Ausgabe 
(27.6.1933) Nr. 168
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 168 . Jahrgang 1S33

Bremen. Dienstag, den 27. Juni IMS Einzelpreis 15 Vig.

Verlag. Schristleitung und Geschäftsstelle: Papenstraße 15. Speech- stunden der Schrtftlettung: Montag bis Freitag 18 bis 19 Uhr Fernsprecher: Domsheide 26051. - Die BNZ erscheint täglich morgens, nur am Montag mittags, und kostet monatlich 2.30 frei Haus. durch die Post zuzüglich 63 ^ Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten.

Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene mm-Zeile Läl 0.10, auswärts 0.12; im Texttetl PLX 0.50, auswärts Kl 0.70; Stellengesuche und Familienanzeigen 0.06; sonstige kleine Anzeigen LF 00.8. Plal- vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Ver­bot u.s. w. hat der Bezieher keinen Anspruch ant Rückzahlung des Bezugspreises.

Bekenntnis

StaateS!

SenalsvräWenl Vg. Dr. Markert vor der bremische« A rb e i te r schaft See Arbeiter im WirtschaftSneobm» des Dritten Reiches

Vor einer von der Führung der NSBO. einberufenen Versammlung der alten und neuen Funktionäre der Gemerkschaftsbewe- gung sprach am gestrigen Abend der Präsi­dent des Senats Pg. Dr. Markert in seiner Eigenschaft als Treuhänder der Arbeit für unseren Wirtschastsbezirk. Die Wandel­halle des Wilhelm-Decker-Hauses war schon lange vor Beginn der Versammlung bis auf den letzten Platz besetzt. Weit über 800 Ar. bester, die Funktionärftellung bekleiden, wa­ren erschienen, um die Ausführungen unseres Pg. Dr. Markert anzuhören. Ihnen allen war es eine Genugtuung, daß der neuer­nannte Treuhänder zuerst im Kreise der Ar­beiterschaft über seine Ausgaben sprechen wollte. Dem grundlegenden Referat, das auch die breiteste Öffentlichkeit interessieren wird, sind nachstehende Ausführungen entnommen.

^Wenn man die Ausgaben der Arbeiterschaft in unserem neuen Staate voll verstehen will, dann Muß man," so begann Dr. Markert, „sich in einem geschichtlichen Rückblick erst einmal vor Augen halten, was in den letzten Jahrzehnten gewesen ist, und was der Nationalsozialismus im Gegensatz dazu durchführen will. Die Struktur unserer Wirt­schaft hat gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine entscheidende Wandlung erfahren.

Mit der Erfindung der Maschine änderte sich der soziale Aufbau unseres Volkes. Hatte bis dahin neben der landwirtschaftlichen Produktion eigentlich nur noch der Handel und der Handwerksbetrieb be­standen, so kam man jetzt mit der Ersetzung der menschlichen Arbeitskraft durch Maschinenarbeit zu einer ungeheuren Produktionssteigerung.

Gleichzeitig kamen mit der französischen Re­volution falschverstandene Freiheitsidcale in das Volk, die in der Wirtschaft zur uneinge­schränkten Freiheit des Unternehmers wurden.

Eine soziale Umschichtung erfolgte, der Lohn re­gelte sich nach Angebot und Nachfrage. Mit dem steigenden Angebot von Arbeitskräften wurden die Lebensbedingungen immer schlechter, Frauen- und Kinderarbeit kamen dazu.

In diese Zeit aber fällt schon die Geburtsstunde der Gegenbewcgung, die Arbeiterschaft organisierte sich, sie schloß sich im gewerkschaftlichen Gedanken als Schutzbewegung zusammen. Diese Bewegung

hatte ursprünglich nichts mit der marxistischen Lehre, die erst später hinzutrat, gemein, auch bis in die jüngste Zeit haben Gewerkschaften und Mar­xismus, wenü sie auch oft in Personalunion mit­einander verquickt waren, nicht immer überein­gestimmt. Die marxistische Lehre erklärte, daß die Gesamtheit den Besitz übernehmen müsse, ihre radi­kalen Thesen: — Jeder Unternehmer ist ein Ver­brecher; Eigentum ist Diebstahl; Zerstörung der Familie — waren falsch, weil sie nicht auf die wirk­lichen Ursachen der Verelendung der Arbeiterschaft zurückgingen. Sehr bald schon merkte man, daß das jüdische System der marxistischen Lehre der Wirklichkeit nicht entsprach.

