rw.144. FMrSMS ISIS
D«r1ag, Schriftleitnng und Geschäftsstelle: Papenftraße 1S. Sprec. Kunde» der Schriftleitnng: Montag bts Freitag 18 bis 19 11b Fernsprecher: Domsheide 28951. — Die BNZ erscheint wöchentli- skbenmal ats Morgenzeitnng und kostet monatlich ^4! 2.39 ire, hau durch die Post zuzüglich 42 eA/ Bestellgeld.
MZMM. HM ZUKi 1833
EmMpLbts 15 VfS.
Inzeigen: hiesige die 13 gespaltene mm-Zeile ^ 9.19, auswärts ^ 0.12; im Textteil LL 0.50, auswärts äLK0.70; Stellengesuche und /amilienanzeigen 0.96; sonstige kleine Anzeigen K! 99.8. Platz Vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Der. oot usw. hat der Bezieher keinen Anspruch au' Auszahlungd. Bezugspr.
vwMrNMonalsoMMkelleZenuay
DLsArntlioks 0r«E des Gerrsls des Trererr Veemerr
des ^rererr
««UWMMWWMMM
4W LMM MMM bekomme« Arbeit
Sie Maßnahmen See MiOsregjernng zur VeränMnng -er Arheittloftgkett
Berlin, 1. gnnt. vor Vertretern der Presse äußert« sich Staatssekretär Reinhardt vom KeichSfinanzministrrtum über den Inhalt des am Mittwoch vom Kabinett verabschiedeten Entwurfes eines Gesetze zur Verminderung der Arbeitslosigkeit. Grundsätzlich unterstrich Staatssekretär Reinhardt, bah eine wesentlich« Voraussetzung sür die Gesundung von Wirtschaft und Finanzen nicht schon gegeben Ist In einer Verminderung der Arbeitslosen- zifseru, sondern erst in einer Vermehrung der Arbeit, die zu einer Erhöhung des Lohnkontos und d«S Umsatzes der deutschen Volkswirtschaft und des Volkseinkommens führt. Die zwangsläufige Folg« davon Ist eine Verbesserung der Einnahmen in den öffentlichen Haushalten und auf der anderen Seit« die Verminderung des Finanzbedarfes sür die ArbeitSlosenfiirsorge. Alle Maßnahmen des Reichsfinanzministeriums werden grundsätzlich von der Basis dieser Gedankengängr aus getroffen.
Nach den Mitteilungen des Staatssekretärs Reinhardt besteht das Gesetz aus 6 Abschnitten; die einzelnen Abschnitte heißen:
1. Arbeitsbeschaffung,
2. Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen,
8. Freiwillige Spenden zur Förderung der nationalen Arbeit,
4. Neberführung weiblicher Arbeitskräfte in die Hauswirtschaft,
b. Förderung der Eheschließungen,
6. Durchführung und Ergänzungen.
<sn Abschnitt 1 wird auf die späteren Abschnitte hingewiesen.
Abschnitt 2 (Steuerfreiheit für Ersatzbeschassungen) sieht im einzelnen vor, daß Auswendungen sür die Anschaffung oder Herstellung von Maschinen und Geräten oder ähnlichen Gegenständen des gewerblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapitals im Steuerabschnitt des gewerblichen Ertrages
voll vom Einkommen abgezogen
werden können, wenn der neue Gegenstand inländisches Erzeugnis ist und nach dem 30. Juni 1933 und vor dem 1. Januar 1935 angeschafft oder hergestellt ist.
Abschnitt 3 beschäftigt sich mit den
freiwillige» Spenden zur Förderung der nationalen Arbeit
Die Spende soll einem Ausgleich hinterzogener Steuerbeträge dienen. Wenn festgestellt wird, daß der betreffende Spender Steuern hinterzogen hat, dann kann er den Spendenschein vorlegen und dadurch neben Straffreiheit erreichen, daß mindestens 59 Pzt. des hinterzogene Steuerbetruges ihm auf den Spendenschein ngerechnet werden. Das Aufkommen aus diesen Spenden soll ausschließlich der Arbeitsbeschaffung dienen.
Der 4. Abschnitt
Uebersiihrung weiblicher Arbeitskräfte in den Haushalt"
geht von der Tatsache aus, daß die Zahl der Hausgehilfinnen in den letzten 19 Jahren ganz bedeutend zurückgegangen ist. Während sie 1925 noch 1 Million betrug, beziffert st sich heute lediglich auf 109 909.
