Ar. 1«7. Jahrgang 1S3S
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Vremen. Montag, den 26. Juni 1933 Einzelpreis 15 Via.
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Das NrnMode Oraarr des Sorrals der Trererr Bremern
9aS heutiae Deutschland -er bette FriedenSgarant
KommuniMkcher Mordversuch an SA-Mann
Hindenburg, 25. Juni. In der Nacht mm Sonntag verübten drei Kommunisten an dem SA.-Mann Wilhelm Reetz aus Hindenburg einen Mordversuch. Reetz befand sich auf dem Heimweg. Die Kommunisten hielten ihn unterwegs an und riefen ihm zu: „Rotfront!" Als Reetz mit dem Rufe: „Heil Hitler!" erwiderte, feuerte ohne jeden weiteren Wortwechsel einer der Burschen aus kürzester Entfernung aus einer Pistole größeren Kalibers einen Schutz auf ihn ab. Der SA.-Mann erlitt eine erhebliche Schutzverletzung am linken Unterarm. Darauf ergriffen die Banditen die Flucht. Reetz wurde ins Krankenhaus gebracht. Die Fahndung nach den Tätern wurde sofort nachdrücklichst ausgenommen.
Vomberrexplosioa A der Vetees- liechs
Vier Verletzte, aber kein Sachschaden
Rom, 25. Juni. Am Sonntag, wenige Minuten nach 12 Uhr, als sich gerade eine ziemlich große Besucherzahl in der Peterskirche befand, erfolgte plötzlich in der Vorhalle der Kirche eine laute Detonation. Als der erste Schrecken vorbei war, konnte festgestellt werden, daß eine kleine Bomb«, mit einem Zeitzünder versehen, explodiert war, und zwar an der Stelle der Vorhalle, wo die Gegenstände, die die Besucher nicht in die Kirche mitnehmen dürfen, aufbewahrt werden. Offenbar hat ein Geistesgestörter oder ein Kommunist die Bombe dort abgegeben.
Es stellte sich heraus, daß die Zahl der Verwundeten nicht so groß war, wie man zunächst befürchtete. Vier Personen haben Schaden erlitten, darunter ein Ingenieur aus Pisa stärkere Verletzungen. Am Gebäude selbst ist nicht der geringste Schaden angerichtet worden. Auch die Wände der Vorhalle haben nicht gelitten.
Seines überwacht Neuordnung beim VommerWen EtahHeSm
Berlin, 26. Juni. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Preußische Ministerpräsident Goering an Polizeiprädent Heines, zur Zeit Stettin, folgendes Telegramm gerichtet:
„Ich beauftrage Sie hiermit, bis auf weiteres in Pommern zu bleiben und als mein Sonderbeauftragter die ganze Organisation des dortigen Stahlhelm gemäß den Anordnungen des Bundesführers, Minister Seldte, und des Stabschefs, Staatssekretär Roehm, in meinem Auftrage und in Ihrer Eigenschaft als Polizeipräsident zu überwachen und durchzuführen. Ich erwarte, daß Sie diesen Auftrag mit ebenso viel Takt wie auch, wenn notwendig, mit rücksichtsloser Energie, ausführen werden. Mitteilungen an mich unmittelbar. Zur Durchführung dieses Auftrages unterstelle ich Ihnen die gesamten Polizeimittel Pommerns. Der Oberpräsident von Pommern ist verständigt."
Schweres Erdbeben mrf Smr»-iea
Bisher 67 Todesopfer
Amsterdam, 27. Juni. Der Süden des Bezirks Benkölen aus Sumatra ist am Sonntag von einem hestigen Erdbeben heimgesucht worden. Bisher sind 67 Todesopfer gemeldet.