Denn als 1918 der Marxismus in Deutschland die Macht antrat, da geschah erst das, was er angeblich verhindern und bekämpfen wollte:

Groß-Konzerne und Großbanken entstanden in einem bisher noch nicht bekannten Matze.

Ganz anders ist es bei uns. Während der Mar­xismus um seiner Ziele willen den Klassenkampf- gedänken Predigte, werden wir nicht vom Haß, sondern von unserem Idealismus und unserem Glauben an unser Volk getrieben. Für den Mar­xismus war ein hoher Stundenlohn eine Prestige­angelegenheit; ihm war es gleichgültig, wenn durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit das Elend des Arbeiters letzten Endes nur größer wurde.

Der Nationalsozialismus treibt eine Jahreslohn­politik, er will, daß der Arbeiter einen auS. kömmlich.n Lohn und ein sicheres Brot für sein Leben hat.

Die Jahre von 1918 bis 1933 brachten den völligen Zusammenbrach, weil ein organischer Unterbau fehlte. Wenn die nationalsozialistische Revolution heute gegen den Marxismus vorgeht, dann will sie nicht etwa ein Sozialisten-Gesetz Wsmarck'scher Prägung,

sondern unser Wille ist die völlige Zerstörung der SVV.

Wenn wir aber etwas zerstören, dann müssen wir auch in der Lage sein, etwas Besseres an seine Stelle zu setzen. Das kann und soll der Arbeiter von uns fordern. (Beifall)

Einer der Grundpfeiler der marxistischen Lehre war der internationale Gedanke, aber nie ist dabei etwas Entscheidendes zustande gekommen. Der Nationalsozialismus vertritt die Ansicht, daß ein Volk nur sich selbst helfen kann. Wie aber kann uns geholfen werden, wie können wir den Millio­nen von Arbeitslosen wieder Arbeit und Brot geben? Dieses Problem scheiterte früher an der Finanzierungsfrage. Die Ansicht der national­sozialistischen Regierung aber ist, daß es viel we­niger auf das Geld ankommt, als darauf, daß wir alle Energie daran setzen, wieder zu arbeiten. Vor­aussetzung dafür ist eine Befriedigung der deut­schen Berufsstände, um diejenigen Energien freizu­machen für die gemeinsame Arbeit, die früher aus den gegenseitigen Klassenkampf verwandt wurde.

Gegensätze müssen ausgeglichen werden, denn der Nationalsozialismus kennt keine verschiede­nen Klassen, Arbeiter, Angestellte und Unter­nehmer gehören zusammen, sie alle haben gemeinsam für die Produktion und für das Allgemeinwohl zu sorgen.

Wenn ein Unternehmen floriert, dann hat sich der Gewinn auf zwei Mnge zu verteilen: Einmal sind die Lebensbedingungen für alle am Werk Be­teiligten zu verbessern, der andere Teil des Ge­winns muß zur Kapitalneübildung und damit zur Arbeitsneubeschaffung verwandt werden.

Wir haben hier in Bremen, so betonte Pg. vr.. Markert, ein Gesetz erlassen, daß kein Betrieb, an dem der Staat in irgendeiner Form betei­ligt ist, einem Direktor oder sonstigen Ange­stellten ein höheres Gehalt bezahlen darf, als ein Staatsrat bekommt. Wir sind also im Gegensatz zur SPD. wirklich gegen die Spitzen- gehälter vorgegangen. (Starker Beifall)

Wir wissen wohl, daß sowohl marxistische Kreise, mehr noch aber Kräfte der Reaktion mit der heu­tigen Entwicklung nicht einverstanden sind und sie zu sabotieren versuchen. Aber diese Widerstände werden, wo immer sie sich auch zeigen, von uns rest­los niedergeworfen. Auf beiden Seiten mutz an­erkannt werden, daß keiner sich auf Kosten des anderen irgendwelche Vorteile verschaffen darf, Jeder muß in sich die Verpflichtung an dir Allge­meinheit trägem

Die Gesetze zur Neuordnung unseres Wirtschafts­lebens find zum Teil schon erlassen, andere werden noch durchberaten. Um der Neuordnung die Wege zu ebnen find inzwischen von der Reichsregierung die Treuhänder ber Arbeit ernannt worden. Ihnen steht das Rechi zu, bei schwebenden Streitfragen ohne Revisionsmöglichkeit sofortig« Entscheidungen treffen.