Der Grund dafür sind neben der allgemeinen Verschlechterung der Wirtschaftslage in erster Linie die außerordentlich hohen Soziallasten. Jetzt sollen Hausgehilfinnen einkommensteuerlich als minderjährige Kinder angerechnet werden, so daß also ein Arbeitgeber mit einer Frau, zwei Kindern und einer HaSgehilfin in der Berechnung der Einkommensteuer demjenigen mit Frau und drei Kindern gleichgerechnet wird.
Der 5. Abschnitt
„Förderung der Eheschließungen"
sieht die Einrichtung einer EhesiandSbeihilse vor, durch die jungen Leuten die Beschaffung von Einrichtungsgegenständen sür eine kleine Wohnung ermöglicht werden soll. ES find
zinslose Ehestandsdarlehen bis zum Betrage von 1000 RM.
vorgesehen, deren Tilgungsbetrag monatlich 1 Pzt. betragen wird. Weitere Voraussetzung ist die Verpflichtung der jungen Ehefrau, während der Dauer der Rückzahlung des Darlehens solange keine Arbeit aufzunehmen, wenn der Ehemann ein Einkommen von mindestens 125 Mark monatlich besitzt. Das Darlehen wird nicht in bar gewährt, sondern in Form eines Bedarfdeckungsscheines und berechtigt nur zum Erwerb von Möbel und Hausgerät. Der bisher bestehende Ledigenzuschlag wird vom 1. Juli ds. Js. ab in Wegfall kommen. Man rechnet da- mit, angesichts dieser günstigen Einrichtung bereits im ersten Jahre 159090 Ehen finanzieren zu können.
Abschnitt 1 betrifft dir Förderung von Instandsetzung und Ergänzungsarbeiten an VerwaltungS- und Wohngebäuden, Brücken und sonstigen Baulich, keilen der Länder, Gemeinden und Gemeindeverbänden und der sonstigen öffentlichen Körperschaften, an Wohn- und Wirtschaftsgebäuden landwirtschaftlicher Betriebe, ferner die Teilung vor größeren Wohnungen und Räumen zu kleinen Wohnungen,
Berlin, 1. Juni. Die Abrüstungskonferenz hat gestern angesichts der noch nicht überwundenen Schwierigkeiten, die einem baldigen definitiven Abschluß entgegenstehen, einen
eigenartigen Mittelweg Wischen Fortsetzung und Vertagung
ihrer Arbeit gewählt.
Eine Vertagung auf den Herbst, die von mancher Seite angeregt worden war, wäre für viele Konferenzteilnehmer ganz untragbar gewesen und hätte in den meisten Ländern einen vernichtenden Eindruck gemacht. Andererseits bestand oei Fortsetzung der öffentlichen Debatte im Hauitausschuß keine Möglichkeit, diejenigen Mächte, auf die es jetzt ankommt, zu den notwendigen Konzessionen zu
die vorstädtische und die landwirtschaftliche Kleinsiedlung, Flußregulierungen, die Versorgung der Bevölkerung mit Elektrizität, Gas usw., Tiefbauarbeiten und Sachleistungen an Hilfsbedürftige. DaS Reich gibt den Gemeinden und Gemeindeverbänden zinslose Darlehen, dem Hausbesitz einen verlorenen Zuschuß sür Hausreparaturen.
Der Entwurf dieses Gesetzes und besonders fein Absatz 1 ist im Einvernehmen mit dem Reichsbanl- prästdenten und dem Reichsbankdirektorium zu- standegekommen. Der Reichssinanzministsr ist darnach bekanntlich ermächtigt,
ArbeitSschatzamveisungen bis zu einer Milliarde Mark
auszugeben. Diese Anweisungen werden der Gesell- chafft sür öffentliche Arbeiten in Berlin zur Verfügung gestellt. Anträge auf Mittel sind beim ReichSarbeitSministerium zu stellen.
In Kreisen der ReichSregierung rechnet man damit, daß di-r Pläne über die Tiesbauarbeiten schon
in den nächsten Wochen 400 090 Mann an die Arbeit bringen.