Ein Interview Dr. Goebbels
Paris, 26. Juni. Das „Petit Journal" veröffentlicht am Montag eine Unterredung seines Berliner Sonderberichterstatters Andre Waltz mit dem Reichsminister Dr. Goebbels. Auf die Frage des Berichterstatters, ob es im Falle einer Uebernahme der österreichischen Regierung durch die Nationalsozialisten zwischen Deutschland und Oesterreich noch einen Unterschied in der Führung geben, und ob man dann noch von zwei getrennten Ländern sprechen könnte, antwortete der Minister, daß es sehr Wohl zwei getrennte Länder geben könnte, in denen trotzdem die gleichen Parteien am Ruder seien. Sicherlich könne es an der Spitze der nationalsozialistischen Bewegung immer nur einen Führer geben. Die Unabhängigkeit Oesterreichs würde aber nichtsdestoweniger geachtet werden. In diesem Falle würde keine Rede von Gleichschaltung sein.
Dr. Goebbels kam sodann auf Frankreich und die Beziehungen der beiden Länder zueinander zu sprechen. Auf die Frage des Berichterstatters, ob er glaube, daß ohne die französische Revolution eine Bewegung wie die nationalsozialistische überhaupt möglich gewesen wäre, erwiderte Dri Goebbels, daß diese Bewegung nicht nur der französischen Revolution, sondern vor allem dem Weltkriege und den Ereignissen von 1918 zu verdanken sei. Er begrüße die französische Revolution für alle die neuen Lebensmöglichkeiten und Entwicklungen, die sie dem Volke gebracht habe. In diesem Sinne könne man vielleicht sogar behaupten, daß er Demokrat sei. Er bekämpfe hingegen den Mißbrauch, der mit der Demo-
Dr. Goeddels an die
Wiederschrnsseier der alten Parteigarde in Spandau
Berlin, 26. Juni. Die große Wiedersehensfeier der alten Parteigarde in Spandau am Sonntag war ein gewaltiges Ereignis für diese nationalsozialistische Hochburg. Die Stadt war in ein Meer von Fahnen getaucht. Auch die öffentlichen Gebäude zeigten die Nationalflaggen. Die alte Garde und der Traditionssturm sowie Abordnungen der Reichswehr und der Polizei traten vormittags vom Marktplatz aus einen gemeinsamen Kirchgang nach der Garni- sonkirche an, in der Standortspfarrer Schütz im Rahmen einer mit dem Gottesdienst verbundenen Heldengedenkfeier die Predigt hielt. Während des Glockengeläutes wurde am Ehrenmal auf dem Friedhof durch eine SA.-Abordnung ein Kranz niedergelegt.
Um 14 Uhr trat dann mit klingendem Spiel die alte Garde zusammen mit dem Sturmbann 14 vom Rathaus aus einen Festmarsch durch die Stadt an, bejubelt von dem Masten, die die Straßen dicht umsäumten.
Eine berechtigte Siegesfreude leuchtete in den Augen der ersten Kämpfer um ein deutsches Berlin. Mit der SA. und der zivilen Parteigenossenschast schritten zahlreiche Teilnehmer an den Kämpfen im Baltikum und in Obcrschlesien sowie Angehörige der ehemaligen Schwarzen Reichswehr und des Frontbannes.
Neben Staatskommissar und SS.-Führer Daluege sah man in dem Zuge auch Staatskommistar Engel, Prinz August Wilhelm von Preußen und viele andere Führer der Bewegung. Der Marsch führte wieder
kratie getrieben werde, von dem sich ganz Europa und auch das demokratische Frankreich sicherlich Rechenschaft abgelegt haben.
Angesichts der bestehenden Schwierigkeiten mache sich die Notwendigkeit einer autoritären und entschlossenen Regierung in der ganzen Welt bemerkbar.