In Zukunft wird eS nicht mehr möglich und auch nicht mehr nötig sein, Streitigkeiten durch Aussperrungen oder durch Streiks aus­zukragen. Den Treuhändern sind sehr weit­gehende Befugnisse in die Hand gelegt worden, damit der ständische Ausbau in aller Ruhe durchgeführt werden kann.

Das nächste Ziel ist die Beseitigung der Arbeits­

losigkeit, jener furchtbaren Erbschaft des über­wundenen Systems. Bereits in den wenigen Wochen ist es gelungen, die Zahl unter die Füns- Milltonew-Grenze zu drücken. Aber das ist bei weitem noch kein endgültiger Erfolg, das Ziel ist die Rückkehr zu normalen Verhältnissen. Das kann allerdings nicht geschehen durch eine „Ankur­belung der Wirtschaft", wie man früher einmal dachte, denn die Wirtschaft ist nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck. Während es früher die Wirtschaft verstanden hatte, den Staat zu erobern und ihn zu ihrem Mener zu machen, ver­tritt der Nationalsozialismus die Ansicht, daß die Wirtschaft den politischen Gesetzen zu gehorchen hat.

Wir müssen, so fuhr Pg. llk. Markert fort, den Menschen wieder Arbeit geben, die Wege hierzu

Sämtliche Reichs- und Lan-tags-Abgeor-nete der bahrischen Volkspartei verhaftet

Der polWche Katholizismus ist bestrebt, die Anordnungen der ReichSregiermra zu sabotiere« Die Aktiva gegen die V.V.V.

München, 26 Juni. Der Polizeipressebericht meldet: Wie schon berichtet wurde, hat die bayerische politische Polizei vor einigen Tagen bei den Funktionären der Bayerischen Volkspartei Haussuchungen vorgenommen/ da der begründete Verdacht bestand, daß die B V. P. in engster Fühlung mit der Doll- fuß-Regierung und der Heimatwehr in Oe­sterreich stehe und daß sie für das Verbot der NSTÄlP. inOesterreich mitverantwortlich sei. Bei den Haussuchungen wurde umfang­reiches Material gefunden- Auf Grund der. Ergebnisse der vorläufig gesichteten Schriften sah sich die bayerische politische Polizei ge­nötigt, die Festnahme der Reichs- und Land­tagsabgeordneten der B. V. P. sowie wei­terer wichtiger Funktionäre in ganz Bayern anzuordnen.

Die ganze Aktion gegen den politischen Ka­tholizismus hat eindeutig den Beweis er­bracht, daß es diesen Kreisen mit ihren Be­teuerungen, sich restlos unter die nationale Regierung zu stellen und am Neuaufbau Deutschlands mitzuarbeiten, in keiner Weise ernst ist Die Untersuchung hat vielmehr ergeben, daß der politische Katholi­zismus bestrebt ist, in jeder Weise

die Anordnungen der Regierung zu sa­botieren

und ihr sogar entgegenzuarbeiten. Es steht fest, daß diese Kreise jede Gelegenheit, ins­besondere jede sich etwa ergebende politische Krise, dazu ausnutzen werden, ihre verlorene Machtstellung wiederzugewinnen. Es ist fer­ner festgestellt worden, daß Versammlungs­verbote umgangen und daß verbotene Wehr- organisationen illegal weitergeführt werden. Es werden Nachrichten durch Herausgabe il­legaler Zeitungen systematisch verbreitet wo­durch der Greuelpropaganda und der Ver­breitung unrichtiger Meldungen Tür und Tor geöffnet sind. Die Angehörigen der Bayern-

wacht werden aufgefordert, dem Stahlhelm betzutreten, nicht etwa, um diese Organisa­tion zu stärken, mit der sie sich ja ideologisch in keiner Weise verbunden fühlt, sondern um diese Organisatiton zu durchsetzen und dann als Sprungbrett für ihre politischen Macht­gelüste zu benutzen-

Unter den in München in Schutzhast ge­nommenen B. V. P.-Mitgliedern befindet sich der ehemalige Staatsrat Fritz Schaeffer der „Bayeruwacht"-tzührer von Eck, Dr. Pfeifer (Generalsekretär der B V. P.), Stimmer, Fürst Carl von Bredow, Baron von Plan egg und Dr. Hund­hammer.

