Ausgabe 
(16.5.1933) Nr. 127
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Gras wartet aas Berlin

Vor groben politischen Entscheidungen

Die neue Woche steht für die gesamte deutsche Politik im Zeichen der festgelanfenen Abrüstungs­konferenz. Am Montag vormittag traf der Genfer Delegationsführer Nadolnh in Berlin ein, um den zuständigen Stellen über die neueste Lage Bericht -u erstatten. Nadolnh dürfte im Laufe -es Diens­tag vom Reichskanzler empfangen werden.

Ob vor der Reichstagskundgebung noch eine Kabinetts-Sitzung stattfindet, läßt sich im Augen­blick nicht mit Sicherheit sagen. Auch die technischen Einzelheiten der Reichstagsfitzung liegen noch nicht fest, so weiß man vor allem noch nicht, ob nach der Rede des Reichskanzlers Vertreter der ein­zelnen Parteien zu Wort kommen werden. Immer­hin aber liegt der Fall der Abrüstungskonferenz so klar, daß es bestimmt keiner langen Beratungen mehr bedarf. In politischen Kreisen ist man über­zeugt, daß Adolf Hitler vor den gesamten Ver­tretern des deutschen Volkes den Friedenswillen des Nationalsozialistischen Deutschland, aber auch die unbeirrte Forderung auf Wahrung der deut­schen Gleichberechtigung und Abrüstung der an­deren mit einer Klarheit unD Deutlichkeit zum Ausdruck bringt, die es den böswilligen Hetzern auf der Gegenseite unmöglich macht, den tief­ernsten Appell an das Gewissen und an die Ver- »unff der leitenden Staatsmänner mißzuverstehen.

Was die gerade auch in diesem Zusammenhang aktuelle Danziger Frage angeht, so scheint nach den bisher vorliegenden Meldungen die Aussprache zwischen den Nationalsozialistischen Führern in Danzig und dem dortigen Völkerbundskommissar, dem Dänen Helmer Rosting, einigermaßen be­friedigend verlausen zu sein. Bei den freundschaft­lichen Gefühlen, die Herr Rosting für Deutschland und insbesondere für die deutschen Nationalsozia­listen hegt, ist damit zu rechnen, daß der hohe Kommissar des Völkerbundes nunmehr energisch ollen Provokationsversuchen der polnischen „Groß­macht" entgegentreten wird, nachdem er die sach­liche Erklärung der nationalsozialistischen Führer für genügend befriedigend anerkannt hat. Man darf annehmen, daß diese gütliche Einigung, die aller­dings auf der Gegenseite mit wenig freudigen Ge­fühlen aufgenommen werden dürfte, mit dazu bei­tragen wird, eine Entspannung der in Genf ein­getretenen Krise herbeizuführen.

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Washington, 15. Mai. Die letzten Vorgänge in Europa, besonders die englisch-französischen Dro­hungen auf Grund des Versailler Vertrages, Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland anzuwen­den, haben tn amerikanischen Regierungskreisen stärksten Pessimismus wegen des Schicksals der Reiner Abrüstungskonferenz sowie der Welnvirt- jchaftskonferenz hervorgerufen. Maßgebende Per­sönlichkeiten des amerikanischen Staatsdeparte­ments erklären gegenüber Herriots Behauptung, Präsident Roosevelt habe sich mit England und Frankreich solidarisch erklärt, daß Roosevelt, ob­wohl die amerikanische Regierung die deutsche Politik in vielen Fragen nicht billige, keinerlei derartiges Versprechen gegeben, sondern lediglich eine engere Zusammenarbeit mit den europäischen Ländern zur Lösung der Weltwirtschaftsprobleme zugesagt habe. Auch der besprochene Konsultativ- Pakt könne keineswegs im Sinne Herriots ausge­legt werden. Der Versailler Vertrag sehe vor, daß die Siegermächte bis 1936 Sanktionen in Gestalt einer Neubesetzung des Rheinlandes verhängen könnten, falls Deutschland die Reparationszahlun­gen nicht leiste. Die amerikanische Regierung habe jedoch den Versailler Vertrag nicht ratifiziert und

erhalte auch keinerlei Reparationen. Daher würde Amerika keinesfalls an Strafmaßnahmen gegen Deutschland teilnehmen.

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Paris, 15. Mai. Pertinax weist im „Echo d-e Paris" darauf hin, daß die Wiederb-e- setzung der Brückenköpfe am Rhein nur dann möglich sei, wenn das Haager Schieds­gericht die absichtliche Zerstörung des Re- parationsabkommens feststelle. Unter den gegenwärtigen Umständen sei es nicht aus­geschlossen, .daß man vom Haager Schieds­gericht ein solches Urteil erhoffen könne. Die Haltung Amerikas in der Schuldenfrage könnte nämlich dazu führen, daß die Schuld­nermächte Amerikas das Lausanner Abkom­men wieder rückgängig machten und von Deutschland die Fortsetzung der Repara­tionszahlungen zum mindesten in der Höhe forderten, in der sie selbst Amerika gegen­über zur .Zahlung verpflichtet seien.