„Die französische Öffentlichkeit", so sagte Dr. Goebbels wörtlich, „hat keinen Grund, über unsere Absichten beunruhigt zu sein. Es hat neimals eine Regierung gegeben, die so, wie die unsrige, mit dem Frieden verbunden ist. Dies geht awch bereits aus den Erklärungen des Reichskanzlers hervor. Es steht außer Zweifel, daß unsere Regierung Frankreich mehr Garantie der Stabilität bietet, als jede andere, und gerade weil sie Sinn sür Wirklichkeiten hat,
sind wir nicht geneigt, alles zu unterzeichnen. Wenn wir aber einmal ein Abkommen unterzeichnet haben, dann sind wir auch fest entschlossen, es zu halten."
Die letzten 14 Jahre seien ein trauriges Kapitel in der Geschichte gewesen. Die früheren Reichsregierungen hätten Verpflichtungen übernommen, die nie erfüllt werden könnten. Das Ergebnis feien die dauernden Meinungsverschiedenheiten gewesen, die die ganze internationale Atmosphäre vergiftet hätten.
Nur wahrhaft nationale und entschlossene Regierungen könnten einen wahren Frieden gründen.
Als dann der Berichterstatter auf die nationale Erziehung der deutschen Jugend zu sprechen kam, erklärte Dr. Goebbels, Frankreich habe keinerlei Veranlassung, sich darüber beunruhigt zu zeigen, denn die deutsche Jugend sei abgerüstet, während Frankreich seine Kanonen behalten habe.
alters Garde"
Neulinge der Partei
zum Rathausplatz zurück. Hier erfolgte dann die feierliche Uebergabe des Feldzeichens und die Erhebung des S.-Sturmbannes 14 zur Standarte.
Ein Sieg-Heil auf Deutschland und seinen Führer Adolf Hitler und das Horst-Wessel-Lied schloffen die Feier.
Berlin, 25. Juni. Auf der großen Wiedersehens- feier der alten Garde der NSDAP. am Sonntag abend in Spandau hielt Reichsminister Dr. Goebbels eine Ansprache an die alten Mitkämpfer. Der Minister, der schon bei seiner Anfahrt in der Stadt überall mit unbeschreiblichem Jubel empfangen worden war, hielt diese Ansprache in demselben Saal, in dem er 1927 zum ersten Male in einer Versammlung in Berlin gesprochen hatte. Unter stürmischem Beifall erinnerte er an die Ereignisse, die sich um die Person des jüdischen Polizeipräsidenten Weiß abgespielt haben, den er heute nun getrost bei dem Namen nennen könne, den man für ihn zu Recht erfunden habe: Jsidor Weiß. Minister Goebbels erinnerte an das von ihm vor einigen Wochen in Leipzig geprägte Wort: Vor dem 3V. Januar war es schwer, zu uns zu kommen; nach dem 36. Januar ist es schwer, von uns wegzubleiben. Was heute alles im Lande — so fuhr der Minister unter großer Heiterkeit fort — als Nationalsozialisten herumreist, das hat mit uns innerlich gar nichts zu tun. Man meint, man braucht sich nur ein Hakenkreuz anzustecken, dann sei man Kamerad der Hitler-Bewegung.
Kaum sind sie in der Bewegung, so fragen sie: Wo ist eigentlich die Stellung, die ich besetzen soll? Wa
rum bin ich noch nicht Regierungsrat? Will denn der neue Staat aus mich verzichten? — Das sind die, die nach dem 36. Januar kamen und die unsere alte Garde sofort mit dem treffenden Ausdruck belegt hat: März-Gefallene. Es wär« noch bester gesagt: die März-Gcstolperten. Aber wenn einer schon 1926-27 zu uns kam, war er bestimmt Idealist. Denn wenn er nach einer Stelle gefragt hätte, die er haben wollte, hätten wir ihm wohl gesagt: am Alexanderplatz! (Stürmische Heiterkeit.) Deshalb habt Ihr ein Recht darauf, stolz zu sein, daß Ihr zur alten Parteigarde gehört.