Auch Prälat Leicht In Schutzhaft

Berlin, 26. Juni. Wie Berliner Abendblätter aus Bamberg melden, wurde im Rahmen der in ganz Bayern durchgeführten eingehenden Aktion gegen die Bayerische Volkspartei in den frühen Morgenstunden in Bamberg Neichstagsabgeordneter Prülat Leicht in Schutzhast genommen.

Veutschnationaler Bund des gewerblichen Mittelstandes verboten

Berlin, 28. Juni. Dir für Montag abend bei Kroll angesetzte Kundgebung des Deutschnationalen Bundes des gewerblichen Mittelstandes, auf der auch eine Rede des Reichsministers Dr. Hugrnberg vor­gesehen war, ist polizeilich verboten worden. Das Verbot erfolgte, wie an zuständiger Stelle verlautet, im Zusammenhang mit dem Verbot der deutsch, nationalen Kampfringe, deutschnationalen Betriebs­gruppen und die übrigen Organisationen, wozu auch der Deutschnationale Bund des gewerblichen Mittel­standes gehöre. Auch dieser Bund ist entgegen an­derslautenden Mitteilungen verboten worden. Ledig, lich in der Verbotszustellung war zunächst ein Irrtum unterlaufen, da sie versehentlich an den „Deutschnationalen Kampf bund des gewerblichen

Mittelstandes" gerichtet war, den es tatsächlich nicht gibt.

Stahlhelm im Kreise Leobschütz aufgelöst.

Leobfchütz, 26. Juni. Auf Veranlassung der Ge­heimen Staatspolizei ist der Stahlhelm im Kreise Leobschütz verboten worden. Gleichzeitig ist im Ein­vernehmen mit dem Beauftragten des Sonderkom» missars. Graf von Hohenau-Kreuzwald mit der Reor­ganisation des Stahlhelm im Kreise Leöbschütz be­auftragt worden, nach deren Beendigung mit einer Aufhebung des Verbotes zu rechnen ist

Früherer Ministerpräsident von Braunschweig verhaftet.

Braunschweig, 86. Juni. Im Rahmen der Reichs- aktion gegen die Sozialdemokratische Partei wurde der ehemalige braunschweigische Ministerpräsident. und frühere sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Rechtsamvalt Dr. Iasperin Schutzhast genommen.

Gegen den Mitzbrmrch des Gotteshauses

wtb. Neustadt a. d. Hardt, 26 Juni Die in Schutz­hast genommenen pfälzischen Pfarrer wurden nach einer Aussprache zwischen dem Bischof von Speyer und einem Vertreter der Gauleitung der NSDAP am Sonnabend wieder aus der Schutzhaft entlassen. Die zur Entlassung gekommenen Geistlichen haben folgende von der Gauleitung vorgelegte Erklärung unterzeichnet:

„Der Unterzeichnete verpflichtet sich hiermit, unter keinen Umständen den Versuch zu machen, das Gottes­haus zu politischen Zwecken zu mißbrauchen. Aus­drücklich erklärt und versichert er, daß er auch nicht den Versuch unternimmt, in versteckter Weise die Regierung Adolf Hitlers, bezw. deren Maßnahmen einer Kritik zu unterziehen, die einer Verächtlich­machung gleichkommt. Die Parteileitung ihrerseits übernimmt die Verantwortung, daß sie mit allen Mitteln den Priester schützen wird, wenn er sich nicht gleichzeitig herabläßt, seine Würde zu Parteizwecke» zu mißbrauchen". —

Baltische

Von unserem ständigen Berichterstatter (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Br. Memel, Mitte Juni.

Die baltischen Länder werden zurzeit in ihrer Ein­stellung zu Deutschland von den widerstrebendsten Gefühlen beherrscht. Es gibt kaum einen der maß­gebenden Politiker, sei es in Riga, Kowno oder Neval, der sich bereits über seine Einstellung zu dem Deutschland von heute klar geworden wäre.

