Ausgabe 
(17.6.1933) Nr. 158
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§r.iS8. Fshrgrmg 1933

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Vremen. Sormaberrd. den 17. Juni 1833 EüizeweeiS 15 Vsg.

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oreMrllationalso ÄaM/eti e Zeit«-

Das ArnMoke Oraarr dss Senats der Treierr Bremern ^

AdoK Attlers Einsatz für -en Bestand

des Aben-lan-es

ReichSnibMer Hugenberg über ..Gedanke« zur Weltwirtschastskonferenz"

London, 18. Juni. Reichsminister Hugenberg Lot vor Pressevertretern Gedanken zur Weltwirt« DstSkonferenz entwickelt:

Deutschland kämpfe heute unter Führung des Reichskanzlers Adolf Hitler den Kamps gegen den Untergang des Abendlandes. Deutschland kämpfe seit Jahren mit einem unbändigen Willen zum Leben. Wenn Deutschland unterliegen sollte, würden die anderen abendländischen Völker mit oder nach Deutschland unterliegen. Wenn die Welt dagegen solcher gesund werden solle, müsse sie Deutschland ge­halten, wieder gesund zu werden.

In den weiteren Ausführungen heißt eS: Nur

Warnung »es Volizeiherr«

Der Polizeiherr teilt mit: „Es gehen im­mer wieder Gesuche um Entlassung von Schutzhastgesangenen bei mir ein, iodatz grundsätzlich einmal daraus hingewiesen wer­den mutz, datz absolut keine Aussicht besteht, irgendwelche Entlassungen vorzunehmen, so- lange die niederträchtige Hetze marxistischer Elemente andauert. Eine umfangreiche Ent­lassung von Schutzhastgefangenen wird er­folgen, sobald die Verbreitung illegaler Druck­schriften aufhört. Darüber hinaus sehe ich mich gezwungen, die bereits entlassenen Schutzhästlinge wieder zu internieren, wenn die unverantwortliche Hetzkampagne an­dauert

weiter werde ich, ebenso wie in andere» Ländern, auch eine gewisse Kategorie bürger- ltcher Elemente in Schutzhast nehmen, die glauben, sich dadurch besonders hervortun zu müssen, datz sie eine unsachliche Kritik an den Regierungsmatznahmen üben und da­durch Unruhe in die Bevölkerung tragen Ich hoste, datz es nur dieser einen War­nung bedarf, da ich Interesse der ungehin­derten Aufbauarbeit sonst mit den schärfsten Mitteln eingreifen werde."

durch Gesundung der einzelnen nationalen Volks« »irischesten kann die Weltwirtschaft wieder gesund »erden. Nur durch Wiederherstellung der Binnen« »trkte kann die Ausnahmefähigkeit der Länder für !«md« Waren und damit der Welthandel »ieder gehoben werden.

Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Rege- dmg der internationalen Schulden. Die Regelung der internationalen Schulden ist der erste Schritt Mr Rettung aller beteiligten Völker.

Denn in der Weltwirtschaft ein Teilnehmer ge­lungen wird, auf die Dauer ohne Gegenleistung zu nisten, so bricht nicht nur er zusammen, sondern die Dellwirtschast. Es ist einer der verhängnisvollsten hrrtümer, der teilweise die Völker beherrscht hat, daß än Volk durch die Verarmung eines anderen Volkes

reicher werden könne. Ich stimme völlig mit dem Satz des Herrn Macdonald überetn:

„Keine Nation kann sich aus die Dauer auf Kosten anderer Länder bereichern. Gegenseitige Bereicherung ist die Voraussetzung der Bereicherung des einzelnen."

