Ausgabe 
(1.6.1933) Nr. 143
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Mr. 143. Jahrgang 1S3S

V«kag. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Papenstrah« 15. Sprich- stnnbe« der Schristleitung: Montag bis Freitag 18 bis 19 Uhr Kernsprecher: Domsheide 260S1. — Die BNZ erscheint wöchentlich Lebenmai als Morgenzeitung und kostet monatlich 2.30 frer Haus durch die Post zuzüglich 42 Bestellgeld.

Bremen. Donners ag. den 1. Juni 1Z3Z ELnzeSvrerS 15 Vkg.

Anzeigen: hiesige die 13 gespaltene mm° Zeile 0.10, auswärts 0.12; im Textteil 0.50, auswärts 0.70; Stellengesuche und Familienanzetgen ZL4! 0.06; sonstige kleine Anzeigen ^ 00.8. Platz» Vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Ver­bot usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aus Rückzahlung d. Bezugspr.

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Vracu» dos Serrsls dsr ^rererr Bremern

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Eine AMiarde

Der nattmMorialiftifihe Weg zu Arbeit und Vrot

Dr. Mulert beurlmM

Berlin, S1. Mai.

Der Beauftragte für die Vereinheitlichung für die kommunalen Epitzenverbände, Oberbürgermeister Fiehlert, hat den geschästSführcnde» Präsidenten des Deutsch«» und des Preußischen Städtetages, Dr. Mulert mit sofortiger Wirkung beurlaubt.

Mit der Geschäftsführung des Deutschen und deS Preußischen Städtetages ist vorläufig der kommissa­rische Leiter deS kommunalwifsenschaftlichen Insti­tuts an der Universität Berlin Dr. Jeserich be­auftragt worden.

So habe« sie gswietschastsi

Skandal bet der Berliner Brennstossgesell- schast aufgedeckt

Fristlose Entlassung leitender Angestellter

Berlin, 31. Mai. Bet der Berliner Brenn- posfgesellschaft wurden bei der Ueberprüsung der Geschäftsvorgänge umfangreiche Ver­fehlungen aufgedeckt. Der bereits beurlaubte Geschäftsführer Krille und der Prokurist Hlawatschek wurden fristlos entlassen. Bereits vor einigen Tagen wurde in der gleichen Angelegenheit der Prokurist Spier fristlos entlassen.

Es wurde festgestellt, daß die drei Ent­lassenen neben ihrem ansehnlichen Gehalt noch erhebliche „Unkostenentschädigungen", Tantiemen, Weihnachtsgratifikationen und Wirtschaftsbeihilsen bezogen. So hat es Krille, der Nachfolger Brokats und Ver­trauensmann der SPD., erreicht, daß ihm in der Zeit vom Dezember 1930 bis zum Januar 1931 nicht weniger als rund LOOOO Mark ausgezahlt wurden. Besondere Günstlinge erhielten Vorschüsse bis zu 4000 RM. bei einem Monatsgehalt von 700 RM.

KZrm Kürzung der VesMttengshMer

Infolge eines Versehens ist in der am Dienstag Von uns veröffentlichten Meldung über „Gehalts­kürzungen bei Beamten und Offizieren" vergessen worden, darauf hinzuweisen, daß diese Gehalts­kürzungen in Belgien vorgenommen werden. Wir bitten diesen Irrtum entschuldigen zu wollen und stellen ausdrücklich fest, daß in Deutschland felbstver st Südlich von einer Gehalts­kürzung bei Beamten und Offizieren keine Rede ist.

8s»a»isK-ch!«eHsKer

WaKastMand

Tokio, 31. Mai. Im Kriegsministern»»» ist die Meldung eingegangen, daß der japanisch-chinesische Waffenstillftandsvertrag Dienstag nachmittag in Tangku bei Tientsin zwischen der japanischen Kom­mission unter Gneralmajor Okomura und der chine­sischen Kommission unter Kriegsrat Hsiungping ab­geschlossen worden ist.

