Ausgabe 
(28.5.1933) Nr. 139
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M. 13S. Jahrgang 1933

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VremeK. Ssmrtsg, den 28. Mai LS3Z

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Wir grDe« die Hansesta-i Dmrzß

Mols Mer hekemst M zum deutschen Ssten

Adolf Hitler an -ie Damigee Bevölkerung

Msinchen, 27. Mai. Vom Braunen Haus tn München aus hielt am Sonnabend von 80.10 Uhr bis 20.35 Uhr der Führer der NS DAP., Reichskanzler Adolf Hitler, zum Wahlkamps in Danzig über den Sender der Orag eine Ansprache an die Danziger Bevöl­kerung. Er erklärte u. a.:

Als im November 1918 der Zusammen- bruch eintrat, fühlten wir das niederschmet­ternde dieser Katastrophe deshalb doppelt schwer, weil nicht die Armee als solche ver- versagt hatte, sondern die Heimat. In bei­spiellosem Ringen hatten die Kameraden vier­einhalb Jahre Widerstand geleistet. Die Grö­ße dieses heroischen Opfers wird niemals gauz ermessen werden können und selbst in den Tagen des Verfalls marschierten zahl­reiche Regimenter immer noch pslichtbereit in Ordnung zurück in die Heimat, in die Hei­mat, die ihrer kämpsenden Söhne wirklich «icht wert gewesen ist. Das deutsche Volk war zerfallen und die Not und das Elend des Krieges haben diesen Zerfall endlich aus­gelöst.

In diesen schlimmsten Tagen der deutschen Geschichte, da alles zu zerbrechen und zu ver­nichten drohte, empfanden unzählige Deutsche das Schicksal, das uns anscheinend für immer vernichten zu wollen schien. Als sich die große Masse der Nation und insbesondere ihre frü­heren politischen Führer in willenloser Apa­thie dem Verhängnis ergaben, da berieten aber auch zahlreiche andere Menschen über Wege und Ziele, die der drohenden Vernich­tung Einhalt gebieten konnten. Alle diese versuche und Unternehmungen, die aus die­sen Befehlen heraus geschahen, mußte schei­tern und sind gescheitert. Sie alle gingen von einer falschen Voraussetzung aus. Sie sahen die Not des Staates und hatten nicht die Voraussetzungen im eigenen Volk.

Das deutsche Volk ist nicht gefallen, weil

der Staat versagte, sondern der Staat

brach zusammen, weil das Volk zerfiel.

So sehr bestimmte Vorgänge immer zu gleichen Ergebnissen führen müssen und füh­ren werden, so wenig pflegt der Masse des Volkes in der Zeit des Geschehens die Zweck­mäßigkeit zum Bewußtsein zu kommen.

Das Schicksal, das uns im November 1918 traf. konnte nicht ausbleiben. Selbst ein sieg­reicher Krieg würde uns früher oder später dem gleichen Verhängnis ausgeliefert haben, wenn nicht die Voraussetzungen, die zu die­sem November führten, beseitigt worden wären. Diese Voraussetzungen liegen im in­neren Zerfall unseres Volkskörpers. Nur wenigen Menschen war in Deutschland klar geworden, daß in derselben Zeit, in der die reine staatspolitische Einigung des deutschen Volkes verwirklicht wurde, der volkspolitische- Zerfall rapide Fortschritte machte. Seit der Mnrxismus immer größere Fortschritte machte, wurde die Nation in zwei Hälften zerrissen. Die entstandene Feindschaft zwischen dem Bürgertum und dem Proletariat mußte im Laufe der Jahrhunderte zur vollständigen Auflösung des Volkskörpers führen.

Es ist heute belanglos, wenn eine Gruppe dl« Schuld aus die andere zu schieben ver­sucht. Wer im politischen Leben praktisch ar­beitet, ist verantwortlich für das, was tatsäch­lich geschah. Die bürgerlichen Parteien sind au- ihrem klassenmäßig empfundenen Rah­men niemals herausgewachsen. Es ist ihnen nicht gelungen den Begriff der ,Nation" zu einem die ganze Nation umfassenden umzu­gestalten.