Die Geschichte der letzten zwanzig Jahr« beruht auf der Fiktion des Gegenteils. Will man aus der Weltwirtschaftskrise herauskommen, so muß man den freien Leistungsaustausch in der Weltwirtschaft wiederherstellen

Das kann man nur erreichen durch Beseitigung der den freien Leistungsaustausch hemmenden und störenden Grundursachen. DaS besagt aber wiederum, daß die Lösung des weltwirtschaftlichen Austausch­problems schlechthin abhängig ist von einer sachgemäßen Schuldenregcluug Daran haben nicht nur die Schuldner, sondern auch die Gläubiger ein Lebeusinteresse. Die Wieder­herstellung des freien Leistungsaustauschs in der Weltwirtschaft ist deshalb in Wahrheit zunächst kein handelspolitisches Problem, sondern ein finanz­politisches Schuldenproblem.

Wenn die Weltwirtschastskonferenz zu einem segrensreichen Ende führen soll, so kann sie es nur dadurch, haß sie aus Grund dieser Einsicht zunächst die unerläßlichen Voraussetzungen zu gesunden han­delspolitischen Zuständen schafft.

Wir Deutschen sind jetzt arme Teusel und haben nichts mehr zu verschenken oder zu verlieren. Aber wir legen trotz aller entgegengesetzten Behauptungen Wert au funseren guten Namen und verfügen über die aus dem Unglück gewonnene Erfahrung- Um den springenden Punkt ganz deutlich zu machen, füge ich folgende Sätze hinzu:

Politische Kredite vou Volk zu Bolk annehmen und geben ist eine Versündigung an der Wirtschaft der Böller.

ES läge im Gesamtintereffe der Welt, wenn recht­zeitig zwischen den Gläublgerländern und den

Schuldnerländern eine vernünftige Vereinbarung zu­stande käm«, die eS den Gläubigerländern ermög­lichte, nach und nach zu ihrem Kapital zu kommen, den Schuldnerländern, ihre Schulden zu tragbaren Bedingungen abzutragen. ES sollte in der Zukunft Gläubiger« und Schuldnerländer nur auf der alten, soliden Grundlage der Hergäbe von Kapital für große Werke des Friedens geben.

Von Deutschland aus gesehen gebe es bei einer klugen und friedfertigen Zusammenarbeit zwischen Gläubiger» und Schuldnerländern noch zwei vor­urteilslose Schritte, durch dir Deutschland wieder in seiner internationalen Zahlungsfähigkeit wieder ge­hoben werden könnte. Der ein« dieser Schritte be­stehe darin, daß man Deutschland wieder ein Kolonialreich in Afrika gebe, von dem aus eS in diesem ganzen Kontinent groß« Anlage« und Ar­beiten ausführte, die sofort unterbreitet würden. Der zweite Schritt wäre der, daß dem „Voll ohne Raum" Gebiete eröffnet würden, in denen eS seiner tatkräftigen Rasse Siedlungsraum schassen und große Werke d«S Friedens aufbauen könnte.

Die Arbeit in den Ausschüssen beginnt

TU. London, 16. Juni. Die beiden HauptauS- schüsse der Weltwirtschastskonferenz (WährungSauS- schütz und Wirtschaftsausschuß) traten am Freitag vormittag um 11 Uhr zu öffentlichen Sitzungen zu­sammen. Sie vertagten sich nach kurzen formellen Besprechungen bis auf Montag vormittag.

Auf der

Sitzung des Wirtschaftsausschusses,

auf dem Deutschland durch den nationalsozialistischen Delegierten Krogmann, der Vizepräsident des AuSschusseS ist, und den RekchSwirtschaftSminister Dr. Hugenberg vertreten ist, erklärte der Ausschuß« Präsident Colijn (Holland), er würde sich freue«, wenn auf den Sitzungen keine Reden allgemeiner Art gehalten würden, da solch« bereits auf der voll-

konferenz gehalten worden seien. Er gab hierauf folgend« Probleme an, die die wichtigsten Programm­punkte des Wirtschaftsausschusses seien:

1. Handelspolitik, 2. Maßnahmen, die den inter­nationalen Handel betresfen, mit Ausnahme der Zölle, 3. Planmäßiger Ausgleich (Koordination) von Erzeugung und Absatz, 4. Oefsentliche Arbeiten.