Wie oft haben wir in Berlin an offenen Gräbern gestanden, unsere Wut, unseren Haß und unseren Zorn in die Luft hineingeschrien. Da wundert man sich heute, wenn wir radikal geworden sind und keinen Pardon kennen. Nein,
wir sind noch viel zu wenig radikal! (Minutenlanger Beifall.)
Es darf außer uns überhaupt keine Partei und keine Organisation mehr geben. Was wollen denn die Parteien? Wozu haben wir eine Arbeiterpartei nötig? Wir sind doch selbst eine Arbeiterpartei. Wozu haben wir die nationalen Parteien nötig? Wir sind doch selbst eine nationale Partei. (Erneuter Beifall.) Was sollen wir mit christlichen oder marxistischen Gewerkschaftsführern? Die Gewerkschaften führen wir selbst; dann haben die Arbeiter die Garantie, daß ihre Hungergroschen nicht verlumpt und verludert.werden. Wie wenig das deutsche Volk an diesen Parteien hängt, steht man, wenn man einen Strich dadurch , macht. Wenn die Sozialdemokratische Pärtei aufgelöst wird, gehen die Tränen, die bestenfalls vergossen werden, in ein halbes Schnapsglas hinein (große Heiterkeit), und wenn die deutschnationaleu Kampfstaffeln in der Versenkung verschwinden, weinen nur die Uniformlieferanten. Die nationalsozialistische Bewegung hat niemals einen Zweifel darüber gelüsten, daß sie auf dem Totälstandpunkt steht. Wir sind nur die Voll
strecker des Volkswillens. Es braucht niemand Angst zu haben, es kommt ein jeder heran. Wir werden auch die Revolution zu Ende führen. Pardon wird nicht gegeben."
Dr. Goebbels richtete sodann Worte des Dankes an die alte Parteigarde, nicht nur die im Saal versammelte, sondern auch an die vielen Tausende, die treu in Stadt und Land am Rundfunk seinen Ausführungen folgen. Er gedachte zum Schluß der Toten der nationalsozialistischen Bewegung, die ihre Liebe zu dem Führer mit dem Leben bezahlt hätten und erklärte, daß zwar noch viele Parteigenossen heute ohne Arbeit und Brot seien, sie sollten aber nicht glauben, daß der Führer nicht Tag und Nacht darauf sinne, dieses Uebel abzustellen. Seine große Lebensaufgabe bestehe darin, dem deutschen Volke wieder zu Brot'und Arbeit zu verhelfen. Die Rede schloß mit Heil-Rufen auf die alte Garde, die unsterbliche nationalsozialistische Bewegung und ihren Führer Adolf Hitler.
System DoUftrk!
Gefängnisse durch Festnahme von Nationalsozialisten überfüllt
Men, 25. Juni- In der Nacht zum Montag er- eigneten sich in Oesterreich wieder mehrere Zwischen- fälle. In Gmunden in Salzkammergut wurde ein Bombenanschlag auf das Haus des christlich-sozialen Bürgermeisters Thomas verübt. Die Bombe wurde gegen das Haustor geworfen und hatte eine außerordentlich starke Detonation. Bei einem Höhenfeuer in Obersteiermark explodierte eine Bombe, die von Unbekannten in den Holzstoß gelegt worden war. Verletzt wurde niemand.
Me aus St. Johann in Tirol gemeldet wird» mußte dort im Gemeindekrcmkenhaus eine Unter- kunft sür politische Häftlinge errichtet werden, weil das Gemeindegesängnis überfüllt ist.
Neuaufbau der Evangelischen Kirche
Wichtige Ernennungen des Staatskommistars
Berlin, 25. Juni. Der Staatskommistar sür die Evangelischen Kirchen in Preußen teilt mit:
1. Zur freien Entfaltung der Evangelischen Kirchen nach ihrem ureigenen inneren Wesen ist ein Neuaufbau erforderlich.
2. Ich bestelle zum kommissarischen Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates der Altpreußischen Union-den Rechtsanwalt Stadtrat Dr. Friedrich Werner, in Berlin. Gleichzeitig übertrage ich auf den kommissarischen Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates sämtliche Befugnisse des Kir- chensenats.
