Ausgabe 
(30.6.1933) Nr. 171
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Bremen, Festtag» den 3G. 5^51933 Einzeweeis 15 Mz.

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DasArntlreke br«ZaM. des Senats Les ^rererr ^rnfestoiLt BvemsrL

Heute Auflösung -es Zentrums?—Abrüstung aus lange Sicht verschleppt

Senlnim vse der aMMna

Berlin, 29. Juni. Im Lause des Donnerstag hoben zwischen führenden Persönlichkeiten der Zsntrumspartei Beratungen über das weitere Schick­sal des Zentrums stattgefunden. Vorausgegangen sind diesen internen Beratungen in den letzten Tagen unverbindliche Besprechungen zwischen einer Reihe von Zentrumssiihrern und maßgeblichen Persönlich­keiten der Reichsregierung und der NSDAP., die sich auf die gleiche Frage bezogen. Nach der Ent­wicklung der letzten Tage, besonders nach der Auf­lösung der Deutschnationalen Front ging die all­gemeine Auffassung in der Zentrumsführcr- besprechung dahin, daß die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Zustandes schwerlich länger zu ver­antworten sei, umso weniger als die Selbstauslösung der Stadtverordnetensraktion des Berliner Zentrums und ähnliche Vorgänge im Reich bereits in die neue Richtung weisen. Beschlüsse sind am Donnerstag noch nicht gefaßt worden. In Zentrumskreisen glaubt man jedoch, aus Grund der bisherigen Fühlung­nahme mit den maßgebenden Stellen der NSDAP. zu einer ähnlichen Vereinbarung gelangen zu kön­nen, wie sie die Deutschnationale Front erzielt hat. Praktisch würde das also

die Selbstauslösung der Zentrumspartei

und das Hospitieren der Zentrumsabgeordneten im Reichstag, in den Landtagen und den Gemeinde­parlamenten bei der NSDAP. bedeuten.

Man kann annehmen, daß nach der Rückkehr des Reichskanzlers aus Neudeck sofort eine entsprechende Fühlungnahme der Zcntrumsführer mit dem Reichs­kanzler ausgenommen wird, und daß dann die end­gültigen Entscheidungen fallen.

Berlins Gia-tparlnmsnt ohne Zentrum

Berlin, 29. Juni. Die Zentrumsfraktion der Ber­liner Stadtverordnetenversammlung hat gestern abend ihre Auflösung beschlossen. Die einzelnen Stadtverordneten werden ihre Aufnahme als Hospi­tanten in die nationalsozialistische Stadtverordneten­fraktion nachsuchen.

Smdtverordneten-Zentrumsfraktion in Siegburg hospitiert bei der NSDAP.

Siegburg, 29. Juni. In der gestrigen Stadtverord­netensitzung gab der Fraktionsführer des Zentrums bekannt, daß die gesamte 13 Mitglieder starke Zen­trumsfraktion beschlossen habe, der Stadtver-rdneten- fraktion der NSDAP. als Hospitant beizutrcten.

Austritte im Rheinland.

Köln, 29. Juni. Die Stadtverordneten Dr. Burg- ib a ch e r und Richter haben ihren Austritt aus der Zentrumspartei erklärt. Sie sind der nacionalsozia- listischen Rathausfraktion als Hospitanten Lei- getreten.

Katholisches Veeeiusvermsgeu

Die Nachfolger Hugenbergs ernannt

Ludwigshafen, 29. Juni. Auf Anordnung der Regierung wurden gestern abend in zahlreichen Ortschaften der Pfalz die Vereinsvermögen der katholischen Vereine durch Polizei- oder Gen­darmeriebeamte beschlagnahmt.

In Ludivigshascn wurden die Vermögen der Ver­eine sämtlicher acht Pfarreien, ferner die Vermögen der Vereine in Landau, Oggersheim und Rheingön- heim beschlagnahmt.

Va. Hetz nimmt an Kabmetts- sitzmraen seil

Berlin, 29. Juni. Die Rcichsprcssestelle der NSDAP teilt mit: Durch KabinetLs- beschluß wurde bestimmt, daß der Stellver­treter des Führers der NSDAP, Hetz, künf­tig mi den Kabinettsitzungen und Minister- raten der Reichsregierung teilnimmt.