Wie einem großen Rätsel, einem Buch mit sieben siegeln, steht man dem Wunder der nationalen Er­hebung gegenüber, und man kann es noch immer »icht fassen, daß es jetzt wieder ein großes Deutsches Reich gibt, das seinen Platz an der Sonne zu be­haupten und zu verteidigen gewillt ist.

Bon dem liberalistischen, pazifistisch verseuchtes Deutichland von früher hatte man nichts zu be­fürchten. Die Probe aufs Exempel ist oft genug ge­macht.worden. Man braucht nur an die Vorgänge in ^'.tland zu erinnern, die zur entschädigungslos^ Enteignung der deutsch-baltischen Grundbesitzer und inr Wegnahme der Rigaer Domkirche führten. Nicht anders war es in Litauen und im Memelgebiet, wo Pe ständigen litauischen Hebelgriffe gegen da» Deutschtum sich zu schärfsten Brüskierungen de, Reiches auSwuchsen. Es war zwar verschiedentlich bcn Repressivmaßnahmen die Rede, sie wurden abs. niemals durchgeführt. Als dann aus der März- revolution das neue Deutschland erstand, verbreitete pch panischer Schrecken in den baltischen Haupt

SKenftve

städten. Gerade im Baltikum war es, wo dit Greuellügen die schlimmsten Blüten trieben, und wo man die braunen Bataillone Hitlers bereits im Ar- marsch wähnte. Militärische Bündnisse wurden e» örtert und der längst aufgegebene Gedanke, einen baltischen Bund unter der Führung Warschaus zu gründen, tauchte wieder auf.

Ebenso plötzlich, wie sie gekommen, verschwanden diese Pläne dann wieder in der Versenkung, als man sah, daß auch das neue Deutschland seinen Friedenswillen bekundete und Reichskanzler Hitler in seiner großen außenpolitischen Rede aller Welt klar machte, daß das Reich eine Politik des friedlichen Ausgleiches betreiben wolle. Man hörte ordentlich das Aufatmen, das durch die baltischen Länder ging.

Als erster Baltikumstaat machte Litauen den Ver­such, die erheblich gestörten wirtschaftlichen und poli­tischen Beziehungen zu dem neuen Deutschland wie­der in Ordnung zu bringen.

Es entsagte ziemlich eindeutig dem baltischen Bund und den polnischen Lockungen, ja die Kownoer Re­gierung ging sogar soweit, die sogenannte baltische Klausel, die den Baltikumstaaten im gegenseitigen Wirtschaftsverkehr namhafte Vorteile sicherte, und die als der erste Schritt zur baltischen Wirtschaftsunion angesehen wurde, für aufgehoben -zu erklären. Nicht mit Unrecht wurde diese Tatsache als ein Erfolg des neuen Deutschlands geweitet und es schien, als ob sich allen unterirdischen Wühlereien zum Trotz auch in den anderen baltischen Ländern eine positive Ein­stellung zu Deutschland durchsetzen wollte. Umso

überraschender ist der Umschwung, der gewissermaßen über Nacht eingetreten ist.

In Lettland ist es einer marxistisch-jüdischen Orga­nisation gelungen, einen Boykott deutscher Waren zu organisieren.

Deutschland hat sich -hiergegen sofort zur Wehr ge­setzt und eine Einfuhrsperre für lettische Butter ver­hängt. Eine Maßnahme, die Lettland an seiner empfindlichsten Stelle trifft.

Fast gleichzeitig hat aber auch die litauische Regie­rung zu einem neuen Schlag gegen das Deutschtum im Memelgebiet und Litauen ausgeholt.

Es wurde ein Gesetz zur Regelung des Aufenthaltes und der Beschäftigung der Ausländer herausgegeben, das in seinen Auswirkungen zur Vertreibung taufen­der von Reichsdeutschen aus dem Memelgebiet ent­gegen den klaren Bestimmungen des memelländischen Autonomiestatuts völlig in das Belieben des litaui­schen Gouverneurs gestellt, reichsdeutsche Beamte und Angestellte der autonomen Behörden innerhalb von sechs Monaten aus ihren Aemtern zu entfernen und durch Großlitau-er zu ersetzen. Weiter können reichs­deutsche Privatangrstellte und Unternehmer ohne weiteres durch die litauischen Behörden ausgewiesen werden. Deutschland hat gegen dieses Gesetz, das einen -schweren Verstoß gegen das Memelabkommen darstellt, unverzüglich Protest erhoben.