Auf dem Gebiet der Handelspolitik würden folgende Einzelfragen zu behandeln sein: a) Bereit­stellung von Devisen für die Einfuhren, schrittweise Unterdrückung von Einfuhrverboten und Kontingen­ten» b) Zölle und VertragSpolitik einschließlich der Meistbegünstigungsklausel und möglichen AuSnah- men. Im zweiten Absatz würde folgendes behandelt werden: Tier- und Pflanzenärztliche Fragen, direkte und indirekte staatliche Wirtschaftsunterstützungen.

DaS dritte Gebiet (Koordination von Erzeugung und Absatz) umfasse die Probleme des Weizens und anderer Nahrungsmittel sowie der Rohstoffe und Jndustrieerzeugnisse. Der vierte Fragenkomplex (öffentliche Arbeiten) würde wahrscheinlich von bei­den Ausschüssen erörtert werden. Der englische Handelsminister Runciman regte u. a. die Einsetzung eine- Sonderausschusses für die Untersuchung der staatlichen Wirtschaftsunterstützungen an. Präsident Colijn erklärte abschließend, er wolle tm Laufe der TageS Anregungen für die Tagesordnung der AuS- schusseS entgegennehmen, die am Sonnabend ver­öffentlicht werden soll.

Der

WöhrungSauSschutz,

auf dem Deutschland durch den Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk, den RetchSbank- Präsidenten Dr. Schacht und den Ingenieur Wil- Helm Seppler vertreten ist, vertagte sich nach kurzer Zeit biß Montag vormittag um 11 Uhr, um den Bericht einer Unterausschusses über die Auf­stellung weiterer Ausschüsse entgegenzunehmen.

Zu dem Fall Verband-zeitschrift betonte er, daß die Behauptung TerekeS in der Hauptverhandlung, um die Jahreswende 1S24/2L Eigentümer der Zeit- schrlft geworden zu sein, widerspreche den Gereke bekannten Tatsachen. Ihm als Juristen hätte es des Eigentums an der BerbandSzeitschrift ander? vollkommen klar sein müssen, daß zur Uebertragung Mittel erforderlich waren, als eine

Treulosigkeit, die als «tn^g z» bezeichnen sei. Gänzlich unerheblich sei dabei die Tatsache, daß ein- zelne Mitglieder d:S Verbände- Gereke als Eigen- tümek der Zeitschrift betrachtet haben. Im Gesamt­vorstand, erklärte der Vorsitzende, hätte bis zu die­sem Prozeß niemand etwa« von einer Eigentums- übereignung erfahren. Gereke war also nach dem Willen der BerbandSorganr der Treuhänder. Zu Unrecht hat er daher die auS der Zeitschrift fließen- den Gelder für sich und seine persönlichen Zwecks verwandt. In diesem Verhalten Dr. GerekeS liegt Untreu«.

Bei der Strafzumessung wirkt« strafverschärfend für Gereke, daß er ein ihm allseitig unbeschränkt ent- gegengebrachtrs Vertraue« in unerhörter Weise miß-

2',2 Jahre Gesöngms nie Nr. Gereke

Berlin, 16. Juni. Unter allgemeiner Spannung verkündete im Prozeß gegen den früheren Reichs­kommissar für Arbeitsbeschaffung Dr. Gereke der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Jasper folgen- des Urteil:

Der Angeklagte Dr. Gereke wird wegen fortgesetzter Untreue im Falle der Verbandszeit» schrift zu 2ZH Jahre» Gefängnis und 10V 000 Mark Geld st rase, hilfsweise je einen Tag Gefängnis für je 1000 Mark verur­teilt. Im Falle Aufwandsentschädigung wird der Angeklagte Dr. Gereke freigesprochen. Im Falle Hindenburg-Ausschuß wird daS Verfahren auf Grund des Gesetzes über Straffreiheit vom 20. 12. 1932 eingestellt.