Der FWser greift Lurch

wtb. Berlin, 29. Juni. Wie die Pressestelle der NSDAP. mitteilt, haben die ehemaligen Partei­genossen, Hauptmann a.D. Cordemann, Haupt­mann a. D. von Marmitz, Hauptmann a. D. Wols und Hauptmann a. D. Dr. Z u ck e r, sämtlich in Berlin, durch telegraphische und telephonische Ein­wirkung über Gauleiter, Handelskammern, Wirt­schaftsunternehmungen usw. versucht, dem Führer die Freiheit notwendiger Entschließungen zu rauben. Sie such aus Anordnung des Führers sofort ihrer Aemter enthoben und aus der Partei ausgeschlossen worden. Aus Befehl des Reichskanzlers wurden sie in Hast genommen und in ein Konzentrationslager eingeliefert.

Wtb. Neudeck, 2S. Juni. Reichspräsident von Hindcnburg hat auf Vorschlag des Reichskanzlers dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft und Reichswirt­schaftsminister Hugenberg die erbetene Entlassung aus seinen Aemtern erteilt und den Generaldirektor der Allianz-Versichcrungs A.-G. Dr. Sch mitt zum Reichswirt'chafts minister sowie das Mitglied des Reichstag s Pg. Walter Darrs zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft ernannr.

Der Herr Reichspräsident hat ferner oen Staatssekretär im Reichswirtschafts­ministerium Dr. Bang einstweilen in den Ruhestand versetzt und zum Staatssekretär im Reichswirtschastsministerium das Mitglied des Reichstages Diplomingenieur Dr. Gottfried Feder ernannt.

Darrs wurde am 14. Juli 1895 in Bel- grano in Argentinien geboren. Er studierte Landwirtschaft und erwarb landwirtschaft­liche Praxis in Oberbayern, Hessen und Oldenburg. In den Jahren 1828 bis 29 war er der Deutschen Gesandtschaft in Riga zur Wahrung ostpreußischer landwirtschastl. Belange zugeteilt und wurde dann Haupt­schriftleiter der „Nationalsozialistischen Land­post" und Herausgeber der Monatszeitschrift „Deutsche Agrarpolitik"- Im März 1933 Wurde Darrs von der großen Mehrheit der Bauernschaft aller Landesteile Deutschlands als Führer der neuen Bauernfront ernannt und dann auch Anfang April 1933 von der Reichsfnhrergemeinschaft des Deutschen

cnb. Berlin, 29. Juni. Die Ernennung der neuen Reichsminister war an sich bereits gestern vorbereitet. Es mußte nur noch dre Vollziehung der Ernennung durch den Herrn Reichspräsidenten erfolgen. Dazu War die Reise des Kanzlers nach Neudeck notwendig Sie diente bekanntlich auch der Aussprache, die jetzt durch die Auflösung der neben der NSDAP. noch vorhandenen Parteien ge­schaffen worden ist. Auch die Frage der Aus­lösung der Zentrumspartei dürste eine Rolle dabei gespielt haben. In dem amtlichen Kommunique über die Ernennung der neuen Minister, von denen Pg. Darre schon vor Monaten als kommender Neichsernäh- rungsminister galt, ist besonders darauf zu achten, daß die Entlassung des Reichs- ministers für Ernährung und Landwirtschaft und des Reichswirtschaftsministers Dr. Hugenberg aus seinen Aemtern auf Vor­schlag des Reichskanzlers erfolgt ist. Damit ist jener Legendenbildung ein Ende bereitet, die immer geflissentlich das Gerücht ver­breitete, als sei Adolf Hitler derjenige, der unter allen Umständen bestrebt sei, Reichs­minister Dr. Hugenberg im Amte zu halten. Derartige Gerüchte waren nach der Rücktritts- Erklärung des Reichsministers Hugenberg aufgetaucht, weil die erbetene Entlassung ihm erst zwei Tage nach seinem Rücktritt erteilt worden ist.

Der Reichsernährungsminister W. Darr- wird in seinem Amt sicherlich einen völlig neuen Kurs einschlagen, insbesondere plant er eine erhebliche stärkere Förderung der bäuerlichen Siedlung und eine umfangreiche Entschuldung des bäuerlichen Besitzes Da­gegen ist er ein Gegner der Entschuldung großer Latifundien, die er zur Siedlung frei­gegeben wissen will.

wtb. Berlin, 29. Juni. Zu der Ernennung der neuen Reichsminister verlautet noch von amtlicher preußischer Seite, daß der preußische Ministerpräsident Hermann Goering, dem ja vom Reichskanzler die Funktionen des Reichsstatthalters größtenteils übertragen worden sind, den Reichsernährungsminister Pg. Walter Darre auch zum preußischen Mi­nister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten und den Reichswirtschastsminister Dr Kurt Schmitt auch zum preuß. Minister für Wirtschaft und Arbeit ernannt hat.