Als die deutschen bürgerlichen Parteien ihre Politische Tätigkeit aufnahmen, stand ^h«en ein politisch gänzlich unverdorbenes Welk zur Verfügung. Der deutsche Arbeiter ist genau so wie unser Bauer fleißig und treu. Es war die Ausgabe dieser bürgerlichen Demokratie, diese Massen als wertvollen Fal­ter in den demokratischen Staat einzureihen.

Die bürgerlichen Parteien haben ihre

Aufgabe nicht nur nicht gelüst, sondern sie sind an ihr gescheitert.

Dazu wurde die bürgerliche Parteienwelt sten dem um sich greifenden Marxismus mehr WUd mehr zurückgedrängt.

Wenn heute jemand von der

Schuld des Keu schen ZujammeubrucheS

spricht, dann trägt diese nicht allein der Mar­ktsmus, sondern auch die bürgerlichen Par­olen. Das allerschlimmstc aber war, daß am Ende in Deutschland beide Auffassungen, der bürgerliche Nationalismus sowohl wie der internationale Marxismus mehr und mehr steril wurden. Zwei der vergreisten politischen

Klassen hätten das Unglück, unsere religiöse Spaltung und vermutlich die Ohnmacht der deutschen Nation verewigt. Ein Wiederauf­stieg der deutschen Nation aber war nur denk­bar, wenn eine der beiden Richtungen die an dere überwand und damit dem deutschen Volke eine neue geistige und Willenseinheit schenkte. Die Meinung, daß dieser Kamps nur mit geistigen Waffen ausgesuchten werden könnte, war lächerlich. Die Geschichte inter­essiert sich vielleicht für Methoden, allein sie prüft nicht die Methoden, sondern nur den Erfolg. Wenn die alte bürgerliche und die marxistische Welt beide zusammen in der Be­trachtung der Methoden stecken blieben, haben sie die Kraft zum Staate verloren.

Damit war die Frage der Wiederauferste- hung der deutschen Nation eine Frage der Beseitigung dieser beiden Erscheinungen ge­worden.

Wenn ich heute als Führer der national­sozialistischen Bewegung über viele Probleme spreche und urteile, dann habe ich ein inneres Recht hierzu dann, wenn auch Millionen an­dere im November 1918 den durch die Revo­lution ausgelösten Zustand voraussahen, dann erkannte ich klarer als diese anderen die Ursache und den nötigen Weg zur Ueberwin­dung dieser Krise.

Die erste Erkenntnis war damals die, daß man die alten Parteien fahren lassen mußte.

Die Richtigkeit dieser Auffassung ist bewie­sen worden durch den historischen Verlauf der Entwicklung. Zwei Ideale schienen in den Jahren 1918 und 1919 in erster Linie befä­higt, große Menschenmassen zu beseelen und zu bewegen. In Deutschland standen die beiden Ideale in Todesfeindschaft sich gegenüber. Der Nationalismus und der So­zialismus erklärten sich gegenseitig als un­vereinbar miteinander und damit als Feinde für immer.

Ich vertrat damals die Auffassung, daß man beide Gedanken noch einmal neu desi- nieren müsse. Daß aus der Vereinigung der beiden Extreme eine unerhörte Kraft für die Nation, das ganze Volk erwachsen müsse. Es schien mir möglich zu sein, an diese beiden Ideale unvoreingenommen heranzutreten, um sie von einer höheren Warte aus zu unter­suchen. Und diese Untersuchung führte zu der beglückenden Erkenntnis, daß im tiefsten Grunde beide Vorstellungen eines und das­selbe sind.