Berlin, 31. Mai. DaS Retchskablnett be- schästigte sich heute nachmittag in mehr­stündigen Verhandlungen mit den Fragen der Arbeitsbeschaffung. Verabschiedet wurde ein vom Reichsfinanzministerium vorgelegtes

Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit

durch daS der ReichSminister der Finanzen ermächtigt wird, Arbeitsschatzanweisungen im Gesamtbetrage bis zu einer Milliarde Reichsmark zwecks Förderung von Instand- fetzungs- und Ergänzungsarbeiten an öffentlichen Gebäuden, sowie an privaten Wohngebäuden und Wohnungen, ferner für vorstädtifche Kleinsiedelungen, landwirt­schaftliche Siedlung, Flutzregulterungen, Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung, Ttefbauarbeiten und Sachleistungen an Hilfsbedürftige auszugeben.

Das Gesetz enthält ferner Bestimmungen über die

SSsnerfreWett für EHatzVeschaWngs«

für eine freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit, für die Ucberführung weiblicher Arbeitskräfte in die Hauswirt­schaft und für die Förderung der Ehestands­schließung durch Ehestandshilfen und Ehe-, standsdarlehen. Der Reichskanzler regte an, über die Vorschläge hinaus

einige großzügige Arbeitsprojette beschleunigt in Angriff zu nehmen,

und zwar in erster Reihe ein umfassendes Bauprogramm für Hausreparaturen und Wiederherstellung einer gesunden Grund­stücks- und Wohnungswirtschaft im Zusam­

menhang mit einer Neuregelung auf steuer­lichem Gebiet durchzuführen, ferner die

Schaffung eine» Netzes von großen Verkehrsstraßen,

daS den Ansprüchen deS neuzeitlichen Kraft­verkehrs entspricht und produktive Aus­wirkungen in weitestem Unifange für die Krastverkehrsindustrien und die Treibstoff­wirtschaft zuläßt, wobei eine organische Ver­bindung zwischen der Eisenbahn und der Kraftverkehrswirtfchast unter maßgeblicher Beteiligung der Deutschen Reichsbahngesell- schaft hergestellt werden soll, sowie schließ­lich die nachhaltige staatliche Förderung von zusätzlicher Produktion, insbesondere auch für den Export zum Ausgleich des Valutadumping.

ES wurde beschlossen, eine Kommission unter Führung deS Reichsbankprästdentcn einzusetzen, die die mit diesem großzügigen ArbeitsbefchassungSprogramm zusammen, hängenden Finanzfragen bearbeiten und ins­besondere allein nnd autorativ bevollmächtigt sein soll, alle die Geld- und Kapitalmarkt be­treffenden Angelegenheiten zu regeln und zu überwachen, damit nicht Störn,»gen des Geld- und Kapitalmarktes durch falsche Dispositionen oder Eingriffe nichtverant- wortlicher Stellen eintreten.

Das Reichskabinett verabschiedete endlich noch das vom Reichscrnährungsminister vor- Gesetz zur

Regelung der landwirtschaftlichen Schuldverhältntffe,

daS eine grundlegende Neugestaltung deS landwirtschaftlichen Kreditwesens enthält und für die Landwirtschaft eine wesentliche Er­leichterung der Zinsenlast herbeiführt.

Die nächste Kabinettssitzung findet erst nach den Pfingstfeiertagen statt.

Vertagung des SasptamWuftes -er Adrüftungsksukeeem

Der englische Man als Grundlage des AbrKsümgSadkoWmenS

Gens, 31. Mai. Das Präsidium der Abrüstungs­konferenz faßte am Mittwoch abend nach dreistündi­gen, streng geheimen Verhandlungen, an denen auf besonderen Wunsch des Präsidenten Henderson nur die Abordnungssührer teilnahmen, einen weittragen­den Beschluß für die weiteren Arbeiten der Konfe­renz.