Es verlautet noch weiter, daß der Staats­sekretär im Reichsernährungsministerium, von Rohr-Demmin, vorläufig im Amte bleiben wird.

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Richard Walter Darre Das Amt des Reichsministers für Er­nährung und Landwirtschaft hat nunmehr eine der einflußreichsten und aktivsten Per­sönlichkeiten des neuen Deutschlands über­nommen, hinter der das uneingeschränkte Ver­trauen des gesamten Bauernstandes steht: Richard Walter Darrs.

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Bauernstandes einstimmig zu ihrem Leiter ausgerufen. Der Gesamtausschnß des Retchs- verbandes landwirtschaftlicher Genossenschaf­ten wählte Darrs ebenfalls einstimmig zum Präsidenten. Schließlich übertrug auch der Deutsche Landwirtschaftsrat im Mai Darre die Präsidentenschaft. Auch im Deutschen Landhandelsbund hatte Darre das Präsidium inne.

Dr. Kurt Schmitt

Kurt Schmitt wurde am 7. Oktober 1886 in Heidelberg geboren. Er studierte Juris­prudenz und promovierte zum Doktor juris. Er wandte sich dem Versicherungsfach zu und brachte es schon in jungen Jahren zum Gene­raldirektor der Allianz.

Als diese Gesellschaft mit dem Stuttgarter Verein unter der Firma Allianz und Stutt­garter Verein, Bersicherungs-A.-G., fusio­nierte, wurde er der Generaldirektor dieser Gesellschaft. Er ist Mitglied der Jndustrie- und Handelskammer Berlin und war bis 1928 Mitglied des Vorläufigen Reichswird- schaftsrates. Seiner außerordentlichen Fähig­keiten wegen wurde er auch als Aufsichtsvat in beinahe alle führenden Versicherungsfir­men Deutschlands berufen. Schmidts schnelles Eingreifen für die Verbindlichkeiten der in Schwierigkeiten geratenen Frankfurter All­gemeine Verslcherungs-A.-G. wurde allge­mein bewundert und anerkannt.

Seit längerer Zeit gehört Dr. Schmitt zu den wenigen Wirtschaftsführern, die sich zum Nationalsozialismus bekannt haben.

Gottfried Feder

Gottfried Feder wurde am 27. Januar 1883 in Würzburg geboren. Nach Absolvi-erung des Humanistischen Gymnasiums studierte er in München, Charlottenburg und Zürich und legte 1905 daS Diplomexamen als Bau­ingenieur ab. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Konstruktionsingenieur bei einer Etsen- betonfirma machte er sich im Jahre 1908

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Gottfried Feder

selbständig und legte dabei eine weit aus­greifende Unternehmertätigkeit im In- und Ausland an den Tag, speziell in Bulgarien, wo die Mehrzahl der größeren Staatsbauten von ihm projektiert und ausgeführt wurde. Fm Jahre 1917: widmete er sich eingehend Studien finanzpolitischer und volkspolmscher Art und gründete bald darauf den Deutschen Kampfbund zur Brechung der Zinsknecht­schaft. In ausgedehnten Vortvagsreisen und in vielen. Broschüren und Büchern trug Feder seine Ideen in das Volk hinein, wodurch Mols Hitler ihn kennenlernte. Von dieser Zeit ab sind Hitler und Feder stark verbun­den. Feder schrieb bald darauf das für die Nationalsozialistische Partei grundlegende Werk „Der deutsche Staat". Nach dem No­vemberputsch 1923 mußte Feder auf längere Zeit nach der Tschechoslowakei in die politische Verbannung gehen. Nach der Freilassung Hitlers organisierte Feder intensiv eine rege Versammlungstätigkeit für die NSDAP. und erhielt daneben das Amt als Vorsitzender des Wirtchastsbetrates und die Leitung der Ingenieurtechnischen Abteilung übertrage::. Nach der nationalsozialistischen Revolution wurde Feder zum Vorsitzenden des Reichs­bundes der Deutschen Techniker ernannt, eine Organisation, die über eine Million Mit­glieder ausweist.