Berlin, 15. Mai. Wie die Nationalsozialistische Partei - Korrespondenz meldet, hat der Reichs­wirtschaftskommissar Dr. Wagener an den Reichsjustizminister ein Schreiben gerichtet, in dem er unter Hinweis auf die dringende Notwen­digkeit der energischen Bekämpfung der Arbeits­losigkeit folgenden Vorschlag macht:

Ich schlage vor, daß für alle Fälle der Steuer­hinterziehung und der Kapitalverschiebung, bei de­nen nicht auch noch andere strafbare Handlungen mitsprechen, unter der Bedingung eine Amnestie verkündet wird, daß die Missetäter einen Teil ihres flüssigen Vermögens und insbesondere das ins Ausland verschobene Kapital für eine groß­zügige nationale Arbeitsbeschassungsanleihe zur Verfügung stellen. Die Arbeitsbeschassungsanleihe, die selbstverständlich nur mit einem niedrigen Zinssatz zu verzinsen ist, soll den Grundstock für den großen Akt der Arbeitsbeschaffung und der Wiedereingliederung der Aermsten unseres Vol­kes, auf denen der Fluch der Fehler der vergan­genen Regierungen lastet, in den Wirtschastsvor- gang bilden.

Wer also das Kapital, das er durch Verletzung der Vorschriften des von uns gestürzten Systems gerettet hat, zur Verfügung stellt, um damit an dem wirtschaftlichen Aufbau unserer Nation zu arbeiten, soll nicht mehr verfolgt werden.

Wer aber diese letzte Gelegenheit, den Gemein- nutz vor' den Eigennutz zu stellen, vorübergehen läßt, soll in Zukunft als Landes- und Volksver­räter von der ganzen Schwere des Gesetzes ge­troffen werden.

Sie Begründung des Neichs- wietschaftSkommillars

In -em Schreiben des Reichswirtschaftskommis- sars Dr. Wagener an den Reichsjustizminister Dr.

Der sozialistische „Popnlaire" sagt, die Genfer Verhandlungen müßten auch' ohne deutsche Beteiligung fortgesetzt werben. Deutschland müsse vor die Wahl gestellt werden, ein erstes Abkommen anzunehmen oder abzulehnen. Lehne es ab, so könnten alle Teilnehmerstaaten die Maßnahmen ge­gen den „Friedensstörer" beschließen, die sie für geeignet halten.

Das „Journal" fragt, ob man dem „deut­schen Manöver" nicht zuvorkommen solle. Unter diesen Umstünden fei die Anwesenheit Norman Davis in Paris besonders gün­stig, da er zusammen mit Daladier und Paul-Boncour schon jetzt die Deutschland zu erteilende Antwort ausarbeiten könne.

Neuer enMSsr Gesuudies M Beeil«

London, 15. Mai. Zum neuen englischen Botschafter in Berlin ist als Nachfolger des dem­nächst in den Ruhestand tretenden Är Horace Rumbold der bisherige englische Gesandte in Wien, Sir Eric Cläre Edmsyd Phipps, ernannt worden.

Gürtner heißt es zur Begrüßung des Vorschlages einer Arbeitsbeschaffungsanleihe mit Amnestie

u. a.:

In den letzten Wochen ist eine Sucht ausge- brochen, führende Männer der Wirtschaft von ihren Arbeitsstellen wegzuholen und dem Staats­anwalt zu überliefern, weil gegen sie der Ver­dacht vorliegt, in den Jahren der marxistischen Herrschaft in Deutschland sich her Steuerhinter­ziehung oder der Kapitalverschiebung schuldig ge­macht zu haben.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß in vielen Fällen nicht der Ruf nach Gerech­tigkeit der Antrieb ist, Männer großer wirt­schaftlicher Verantwortung vor Gericht zu ziehen, sondern persönliche Gefühle einzelner, bei denen zum Teil kleinliche Momente, zum Teil sogar Schadenfreude und Rache die Triebfedern des Handelns sind.

Auch für den Neuaufbau der Wirtschaft ist es ein Hemmnis, wenn die Persönlichkeiten, mit de­nen ich zusammen den Aufbau durchführen muß, in ihrer Entschlußfähigkeit behindert sind, weil sie dauernd erwarten müssen, auf Grund ir­gendeiner Anzeige in das Gefängnis abgeführt zu werden. Selbst für die Finanzierung einer großzügigen Arbeitsbeschaffung ist es ein Hinder­nis, wenn gerade diejenigen Vertrauen und Zu­versicht verlieren, die nun einmal zu den Haupt­kreditträgern gehören. Selbst wenn wir davon überzeugt sind, daß die Auswirkungen der von uns geplanten großen wirtschaftlichen Maßnah­men zum unbedingten Ziel führen, rechtfertigt diese Ueberzeugung es nicht, auf die Nutzbar­machung auch der letzten Kräfte Persönlicher und finanzieller Art zu verzichten. Wir sind es viel­mehr dem gesamten deutschen Volk und dem deutschen Arbeiter schuldig, alles bis auf den letz­ten Mann und bis auf den letzten Groschen zur Mitarbeit heranzuziehen.