Danach wird das Präsidium nach dem Abschluß der ersten Lesung des Abkommensentwurses» die vor­aussichtlich Mitte nächster Woche erfolgen soll, bevoll­mächtigt, die zweite endgültige Lesung des Abkom­mensentwurses vorzubereiten uüd einen endgültigen Vertragstext auszuarbeiten. Das Präsidium erhält die Vollmacht, die in der ersten Lesung erzielte Eini­gung in den vorzuliegenden Vcrtragstext einzuarbei­ten, die einzelnen Abänderungsverträge zu berück­sichtigen, mit den einzelnen Möchten in Verhand­lungen einzutreten und Unter- und Redaktionsaus­schüsse einzusetzen.

Das Präsidium hat einstimmig beschlossen, ent­sprechend der deutschen Formulierung den englischen Abkommensentwurs nicht nur als Verhandlungs­grundlage, sondern als

Grundlage des künftigen Abrüstungs­abkommens

anzunehmen.

Weiter ist beschloßen worden, daß die Vorarbeiten des Präsidiums bis zum 27. Juni beendet sein sollen.

Der Hauptausschuß vertagt sich nach dem Abschluß der ersten Lesung Mitte nächster Woche bis zu diesem Zeitpunkt.

Dem Präsidium der Konferenz ist eS jedoch über­lasten worden, den Hauptausschuß zu einem spä­teren Zeitpunkt einzuberufen, falls das Präsidium bis zum 27. Juni mit den vorbereitenden Arbeiten noch nicht fertig ist.

Der Beschluß des Präsidiums wird dem Haupt­ausschuß am Donnerstag zur Bestätigung vorgelegt werden. Der gilt in keiner Weise als eine Vertagung der Konferenz, vielmehr ist ausdrücklich festgestellt worden, daß die Konferenz weiter zusammenbleibt und die Arbeiten lediglich in einer engeren zusam­mengefaßten Form der Verhandlungsführung allein durch das Präsidium verlaufen.

Der MeeNweg Adolf Hitlers

Vsn Christo Sinkest. Minister a. D.

(Uebersetzt von Lübomir Theodoroff, Berlin.)

In der monatlich erscheinenden bulgarischen «ationalpolitischcn Zeitschrist „Nova Misal" (Neue Gedanken), Herausgeber Christo Statess, Minister a. D., Sofia, erschien der folgende, von dem Herausgeber verfaßte Artikel:

Die Feinde Hitlers stehen vor einer Tatsache Machtlos: sein Aufstieg ist auf dem Wege einer un­unterbrochenen und sinnvollen Tätigkeit aufgebaut worden. Hitler und seine Bewegung sind nicht in dem Wirrwarr eines isolierten und zufälligen poli­tischen Ereignisses groß geworden. Sie sind nicht durch einen gewaltsamen Staatsstreich zur Macht ge­kommen. Hitler und seine Mitarbeiter sind zum Volke gegangen und haben es schließlich für sich ge- Wonnen.

Nm den inneren Frieden in Deutschland zu sichern, «m die Gegensätze zwischen den verschiedenen Klaffen und Ständen zu mildern, um die zersetzende Wir­kung des Marxismus und des Bolschewismus zu be­steigen, sichte sich die Hitlerbewegung das Ziel, im Ramm» der nationalen Einigkeit des deutschen Vol- kes Mittel für die gerechte Verteilung der gei­stigen und materiellen Güter mit Rücksicht vor allem auf die Verbesserung der.Lage der Arbeitenden und Not leidenden armen und wenig vermögenden Be- «WWweSschjchlw zu finden. Der Staat sollt«, als

Zusammenhang aller Interessen der einzelnen In­dividuen, Gruppen, Klassen und Stände, das höchste Recht und die erlaubten Mittel haben, um vor allem seine eigene Existenz zu sichern, indem er -dabei alle diejenigen sichtbaren Ungerechtigkeiten beseitigt, welche das Ergebnis veralteter Versassungssormen und Verhältnisse darstellen und welche die wichtigsten Stützen des Staates zerlegen.