Weiter bestelle ich zum kommissarischen Geistlichen Vizepräsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates den Pfarrer Joachim Hossenfelder in Berlin; zum kommissarischen weltlichen Vizepräsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates den Konsistorialrat Dr. Fürle in Breslau.
3. Zu meinem Bevollmächtigten ernenne ich:
a) Für den Bereich der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union:
für die Kirchenprovinz Ostpreußen den Rechtsanwalt Dr- Lothar Sand in Königsberg; für die Kirchenprovinz Pommern den Pfarrer Thomin Pusta- min; für die kirchenprovinz Grenzmark Posen-West- preußen, den Superintendenten Will, in Preuß.- Friedland; für die Kirchenprovinz Schlesien den
Rechtsanwalt Dr. Schmidt in Ratibor; für die Kirchenprovinz Mark Brandenburg den Pfarrer Eckert in Zosten; sür die Kirchenprovinz Sachse« den Rechtsanwalt Dr. Noack in Halle; für die Kirchenprovinz Westfalen den Pfarrer Adler in Wes» larn; für die Kirchenprovinz Rheinprovinz den Landrat Dr. Krummacher in Gummersbach;
b) Für den Bereich der Evangelisch- Lutherischen Landeskirche Hannover den Pfarrer Hahn in Elm- lohe;
c) Für den Bereich der Evangelischen-Reformier- ten Landeskirche der Provinz Hannover den Uni. versitätsprofeffor D. Goeters in Bonn;
d) für den Bereich der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holstein den Konsistorialrat Dr. Kinder-Kiel;
e) Für den Bereich der Evangelischen Landeskirche in Hesten-Kastel sowie für den Bereich der Evangelischen Landeskirche von Waldeck und Pyrmont den Stadtrat Dr. Paul Mann in Kassel.
s) Für den Bereich der Evangelischen Landeskirche in Nassau sowie für den Bereich der Evangelischen Landeskirche Frankfurt/Main den Pfarrer Wal- ther in Wiesbaden-Bierstadt.
4. Weitere Anordnungen folgen.
Berlin, 25. Juni 1933.
Der Kommissar: Jaeger.
G. V. V.
Eine Verschwör««« gegen die Wett
Ein Lalsachenbericht von Mad Bey
(Fortsetzung)
Kein Land bietet vor ihnen Schutz. . .
Die Entführung des Generals Kutjepow
Als das Rußland des Zaren zusammenbrach, war der junge Gardeoberst Kutjepow einer der wenigen, der mit einem Garde-Regiment der Revolution entgegentrat und wenigstens den Versuch machte, sein? Ossizierspflicht zu erfüllen. In den Zeiten des Bürgerkrieges kämpfte Kutjepow in der ersten Reihe der Freiwilligen, wurde zum General befördert und verließ als Letzter mit den Resten der Wrangel-Armee Rußland.
Die Reste der Wrangel-Armee, die ins Ausland flüchteten, erlebten ein merkwürdiges Schicksal. Jede Armee hört nach Verlosten ihres Landes auf, eine Armee zu sein. Die russische Armee entging diesem Schicksal. Sie blieb auch im Auslande als militärische Enheit organisiert. Aus der Türkei, wohin sie ihr Weg führte, kamen die Regimenter nach dem Balkan und in kleinen Trupps in alle Länder Europas. Auf dem Balkan lebten sie in militärischem Zusammenhalt, arbeiteten gemeinsam, gründeten Künärschulen für den Nachwuchs, und g-horchten ihrem Overbekehlshnber, dem Baron Wrangel.
