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Die Variier Vresse zur
Paris, 30. Mai. Die Erklärung des deutschen Ab-ordnungsführers Nadolny in Genf Hat ihren Eindruck aus diie französische LDeff-entlichkei-t nicht verfehlt. Man war allgemein nicht darauf gefaßt, daß Deutschland sich so weitgehend auf den englischen Plan einstellen würde. Mit Beunruhigung sieht man eine Schwächung der französischen Front in Genf kommen. Mit einem Wort der Erleichterung wird zwar festgestellt, daß Massigli zunächst noch den Stoß aufgefangen habe, aber man ist sich durchaus klar darüber, daß für die französische Abordnung schwere Tage kommen worden.
Hierbei wird festgestellt, daß man so ziemlich von vorn anfangen müsse, es sei denn, so schreibt das rechtsstehende „Echo de Paris", daß Nadolny nicht Wort halten sollte und s eine Zusatzanträge weiter gehen würden, als er angekündigt habe. Frankreich würde in kurzer Zeit gezwungen sein, die Verantwortung für die Ablehnung des englischen Plarries auf sich zu nehmen. Bisher Habe man gehofft, daß die anderen den engk- lischen Plan, der mit den französischen Interessen unvereinbar sei, für Frankreich Mm Scheitern bringen würden. Es gebe zwei Möglichkeiten. Entweder lehne man ihn glatt ab oder man erkläre, daß es unter den heutigen Umständen unsinnig, wäre, an der französischen Armee, der wichtigsten Säule der europäischen Ordnung (!!), zu rühren. Daladier, der an die Erklärung vorn 11. Dxzember gebunden sei, würde sich für die zweite Möglichkeit entscheiden.
Der „Petit Parisien" erklärt, man könne die allgemeine Ueberraschung über das geschickte Eingreifen Nädolnys nicht leugnen. Durch die Erklärung Mässiglis sei zwar der. Dort eil, den der deutsche Abordnungsführer sich zu sichern versucht habe, wieder, ausgeglichen worden. Aber immerhin fang-e jetzt der Kampf von neuem an und er werde nicht sehr bequem sein. ,
Die radikalsozialistische „Ere Rondelle" erklärt, die Gefahr sei umso größer, als Deutsche, Engländer und Amerikaner einig seien, bis zum 10. Juni, das heißt vor der Londoner Weltwirtschaftsk-onferenz, ein Abkommen zustandezubringen. In der Eile der Aussprache würden sie viel mehr darum besorgt sein, ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen, als den französischen anzuhören. ^
Gens, 20. Mai. Im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz wurden heute, bevor die eigentlichen sachlichen Verhandlungen Hinter den Kulissen einsetzen, Erklärungen von den kleineren neutralen Mächten zur gegenwärtigen Konferenzlage abgegeben.
Motta-Gchweiz gab in einem für die deutschen Kreise ungewohntem herzlichen Ton. seine Genugtuung über die vorn Reichskanzler und vorn Botschafter Nadolny abgegebenen Erklärungen zum Ausdruck. Er sei ti-es beeindruckt von der gestrigen Erklärung Nädolnys, die die Tür für die all
gemeine Einigung öffne. — Der holländische Vertreter i>erlas sodann die Antwortnote der holländischen Königin Wilhelmine auf die Botschaft Roosevells. — Der norwegische Vertreter wies auf die besondere Notwen- keit hin jetzt auf dem Gebiete des Materials Entscheidungen zu treffen.
