Ausgabe 
(30.5.1933) Nr. 141
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Nr. 141. Jahrgang 1933

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Vremsu» Dienstag. den 3T. Mai 1933 Emrelpreis 15 VSg.

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Dcrs Ärnüreke OrsmL dos dos Bremern

Furchtbares Erbe des alten EWems

Ix. Schacht WgWß As Glüudiger

Sie Reichsbank aktionssmSöhig

Berlin, 29. Mai. Heute vormittag haben in den Räumen der Reichsbank unter dem Vorsitz des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht die Transfer- Besprechungen begonnen. An ihnen nehmen Ver­treter sowohl der ausländischen Gläubiger kurzfristi­ger deutscher Kredite, als auch der Emissionshäuser für die langfristigen deutschen Ausländsanleihen teil und zwar aus 6 Ländern, nämlich Amerika, England, Frankreich, Schweden, Holland und der Schweiz. Die Transfer-Besprechungen sind von der Reichs- bank aufgenommen worden, um die Vertreter der Auslandsgläubiger über die deutsche Devisenlage, die sich infolge der rückgängigen Tendenz des deutschen Außenhandels und des daraus folgenden geringeren Anfalls von Exporldevisen dauernd verschlechtert hat, aufzuklären und die Möglichkeiten zur Besei­tigung der sich aus der deutschen Devisensituation ergebenden Transferschwierigkeiten zu erörtern. In unterrichteten Kreisen rechnet man für diese Be­sprechungen mit einer Dauer von einigen Tagen.

Dr. Schacht ergreift das Wort

Zunächst wies Dr. Schacht einleitend darauf hin, daß es sich bet den Besprechungen weder um Ver­handlungen noch um eine Konferenz handele, son­dern lediglich um eine formlose Unterhaltung. Die Regierungen hätten mit dieser Zusammenkunft nichts zu tun.

Schacht ging hierauf auf die Vorgeschichte der Transserkrije ein. Er wies darauf hin, daß diese nur verständlich sei, wenn die ganze politische Ent­wicklung der letzten 15 Jahre zurückoersolgt werde. Die Kriegsschulden hätten zu der ganzen Transser- Irise letzten Endes den Urgrund gelegt.

Die Auslandsgelder, die Deutschland aufgenom­men habe, hätten nicht anders als in Form von Waren hereinkommen können. Die übermäßige In­anspruchnahme der Kredite sei also die Ursache ge­wesen, daß sehr hohe Importe nach Deutschland her­eingekommen seien, wie die ganzen Jahre von 1924 bis 1930 einen Einfuhrüberschuß gehabt hätten. Die Idee der Politiker aber, die die Reparationen Deutschland auferlegt hatten, sei eine ganz andere gewesen. Sie geht dahin, daß Deutschland das Geld für die Reparationen durch seinen Export verdie­nen sollte. Wenn man das aber erzielen wollte, dann hätte man das nicht gleichzeitig durch hohe Auslandskredite, die notwendig mit stärkstem Wa- renimport verbunden waren, konterkarnieren dür­fen. Ueberdies habe sich gegen einen deutschen Ex­portüberschuß von Anfang an der industrielle Wi­derstand aller anderen Länder geltend gemacht. Da trotzdem die Politiker immer wieder auf Repara­tionszahlungen gedrängt hätten, so sei kein anderes Mittel geblieben, als daß man die Gelder, die durch Auslandskredite hereingekommen seien, nicht nur zum Warenimport, sondern auch zur Bezahlung der Reparationen verwandte. Es sei heute allgemein anerkannt, daß von den 30 Milliarden Auslands- krcditen reichlich die Hälfte für nichts anderes als Reparationszahlungen verwendet worden sei.

Dieses ganze System sei in sich völlig falsch und ungesund gewesen.

T« sei zu Bruch gegangen in dem Augenblick, in dem die Ausländer aufhörten, Auslandskredite nach Deutschland zu geben, das heißt seit Oktober 1929. Seitdem seien die unausbleiblichen Wirkungen ein­getreten, nämlich 1.) daß Deutschland keine Repara­tionen mehr bezahlen konnte, und zweitens, daß wir statt eines Importüberschusses einen Export­überschuß bekamen. Diese ganze Entwicklung sei von Deutschland aus richtig gesehen worden. Die Reichsbank habe immer wieder jede Gelegenheit er­griffen, um diesen Zusammenhang der Dinge den inländischen und ausländischen Finanzleuten klar­zumachen. Es habe aber lange gedauert, bis das Ausland eingesehen habe, daß die Politik, die es in den Jahren 1924 bis 1930 betrieben habe, völlig falsch gewesen sei.