Zusammen mit seinem umfangreichen sozialen Programm verkündete Hitler auch große politische Losungen für Deutschland, für seine geschichtliche Vorherbestimmung, für seinen Aufstieg und haupt­sächlich für die Beseitigung aller jener internatio­nalen Verhältnisse, in die Deutschland durch die so ungerechten Bestimmungen der Friedensverträge ge­drängt ist. Man kann nicht sagen, welches von den beiden Programmen stärker auf das deutsche Volk gewirkt hat — ob das politische »der das soziale oder die beiden zusammen — als allgemeine Ideologie der Hitlerbewegung. Tatsache ist aber, daß diese Ideologie vom deutschen Volke allmählich aufge- nommen wurde und die Millionen Hilleranhänger gebracht hat.

Während Mussolini für die Verbreitung des Fa­schismus unter dem italienischen Volke zusammen mit seinen individuellen Eigenschaften auch die Mit­tel der Staatsgewalt zur Verfügung hatte, ging Hitler zu seinem Ausstieg nur mit der Kraft seiuer

Ueberzeugung» mit dem Willen eines unerschütter­lichen Kämpsers, mit dem Glauben eines großen Idealisten und mit der Macht der großen nationalen Ideale. Er ging durch alle Hindernisse, im Ansang allein mit ein paar Freunden nur, er verkörperte die Kraft und die Größe der deutschen Nation, wie wenn er von den alten deutschen Sagen vorherbestimmt wäre, das Bewußtsein und die Selbstbesinnung des teutschen Volkes zu erwecken. Als ob Hitler nicht ein lebendiger Mensch wäre, sondern ein Held, geschaffen von einem genialen Meister, ein Held, der die Größe seiner Tat im Rahmen eines klassischen Romanis­mus erkämpft hat.

Die Hitlerbewegung hat eine sehr große Bedeutung nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Welt­politik unserer Zeit. Geschichtlich leben wir in einer krankhaften Epoche. Die ganze Welt steht unter der Depression einer allgemeinen Krise. Der Faschismus und der Nationalsozialismus erscheinen als eine hilfebringende Reaktion gegen alle Elemente, die den Prozeß des allgemeinen Rückganges der menschlichen Kultur verursacht haben. Diese Bewegungen ver­dienen eine sorgfältige Forschung und Beobachtung. Ihr Erfolg findet seine Erklärung in gewissen Grundstellungen, welche besonders von den kleinen Nationen, die in ihrer kulturellen Entwicklung zu­rückgeblieben sind und deren geistige Unstabilität sie empfindlicher für die politischen und gesellschaftlich«» Schwankungen macht, in Acht genommen werden müssen. Wenn Staaten wie Deutschland und Italien in ihrer inneren und geistigen und materiellen Sta» Lilität erschüttert würden, schufen sie den gesuchten

Bestimmend für die grundlegende Umgestaltung der Konserenz ist offenbar die Auffassung der leiten­den Konserenzkreise gewesen, daß die jetzt notwendi­gen endgültigen Entscheidungen inSbesonderS über den ziffernmäßigen Rüstungsstand der einzelnen Länder, die ahl der Flugzeuge, Unterseeboote und Tanks usw. nicht in öffentlichen Verhandlungen des Hauptausschusses getroffen werden können.

In Berliner politischen Kreisen ist man der An­sicht, da ßetne Vertagung der Abrüstungskonferenz für die Weltwirtschaftskonferenz nicht tragbar ist. Jedenfalls wird in Berlin eine längere Vertagung unter keinen Umständen für ratsam gehalten, ob­wohl gegen eine kürzere Vertagung von sechs, sieben oder acht Tagen vielleicht nichts einzuwenden sei. Deutschland bleibt aber dabei, daß auch in einem solchen Fall ernste Ergebnisse erzielt werden müssen.

Neuer Bevollmächtigter Bremens heim Mich

Dr. Fiele im Vorstand des Norddeutschen Llotzd-VrSsidtalrat Vurandt neuer Bevollmächtigter

Die Staatliche Pressestelle teilt mit:

Eine der wichtigsten Gegenwartsausgaben der Bremer Regierung ist die Wiederher­stellung der deutschen Schiffahrt. Der Senat ist infolgedessen mit dem Aufsichtsrat des Norddeutschen Lloyd dahin über­eingekommen, daß Dr. Rudolph Firle in den Vorstand dieser größten Bremer Schif­fahrtsgesellschaft eintritt.