Wir wollen keinen Krieg, nur zu dem Zwecke, um einige Millionen Menschen viel­leicht zu Deutschland zn bringen, die gar keine Deutschen fein wollen und es auch nicht sein können. Wir werden niemals fremde Menschen zu unterwerfen versuchen, die uns innerlich nur hassen, um dafür auf dem Schlachtfelde Millionen zu opfern, die uns teuer sind und die wir lieben. Allein gerade deshalb hängen wir umso mehr an dem, was unserem Volk gehört, was unser Blut ist und was unsere Sprache redet.

Diese große Liebe zu unserem Volke ver­bindet uns mit allen den einzelnen Menschen, die sich früher untereinander oft zu wenig verstehen konnten. Es ist daher die große Mission der nationalsozialistischen Bewegung, die Brücke zn bilden zwischen den einzelnen Berufen und Ständen unseres Volkes. Diese große Mission hat der Nationalsozialismus nicht als bloße Theorie übernommen, sondern verwirklicht sie.

Indem wir in jahrelangem schwerem Rin­gen durch tausend Fährnisse hindurch die kleine Partei zur großen Bewegung machten, schufen wir zugleich in ihr das Vorbild jener inneren Volksverbundenheit, die wir einst für das ganze deutsche Volk erreichen wollen. Und wenn es auch heute in Deutsch­land noch Menschen geben sollte, die dies nicht begreifen oder wahrhaben wollen, sie werden durch die Wirklichkeit einst eines Bes­seren belehrt.

Das Ringen um den deutschen Menschen für diese Bewegung wird weiter dauern. Und ganz gleich, wo heute diese deutschen Menschen leben, sie werden immer mehr und mehr in sich aufnehmen diese Lehre der Klassen- und Standesüberwindung und damit sich selbst stärken in dem Gefühl der unlös­lichen Verbundenheit aller Deutschen.

Wir haben die endlosen Unterdrückungen und Verfolgungen nur deshalb si leicht zu überstehen vermocht, weil uns die Kraft dicker neuen inneren Verbundenheit stärkt. Möchten t»,r allem diejenigen Deutschen, die außer­halb der Grenzen des heutigen Reiches leben o>':r gar schweren Bedrückungen ausgesetzt sind, sich ebenfalls zn dieser inneren seelischen nüd geistigen Gemeinschaft durchringen.

Der Glaube an die unzerstörbare Lebens­kraft der deutschen Nation erwächst aus der

Kenntnis des Wertes unseres Volkes. Diesen Wert aber kann in seiner ganzen Größe nur der verstehen, der den Weg gefunden hat, aus der Beengtheit seines Standes, seines Berufes, seiner Herkunft, seiner äußerlichen Lebensstellung zu jenen ewigen Grundwerten unseres Volkes, die wir bei Millionen Volks­genossen aller Lebens- und Berufsstände vor­finden. Wer selbst den Weg zu dieser Quelle unserer Größe erst gefunden hat, sieht dann klar vor sich auch den Weg zur endlichen deutschen Freiheit.

Ein neuer Volksgedanke wurde so geboren. Aus der Tiefe des ahnenden Seelen- und Gemütslebens unseres Volkes sind die Kräfte entstanden, die über alle trennen­den Momente hinweg zu einer neuen poli­tischen Willensbildung unseres Volkes führ­ten. Je innerlicher diese Kraft war, um so unbegrenzter wurde ihre Wirksamkeit.

So wie in Deutschland selbst die Grenzen der Stämme und Länder, der Parteien, der Klassen und der Berufe überwunden worden sind, so werden durch die tiefinnerliche Macht dieser Idee überwunden die Grenzen, die das deutsche Volk von außen zerreißen. So wie

es den früheren Regierungen in Deutschland nicht möglich war, mit den Mitteln ihrer äußerlichen Gewalt die seelische Kraft und innere Verbundenheit der nationalsozialisti­schen Menschen zu brechen, so wenig vermag dies eine Gewalt von außen.