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Millionen-Unterschlagung aufgedeckt Mb. Berlin, 29. Jum. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurde heute vormittag «ine umfangreiche Aktion durch die Kriminalpolizei durchgeführt, an der über 100 Krimmalbeamte be­teiligt waren, und die zur Verhaftung des zurzeit beurlaubten Geschäftsführers der Wohnungsfürsor- ge-Gesellschaft,

Magistratsüaurat Dr. Schallcnberger, und des früheren SPD.-Neichstnuztcrs Bauer,

sowie zur Beschlagnahme von Büchern bei über 30 gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften und Bau- strmen führte. Die Mtion wurde wegen des drin­genden Verdachtes der- Veruntreuung von für Wohnungsbauten bestimmten Hauszinsstenernntteln durchgeführt. Es besteht der dringende Verdacht, daß Schallcnberger entgegen den Interessen der Stadt zahlreiche Grundstücksgesellschaften zum Nach­teil der Stadt absichtlich erheblich begünstigt und hierfür in sehr erheblichem Umfange Scheck­gelder erhalten hat.

Der frühere SPD.-Reichskanzler Bauer soll die Wohnungssiirsorgegesellschast durch Vorlage sal- scher Unterlagen getäuscht haben, um höhere Haus-

wtb. Mwricnburg, 29. Juni. Reichskanzler Hitler traf heute nachmittag. 3.45 Uhr auf dem Flugplatz Königsdors bei Marienburg ein, wohin auf das Bekanntwerden der Nach­richt von dem bevorstehenden plötzlichen Kanz- lerbesnch die Bevölkerung zu Futz und aus Fahrzeugen aller Art hinaus gepilgert war. Nach Abschreiten der auf dem Flugplatz an­getretenen SA- und SS-Abordnungen nahm der Kanzler aus den Händen des Töchterchens des ersten Bürgermeisters Mahr einen Edel­weißstrauß entgegen und trat dann im Kraft- wagen die Fahrt nach Schloß Neudeck an, wo er um 17.30 Uhr eintraf.

Reichskanzler Adolf Hitler ist heute nach- mrttag 5.30 Uhr im Kraftwagen vom Flug­platz Marienburg kommend in Neudeck ein­getroffen. Er wurdx von dem Herrn Reichs­präsidenten vor dem Portal des Hauses Nen- deck herzlich begrüßt.

Anschließend folgte eine etwa zweistündige Besprechung des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers über die gesamte politische Lage. Der Reichskanzler bleibt als Gast des Rerchspräsidenten in Neudeck.

zinsstcucrhypotheken zu erhalten. Durch betrüge­rische Manipulationen soll es der Gesellschaft ge­lungen sein, nicht nur Schulden in Höhe von 79 090 RM. abzudecken, sondern noch darüber hinaus Ueberschüsse von über Millionen zu er­zielen. Der Schaden, der der öffentliche» Hand durch diese Korruptiansangclegcnheit entstanden ist, geht in viele Millionen, und läßt sich zurzeit nicht voll übersehen.

Frühere SPD.-Landräte in Schlesien verhaftet

wtb. Breslau, 29. Juni. Der ehemalige Landrat in'Strehlen (Schlesien),s Weese, und der ehemalige

Spendet AsbeM

Staatssekretär Reinhardt im Rundfunk.

Berlin, 29. Juni. Der Staatssekretär im Reichs» finanzministerium, Fritz Reinhardt, richtete heute durch Rundfunk an alle Volksgenossen und Volksgenossinnen den folgenden Aufruf:

Die Reichsregierung der nationalsozialistischen Re­volution ruft alle Volksgenossen und Volksgenosfin- nen auf, freiwillige Spenden zur Förderung der nationalen Arbeit zu leisten. Die Spende kann in bar, durch Zahlkarte, Postschecküberwetsung oder Banküberweisung geleistet werden. Für die Ent­gegennahme der Spende ist das Finanzamt zu­ständig. Der Spender muß also den Spendenbetrag bet der Kaste des Finanzamtes einzahlen oder durch Zahlkarte, Postschecküberweisung oder Banküberwei­sung aus das Postscheckkonto des Finanzamtes über­weisen.