Wenn die Amerikakrise Ende 1929 dieses System gestoppt habe, so habe der Zusammenbrach der öster­reichischen Kreditanstalt im Mai 1931 den Anstoß zur direkten Katastrophe gegeben. Deutschland habe versucht, dieser Krise zu begegnen, indem es die Devisenzwangswirtschaft eingeführt habe, und zwar im Einverständnis, ja auf Anraten der ausländi­schen Banken.

Damit sei es gelungen, die Währung bis zum heutigen Tage einigermaßen zu halten, aber das habe nicht verhindern können, daß die Katastrophe sich ständig verschlimmert habe. Die Stillhaltend- kommen hätten letzten Endes dazu geführt, daß die Beendigung der Katastrophe verschoben worden, nicht aber daß sie geheilt worden sei.

Seit der Amerikakrise habe Deutschland

über 1g Milliarden Mark an Kapital und Zinsen in ausländischer Valuta abgeführt.

Das beweise den guten Willen und die Anständig­keit der deutschen Wirtschaft. Es sei aber nicht

DA3 auf drei Monate verboten

Berlin, 29. Mai. DieDeutsche Allge­meine Zeitung" ist wegen des Leitartikels ^Bruderkampf" in ihrer heutigen Abendausgabe auf drei Monate verboten worden.

denkbar, daß man anS einer so komplizierten Wirt­schaft, wie der deutschen, plötzlich 10 Milliarden Mark herausnehme ohne schwerste Schädigung. Auch habe man sich keine Gedanken darüber gemacht, daß die Rückzahlung der Kredite nicht erfolgen konnte ohne eine schwere Schwächung der Reichsbank. Wir halten, so schloß Dr. Schacht, unsere Mark stabil durch die Devisenzwangswirtschaft. Aber die Reichs­bank kann in den Geld- und Devisenmarkt regu­lierend nicht eingreifen, weil sie keine Gold- und Devisenreserven mehr hat. Sie haben also die Reichsbank aktionsunsahig gemacht. Es besteht heute die Gefahr, daß die Reichsbankreserve auf Null zu- sammenschrumpft. Wenn wir diese Dinge so weiter­laufen lasten, so kommt die Reichsbank in die Ge-

Genf, 29. Mai.

Ueber die Bestimmungen des Angreifers in einem internationalen Streitfall kam es am Montag im Hauptausschuß der Abrü­stungskonferenz zu einem scharfen Zusam­menstoß. Die französische Staatengruppe ver­langte auf Grund des vom Sicherheitsausschuß ausgearbeiteten Vorschlages eine scharf um- rissene Bestimmung des An­greifers, Der von Politis ausgearbei­tete Vertragstext stützt sich bei Aufzählung der Angriffsfälle auf einen ursprünglich sow- jetrussi'schen Antrag. Dieser aus der bekann­ten sowjetrussischen Befürchtung vor mili­tärischer Einkreisung oder wirtschaftlicher Blockade entstandene Vorschlag ist nun von der französisch.n Statengruppe übernommen und im Sinne der französischen Sicherheits­politik ausgebaut worden.

Dagegen wiesen die Vertreter Englands, Italiens. Deutschlands und Ungarns über­einstimmend auf die großen Gefahren einer genau formulierten Bestimmung des Angrei­fers hin, die zu einer völligen Umkehrung der tatsächlichen Schuldfrage führen könne.

Die Aussprache im Hauptausschuß nahm eine unerwartete Wendung durch eine Er­klärung Paul-Boncours, der in auf­fallend nachdrücklicher Weise den vorliegenden Vertragstext für die Bestimmung des An­greifers als den Eckstein des gesam­ten Sicherheitsbaues bezeichnete. Paul-Boncour schloß mit der drohend klin­genden Erklärung, daß bei Ablehnung des Vorschlages die ernstesten Befürchtungen für das weitere Schicksal der Konferenz da­stünden .