Die Bezahlung dieser Arbeitskräfte regelt sich folgendermaßen:
1. erhalten die Beschäftigten die Arbeitslosenhilfe, die ihnen bei weiterer Dauer der Arbeitslosigkeit zustehen würde,
2. wird vom Träger der Arbeit eine warme Mahlzeit je Arbeitstag oder ein entsprechender Bar- betrag gegeben.
3. werden vom Reich 25 Mark für jeweils 4 Wochen in Form von Bedarssdeckungsscheinen zur Verfügung gestellt, die zur Anschaffung von Klei, düng, Wäsche und dergleichen dienen sollen. Außerdem wird noch eine sehr namhafte Summe in Be- darfdsckungsscheinen an die Bezirksfürsorgeverbände gegeben, die besonders Bedürftigen zur Anschaffung zugute kommen sollen.
Zusammenfassend unterstrich Staatssekretär Rein
bringen. Man ist deshalb darauf gekommen, das Büro, d. h. das Präsidium der Konferenz, das an sich nur die äußeren Dispositionen für die Konferenzarbeiten zu treffen hat, mit den matriellen Verhandlungen über die endgültige Gestalt der Ab- rüftungskonvention zu beauftragen. Diese vorläufige Lösung gibt keinen Anlaß zu irgend welchem Optimismus. Immerhin zeigt sie, daß keiner der Konferenzteilnehmer die Verantwortung für einen Abbruch oder überhaupt ein negatives Ergebnis übernehmen möchte. Einen gewissen Fortschritt kann man auch aus dem gestern vom Präsidium der Konferenz ausgearbeiteten Entschließungsentwurf entnehmen, der den englischen Konventionsentwurf, der bisher nur die Grundlage der Diskussion bildete, zur Grundlage des künftigen Abkommens bestimmt.
hardt, daß durch diesen neuen Maßnahmen der Reichsregierung angekurbelt werden sollen: Die Bau- wirtschaft, die Txetil-, die Maschinen, und die Möbelindustrie und die damit unmittelbar verbundenen Wirtschaftszweige. Dazu kommt die Neberführung weiblicher Arbeitskräfte in die Hauswirtschaft und die Herausnahme weiterer weiblicher Arbeitskräfte aus der Produktion.
Die Bestimmungen über die Ehestandshilse
Berlin, 1. Juni. Zu der in dem Gesetz zur Ver- Minderung der Arbeitslosigkeit vorgesehenen Ehestandshilfe werden alle ledigen Personen herange- zogen, die Einkünfte im Sinne des Einkommensteuergesetzes beziehen. AIS ledig gelten die Personen, die nicht verheiratet sind und verwitwete oder geschiedene Personen, aus deren Ehe Kinder nicht hervorgegangen sind.
Die Ehestandshilfe der Lohn- und Gehaltsempfänger wird nicht erhoben, wenn der Arbeitslohn den Betrag von 75 RM. im Monat nicht erreicht. Die Ehestandshilse der Lohn« und Gehaltsempfänger beträgt 2 v. H. bei 75 RM. bis ausschließlich 150 RM. Arbeitslohn, 3 v. H. bei 150 RM. und ausschließlist 800 RM. Arbeitslohn, 4 v. H. bei 309 RM. bis ausschließlich 500 RM. Arbeitslohn, 5 v. H. bei 509 RM. Arbeitslohn und darüber.
Bemessungsgrundlage der Ehestandshilfe der Veranlagten find die Reineinkünfte, die nicht dem Steuerabzug vom Arbeitslohn unterlegen haben. Vom Gesamtbetrag dieser Reineinkünfte dürfen nur die Werbungskosten, Schuldzinsen, Renten und dauernde Lasten abgezogen werden. Die Ehestandshilfe beträgt von den hiernach festgestellten Reineinkünften: 2 v. H. bei 750 bis ausschließlich 1300 RM., 3 v. H. bei 1300 bis ausschließlich 3100 RM., 4 v. H. bei 8100 bis 5509 RM., 5 v. H. bei 5509 RM. und darüber.
Wenn der Hauptausschuß heute diesem Beschluß zustimmt, so hat sich die Konferenz der Haltung angeschlossen, die Deutschland nach der Reichstagsrede des Kanzlers eingenommen hat. Für Frankreich würde dar vor allem bedeuten, daß es jetzt endlich den Grundsatz der qualitiativen Abrüstung, mit dem die Konvention steht und fällt, annimmt.
Vollmachten für Henderson.