England lür den Paklvaefchlag
MWsliniS
London, 20. Mai. „Daily Mail" meldet, daß die Verhandlungen zum Abschluß eines. Vier-Mächte-- Paktes sofort aufgenommen werden sollen. Die englische Regierung sei ernstlich bemüht, den Vertrag zustandezubringen. Im Hinblick auf das Entgegenkommen Deutschlands in der Abrüstungsfrage halte man jetzt die Zeit zur Erneuerung der Verhandlungen über den Mussolini-Pakt für gekommen, weil Hitler auf der Revision der Verträge bestanden habe. England werde vorschlagen, daß die .Laufzeit des Vertrages zehn statt fünf Jahre betragen soll,
Jas Programm der 72. Ratstsgimg
s Genf, 20. Mai. Der Völkerbundsrat tritt am Montag vormittag zu der ordentlichen 72. Tagung zusammen, aus der Deutschland durch den Gesandten von Keller vertreten sein wird. Unter den Deutschland interessierenden Fragen befinden sich eine Reihe von Minderheitenbeschrverden des Deutschen Volksbundes in Oberschlesien, ferner eine soeben eingegangene Beschwerde über die Lage der Juden in Deutsch-Oberschlesien und ein Antrag der
KsmWt in Vneis
und l
Paris, 20. Mai. Der Finanzausschuß der Kammer, in dem sich der sozialistische Einfluß stark gellend macht, hat den Gesetzesvorschlag für ein Petroleummonopol wieder aufgenommen und die allgemeine Herabsetzung der Ausgaben um 5 v. H. abgelehnt. Das Stimmenverhältnis in beiden Fällen 13:8. Die eingetretene Spannung Hai den Ministerpräsidenten Daladier veranlaßt, den Kabinettsrat einzuberufen. Dabei dürften dem Außenminister auch Richtlinien für Genf erteilt werden. In diesem Zusammenhang unterstreicht „Paris Soir" die Schwierigkeiten, denen die sran-
Saarregierung über die Regelung -der Beamtenfrage im Saargebiet. Der englische Außenminister Simon wird dem Rat einen Bericht über die Vorbereitungen zur Weltwirtschaftskonferenz erstatten.
Paris, 20. Mai. Der französische Außenminister Boncour empfing am Sonnabend den deutschen Botschafter Köster zu einer Rücksprache. Boncour wird sich am Sonntag nach Gens begeben.
Rom, 20. Mai. Die Kammerdebatte über die auswärtigen Angelegenheiten wird am Dienstag beendet werden, und zwar nicht, wie bisher vorgesehen war, durch eine Rede des Staatssekretärs Suvich, sondern durch eine große außenpolitische Mede Mussolinis. Die Arbeiten zur Anlage von Rundfunkübertragungsapparaten in der Kammer sind bereits im Gange. Mussolini hat an: Sonnabend nachmittag den französischen und den englischen Botschafter zu einer längeren Unterredung empfangen. Die Verhandlungen über den Vier- Mäch-te-Pakt dürften bald vor dem Abschluß stehen.
Rom, 20. Mai. Ministerpräsident Goering ist im Verlaufe der Besprechungen über den Viermächte-- Plan am Sonnabend abend nach dem französischen und englischen Botschafter nochmals von Mussolini empfangen worden.
zwischen Kammer
zösische Abordnung in Genf gegenüberstehe. Man wisse nicht, ob Deutschland ehrlich an einem raschen Zustandekommen eines Abrüstungsabkommens interessiert sei oder ob es in; Gegenteil nur Zeit gewinnen wolle, um die Abrüstungsverhandlungen bis nach der Weltwirtschaftskonferenz hinauszuschieben. — Wie in gutuntörrichteten Kreisen verlautet, galt der Besuch des deutschen Botschafters beim französischen Außenminister am Sonnabend vormittag den im Vordergrund des Interesses stehenden politischen Fragen unter besonderer Berücksichtigung der Reichstagsrede Hitlers und. der letzten Erklärungen Nädolnys in Gens.
De. SKsM
nachDenMlnnö abgereist
London, 20. Mai. Re'ichsbankprästdent vr. Schacht beendete am Sonnabend seinenAustnthalt in London und reiste nach Deutschland ab. Ueber den Inhalt seiner Unterredung mit dem Gouverneur der Bank von England, Montague Norman, ist bisher noch wenig bekannt geworden. Aus guter Quelle verlautet jedoch, -daß Norman ein starkes
Interesse für die Richtlinien der Wirtschafts- und Finanzpolitik zeigte, die die neue deutsche Regierung verfolgen will und Wert darauf legte, über die voraussichtliche Durchführbarkeit und Stabilität der deutschen Wirtschaft unterrichtet zu werden. Die von der englischen Presse bisher gebrachten Kommentare zu dem Besuch Schachts beruhen anscheinend weniger auf Tatsachen, sondern verfolgen durchaus Verhandlungstaktische Absichten für die Sitzung der Gläubiger, die am 29. Mai in Berlin stattfinden soll.