In außerordentlich geschickter und mit star-

Gens, 29. Mai. Der Efsektivausschuß der Ab­rüstungskonferenz hat heute den Bericht an den Hauptausschuß über den militärischen Charakter der Polizei abgeschlossen. In dem Bericht wird fest­gestellt, daß von der gesamten deutschen Schutz­polizei die kasernierte Bereitschaft in Höhe von 34 900 Mann, die Polizeianwärter in Höhe von 4 099 Mann bei der endgültigen Festsetzung der deutschen Heeresstärke in Anrechnung gebracht wer­den sollen, jedoch ist in dem Bericht auf Grund eines englischen Vorschlages ein gewisser Kompromiß dahin aufgenommen worden, daß jeder Staat be­rechtigt ist, von den als militärische Charaktere er­klärten Polizeistreitkräften einen Teil in Höhe von 10 v. H. der nationalen Armeen in Abrechnung zu bringen.

Deutscher VosLehalt

Zu diesem Bericht hat der deutsche Vertreter Ge­neral von Schönheim eine Erklärung abgegeben, in der es heißt:

Die deutsche Delegation legt einen allgemeinen Vorbehalt gegen die Mehrheitsbeschlüsse des Ko­mitees bezüglich der Bewertung der Polizei ein, weil das Komitee sich bei seinen Entscheidungen nicht immer in gleicher Weise an die festgelegten Krite­rien gehalten und einzelne Fälle nach versa>iedenem Maßstabe behandelt hat. In den der Annahme dieses Berichtes vorausgegangenen Verhandlungen ist nicht nur von deutscher Seite, sondern auch von anderen Delegationen festgestellt worden, daß bei der Bewertung der deutschen Polizeiverhältnisse an­dere Maßstäbe angelegt worden sind, als in den anderen Fällen.

Der Gang des Verlaufes der Beratungen hat gezeigt, daß das Komitee in seiner Mehrheit sich nicht von rein technischen Gesichtspunkten leiten ließ, sondern daß ausgesprochen politische Gesichtspunkte maßgebend gewesen sind. Insbesondere war das Komitee dazu nicht zu bewegen, bei der Beurteilung der deutschen Polizei den besonderen Verhältnissen Deutschlands Rechnung zu tragen.

Der deutsche Vorbehalt, der eine vernichtende Kritik an der ganzen Tätigkeit des Komitees dar-

fahr, daß sie den Verkauf von Reichsmark im Aus- lande nicht mehr verhindern kann. Das heißt, wir kommen mit Sicherheit in ein offizielles Disagio der Reichsmark hinein und erlebe« eine neue Entwer­tung der Reichsmark, die ich glaube, das ist Ihnen allen klar eine noch größere Katastrophe beben- ten würde als die von 1923, ein« Katastrophe, die die Reichsbank weder zuzulassen noch zu verantwor­ten gewillt oder in der Lage ist.

GAnStiger EßudruÄ -er AusMrrmgen

cnb. Berlin, 29. Mai. Die Ausführungen, die der Reichsbankpräsident heute anläßlich der Eröffnung

kem Beifall aufgenommenen Erklärung gelang es dem italienischen Vertreter, die Unhaltbarkit und Zweckwidrigkeit der Vorschläge des Sicher» heitsausschusses nachzuweisen. Es sei unmöglich fiir die Regierungen, so scharfumrissene Ver­pflichtungen einzugehen, die größte Risiken in sich trügen. Die Angreiserbestimmung gehe weit übr die bisher im Privatrecht geltenden Grund­sätze hinaus und berücksichtige besonders in kei­ner Weise die Herausforderung, die im Politi­schen Leben eine große Rolle spiele. Ein zum Angriff entschlossener Staat werde eS immer verstehen, zunächst einen Angriff des Gegners auf sich herbeizuführen. Der Vorschlag bedeute eine völlige Umgestaltung des gesamten engli­schen Abrüstungsplans.

Nadolny wies darauf hin, daß die Bestim­mung des Angreifers für Deutschland von .gro­ßer Bedeutung sei. Es sei notwendig, die in den verschiedenen internationalen Abkommen und Vorschlägen bestehenden Bestimmungen des Angreifers in Uebereinstimmung zu bringen. Nadolny bracht dann die deutschen Bedenken zu dem Vorschlag zum Ausdruck.

In stundenlanger Aussprache wurde von dem sowjetrussischen Vertreter, der von der gesamten französischen Staatengruppe mit Lob und Dank fast überschüttet wurde, ver­langt, eine sofortige Abstimmung herbei­zuführen. Gegen diesen Versuch, eine Ent­scheidung von großer politischer Tragweite zu erzwingen, wandten sich jedoch die Vertret-.r einer Reihe von Staaten, so daß schließlich Präsident Henderson den üblichen Weg oer privaten Besprechungen empfahl und die end­gültige Entscheidung auf die zweite Lesung des Sicherheitskapitels des englischen Plans verschob.

stellte, rief zunächst eine geheuchelte Entrüstung her­vor.

