seelischen Züge be­zeichnen. Solche Züge können sich bei einzelnen in­nerhalb der nordischen Rasse steigern bis zu ausge­sprochen heldischer Gesinnung, bis zu weitblickendem Führertum im Staate oder Schöpftertum in Technik, Wissenschaft und Kunst. Die verhältnismäßig große Anzahl vorwiegend nordischer und nordischer Men­schen unter den bedeutenden» und überragenden Männern und Frauen aller abendländischen Völker ist aufgefallen, ebenso wie die verhältnismäßig sehr geringe Anzahl bedeutender Männer und Frauen ohne merklichen nordischen Einschlag.

Im Zusammenleben der Menschen erscheint der nordische Mensch im allgemeinen ruhig in Bewegun­gen und Worten, gemessen an der Aeußerung se:- ner Empfindungen, zurückhaltend, nicht selten kühl, ja besonders für das Empfinden nicht-nordischer Menschen kalt und steif oder „ungemütlich". Nordi­schen Menschen eignet gemeinhin wenig Begabung oder auch Neigung, sich in fremdes Seelenleben ein­zufühlen. Gerade sehr Pflichtbewußte nordische Menschen können gegen ihre menschliche Umgebung hart, ja rücksichtslos werden, wenn sie auch — und auch als Angehörige unterer Volksschichten — eine gewisse Ritterlichkeit me verläßt. Ein schalkhafter, dem Lauten abgeneigter Witz und gute Erzählergabe mit Sinn für Handlung und Landschaft finden sich in der nordischen Rasse, innerhalb der Wissenschaften mehr Neigung zu Technik und Naturwissenschaft als zu den Geisteswissenschaften. Ein (gegenüber anderen kaum betontes) Selbstvertrauen, ein Sinn für Wett­bewerb und eine kühne, ja überschwengliche, doch sti­ftn nach außen enthüllte Einbildungskraft, die jedoch

von der Wirklichkeit aus über einen weiten Gedan­kenflug wieder zur Wirklichkeit zurücksteckt, bewirken bei den begabteren Menschen nordischer Rasse das obenbezeichnete Führer- und Schöpfertum.

Die nordische Kühnheit zu Leichtsinn, Sorglosigkeit Verschwendungssucht, die nordische Kühle zu kal­ter Berechnung werden — die hervorragenden Staatsmänner Europas sind fast alle vorwiegend nordisch, und Züge kalten Rechnens bei ihnen nicht selten. Der Führerdrang bewirkt das gerade bei nordischen und vorwiegend nordischen Familien zu beobachtende Aufsteigen innerhalb der Gesellllschafts- schichten, zumerst erkauft durch Kleinhaltung dieser Familien — damit ist zugleich die Gefahr des all­mählichen Aussterbeus der nordischen Rasse ge­geben.

Nordische Menschen reifen in der Regel spät, blei­ben länger unbekümmert jugendlich, auch jugendlich­leichtsinnig, und verlieren selten die besonders bei der vorwiegend nordischen Jugend hervortretende Neigung zu Leibesübungen, Wanderungen, Fahr­ten, wie auch innerhalb der abendländischen Völker der vorwiegend nordische Mensch am ehesten auf Auswanderung sinnt. Ein lebhaftes Naturgcfühl mag dabei mitsprechen.

Die verhältnismäßig größere Häufigkeit vorwie­gend nordischer Menschen in allen Frelluftberufen fällt aus. Innerhalb aller Stände läßt sich eine verhältnismäßig größere leibliche Reinlichkeit vor­wiegend nordischer Menschen erkennen. Eine die Rasse kennzeichnende Neigung zu gepflegtem Auf­treten und vornehmer Haltung kann sich in der Re­gel nur in mittleren und oberen Volksschichten aus­wirken^