Arbeiter und Angestellte können ihren Arbeitgeber bitten, bei der nächsten Lohn- oder Gehaltszahlung einen bestimmten Betrag einznbehalten und für sie als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit an das Finanzamt abzuführen.

Die nächste Gehaltszahlung fällt bei den meisten Angestellten und Beamten auf den morgigen 3V. Juni. ES sollte kein Angestellter und kein Be­amter Unterlasten, morgen vormittag sofort zu ver­anlassen, daß von seinem Gehalt ein bestimmter Be­trag als freiwillige Spende einbchalten und für ihn an daS Finanzamt abgeführt wird. Wo die Berücksichtigung dieses Wunsches aus technischen Gründen nicht mehr möglich sein sollte, ist es Sache des Angestellten oder Beamten, den Spendenbetrag durch Zahlkarte, Postschecküberweisung oder Bank­überweisung noch am 30. Juni dem Konto des Finanzamtes zuzuleiten.

Es sollte auch kein Arbeiter, der morgen oder übermorgen seine nächste Lohnzahlung erhält, unter« lasten, morgen vormittag seinen Arbeitgeber zu bit­ten, von der Lohnzahlung einen bestimmten Betrag einzubehalten und als freiwillige Spende zur För­dern:^ der nationalen Arbeit für ihn an das Finanz­amt weiterzuleiten.

Me Volksgenosten und Volksgenossinnen, die nicht in einem Arbeitnehmerverhältnis stehen, sondern Unternehmer, Angehörige eines freien Berufes oder Rentner find, überweisen, soweit es noch nicht ge­schehen ist, einen Betrag als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit heute oder morgen auf das Konto des Finanzamtes.

Die Reichsregierung der nationalsozialistischen Re­volution erwartet, daß alle deutschen Männer und Frauen den Begriff der Volksgemeinschaft erfassen. Wer sich zur Deutschen Volksgemeinschaft bekennt, der muß bereit sein, von seinem Einkommen frei­willig einen Betrag zur Förderung der nationalen Arbeit zu spenden.

Die Spende wird verwendet zur Beschasfung von Arbeit sür solch« Volksgenosten, die bereits seit Jah­ren ohne Arbeit und ohne Einkommen sind. Ein Mindcftbetrag ist nicht vorgeschrieben. Auch der kleinste Betrag, der als freiwillige Spende zur För­derung der nationalen Arbeit gegeben wird, bildet einen Teil der Hilfe zur Verminderung der Arbeits­losigkeit und damit des sozialen Elends.

Volksgenossen und Bolksgenossinnen, spendet, spen­det alle, spendet sofort!

Landrat Gärtig aus Suhl sind hier in politische Schutzhaft genommen und im hiesigen Konzentra­tionslager untergebracht worden. Beide waren führende Mitglieder der SPD. -

Behebung des MUände in A sOe und VsR

Berlin, 2g. Juni. Der Bevollmächtigte des Reichs­kanzlers sür die Angelegenheiten der Evangelischen Kirche, Wehrkreispfarrer Müller, gibt folgende „Verfügung zur Behebung der Notstände in Kirche und Volk" bekannt:

1. Die deutschen evangelischen Kirchen sind in einen Notstand geraten. Die unbedingt notwendige Einheit von Volk und Kirche ist in Gefahr.

2. Dieser Notstand erfordert außerordentliche Maß­nahmen. Im Einvernehmen mit dem Herrn Staats­kommissar sür die evangelischen Landeskirchen Preußens übernehme ich daher um der Kirche und des Evangeliums willen als Bevollmächtigter des Herr,, Reichskanzlers die Leitung des Evangelischen Kirchenbundes.

3. Ich übernehme insbesondere den Vorsitz im Kirchenbundesrat, dtt Befugnisse des Kirchentages, des Kirchenausschuffes und seiner Unterausschüsse.

Mit Gottvcrtraucn und in: Bewußtsein meiner Verantwortung vor Gott und unseren: Volke gehe ich aus Werk, gehorsam der Wahrheit des reinen und lauteren Evangeliums Jesu Christi.

In Verfolg der vorstehenden Verfügung beurlaube ich mit sofortiger Wirkung den Bundesdirektor dee Kirchenbundesamtes, D. Hosemann. Mit der weiteren Durchführung der Verfügung zur Ueber­nahme der Geschäfte des Kirchenbundes« mtes beauf­trage ich Herrn Admiral Mensel.