In die Debatte griffen insbesondere die Ver­treter Frankreichs und Amerikas ein. Der deut­sche Vertreter ließ sich aber nicht beruhigen, son­dern ging nochmals ausführlich aus die besonderen Verhältnisse Deutschlands ein. Er stellte fest, daß im Verhältnis der Wehrmacht zur Bevölkerungszahl nur einundeinhalb ausgebildete Soldaten aus 1099 Einwohner satten, bei Polen dagegen sieben, Frank­reicht acht, Belgien achteinhalb, Tschechoslowakei neuneinhalb Soldaten.

Paul Boncour plötzlich nach Genf zurückgekehrt.

Paris, 29. Mai. Der französische Außenminister Paul-Boncour ist am Sonntag abend von Paris aus wieder nach Genf zurückgekehrt, um am Mon­tag bereits wieder zu den Verhandlungen zugegen zu sein. Die plötzliche Rückkehr Paul - Boncours hat in parlamentarischen Kreisen ziemlich überrascht und sogar enttäuscht, weil man damit rechnete, daß er sich vor den auswärtigen Ausschüssen der Kammer

Berlin, 29. Mai. Am Sonnabend fand die kon­stituierende Sitzung der durch den Aufruf des Reichskanzlers Adolf Hitler ins Leben gerufenenStiftung für Opfer der Arbeit" im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propa- . ganda statt. Der Abteilungsleiter Wilhelm H aeg ert begrüßte die anwesenden Mitglie­der des Ehrenausschusses: Walter Schuh-

mann, M. d. R., Or. Fritz Th y ssen, Dr. Emil Georg von Staub. Zum Vor­sitzenden des Ehrenausschusses wurde. Walter S ch u h m a n n gewählt und zum ehrenamt­lichen Geschäftsführer Oberregierungsrat Dpktor

der Transftr-Zusammenkunft machte, haben in un­terrichteten Kreisen einen außerordentlich günstigen Eindruck hinterlassen. Man begrüßt es insbesondere, daß die Leitung der Reichsbank die Dinge nicht treiben läßt, sondern ihrerseits die Initiative er­griffen und die Gläubiger auf den Ernst der deut­schen Devisensituation hingewiesen hat. Man be­zeichnet die Ausführungen des Reichsbankpräsiden­ten als eine geradezu befreiende Tat. Die ein­deutige Erklärung, daß die Reichsbank eine Kata­strophe, ähnlich der des Jahres 1923, nicht zulassen und zu verantworten gewillt ist, dürste in Verbin­dung mit der ernsten Mahnung an das Ausland, auch seinerseits in die erforderlichen Maßnahmen einzuwilligen, ihre Wirkung nicht verfehlen.

und des Senats über den Stand der Verhandlungen in Genf und Rom äußern würde. Man betont jedoch, daß Ministerpräsident Daladier den kommen­den Genfer Besprechungen sehr große Bedeutung bei- messe und seinen Außenminister deshalb gebeten habe, unverzüglich zurückzukehren.

In den Abendstunden des Sonntags fand im Außenministerium eine eingehende Aussprache zwi­schen dem Außenminister und dem Ministerpräsi­denten statt. In gut unterrichteten Kreisen betont man in diesem Zusammenhang, daß die Verhand­lungen über den Vierer-Patt als kurz vor dem Ab­schluß stehend bezeichnet werden könnten. Die fran­zösischen Minister treten am Dienstag zu einem Mi­nisterrat zusammen, um den Pakt noch ein letztes Mal durchzusprechen und anschließend seine An- nähme zu erklären. Allerdings erwartet man vor­her noch die Erklärung der Kleinen Entente, die ihren Widerstand gegen den Pakt aufgegeben hat. In hiesigen politischen Kreisen rechnet man mit der Unterzeichnung gegen Ende der Woche.

