Ausgabe 
(15.5.1933) Nr. 126
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Das Amtliche Organ des Senats der Freien SanieNadt Vremen

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Sie Sprache »es amtlichen Oesterreich:

Geben Sie uns Gelegenheit, mit Ahnen zu kSmvhm"

Wien, 14. Mai. Unter Teilnahme des Bundes­kanzlers und der christlich-sozialen Mitglieder der Regierung fand heute in Wien eine große Tür- kenbefreiungsfeier des Starhembe'cgschen Heimat­schutzes statt. Starhemberg forderte in seiner Rede die tzeimatwehren auf, dem deutschen Oesterreich die Treue zu bewahren und für ein „freies deut­sches Oesterreich" zu kämpfen. An den Bundes­kanzler richtete er ebenso wie sein Vorredner Minister Fey die Bitte:

Bleiben Sie hart, geben Sie uns, wenn Sie den Zeitpunkt für gekommen erachten, Ge­legenheit, mit Ihnen zu kämpfen.

8nm Schluß wandte -er sich gegen die Nationalso­zialisten und meinte, daß der Heimatschutz den endlichen Erfolg erringen werde. Bundeskanzler Dr. Dollfuß'führte u. a. aus: Heute geht es nicht darum, ob wir eine größere oder kleinere Gruppe im Parlament vertreten, heute geht es um das

Ganze, da wir gewillt sind „Oesterreich zu erhal­ten". Von Schönbrunn marschierten die unifor­mierten Formationen der Heimwehr in die Stadt und defilierten auf dem Schwarzenberg-Platz.

Der Vorbeimarsch dauerte vier Stunden. An mehreren Stellen des Zuges kam es zu heftigen Gegenkundgebungen. Bei einer von ihnen wurde mit gefälltem Bajonett die Straße geräumt. In einer Reihe von Provinzorten ist es bei der Ver­ladung der Heimwehren zu Zusammenstößen ge­kommen. So sind in St. Polten vier Heimwehr­leute schwer verletzt worden. Acht Nationalsozia­listen wurden dort verhaftet. Zu Zusammenstößen zwischen Starhembe'rgschen und herrischen Heim­wehren ist es auch in Bruck und Loeben gekom­men. Mehrfach wurden auch die Züge mit Stei­nen beworfen. Nach einer zuverlässigen Privöt- zählung haben entgegen der Angabe der Heim­wehr von über 40 000 Teilnehmern lediglich 25 000 uniformierte an dem Aufmarsch teilgenommen.

Dr. Frank fordert Genugtuung von der österreichischen Regierung

Reichsjnstizkommissar Dr. Frank traf am Sonn­tag abend im Kraftwagen in Graz ein, wo er trotz der späten Stunde von der Menge stürmisch be­grüßt wurde. Da ähnlich wie in Wien der Wagen des Ministers nicht den ursprünglich vorgesehenen Weg nehmen durste, stieg Dr. Frank zum Protest aus und begab sich zu Fuß zum Gebäude der Ganleitung der Nationalsozialistischen Partei. Der Krastrvageusührer fuhr mit dem Wagen, in dem die Gattin des Ministers faß, weiter und erkun­digte sich bei einem Wachtmann nach dem Weg. Der Wagcnlenker wurde plötzlich verhaftet, später aber wieder freigelassen. Die Polizei nahm ihm jedoch den Paß ab.

Bei der Begrüßung aus dem Schlotzberg er­klärte Neichsjustizkommissar Dr. Frank u. a., die Beleidigung, die die österreichische Regierung den Gästen aus dem Reich zugesügt habe, sei eine Beleidigung Adolf Hitlers und des ganzen deutschen Volkes. Reichsdeutsche würden Oester­reich solange meiden, bis von der österreichischen Regierung Genugtuung für die Beleidigung ge­geben werde.

In einem kleinen Kreise von Pressevertretern sprach später Minister Dr. Frank über seinen Wiener Besuch: Als er den österreichischen Justiz- minister Schuschnigg in Berlin kennenlernte, habe ihm dieser gesagt, er würde sich freuen, wenn Dr. Frank ihn in Wien gelegentlich besuchen würde. Daher habe er geglaubt, seinen jetzigen Privat- besuch in Wien verbinden zu sollen mit einer Auf­wartung beim österreichischen Bundesminister für Justiz.

„Umso mehr", so sagte Dr. Frank, „als Mini­ster und als Mann, der die Reichsregierung juri­stisch berät, habe ich mich schwerstens getroffen ge­suhlt, als der Vertreter der österreichischen Re­gierung erklärte, daß mein Besuch nicht erwünscht sei", denn das sei der Sinn seiner Ausführungen gewesen. Damit habe die Sache eine offizielle Note bekommen, weil natürlich die Reichsregie­rung nicht stillschweigend diesen unfreundlichen Akt hinnehmen könne. Er wisse nicht, welcher Art die Maßnahmen sein werden, die in Berlin ergriffen würden, aber geschehen werde etwas.