Der Angeklagte Frei gang wird wegen Beihilfe zur fortgesetzten Untreue im Falle Ver» bandszeitfchrift zu 4 Monaten Gefäng­

nis verurteilt, im Fall« Hindenburg-AuSschutz wird das Verfahren auf Grund des Gesetzes über Straffreiheit vom 20. 12. 1932 eingestellt.

Beiden Angeklagten wird die bisher erlittene Untersuchungshaft aus die anerkannte Strafe ange­rechnet. Die Kosten der Verfahrens werde», soweit Freisprach und Einstellung erfolgt ist, der StaatS- lasse, im übrigen dem Angeklagten Dr. Gereke und Freigang auferlegt.

Der Haftbefehl gegen Dr. Gereke wird a«S den bisherigen Gründen und mit Rücksicht auf die Höh« der erkannte« Straf« aufrecht­erhalten.

Die Begründung des Urteil»

In der Begründung bei Urteils gegen Dr. Ve- reke erörterte der Vorsitzende zunächst die beiden Fälle, in denen daS Gericht zu einer Freisprechung, bezw. zu einer Einstellung der Verfahrens gekom­men ist.

braucht hat. GerekeS Handlungen find deshalb be­sonders oerwerslich, weil wertvollste Teile unserer Volksgenossen, gerade die Landwirte, dauernd in ihrem Vertrauen zu der leitenden Persönlichkeit ihres Verbände- in schwerster Weise getäuscht worden sind. AIS strafmildernd kommt in Betracht, daß Ge­reke in seinem Wirkungskreise mit Fleiß und Er­folg tätig war. Zurzeit einer linkSeingestellten Re­gierung hat er sich auf nationalen Boden gestellt und dadurch seinen Posten als Landrat verloren. In», besondere hatte daS Gericht unter diesen Umständen keine Veranlassung, dem Antrag der Staatsanwalt­schaft aus Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte zu entsprechen.

Der Borsitzende Schloß: Ein unerfreulicher Prozeß, ein unerfreuliches Bild hat sich iu den letzten Wochen vor unseren Augen abgerollt. Hoffen wir, daß in unserem neuen reinen Deutschland derartige Pro­zesse überhaupt nicht mehr vorkommen und die Fälle der Untreue, zum mindesten bei Personen in leiten­den und Vertrauensstellungen vollkommen ver­schwinden werden.

X. 1°. Mit der Urteilsverkündung im Gereke« Prozeß ist — wenigsten- vorläufig, da Dr. Gereke nach einer Meldung der Telegraphen-Union bereits gegen daS Urteil Revision eingelegt hat — der Schlußstrich unter einen der schwersten Korruptions­fälle gezogen worden, die in letzter Zeit vor den Schranken der deutschen Gerichte abrollten. Die strafbaren Handlungen Dr. GerekeS erregten in der breitesten Öffentlichkeit um so mehr Aufsehen, da der jetzt wegen fortgesetzter Untreue zu Jahren Gefängnis und 100000 Mark Geldstrafe verurteilte Angeklagte noch vor wenigen Wochen ReichSkom- missar für die Arbeitsbeschaffung war und somit eines der einflußreichsten Aemter des StaateS ver­waltete. Mit den Plänen Dr. GerekeS hofste die damalige Regierung Schleicher eine Belebung und Verbesserung der ArbeitSmarkteS zu erzielen.

Kein halber Jahr ist seit der Berufung Dr. Gere- kes vergangen, und dann kam dte große Enttäu­schung: Verfehlungen wurden aufgedeckt, hohe

Ministerialbeamte wiesen auf die Unkorrekthett in der Finanzgebarung des Landgemeindetages hin, der unter der Leitung Dr. GerekeS stand. DaS Ende vom Liede war, daß der ehemalige Reichskommtssac für Arbeitsbeschaffung seine Büroräume mit der Zelle im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit ver­tauschen mußte.