Fünf Todesnrkelle in Mona beantragt

Die frühere Leitung der Polizei schwer belastet

Altona, 29. Mai. In dem Prozeß um die Vor­gänge am Altonaer Blutsonntag begannen am Montag vormittag die Plaidoyers der Staats­anwaltschaft. Erster Staatsanwalt BehrenS stellte fest, man dürfe behaupten, die Polizei habe an diesem 17. Juli 1932 versagt. Der frühere Alto­naer Polizeipräsident Eggerstcdt (SPD.) sei sür die­sen Sonntag auf Wahlagitation in die Provinz ge­reist. Ueberhaupt habe die Führung der Polizei alle Warnungen, die ihr seit Wochen und Tagen zugin­gen, unbeachtet gelassen. Fast habe es den Anschein, als habe bei der marxistischen Leitung der Altonaer Polizei eine gewisse Absicht bestanden. Jedenfalls seien die Blutopfcr nicht zuletzt der Polizeisührung zur Last zu legen.

Staatsauwalt BehrenS beantragte wegen gemein­schaftlichen Mordes und versuchten Mordes, Auf­ruhrs und Landfriedcnsbruchs gegen die 5 Angeklag­ten Lütgens, Tesch, Wolfs, Möller und Walters die Todesstrafe. Der Strafantrag sür die übrigen Angeklagten erfolgt wegen Veihilse zum Mord und versuchten Mordes sowie schweren Auf­ruhrs und Landsriedensbruchs. Es wurden beantragt für Wendt, Dicht, Lühnstäden und Uhle je 15 Jahre Zuchthaus, gegen Herwig und Scngespeik je 19 Jahre Zuchthaus, und gegen Kuhlmann, Jacob und Wolgast je 5 Jahre Zuchthaus.

Mit der Urteilsverkündung ist kaum vor Sonn­abend zu rechnen.

Neun weiter« Kommunisten wegen des Altonaer BlntsonntagS in Hamburg festgenommen

Hamburg, 2g. Mai. Die Polizeipressestelle Hain- bürg teilt mit: Beamte der Ordnungspolizei nah. men am gestrigen Sonntag 12 Personen fest, darunter neun Mitglieder der KPD. bezw. der Ro­ten Hilfe im Zusammenhang mit dem Uebsrfall in Altona am 17. Juli 1932.

Zieg ler vom Propagandaministerium be­stimmt. Aus dem Bericht des Geschäftsführers er­gab sich, daß der Eingang der Spende außerordent­lich rege ist.

In der Sitzung konnte Dr. Fritz Thyssen die ersreulichc Mitteilung machen, daß die Industrie des Steinkohlen- und Braunkohlenbergbaues und die eisenschassende Industrie des Ruhrgebietes zusammen ein Kapital von 2 Millionen Mark sür die Stiftung zur Verfügung gestellt haben. Demnach haben die Mittel der Stiftung jetzt bereits den Betrag von rund 3 Millionen Mark erreicht.

Sie Senker Saügafte

Die neue Krise der Abrüstungskonferenz nimmt von Tag zu Tag ernsteren Lharakter an, und es scheint in der Tat, daß nach vem ersten Ueberschwang neuer Hoffnungsseligkett. infolge der Hitler-Rede und der deutschen Zugeständnisse erst jetzt den Hauptbeteiligien über das wirtliche Ausmaß der Schwierig»' ketten die Augen aufzugehen. Das, was man. in den ganzen letzten Wochen aus Pariser und Londoner Quellen über die Gegensätze auf der Abrüstungskonferenz hören konnte, war stets und ständig auf den Leitsatz ab» gestellt: Deutschland will nicht, Deutschland trägt die Schuld. Nun h a t aber Deutschland in der Tat einmal seinen guten Willen be­wiesen und ist auf dem Wege des Zu­geständnisses weitergegangen als je ein St rat vor ihm und erst jetzt zeigt sich die ganze Verlogenheit der gegnerischen Propaganda, die nur davon ausging, einen Sündenbock zu schaffen, um die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Schwierigkeiten abzulenken.

Es wird heute in Genf von keiner Seite mehr ein Hehl daraus gemacht, daß die Lage außergewöhnlich verfahren ist und daß nur noch eine wirklich große Tat die Konferenz aus ihrer Sackgasse befreien kann. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, daß der Kern der Schwierigkeiten in der Frage zu suchen ist, ob denn Frankreich, der höchstgerüstete Staat Europas, in Wirklich­keit gewillt ist, dem angeblich vorhandenen Abrüstungswillen positiv Ausdruck zu geben und sich zu einem Opfer aufzuraffen.