Korvetten-Kapitün a. D. Dr. Firle war langjähriger Geschäftsführer der Pontos- Schiffahrtsgesellschaft in Bremen und in der Wirtschastspolitischen Abteilung der N.S.D. A.P.-Bremen als Fachberater für Schiffahrt. Seit März 1933 ehrenamtlich als Vertreter Bremens beim Reich tätig, hat er während dieser Berliner Tätigkeit ausgezeichnete

Dienste für die bremischen Schiffahrtsbelangr geleistet. Dr. Firle bietet somit die Gewähr für eine ersprießliche Arbeit in der Leitung des Norddeutschen Lloyd im Sinne der Ziel« der nationalen Regierung.

Als Nachfolger Dr. Firles als Bevoll- mächtigter Bremens beim Reich i st v oak Senat mit Wirkung vom 15. Juni 1933 dc« bisherige Präfidialrat Burandt be­stimmt worden.

Anstelle des Präsidialrats Burandt tritt als Scnatskommissar für Reichs- und Auswär­tige Angelegenheiten und Adjutant des Präsidenten des Senats der bisherige Presse­chef des Senats, Richard Hochmuth, dem außerdem die Staatliche Pressestelle weiterhin unterstellt bleibt.

Schwere NawrkatMeophs irr Anhalt

Kaliwerk bei Esterftrrih in die SaaSe gestürzt. ReichSftatthalter Vs. Loeper an der Unsallstelle

Dessau, 1. Juni.

Eine schwere Naturkatastrophe ereignete sich am Mittwochvormittag Lei Latorf im Kreise Bernburg. Die Kalkwerke bei Eiserfurth sind auf eitler Breite von 500 Meter in die Saale gestürzt und haben das Bett des Flusses voll­kommen gesperrt, so daß die Saale ihren Weg durch die Aue nehmen muß. Das Wasser stieg innerhalb weniger Minuten um einen halben Meter; ringsherum besteht die größte Hochwassergefahr. Das Ereignis ist vermutlich auf die ungeheuren Regenmengen der letzten Tage zurückzuführen.

Zu der Naturkatastrophe bei Latdors er­fahren wir noch: Die Kalkwerke bei Eiserfurth sind auf einer Breite von 500 Meter in die Saale gerutscht und haben das Bett der Saale vollkommen gesperrt. Die Wasserbaubehörden, Magistrate, Schutzpolizei und die Ortsbe­hörden in Altenburg, Gri-ensleben und Nien- burg wurden sofort von der Hochwasserge­fahr benachrichtigt. Durch die Kalkrückstände besteht groß« Gefahr für den Fischbestand der Saale unterhalb der Unfallstelle. Ein großer Saalekahn ist auf die andere Seite deZ Saaleusers geworfen worden. Zurzeit weilen verschiedene leitende Behördenvertveter aus Dernburg und Dessau an der UnsallsteUe.

Bei den Kalkbergen handelt es sich um Ab­lagerungen der Sodafabrikatlon der Solvay- Werke, die dort in großen Bassins aufbe­wahrt werden. Durch den starken Regen der

letzten Tage sind die Schutzdämme gebrochen, so daß die ganze Kalkflüssigkeit in die Saale rutschte.

Sofort nach Bekanntwerden der Katastrophe begab sich der Reichsstatthalter für Anhalt u»U> Braunschweig, Hauptmann Loeper, nach Eiserfurth. Auf seine Veranlassung wur­den unverzüglich 200 Arbeitslose aus Latdorf eingesetzt, die fieberhaft damit beschäftigt sind, die Kalkmassen wegzuräumen. Vermutlich dürste aber auch noch die Reichswehr znr Hilfeleistung herangezogen wer­den.