Gens, 1. Juni. Der Hauptausschuß hat in einer ausgedehnten Debatte den gestrigen Beschluß des Präsidiums übre die Wetterführung der Abrüstungskonferenz bestätigt. Auf Grund eines Vorschlages von Norman Davis und Motta wurde lediglich die Vollmacht des Präsidenten Henderson erweitert, der (Fortsetzung auf Seite 2.)
»M Hitlers ArbeitS- hssAMMSS-Vrojelte
Mit dem großen Werk des politischen Auf- baues des neuen Staates, das heute im großen Rahmen eingeleitet und gelungen ist, sind auch die politischen Grundvoraussetzungen für oie großen und fundamentalen Wirt« schaftlichen Aufgaben geschaffen worden, di« dem neuen Deutschland gestellt sind und in deren Vordergrund die entscheidende Frage der Arbeitsbeschaffung steht.
Konnte bisher die Reichsregierung sich nur mit Einzelmatznahmen auf wirtschaftlichem Gebiete betätigen, so hat nunmehr Reichskanzler Adolf Hitler über das vom Reichskabinett gestern beschlossene Gesetz zur Minderung der Arbeitslosigkeit hinaus auch hiet mit schöpferischer Initiative eingegriffen un! neue fruchtbare Gedanken in die wirtschafts- polttifche Debatte geworfen, die vem neue« Deutschland auch in dieser Hinsicht ein neues Gesicht geben werden.
Die Grundverfassung, von der aus Adolf Hitler an eine großzügige Lösung herangeht, kann man dahin umreißen, daß eine Wftt- schaftsgesundung, die Millionen Arbeitsloser wieder in den Wirtschaftsprozeß eingliedert, selbstverständlich auf die Dauer nur durch die deutsche Privatwirtschaft herbeigeführt werden kann. Die wichtige Aufgabe jedoch, die dem Staate in diesem Augenblick zufällt, besteht darin, unserem darniederliegenden Wirtschaftsleben einen Antrieb und Auftrieb zu geben. Von diesen Voraussetzungen ausgehend, hat Adolf Hitler drei große Projekte angeregt:
Das erste Projekt hat die Wiederherstellung des deutschen Hausbesitzers durch ein umfassendes Hausreparatur- und Bauprogramm zum Ziel. Es ist in Aussicht genommen, die Hauszinssteuer in Zukunft dem Hausbesitz insoweit zu erlassen, als er unverzüglich notwendiggewordene und zurückgestellte Haus- reparaturen im Werte eines Mehrfachen des erlassenen Hauszinssteuerbetrages in Auftrag gibt. Da die Bauindustrie eine der wichtigsten Schlüsselindustrien unserer Wirtschaft ist, wild eine unmittelbare Belebung einer großen Anzahl von Wirtschaftszweigen die Folge sein- Auch die Frage der Finanzierung der Hausreparaturen durch vorgesehene staatliche E*- leichterungsmaßnahmen wird bei diesem Projekt eine wesentliche Rolle spielen.
Die zweite großzügige Arbeitsbeschaffungsidee Adolf Hitlers ist der Gedanke des Baues eines umfassenden deutschen Automobil- straßennetzes. Die Frage der für das Automobil zur rationellen Fortbewegung geeigneten Straßen ist bisher nicht richtig behandelt worden. Der Unterbau unseres heutigen Straßensystems widerspricht völlig den Anforderungen des neuzeitlichen Automobilverkehrs. Ein großes modernes Automobilstraßennetz, das zum Automobil gehört wie der Schienenweg zur Eisenbahn, wird dem Kraftverkehr nicht nur ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten erschließen, sondern es wird auch der Verkehrsentwicklung in Deutschland neue Gebiete eröffnen. Die organische Einschaltung der Reichsbahn in die Kraftverkehrswirtschaft ist wünschenswert und erforderlich. Die deutsche Reichsbahn wird an diesem gewaltigen Straßenbauprojekt daher maßgeblich beteiligt sein. Die Größe oes Projektes, das 5000 Kilometer Straßenbau umfassen und unter der Patenschaft der Reichsregierung stehen wird, bietet die Ge>
Sie neue Mettzode der MriWmMmserem
Frankreich versucht die englischen Vorschlüge zu verschürsen - Abschluß der
ersten Lesung des englischen Planes
Die Wilhelmstraße reicht nicht mehr
Spaziergang durch alte Vorzimmer und neue Aemter. — Wo man den Geist der neuen Zeit verspürt.