VolWcher

Wbelimgenring

Von Dr. C. Weithas

Sagen sind Gleichnisse, sind das in Wort- Gemälde verkleidete völkische Echos unserer Ahnen. Sie sollen Menetekel und Appell, War­nung und Verheißung zugleich sein. So biNet auch die im Nibelungenlied festgehaltene Tra­gödie der Burgunder nur den gewalti­gen, packenden Stoff, aus dem der Treue ein unsterbliches Denkmal gesetzt wurde. Und die Versenkung des Hortes war nicht nur ein dramatischer Zug Hagens, um die Königin Kriemhilde schachmatt zu setzen, sondern zugleich diktiert von dem zur Gewißheit gewordenen Ahnen, daß das Ende der Burgunder gekom­men. Für Hagen bedeutete der Schatz nichts mehr als das vergängliche Symbol unver­gänglicher Ideen, ewiger Werte. Hagen opferte Prunkschatz, Königsgeschlecht und sich selbst, um idas zu retten, was die germanische Welt in ihren Angeln hielt: die Idee der Treue. Fast anderthalb Jahrtausende sind seither ver­gangen. Erneut schließt sich i-er Kreislauf der deuschen Geschichte. Erneut steht am deutschen Himmel mit gewaltigen Lettern geschrieben: Treue — Treue zum Volk, Treue zum Füh­rer. Der Gedanke der Gefolgschaftstreue er­lebt seine grandiose Auferstehung. Uralte Bindungsbsgriffe werden erneut, arteigene Gesetze beherrschen wieder das deutsche Leben. Nach tausend Irrungen kehrt die deutsche Seele, der deutsche Mensch wieder ins Mutterland zurück, um das Vaterland zu gestalten.

Der dritte Akt unserer Geschichte hat begon­nen. Aber noch stehen wir in der Liquidation einer Episode, der Republik von Weimar, und zugleich einer Epoche: der liberalistischen, die sich zuletzt mit dem Marxismus verschwägerte. Fast ein Jahrhundert stand das deutsche Leben im Banne des Liberalismus und Marxismus, die — vereint mit der zum Götzen erhobenen Maschine — das Volk mit Zentrifugalkraft anseinanderschleuderten. Standesdünkel und Klassenhaß waren die geistigen Pole dieser neu „geschichteten" Nation. Während im Bür­gertum der Kämpfer starb und der Spießer erstarkte, wurde m dieser entgötterten Welt der menschlich, allzu menschliche Marx dem Arbeiter zum Halbgott und die Internationale zur Heimat. Dieser war auf immerwährender Jagd nach einer Fata Morgana und jene am Bau einer neuen Babel-Welt. So gruben alle nach Schätzen und trugen darüber den Urschatz zu Grabe: das Bewußtsein rhrer Schicksalsverbundenheit. Sie dachten in allen Begriffen, nur nicht in der Jd^e der Volks­gemeinschaft. Zum Narrengut war m der Volksöffentlichkeit der Treubegriff erklärt wor­den. Die „Los-von-Deutschland-Bewegung" wurde Dynamik und die Geister des Westens überfluteten den deutschen Mutterboden, wie einst die Hunnen Attilas. In Versailles wurde dieser Einbruch völkerrechtlich sanktioniert und in Weimar seine Anerkennung zu einer Her­zensangelegenheit des deutschen Volkes gemacht.

Wir Deutsche sind in allen Lebenslagen das gründlichste Volk der Welt im Aufbau und Abbau, im Schaffen und Zerstören von Wer­ten. Das Renegatentum scheint unser zweites Gesicht zu sein. Verblutete einst eine Gene­ration in drei Kriegen, um Bismarck's kaiser­lichen Neichstraum Wirklichkeit werden zu lassen, so feierte eine spätere wahre Orgien, das Geschaffene zu vernichten und seine Sym­bole in den Dreck zu ziehen. Das Sterben von Millionen, das gigantische Ringen eines Volkes gegen die ganze Welt ging in Spottgedichten unter. Was weiß unsere Jugend von den Winkelrieden des Welkrieges, von jenen Tau­senden, die sich opferten um ihren nachstürmen- den Kameraden eine Gasse zu schlagen? Wer erinnerte an iene Aermsten der Armen, die

Große NrhettSbMMMSs- anleihe Mit Amreftie

W Hapttaweefchiebrmg und Stenerhitrieezietzmtg