VraunlOwelger Sta hltzelm- Mrer verhaftet

Schöuingeu (Braunschweig), 31. Mai. Der hiesige Gausiihrer des Stahlhelm, Kroger, sowie drei andere Stahlhelmsiihrer sind von der Schöniu- ger Polizei wegen Vergehens gegen die Verordnung des Braunschweigischcn Innenministers betressend Aufnahmeverbot von Mitgliedern des Stahlhelms in Hast genommen worden. Die Verhafteten wer­den beschuldigt, entgegen dem im Zusammenhang mit dein Stahlhelmkonslikt in Braunschweig erlasse­nen befristeten Verbot des Braunschweigischcn In­nenministers Klagges Mitglieder für den Stahlhelm geworben und aufgenommen zu haben. Arhnliche Verstöße sollen sich auch in Helmstedt und in Braun­schweig ereignet haben.

gesellschaftlichen Boden, auf den sie die innere Einig­keit des Volkes im Namen des Nationalismus auf­bauten. Weder die hochentwickelte Kultur der beiden Völker, noch ihre lebendigen historischen Traditionen, noch das höhere Bewußtsein für moralische und so­ziale Disziplin, noch schließlich ihre geistigen und materiellen Reichtümer allein wären imstande ge­wesen, erfolgreich die beginnende Zersetzung zu be­kämpfen. Der Nationalismus hat sich als die stärkste Stütze für die Selbsterhaltung des Volkes in diesen stürmischen und unsicheren Zeiten erwiesen.

An zweiter Stelle haben sich diese Bewegungen be­müht, den Staat zu erhalten, indem sie in dem Be­wußtsein des Volkes die Vorstellung zu bilden such­ten, daß der Staat eine Lebensnotwendigkeit ist, daß er eine Stütze und der Ausgleich der gesellschaftlichen Kämpfe darstellt und, daß derjenige, der den Staat bekämpft, sich selber bekämpft und zugrunde richtet. Aus dieser großen Aufgabe leitet sich das rücksichts­lose Vorgehen des Faschismus und des National­sozialismus gegen die Marxisten und Kommunisten, welche die gefährlichsten Feinde des Staates sind, her. Immer wieder im Namen dieser Idee werden alle diejenigen politischen Kämpfe im Leben eines parlamentarischen Staates keine Berechtigung fin­den, die durch die Uebernahme der Staatsgewalt die Förderung der Interessen einzelner Stände und Klassen bezwecken.

An dritter Stelle haben der Faschismus uud der Nationalsozialismus gezeigt, daß nur mittels einer moralischen und gesellschaftlichen Disziplin die Grundfundamente des heutigen CtaateS befestigt

werden können. Alle anderen Erscheinungen tragen das Merkmal einer Zügellosigkeit, die das Leben zer­stört und den Glauben des Volkes an sich selbst weg­nimmt.

Um diese moralische und gesellschaftliche Disziplin aufrechterhalten zu können, sind der Fachismus und der Nationalsozialismus als Bewegungen ausgetre­ten, die die Arbeiterschaft in Schutz nehmen, indem sie für alle ihrer legitimen, durch die marxistische Doktrin ausgestellten Forderungen Sorge tragen, da­bei sie aber ins Fahrwasser des Nationalismus und in den Nahmen des gegenwärtigen Maates bringen. In der Synthese der beiden großen Ideen — der Nationalismus und der Sozialismus (Schutz der Arbeit und der Arbeiter) hat die Doktrine dieser beiden Bewegungen ihren Ausdruck gesunden. In Italien, wo die Gewerkschaften die Stütze der Heu- tigen faschistischen Ordnung sind, hat diese Doktrine ihre praktischen Werte schon bewiesen.

Endlich, diese großen Bewegungen haben die Tat­sache bewiesen, daß bei ihnen das Vorhandensein einer Persönlichkeit notwendig »st, der es gelungen ist, das Bewußten» und die Herzen vieler aufgeklär­ten Menschen zu vereinigen, die das Vertrauen der breiten Volksschichten gewonnen und die allgemeinen Bestrebungen zur Lösung der großen Leüensproblcme gesichert hat.

Die Ideen können an und für sich bestehen, fie werden aber »'.»»anwendbar im Leben bleiben, wenn sie ihre Verkörperung in einem Führer nicht sind« könne«.