„Wilhelmstraße" — das war der feststehende Begriff für deutsche Politik, sowohl für „amtlich" wie auch sür „hinter den Kulissen". Und alles, was man die Jahre hindurch begrifflich als „Wilhelmstraße" bezeichnete, das war auch zum größten Teil räumlich wirklich in der Wilhelmstraße.
Der politische Reporter, der Neuigkeiten nachjagte, spazierte durch die Wilhelmstraße, und damit hatte er sein Quellengebiet durchstreift, bis auf das Preußische Innenministerium, das Unter den Linden, aber fast noch zum Komplex der Wilhelmstraße gehört. Bleibt noch das Reichsinnenministerium etwas abseits am Königsplatz, — und schließlich das Reichswehrministerium, das auch räumlich außerhalb des Gebietes der in den letzten Jahren so wandelbaren Wilhelmstri- den-Politik lag, — in der berühmten „Bend- lerstraße".
Die letzten hundert Meter vom „Kaiserhoft.
Die neue Zeit hat auch hier räumlich einschneidende Veränderungen geschaffen: die Wilhelmstraße reicht nicht mehr! Das dritte Reich hat seinen innenpolitischen Expansions- drang auch in dieser rein räumlchen Frage bereits deutlich gezeigt.
Zwar liegt das große Hauptquartier aus den Tagen des letzten Kampfes um die Macht Wieder still und einsam: der „Kaiserhof" hat Nr den politischen Tages-Journalisten seinen
Rez verloren. Die „letzten hundert Meter", die Brüning einmal postulierte, hat Adolf Hitler von hier aus zu Fuß zurückgelegt — in die gegenüberliegende Reichskanzlei! Und war es ein härterer und weiterer Weg als der Marsch auf Rom der Schwarzhemden!
Aber kaum war er vollendet, da wuchs der Begriff der „Wilhelmstratze" über die alte Wilhelmstraße hinaus.
Wohin hat sie sich verlängert?
Sie hat die alte ehrwürdige Voßstraße hineinbezogen in ihr Reich. Hier laufen die Fäden der Politik nicht nur zusammen im Braunen Haus, hier hat sich seit kurzem auch ein paar Gebäude weiter die SA. ihr großes Hauptquartier in Berlin geschaffen.
Noch typischer und zeitgemäßer aber scheint ein anderes weiteres Vordringen: auch in das Reich der Banken und Jndustriepaläste ist eine Bresche geschlagen. In der Behren- straße sind ehemalige Finanzgewaltige aus ihrem stattlichen Bau Nr. 68—70 nach der Wilhelmstraße ausgezogen. Noch steht zwar dort, wo ehemals die Goldbuchstaben die Firma kündeten, kein anderer Name, — aber in den unendlich vielen Zimmern wird eifrig gearbeitet, durch die langen Fluchten der la- byrinthartigen Gänge führen selbst mit den Oertlichkeiten kaum vertraute SA.- und SS.- Leute die Besucher: im neuen Luftfahrtsmini- sterium ist man tatkräftig am Werke!
Man wandert weiter zum Königsplatz, das Reichsministerium des Innern steht wieder im Brennpunkt des Interesses. Hier haben die Kommissare ihre Arbeitsstätten aufgeschlagen. Hier arbeitet der Rasseforschungs-Kommissar, und ein paar Türen weiter drängen sich die Bett heraus, ein paar Stühle mehr hereiu- -gestellt, und das neue Amtszimmer ist fertig!
Auf den Gängen werden die Konferenzen abgehalten, und in der Portierloge schlagen SA.-Männer die Hacken zusammen und heben die Hand zum Gruße.
Ueberall neue Gesichter, neue Arbeit, neue Namen, in den „Couloirs" die hilfsbereiten Geister sind zumeist in brauner und schwarzer Massen vor den Zimmern des Reichssport- Kommissars.
Eine kleine Pension „In den Zelten".
Und die „Wilhelmstraße" greift auch schon hinüber in die stille, alte Straße „In den Zelten", an deren einem Ende heute noch, wie einst zu Großvaters Zeiten, in Biergärten musiziert, gescherzt, getanzt wird. Aber schon belegt die Hohe Politik auch diese traditionelle Berliner Straße längs des Tiergartens.