Und von diesem Zeitpunkt an hat die Karriere eines Mannes ihren Abschluß gefunden, die man als ganz ungewöhnlich bezeichnen muß. Eine Karriere, die typisch ist für das Regime der letzten 14 Jahre. Wir haben viele solcher Männer, denen ein allzu schneller Aufstieg beschicken war, zerbrechen sehen. Auch Dr. Gereke ist ein Opfer der Treulosigkeit und des oberflächlichen HandelnS, das den vergangenen Machthabern eigen war, geworden. Der wertvollste Teil unseres Volkes, der Bauernstand, ist durch Dr. Gereke schwer enttäuscht worden. Der persönliche Machthunger hat heute den vom politischen Leben so ehrlos beiseite geschobenen früheren Reichskom­missar zu den Veruntreuungen verleitet.

Der Gereke-Prozeß ist beendet. Viele ähnliche Korruptionsprozesse werden ihm folgen. Aber daS eine steht fest: Der Korruption und der Untreue werden sich künftig nur noch Personen zu verant­worten haben, die ihre Glanzzeit unter der Herr­schaft der Marxisten erlebten. Im neuen Staat unter Adolf Hitlers Führung steckt jedem Deutschen der Marschallstab im Tornister, aber er muß sich des Vertrauens würdig erweisen, das ihm vom Volke entgegengebracht wird. Und Dr. Gereke hat sich im höchsten Maße des ihm entgegengebrachten Ver­trauens unwürdig erwiesen.

Die..D.A.3." erichMl wieder

Berlin, 16. Juni. Das Geheime Staatspoli­zeiamt hat das Verbot der Deutschen Allgemeinen Zeitung mit Wirkung vom 17. Juni ab aufge­hoben.

gue Geschichte des Streites «in de«

Reichsbischof

von Vrof. Dr. E. Hirsch. GsiSingen

Er find viele Fragen an uns gekommen, wie ^nn eigentlich der überraschende Zwiespalt in der sieichSbischofswahl über unsere Kirche so ohne jede Vorbereitung habe hereinbrechen können. Ich gebe «ine kurz» Geschichte.

Die Absicht des Bevollmächtigten des Herrn "üchskanzlerS ist ursprünglich gewesen, zunächst daS >üue kirchliche Versassungswerk vorzubereiten und leitenden Ideen des kirchlichen Neubaus in ge­meinsamer Arbeit mit den Führern der Kirche in Kirchenvolk hineinzutragen. Erst nachdem ein ^gemeiner Verständnis für die Größe der Stunde °er evangelischen Kirche in den Kreisen des Kirchen- dolftz geweckt war und es gesichert war, daß daS ?anze Werx von der Liebe und dem Vertrauen aller Magen werden würde, sollte die Frage der Person diS neuen Reichsbischoss geklärt werden. Es wäre da>m in dem dem Kirchenvolke vorgeschlagenen Ver- sassungrplane auch der richtige Weg vorgezeichnet Mbsen, den Träger deS neuen verantwortungs- j^eren AmteS zu finden. Demgemäß lauteten Punkt 1 und 2 des „modus procedendi" (der Art dei Vorgehens), welcher in Locmm von den Herren 2 Kapier, D MarahrenS und D. Hesse gemeinsam WehrkreiSpsarrer Müller als für alle verbindlich Unterzeichnet worden ist, folgendermaßen: „1. An- ?irung der verschiedenen Bewegungen über die be- Iprochenen Grundzüge der kirchlichen Neugestaltung Nnd EntgegennqHme etwaiger Personalwünsche hin- Mich des Reichsbischoss. — 2. Besprechung mit

den landeSkirchlichen Bevollmächtigten über den Grundplan der Verfassung und endgültige Ermäch­tigung des DreierauSschusfes, die Verfassung zu ge­gebener Zeit in Kraft zu setzen. Einigung über dte Person des künftigen Reichsbischoss. — Außerdem war ein feierlicher Akt der Zustimmung deS ganzen KirchenvolkeS zu dem geplanten Versassungswerk vorgesehen, nachdem die Person des Reichsbischoss bestimmt und vom Staate anerkannt worden wäre.