Die Fortführung der deutsch-litauischen Verhand­lungen ist dadurch natürlich in Frage gestellt.

Es ist nicht leicht, für diese Vorgänge eine Er-, klärung zu finden. Sicher ist zum Teil auch die frühere deutsche Duldsamkeit schuld, die- sich die Her­ausforderungen der kleinen Staaten widerspruchslos gefallen ließ. Zum anderen scheinen sich die Regie­

rungen der baltischen Länder durch den National­sozialismus beunruhigt zu fühlen, der im Baltikum in den letzten Wochen ganz allgemein ungeheure Fortschritte gemacht hat. So konnte kürzlich der lettische Sozialdem-okrat Kalnin im Rigaer Parla­ment mit der Sensation aufwarten, «in lettischer Schutzmann habe den Ruf „Heil Hitler" ausgestoßen. Weiter erklärte er, die Mehrzahl der deutschen Schü­ler und Studenten sei „Mit Hitlergeist völlig ver­seucht". Im Memelgebiet hat bekanntlich die na­tionalsozialistisch eingestellte Christlich-Sozialistische Arbeitsgemeinschaft geradezu beispiellose Erfolge er­rungen und in der Stadt Memel mehr Sitz erhalten, als sie überhaupt Kandidaten aufgestellt hatte.

Die nationalsozialistische Bewegung schreitet unauf­haltsam selbst unter den Litauern fort, obwohl die litauischen Behörden ihr mit drakonischen Strafen und Verbannung entgegenzuwirken suchen.

Außerdem sind wieder die unsinnigsten Gerüchte über deutsche Einmarschpläne in das Memelgebiet in Umlauf. Es ist also eine förmliche Angstpsychose losgebrochen, die die Regierung zu geradezu selbst­mörderischen Maßnahmen verleitet, wie dies bei Lettland der Fall ist, das als Gegenmaßnahme gegen die Buttersperre die Grenze für die deutsche Ein­fuhr gesperrt hat und sich durch eine derartige Ueber- spitzung des Konflikts selbst am meisten schädigt.

Und ebenso hat sich Litauen durch seinen erneut zutage getretenen Deutschenhaß die Aussichten aus bessere Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland ver­scherzt, was sicher bei der immer schärfer zutage tre­tenden Absatzstockung zu einer Katastrophe für die litauische Landwirtschaft führen muß.

Deutschland kann der Entwicklung der Dinge zu­

nächst mit Ruhe entgegensehen. Es hat gewiß die besten Absichten gehabt, mit den baltischen Ländern zu einem guten Einvernehmen zu gelangen. Jetzt heißt es fest bleiben und alle Angriffe gegen das Deutschtum abwehren. Aus einem groben Klotz gehört ein grober Keil! Wenn sich die deutsche Außenpolitik dieses Wort in Zukunft zur Richtschnur ihres Handelns nimmt, dann wird dieser Kampf, der früher oder später einmal kom­men mußt«, doch schließlich Deutschland als Sieger sehen.

Er glaubt es selbst nicht

Daß allzu gutes Spiel eine Vorstellung umwerfen könnte, sollte man nicht glauben, und doch ist das schon geschehen. „Macbeth" wird gegeben. Die schauerliche Stelle kommt, wo dem Helden gemeldet wird, daß sich die Wälder von Burnham auf das Schloß zu bewegen. Der Ilnglücksbote, ein junger Anfänger, ist stolz, daß er seine Worte zu rechter Zeit und, wie er glaubte feststellen zu können, auch mit der gewünschten Wirkung angebracht hat. Aber wi^ erschrak er. „Lügner! Schurke!" fuhr ihn der Darsteller des Macbeth, der berühmte englische Schauspieler Mocready, mit den vorgeschriebenen Worten in so überzeugender Wut an, daß dem Jüngling die Knie zu schlottern begannen. Er fiel im wahrsten Sinne des Wortes aus der Rolle. Bleich vor Schreck und Angst hub er an zu stottern: „Herr Macready, ich glaube es ja selber nicht, aber der Herr Direktor hat doch gesagt, ich sollte es Ihnen bestellen." Mit der Stimmung des Publikums wax es für den Rest des Abends vorbei.