Indem der Nationalsozialismus zu den Wurzeln unseres Volkstums zurückkehrt, ent­fernt er sich von dem unglücklichen

Hurea-VakrioriSmrrS eines bürgerlichen Zeitalters

das glaubte, nur in der Sprache den Ausdruck und Beweis eines Volkstums erblicken zu können. So sehr wir unsere eigene Ausgabe sehen und erkennen, in der Erhaltung, Pflege und Besserung unseres Volkes, so sehr er­füllt uns die Achtung vor dem gleichen Sinn der Menschen anderer Nationen. So sehr wir als Nationalsozialisten es ablehnen, aus fremden Völkern Deutsche machen zu wollen, so fanatisch wehren wir uns gegen den Ver­such, den deutschen Menschen seinem Volke zu entreißen. So sehr uns die Erkenntnis be­wegt, daß der Krieg Leid und Unglück über die Menschen bringt, so sehr verpflichtet uns die Liebe zu unserer Heimat, für diese einzutreten. Der Nationalozialismus kennt keine Politik der Grenzkorrektur aus Kosten fremder Völker.

An aüe Parteigenossen m Bremen

Die ,Bremer Nationalsozialistische Zeitung" «scheint ckb heute in neuem Format. Redak­tionell steht sie keiner anderen Zeitung mehr nach. Es ist unbedingte Pflicht aller Parteigenossen, in erster Linie «nser parteiamtliches Organ, die BNZ., zu lesen.

Wir werden noch mehr als bisher Prüfen, von welchen Parteigenossen die BNZ. nicht ge­halten wird. Mitglieder, die dazu in der Lage sind und unsere Zeitung nicht halten, werden auf Grund des Z 4 der Satzung (parteischadi gendes Verhalten) aus der Partei ausgeschlossen.

B r e m e n, den 28. Mai 1933.

DjeKreiSleitnrrg

Polnischer

WsWchwmdel

Sozialdemokratin und Polen arbeiten Hand in Hand

Danzig, 27. Mai. Durch die Polizeibehörde ist ein Wahlschwindel aufgedeckt worden, den die Danziger Sozialdemokratie gemeinsam mitdenPolen inszeniert hat. Bei der Post wur­den Flugblätter beschlagnahmt, die den Zweck ver­folgten, Polen zu einer militärischen Intervention in Danzig zu veranlassen. Es sollte vorgetäuscht wer­den, daß die Danziger Nationalsozialisten mit Flug­blättern arbeiteten, deren Inhalt gegen das Genfer Abkommen verstößt.

Die SPD. in Danzig verbreitet in geheimen Tele­grammen die Nachricht, daß in der Nacht zum Sonn­tag 8000 bcwasjnete SA--Leute die Wahl terrorisie­

ren sollen. Der preußische Minister des Innern teilt hierzu mit, daß diese Nachricht vollkommen aus der Lust gegriffen und bewußt unwahr ist. Weiter hatte die Danziger Sozialdemokratie unter dem Deckmantel der „Dresdner Bank" versucht, der Danziger Be­völkerung gegen die nationalen Parteien gerichtete Wahlslugblätter zugehen zu lassen.

Die Danziger Bevölkerung wird sich aus solchen Methoden, mit denen hier die SPD. gemeinsam mit den Polen arbeitet, ihr eigenes Urteil bilden und diesen Verrätern bei der heutigen Wahl die Quittung geben.

Kein deutscher Sichtvermerk für Danzig

Danzig, 27. Mai. Der Sichtvermerk für Reichs­deutsche bei Reisen nach Danzig ist durch tele­graphische Anweisung mit sofortiger Wirkung aufge­hoben worden. Hiermit sind die letzten Hindernisse für Reisen Und Besuche von Reichsdeutschen in Dan­zig und Zoppot völlig beseitigt.

Pastor Bodelschwingh rnm ReichSbischoss ernannt

Berlin, 27. Mai. Die Vertreter der deutschen evangelischen Landeskirchen haben am Sonnabend die Grundzüge siir die künftige Verfassung der deutsch«» evangelischen Kirche endgültig festgestellt. Es bestand Einmütigkeit, daß an der Spitze der künftigen Kirche ein Reichsbischos lutherischen Bekennt­nisses stehen soll. Die Reformierten haben sich entschlossen, dem Gesamtversassungswerk zuzustimmen. Pastor D. von Bodelschwingh wurde zum Reichsbischos bestimmt.