Früher,— da kam man mitunter einmal hierher, wenn man eine ganz gute Nase oder eine ganz vortreffliche, vorzeitige Jnforma tion hatte. Dann drang man bis in eine kleine Pension vor, die sich von außen mit schwarzem Schild harmlos und unverfänglich gab wie tausend andere auch, in der aber immer die Leute wohnten, die hinter den Kulissen bestens bekannt waren, die hier saßen und warteten bis zum „Sprung in die Wilhelmstraße".
Der Letzte, der hier wohnte, ehe er seinerzeit Reichskanzler wurde, war Herr von Papen.
uno wirv auch die stille Straße ! den Zelten zur „Wilhelmstraße": Hier l die „Deutsche Bühne" ihren Sitz aufgesch gen, hier richtet sich der „Reichsluftschi Bund" seine Räume ein.
Hier, wie an vielen anderen Stellen au dient als Türschild noch ein einfacher Pas karton, mit Rotschrift den neuen Namen dl
auf geschrieben. Viele der neuen Aemter und Stellen sind froh, daß sie „schon" eine Schreibmaschine und Licht haben, überall stolpert mau über neue Leitungen, die gelegt werden, Telefonarbeiter, die die Verbindung mit der Umwelt erst noch schaffen sollen.
Die „Dependence" der Wilhelmstraße.
Nicht immer ist es ganz leicht, sich gleich durchzufinden. Man hat endlich die Telefonnummer eines wichtigen großen Amtes. Und denkt, wie man sie notiert: die kennst du doch, die steht doch schon irgendwo im Notizbuch! Rufe an, es meldet sich ein großes Hotel!
„Nanu, ist wollte doch . . aber diese Nummer. ist das Ihre Anschlußnummer?"
„Jawohl, mein Herr!" — „Aber ich wollte doch das neue Amt..." — „Das stimmt, ist hier, einen Augenblick, ich verbinde!"
Und man geht schließlich hin: Wo in der Wilhelmstraße ein bekanntes Hotel Unter den Linden noch seine Dependance hatte, — da ist nun auch die hohe Politik eingezogen! Aus den Fremdenzimmern nahm man einfach das Uniform und orientieren sich an den Ecken der lange Gänge erst einmal selbst, wie die Nummern weitergehen, ehe sie einen durch die Labyrinthe führen.
Die Wilhelmstraße reicht nicht mehr, — die Wilhelmstraße hat ihr neues Gesicht bekommen. Mario Mohr.
Japans Erfolge in Moskauer Beleuchtung
Die drei Ziele des japanischen Imperialismus.
Moskau, 30 .Mai. In Moskau verhehlt man sich nicht, daß Japan in Ostasten bedeu
tende Erfolge errungen und seine Stellung ganz außerordentlich gestärkt hat. Es wird hier die Meinung vertreten, daß die Einzelheiten des japanisch-chinesischen Waffenstillstandes und seine Dauer an der Tatsache jedenfalls nichts ändern, daß Peking und Tien- sin tatsächlich Japans Macht unterstehen. Japan habe bei seinem Feldzug gegen Peking das Ziel im Auge gehabt, in irgendeiner Form sich die Kontrolle über die Bezirke Peking und Tiensin zu sichern und dieses Ziel habe es auch erreicht. Auch sein Vorgehen gegen die Innere Mongolei sei bisher erfolgreich verlaufen und werde wohl auch weiterhin Japan keine Mißerfolge bringen. In einer Betrachtung der „Prawda" wird ausgeführt: Japan habe bisher nur einen Teil seines ostasiatischen Programms durchgeführt. Der japanische Imperialismus verfolge offenbar drei große Ziele. Erstens soll die Mandschurei in eine Kolonie Japans verwandelt werden, zweitens soll das ganze nördliche China und später wohl auch Süd. china japanischer Kontrolle unterworfen werden und endlich ist noch die Unterwerfung der revolutionären Bewegung in China ein von Japan erstrebtes Ziel.
Natürlich müsse Japan ungeheure Anstrengungen machen, um dieses Ziel zu erreichen, aber seine bisherigen Erfolge hätten auck seine Unternehmungslust wesentlich gestärkt. Für die nächste Zeit hat man nach der in der „Prawda" vertretenen Meinung weiter« Operationen japanischer Truppen in der Inneren Mongolei und die endgültige Eroberung dieses Landes zu erwarten.