Tie GPU. betrachtete diese Armee, die jederzeit be- r" war, den offenen Kampf wieder aufzunehmen, a-s einen überaus ernsten und gefährlichen Gegner. 2ie verwandte unendlich? Mühe darauf und gab si^id in Manen aus. diese Armee zu dee-organi- l«en. Der Erfolg blieb aus. Geführt von ihren Se-
nerälen, blieb die Armee eine militärische Einheit, die diszipliniert und selbstbewußt im Auslande das Leben einer regulären russischen Armee fortsetzte. Sie führt heute den Namen Allgemeiner Militär-Verband, und ihr jeweiliger Vorsitzender, immer der jeweilige Erste in der Liste der russischen Generäle, besitzt alle Rechte eines Oberbefehlshabers. Der erste Oberbefehlshaber war der General Baron Wrangel. Dann starb er, laut Gerüchten von der GPU. vergiftet und nunmehr wurde GeneralKutjepow der Führer der einzigen aktiven antibolschewistischen militärischen Einheit.
Der Stab der Armee, ihre Verwaltung und der Sitz des Oberbefehlshabers befanden sich in Paris, der Hauptstadt aller Emigranten. Von da aus befehligte General Kutjepow seine Armee, erteilte Befehle und führte einen geheimen, aber sehr energischen Kampf gegen den Bolschewismus in Rußland. Mehr als einmal drangen seine Agenten nach Rußland vor, knüpften dort Beziehungen an, gründeten Organisationen und dergleichen. Im Kampf gegen den Bolschewismus bediente sich General Kutjepow einer richtigen Idee. Er wollte vor allem mit der roten Armee und ihren Führern in Fühlung treten. Schließlich, sagte er sich, ist die rote Armee eine Armee wie jede andere, und ein weißrussischcr Ge- neral wird mit einem rotrussischen Offizier eher eine > gemeinsame Sprache finden, als irgendein anderer j Vertreter der Emigration. Der Gedanke erwies sich
als richtig. Der Pariser General knüpfte Beziehungen zu den russischen Generälen an, und es bewahrheitete sich, daß die Vertreter ein und desselben Berufes keine noch so hohe Mauer zu trennen vermag. Kutjepow reiste nach Berlin, kam dort mit zwei russischen Generalstabsoffizieren, Popow und de Robert!, zusammen und besprach die Einzelheiten der künftigen Arbeit.
Allmählich kam die GPU. hinter die geheime Tätigkeit des Generals. Die Wahrung der politischen Intaktheit der roten Armee ist die Hauptaufgabe der GPU. Die GPU. weiß, daß auch die rote Armee nur eine Armee ist. und die einzige innerrussische Macht darstellt, die dem Bolschewismus gefährlich werden könnte. Es wurde beschlossen, den General aus dem Wege zu räumen. Zuerst sollte seine Erledigung von der terroristischen Stoßtruppe der GPU. in Berlin vorgenommen werden.
Dr.. Goldenstein, der damalige Berliner Resident, sprach sich jedoch gegen diesen Plan aus. Berlin ist, warnte -er, der Mittelpunkt der GPU.-Arbeit im Auslande. Die Erledigung Kutjepows würde sicher großes Aufsehen hervorrufen und könnte mit der Entlarvung der Organisation enden. Die Berliner Organisation war aber mehr wert als alle Generäle der Weißen Armee zusammen. Der Plan wurde fallen gelüsten, worauf man selbst in gut unterrichteten Kreisen nichts mehr von einem Vorgehen gegen Kutjepow hörte. Dann nahmen die Gerüchte, daß dem General eine Gefahr drohe, wieder zu. So wollte man in einer Flasche Wodka, die ihm zugeschickt wurde, Gift entdeckt haben.
Die russischen Droschkenchauffeure in Paris, deren es einige Tausend gibt und die fast sämtlich Offiziere der Kutjepow-Armee sind, beschlossen daraufhin, den General zu schützen. Ein Taxi begleitete den General und Chauffeure beschützten ihn. Hin und
wieder jedoch, wenn der General zu geheimen Zusammenkünften mit sowjetrussischen Offizieren ging, befahl er seiner Wache, ihn allein zu lasten.