Zu der Meldung über die Bestimmung des Reichs­bischofs teilt der Evangelische Pressedienst ergänzend mit: Die Vertreter der deutschen evangelischen

Landeskirchen haben in zweitägiger Beratung die Schritte gebilligt, die von den Bevollmächtigten des Deutschen evangelischen Kirchenbundes D Dr. Kap - l>er, D. Marahrens und D. Hesse zur Schaf­fung einer deutschen evangelischen Kirche unternom­men wurden. Die Vertreter stimmten den von den drei Bevollmächtigten m Gemeinschaft mit dem Bevollmächtigten des Reichskanzlers, Wehrkreis­pfarrer Müller, aufgestellten Grundzüge für die künftig- Verfassung der deutschen evangelischen Kirche zu. Es bestand Einmütigkeit, daß an der Spitze der künftigen Kirche ein Reichsbischos lutherischen Bekenntnisses stehen soll. Unter völliger Wahrung der Grundsätze des reformierten Bekennt­nisses in der Bischofsfräge haben sich die Reformier­ten entschlossen, dem Gesamtversassungswerk zuzu­stimmen.

Durch die Billigung der in der Oessentlichkeit bereits Lekantgegeüeueu Entschließung der drei Der.

treter der Kirche wurde Pastor D oon Bodelschwingh zum Reichsbischos bestimmt. In feierlicher Sitzung wurde er alsdann am Sonnabend nachmittag von Präsident D. Dr. Kapler begrüßt. Es wachte tiefen Eindruck, als D. von Bodelschwingh in starker In­nerlichkeit betonte, sein Amt im Gehorsam gegen Gott aufnehmen und in entschlossenem Verantwor­tungsbewußtsein als Dienst an Kirche, Staat und Volk führen zu wollen. Er schloß die Feier mit einem Gebet.

Das Verfassungswerk der Kirche soll rn Fühlung mit dem Bevollmächtigten des Reichskanzlers, Wehr- krcispfarrer Müller, baldigst zum Abschluß ge­bracht werden.

In einer Kundgebung an die Evangelische Kirche Deutschlands betonte der neue Reichsbischos, daß er dieses Amt für sich nicht begehrt habe, sondern er gehe den Weg des Gehorsams. Wenn die verant­wortlichen Männer der Kirche ihn beauftragt hät­ten, der er aus einer Arbeit an Armen und Kran­ken käme, so zeige das den Weg, den er weiter zu gehe« habe. ES sei der Weg der Diakouie.

VoetvöriS inuner!