Deutschlands Kamps
gegen die AnMa-3enirale Gens
(Bericht unseres zur Abrüstungskonferenz entsandten E. S.-Redaktionsmitgliedes.)
Die nationalsozialistische Bewegung, die jetzt Deutschland verkörpert, steht gegenwärtig in Genf in ihrer ersten großen außenpolitischen Auseinandersetzung und damit im Blickfeld der ganzen Welt. Gewiß, es handelt sich hier nicht um einen Fra-, genkomplex, der erst durch unsere Machtergreifung ausgeworfen wurde, sondern um den Abschluß der seit 15 Monaten tagenden Abrüstungskonferenz, wobei die freie Entschließung der deutschen Außenpolitik neben allem anderen nicht zuletzt auch durch die von dem Weimarer System in diesen Verhandlungen bereits eingeschlagenen Wege weitgehend festgelegt ist. Dennoch erscheint es verständlich, daß -das Augenmerk der ganzen Welt sich jetzt mit besonderer Aufmerksamkeit auf Genf lenkt, wo zum erstenmale eine nationalsozialistische Regierung als Vertreterin Deutschlands vor dem internationalem Forum auftritt.
Diese Tatsache verdient umso mehr Betonung, als in den letzten Jahren des innerpolitischen Ringens um die Macht und während der wenigen Wochen seit unserer Machtergreifung, wo es galt, die Fahne der nationalen Erhebung im Herzen jedes einzelnen Volksgenossen aufzupflanzen, mit Naturnotwendigkeit das Gesicht Deutschlands nach innen gekehrt sein mußte. Jetzt aber, da die nationale Erhebung vollzogen, und es sich ausschließlich noch um die Vollendung unseres nationalsozialistischen Wollens handelt, muffen auch die Ereignisse der Umwelt in Deutschland wieder mehr Beachtung finden.
Durch die Hitlerrede wird jetzt das Antlitz Deutschlands mit einem Ruck dem Aus- lande zugewendet. Und nun ergeben sich zwei bemerkenswerte Tatsachen: Dem durch die innenpolitische Umwälzung bisher völlig beanspruchten Deutschen enchüllt sich blitzartig d i e G e w i tte r f r o n t, die sich um Deutschland drohend zusammengeballt hat. Im gleichen Augenblick aber, in dem der Führer durch seine große außenpolitische Rebe die deutsche Einheitsfront nach außen herausstellte, machten sich umgekehrt auf der gegnerischen Seite untrügliche Anzeichen einer gewissen Verwirrung bemerkbar. In klaren, unmißverständlichen Worten hat unser Führer die Richtlinien der deutschen Außenpolitik dargelegt, und plötzlich entdecken einige sehr wichtige Glieder der gegen Deutschlands in Marsch gesetzten Front, daß sie bei einem Angriff auf Deutschland ins Leere stoßen würden, weil die deutsche Nation tatsächlich von aufrichtigem Friedenswillen beseelt ist und gerade Adolf Hitler, der von einer gewissen Propaganda stets als der „schwarze Mann" hingestellt wurde, in Wirklichkeit der erste Garant für eine ehrliche Friedenspolitik in Europa ist. Dieser Erkenntnis hat die Hitlerrede Bahn gebrochen, indem sie die ungeheuerliche Lügenpropaganda, die sich gegen Deutschland auftürmt, aufs Haupt schlug.
Hier stoßen wir zum Kern der Dinge vor. Für gewisse Kräfte handelt es sich hier in Genf gar nicht so sehr um die Durchführung einer allgemeinen Abrüstung, als vielfach um den großangelegten Versuch, die ganze Welt gegen das nation alsoziali- sche Deutschland mobil zu machen. Man will dem Nationalsozialismus eine Niederlage bereiten und hofft dadurch die in Deutschland niedergeworfenen liberaliftischen marxistischen und damit jüdischen Elemeine von außen her unterstützen zu können. Genf ist damit zu einer der wichtigsten Zentrale der in Deutschland ausgerotteten Antifa geworden.