Keinesfalls kann es sich aber darum han­deln, die Verantwortlichkeiten dadurch zu ver­schieben und den wirklichen Tatbestand zu verschleiern, daß man jetzt von neuem die Parole ausgibt, die Konferenz müßte erst einmal für unbestimmte Zeit verschoben wer­den. um in der Zwischenzeit die Atmosphäre zu bereinigen und neue konkrete Ausgangs­punkte für eine spätere Inangriffnahme des Abrüstungsproblems zu schaffen. Wir können uns von einer Vertagung keinerlei Besserung versprechen, und den für den Gang der Dinge in Genf verantwortlichen Mächten wird es nicht leicht fallen können, zu beweisen, daß! eine solche Verlegenheitstagung etwas anderes als ein Zusammenbruch wäre.

Erfreulicherweise wird auch jetzt von ameri­kanischer Seite nicht mehr verschwiegen, daß eine Vertagung einen niederschmetterndes Eindruck in Amerika machen und alle die>z jenigen Kräfte stärken würde, die darauf hin­arbeiten, daß die Vereinigten Staaten ihre Mitarbeit an europäischen Angelegenheiteitz aufkündigen und sich von den weiteren Ver­handlungen zurückziehen. Nach in Gens vcl) breiteten Gerüchten hat Präsident Roosevelt den englischen Außenminister persönlich Wissen lassen, daß der Abrüstungskonferenz nach amerikanischer Auffassung die letzt« Chance gegeben sei und daß von einer neuer) lichen ergebnislosen Vertagung unter keinen Umständen die Rede sein könne. Diestz amerikanische Drohung dürfte auf die Kon­ferenzteilnehmer ihren Eindruck nicht ver­fehlen. Wenn wir vom Standpunkt Deutich­lands aus auch an den kürzltchen Er­klärungen, die Norman Davis in Gens ab­gab, Kritik übten, weil sie uns von einer zu wett gehenden Ueberschätzung der fran­zösischen Machtstellung diktiert waren, so ver­kennen wir doch nicht, welchen Faktor die Autorität Amerikas in der Genfer Waagschalq darstellt. Mit einem Rückzug Amerikas wür-' den jene Kräfte endgültig die Oberhand ge) wmncn, die von Frankreich beherrscht wer< den. in französischen Hilfsdiensten stehen und> eine Aenderung des gegenwärtigen Zu-^ standes, der mit dem Wort Versailles noch,! immer am trefflichsten gekennzeichnet ist, abÄ lehnen. Wenn auch für die Stellungnahme Amerikas andere Gründe maßgebend sind' als die, die uns zu dem immerwährenden Hinweis auf die im Versailler Vertrag selbst enthaltene Verpflichtung zur Ab­rüstung veranlassen so ist die Mitarveit Amerikas gerade in Abrüstungsfragen doch so wertvoll, daß man sie nicht entbehren kann, wenn man wirklich zu einem konkreten Ergebnis kommen will.

Es ist auch unter diesen Umständen als bedauerlich zu bezeichnen, daß England sich im gegenwärtigen Stadium der Zuspitzung und Verworrenheit nicht zu einer eindeutigen Stellungnahme gegen die französische Kata- strophenpolitik durchringen kann. Außen­minister Simon hat am Freitag im Unter­haus eine Regierungserklärung abgegeben, die zwar auch einige deutliche Hinweise an die französische Adesse enthielt und in der er z. B. eine Erweiterung der Garantiever- als die Vorbedingung für die Durchführung der Abrüstung bezeichnet wird, die auf der anderen Seite aber wiederum so vorsichtig ge­faßt und vieldeutig in der Auslegung ge­wesen ist, daß es schwer fällt, in ihr einen Fortschritt zu erblicken. Die Abhänaigkeil, rn der sich die französische Außenpolitik v^n Frankreich befindet, ist auch in dieser Simon- rede zwischen den Sätzen immer wieder z»m Ausdruck gekommen, so, wenn er sagte, daß er Verständnis für die Sicherheitswiinsche gewisser Staaten haben könne, und wenn cr von der deutschen Gleichberechtigung ledig­lich in der französischen Formulierung svra.v indem er nicht versäumte, die schmückenden Beiworteim Rahmen der Sicherheit" an­zufügen. Die durch die Neichskanzlerrede

Messe Wendung in Genf

Frankreich greift kowjslrnWche SicheeheitSthesen aus

33 SW Mann Schutzpolizei

Sollen auf die deutsche HesreSftärle angerechnet werden

Bereits 3 Millionen für Spiee der Arbeit

gesammelt