Durch eine Kette von Ereignissen ist dieser ganze Plan von anderer Seite über den Haufen geworfen worden. Noch während WshrkreiSPfarrer Müller in Loccum mit den Herren deS DreimännerausschusseS die geschilderte Verabredung traf, ist die jungrefor- matorische Bewegung mit der Empfehlung einer Kandidaten für daS Bischofsamt hervorgetreten — merkwürdigerweise mit dem gleichen Kandidaten, den der Dreimännerausschnß am Mittwoch vor Himmel­fahrt zum Reichsbischof proklamiert hat. Dadurch ist die Frage der Person vorzeitig in den Vorder­grund geschoben worden, und man kann eS den Deutschen Christen nicht verdenken, daß sie am Mitt- wach vormittag in einer nichtöffentlichen Bespre- chnng mit dem Präsidenten D. Kapler ihre Auf­fassung vorgetragen und dabei betont haben, daß nach ihrer Meinung drei Punkte zu berücksichtigen seien: 1. Der neue Reichsbischof müsse auS der Glaubensbewegung „Deutsche Christen" genommen werden, die zu dem gesamten Reformwerk den An- stöß gegeben habe. 2. Er müsse das Vertrauen deS

FührerS besitzen. S. Er müsse vom Vertrauen deS gesamten KirchenvolkeS getragen werden.

Was in diesem Augenblick die Herren des Dret- männerauSschusseS in ihrem Handeln bestimmt hat, ist mir unbekannt. Jedenfalls haben sie am Mitt­woch unter völligem Absehen von dem verabredeten „moduS procedendi" und ohne den Herrn Wehrkreis- pfarrer Müller zu ihren Entscheidungen hinzuzu­ziehen, sich dazu entschlossen, den Pastor D- von Bodelschwingh in Bethel in Aussicht zu nehmen. Sie haben weiter am Abend deS gleichen TageS diesen ihren Kandidaten in Presse und Rundfunk bekannt­gegeben. Wehrkreispfarrcr Müller hat von diesem Schritte erst in der Nacht zum Himmelfahrtstage durch einen Zufall Kenntnis bekommen. Ich stehe nicht an, zu erklären, daß dies Verfahren m. E. nicht nur die dem Bevollmächtigten des Herrn Reichs- kanzlerS geschuldete Rücksicht, sondern auch die ein- fache menschliche Treue verletzt hat.

An diesem Urteil wird dadurch nichts geändert, daß einzelne Herren deS DreimännerausschusseS mit WehrkreiSpsarrer Müller Rücksprache genommen ha­ben, ohne ihn über die beabsichtigten oder geschehe, nen Schritte zu informieren. Ich mußte in der Nacht zu Himmelfahrt zu meiner Ueberraschung fest- stellen, daß nach Bekanntgabe der Namens Bodel- schwingh von zwei Herren des AuSschusseS ein mehr als einstündiges Gespräch mit dem WehrkreiSpsarrer Müller geführt worden ist, ohne daß in diesem Ge­spräch von dem entscheideden Schritt Mitteilung ge­macht worden wäre.

Durch die Ereignisse deS Mittwoch find die Deut- scheu Christen gezwungen worden, am Freitag srüh in der Öffentlichkeit den Namen ihres Kandidaten bekanntzugeben. Die Tagung der Ktrchenregierun- tzen' am Freitag und Soünabeud hat somit durch