Dieses war auch am 26. Januar des Jahres 1930 der Fall. An diesem Tage verließ der General um 11 Uhr morgens seine Wohnung und kehrte nicht mehr zurück. Sofort wurden die Polizei und sämtliche russischen Organisationen benachrichtigt. Zuerst in Paris, dann in ganz Frankreich und zuletzt in ganz Europa begann nun ein fieberhaftes Suchen nach dem verschwundenen General. Tausenderlei Spuren wurden versolgt. Man hatte den General in ein graues Auto einsteigen sehen, man wollte ihn gefesselt in der Normandie entdeckt haben, es entstanden die tollsten Gerüchte, und-es meldeten sich die verdächtigsten Zeugen. Es war aber offensichtlich, daß der General von der Pariser GPU- entführt worden war. Die Empörung der Pariser Presse und der Öffentlichkeit war beispiellos. Mitten am hesi- lichten Tage, mitten im Zentrum von Paris war ein General entführt worden!
Der Pariser Presse war das denn doch etwas zuviel. Einer der besten Kriminalisten Frankreichs wurde mit der Untersuchung des Falles beauftragt und stand fassungslos der Flut von Beschuldigungen, Entlarvungen und Denunziationen gegenüber, die sich täglich über seinen Tisch ergossen. In Graz verübte zum Beispiel ein Gewohnheitsverbrecher namens Hetrich Selbstmord und hinterließ einen Brief, in dem er mitteilte, daß er im Austrage der GPU. bei der Entführung des Generals mitgeholfen habe.
Aus Rußland kam die Nachricht, daß Popow und de Robert:, die von Anfang an verdächtig waren, von der GPU. erschossen worden seien. Es meldete sich ein Rechtsanwalt, der einen grauen Wagen mit dem gefesselten General auf dem Wege nach dem Norden gesehen hatte, dann meldete sich eine Frau,
die denselben Wagen auf dem Wege nach dem Süden beobachtet haben wollte, und so weiter. Kurzum, die Entführung war eine große Sensation und der unter- suchungsführende Kriminalbeamts, der russischen Zustände und GPU.-Sitten ungewohnt, konnte sich beim besten Willen nicht zurechtfinden.
Eines stand fest, Kutjepow war von der GPU. entführt worden. Die Einzelheiten der Entführung, die Namen der Beteiligten, das Schicksal des Generals konnten aber nicht ermittelt werden.
Es vergingen Tage, Wochen und Monate, die wildesten Gerüchte kamen in Umlauf, und die Pariser Polizei versicherte immer noch, daß sie die Einzelheiten der beispiellosen Tat demnächst geklärt haben würde. Endlich, als es sich herausstellte, daß die Polizei nicht weiter wußte, kam ein Mann, dem allein man die Fähigkeit zuschrieb, diesen rätselhaften Fall zu klären. Dieser Mann war kein Be- russkriminalist und kein Offizier, sein Name stand aber bereits mit großen Lettern in der Geschichte der Kriminalistik geschrieben. Wieder war es der berühmte greise Journalist Wladimir Burzew, der Entlarver Asews. Die Enthüllung des Falles Kut- jepow sollte sein langes und ruhmreiches Leben krönen.
Sieben Monate dauerten die Nachforschungen Bur- zews. Er durchreiste halb Europa, hatte geheime Zusammenkünfte in Berlin, in Paris und überall, kam mit berüchtigten Banditen und offenbaren Kommunisten zusammen und beantwortete alle Fragen über seine Ermittlungen mit einem vielsagenden Schwei- gen. Dann aber, als sieben Monate um waren, versammelte er die Pariser Journalisten um sich und erzählte ihnen mit allen Einzelheiten die Geschichte der Entführung des Generals Kutjepow; seine Nach forschungen klingen wie ein Detektivroman: (Fortsetzung)