Es gab eine Zeit, heute klingt es fast wie ein Märchen, in der zwar jeder Bremer dic Ziele und den Aufbau der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung kennen konnte, in der aber doch das Tragen des Parteiabzeichens und erst recht das Hissen der Hakenkreuzflagge einen nicht geringen persönlichen Mut erheischte, trotzdem ir der bremischen Bürgerschaft bereits. 30 Vertreter der NSDAP saßen, trotzdem über 50 000 Bre­mer bereits dieser Partei in geheimer Wahl ihre Stimme gegeben hatten. In dieser heut« von Zeitgenossen kaum noch erkennbaren Zeit war es, als sich die Bremer Kreisleitung ent­schloß, wenigstens ein Wochenblatt herauszu­geben, um die Parteigenossen enger aneinander- zuketten und neue Freunde für die Beiwegung zu gewinnen. Nur wenige werden heute noch wissen, mit Wieviel Zuversicht und Optimis­mus, mit wieviel Vertrauen zur Bewegung und mit wieviel Opferbereitschaft man an diese Aus­gabe herangegangen ist. Ein Kapital von meh­reren 100 Mark stand zur Verfügung und die ersten Mitarbeiter der BNZ. waren Schrift­leiter und Buchhalter, Anzeigenmann und Ver­lagsleiter in einer Person. Am Vormittag wurde die Zeitung zusammengeschrieben, am Nachmittag gebucht, kassiert mü> sonstwie Geld besorgt und am Abend saß man zusammen und richtete Kartothekkarten ein. Aber das letztere war schon viel später, denn zuerst wurde die BNZ. zweimal wöchentlich in Oldenburg ge­druckt und von dort per Post zum Versand ge- bracht und erst nach einigen Monaten des Er­scheinens gestattete uns die Gauleitung, den Druck nach Bremen zu verlegen. Da hieß es dann in wenigen Tagen ein Austrägerkorps zu schaffen und die Zustellung zu organisieren. Die SA. sprang ein und half nach besten Kräften und alle Amtswalter der Partei setzten ihre Ehre darin ein, für die BNZ. neue Bezieher zu werben. Auch diese Entwicklung dauerte nicht lange. Der Krisensommer, das Zusammenbre­chen der Banken, der Verzweiflungsflug Luthers von Hauptstadt zu Hauptstadt, die Londoner Konferenz, alles das zwang den Verlag der BNZ. zum raschen Handeln und so wagten wir schon 4 Wochen nach der Uebersiedlung nach Bremen den Schritt znr Tageszeitung, ohne einen Pfennig Kapital, wiederum nur der- trauend auf die Opferbereitschaft der Partei- genossen, die zu Tausenden eine Zeitung abon­nierten, von der nicht nur der Fachmann wußte, daß sie kaum den einfachsten Ansprü­chen genügte. Aber in uns allen lebte der fa­natische Wille, unsere Bewegung vorwärts zu treiben und so wurde aus dem Nichts doch etwas geschaffen, wenn auch langsam und mühe­voll, wenn auch nicht ohne Gefahren und ver­zweifelte Augenblicke, wobei uns die übrige bre­mische Presse „hilfreich" zur Seite stand. Unser „periodisch erscheinendes Flugblatt", wie man die BNZ. nannte, wurde von einem Tag zum

Des Bremer Senat jubelnd in Vremerhaverr emblaugeu

(Ausführlicher Bericht im lokalen Teil)

anderen totgesagt. Trotzdem wagte eine Reihe bremischer Einzelhändler ständig ih e Inserate der BNZ. zu geben, obwohl neben dm geringen Erfolgsaussichten noch Boykottandrohungen der marxistischen Presse an der Tagesordnung wa­ren. Auch diesen treuen Freunden unserer Zei­tung sei heute gedankt, denn sie haben uns tapfer am Ausbau der BNZ. geholfen.

Inzwischen hatte der politische Kampf immer schärfere Formen angenommen. Unsere ersten Konflikte mit der damaligen Regierung lagen hinter uns, als unser Kamerad Decker am 9. No­vember, Ecke Wandrahm-Bornstraße ermordet wurde und wir ohne Rücksicht auf die Existenz der Zeitung der Empörung unserer Parteige­nossenschaft so deutlich Ausdruck verliehen, daß der Senat uns auf 3 Wochen verbot. Der äußere Anlaß zu dem Verbot war ein Satz, zu dem wir uns heute auch noch vollauf bekennen können:

„Acht Tage diese Regierung länger bedeutet für unser Volk acht Tage Not und Elend län­ger, acht Tage Lug und Trug länger, acht Tage, in denen der letzte Lebenssaft aus dem deutschen Volkskörper länger in die Taschen der Bonzen und Nutznießer des alten Systems ungehemmt fließt, acht Tage, in denen es möglich ist, noch gründlicher die Spuren der Mißwirtschaft zu verwischen, acht Tage, in denen vielleicht noch mehr Blut in der Ter­roraktion gegen die aufrechten Kämpfer fließen kann."

Uns hat das Verbot nichts geschadet. Zum erstenmal erscheint die BNZ. in einem Umftmg