die durch den DreimännerauSschuß geschaffene Lage von Anfang an unter der Notwendigkeit gestanden, zu der Personrnfrage übereilt Stellung zu nehmen. Bon Freunden und von mtr bei einzelnen Persön- lichkeiten unternommen« Versuche, eine eüberetlte Entscheidung selbst in dieser Lage noch zu verhindern, sind vergeblich gewesen. Die Rede, die Wehrkreis- Pfarrer Müller am Freitag nachmittag vor den Kir- chenregierungen über seine Gedanken zum kirchlichen Neubau gehalten hat, hat gleichfalls den Gang der Ereignisse nicht mehr aushalten können. Der Be- schluß der Kirchenregierungen wäre anders ausge­fallen, als er ausgefallen ist, wenn nicht dem Präsi- denten D. Kapler nach den Satzungen des Kirchen. bundeS gemäß der Größe seiner Kirche 12 Stimmen zur Verfügung gestanden hätten. In der endgültigen Abstimmung haben gleichwohl nicht alle Kirchen- regierungen dem Kandidaten des Dreimänner- auSschusseS zugestimmt, so m. W. nicht dte Kirchen- führer von Württemberg, Mecklenburg-Schwerin, Thüringen und Hamburg.

Am Sonnabend ist dann D. von Bodelschwingh in den Kreis der Kirchenvertretungen als Reichsbischof eingeführt worden und hat unmittelbar darauf die Arbeit im KirchenbundeSamt begonnen. Die ge- schehene Wahl ist am Sonnabend ohne Rücksicht auf eine Stellungnahme der RcichSregierung sofort durch Presse und Rundfunk bekanntgegeben worden.

Die Deutschen Christen haben am Sonnabend im Rundfunk durch den Mund ihres Schirmherrn, der WehrkreiSpsarrer» Müller, bekanntgegeben, daß sie dir so versuchte Entscheidung nicht anerkennen. Von den formalrechtlichen Gründen dieser Wetze- rung darf ich hier absehen. Niemand wird verken- nen, daß die Deutschen Christen damit im allereigen- ften Interesse der evangelischen Kirche gehandelt ha- ben. E- kann nicht tm Interesse der evangelischen

Kirche liegen, einen Reichsbischof zu haben, von dessen Vorhandensein nach der Art seiner Erhebung die staatlichen Stellen nicht Kenntnis nehmen dürfen, und dessen Handeln in der durch Staatsvertrag ge­bundenen Preußischen Kirche diese Kirchen in un­übersehbare Schwierigkeiten verwickeln muß. Es kann nicht im Interesse der evangelischen Kirche liegen, daß die Art der Proklamierung des Reichs, bischofs das Empfinden hervorrufen muß: die Kir­chenregierungen seien von Mißtrauen gegen die die Volksbewegung in Deutschland tragenden Kräfte er­füllt und hatten keinen Sinn für die gewaltige Sprache der gegenwärtigen geschichtlichen Stünde. Dies Empfinden kann durch nock so freundliche und wohlwollende Erklärungen des proklamierten D. pon Bodelschwingh keineswegs aus der Welt geschafft werden.

Nachdem durch die furchtbaren Ereignisse der Him- melfahrtswoche der ganze bisherige Plan des Kir- chenneubauS zu unserm Schmer, in Scherben ge­schlagen worden ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als eine Urabstimmung des deutschen evangelischen KirchenvolkeS über das Versassungswerk und die Per­son des Reichsbischoss zu fordern. Der ursprünglich geplante feierliche Bekenntnisakl setzte einmütiges und vertrauensvolles Handeln aller Beteiligten in einem einigen Geiste der brüderlichen Liebe voraus. ES hat sich gezeigt, daß diese Voraussetzung nicht ge­geben gewesen ist. Nur durch eine Urabstimmung kann in der nnunmehr geschaffenen Lage das ver­wirklicht werden, was uns am Herzen liegt: eine neue deutsche evangelische Kirche, die vom Vertraun des evangelischen KirchenvolkeS getragen ist, und die getragen ist von dem Vertrauen unserer deutschen Jugend, die Gut und Blut und Herz für ein neucs nationales, sozialistisches und christliches Deutschland eingesetzt hat.