reichische Regierung, im Gegensatz zu b-er begeisterten Aufnahme durch Wien selbst gewinnt durch den SonntagsleitartiLel der „Reichspost" „An die reichsdeutschen Gäste" besondere Bedeutung. Sie schreibt u. a., so gern wir die Polemik über vergangene Dinge ruhen lassen, solange es sich um Zufälliges oder Periodisches handelt — über die Grundauffassung der politischen Mission Oesterreichs muß volle Klarheit geschaffen werden, weil davon die Klarheit der Be­ziehungen zwischen Wien und Berlin ab­hängt. Diese Mission ist jetzt und in aller Zukunft eine deutsche Mission, die wir nach

unserer Auffassung und nach unserem Kön­nen erfüllen. Die gegenwärtige Entwicklung im Reich hat uns dieser Mission nicht ent­hoben, sondern hat uns zu unseren alten Pflichten noch neue Pflichten auferlegt. Es wird wohl nicht notwendig sein, die inter­nationale Lage von heute und die Be­ziehungen Berlins zu den europäischenMäch- ten weitläufig zu erörtern, um begreiflich zu machen, was wir mit diesem Satz meinen.

Justizminister Kerrl wieder in Berlin

Berlin, 14. Mai. Auf dem Flugplatz Tempelhof traf Justizminister Kerrl, aus Wien kommend, ein.

Notwendige Mabuahms

Berlin, 14. Mai. Die Landesvorsitzenden, Wahlkreisvorsitzenden und Generalsekretäre der Zentrumspartei tagten am Sonntag unter Vorsitz des neuen Führers Dr. Brü- ning in Berlin, um die Maßnahmen zur Reorganisation der Zentrumsbewegung und ihrer positiven Mitarbeit für eine christliche, nationale und soziale Erneuerung des deut­schen Volkes zu beraten.

Zum Zwecke der generellen Regelung der Haltung der Zentrumspartei gegenüber Parteiangehörigen und insbesondere Man­datsträgern, die in Prozesse verwickelt sind und die ja im übrigen ihre Mandate zur Verfügung gestellt haben, ist angeordnet worden, daß ihre Funktionen und Mandate bis znr gerichtlichen Entscheidung, ruhen. In Fällen mit klar erkanntem Tatbestand soll das Notwendige veranlaßt werden. Zur Prüfung aller Fälle ist ein besonderes Ehrengericht eingesetzt worden.

Der TWMger Landdmh ordert SmerÄeess Mitteilt

Die ..NeichSpott" ..an die reichsdeutschen Gäste"

Wien, 14. Mai. Der unfreundliche Emp- !ang der deutschen Minister dnrch die öster-

Meinmgen, 14. Mai. Der große Bauerntag des Thüringer Landbundes und Junglandbundes, der am Sonntag in Meiningen stattfand, wurde zu einem gewaltigen Ereignis. Sportlichen Veran­staltungen und einer Kundgebung auf dem Markt­platz am Sonnabend folgte am Sonntag der sat- zungsmäßige Bauerntag. Nach einer Begrüßungs­ansprache des Vorsitzenden des Landbundes führte Darre etwa aus:

Das deutsche Bauerntum nehme in der Ge­schichte der nationalen Revolution einen ganz be­sonderen Rang ein. Der Bolschewismus habe sich am Instinkt der deutschen Bauern gebrochen. Der gesunde Sinn des Bauern habe im parlamen­tarischen Kampf «des Jahres 1932 der nationalen Revolution zum Siege verhelfen.

Der Kamps um die Freiheit des Bauern müsse heute auf neuen Grundlagen durchgeführt werden. Wenn sich gewisse Kreise irgendwelche Hoffnungen machten, die nur an Bankguthaben und Kredite denken, so wolle er ihnen sagen:

Es kommt heute nicht darauf an, das Kapital zu retten, sondern es kommt einzig und allein darauf an, den Bauern und seinen Hof zu retten.

Wir stehen vor der Schicksalsstunde

des deutschen Bauerntums. Gerade heute ist die Stellung des Volks- und Bauernkanzlers Adolf Hitler zum Ausland abhängig von der Geschlossen­heit der deutschen Bauern. Wenn die Welt weiß, daß der deutsche Bauer entschlossen ist, mit seinem Führer Adolf Hitler zu siegen oder zu fallen, dann wird der deutsche Staat allen Stürmen Trotz bieten können und neu auferstehen.

Dann wandte sich der Redner in erster Linie organisatorischen Fragen zu. Er kündigte eine gewaltige Vereinheitlichung und Vereinfachung der Bauernorganisationen an, in denen die Verträge der Bauern herabgesetzt werden, aber ein Viel­faches für «die Bauern geleistet werden würde. Nachdem Ministerpräsident Marschier gesprochen hatte, schloß der Vorsitzende die Hauptversamm­lung und Lab ein Telegramm bekannt, das an -den Reichspräsidenten, den Reichskanzler und an Reichsminister Dr. Hugenberg gerichtet ist. In diesem Telegramm heißt es:

„Die heute aus ganz Thüringen zu ihrem Bauerntag in Meiningen versammelten Mitglieder erwarten, daß Dr. Hugenberg von seinem Amt als Wirtschafts- und Ernährungsminister zurücktritt und dem Führer des deutschen Bauerntums. Wal­ter Darre, Platz macht.

..Das Deutichwm kavaichtwiederdassaaw

erheben"

(Von unserem Pariser Mitarbeiter.)

A. K. Paris, im Mai 1933. Wieder ergießt sich, wie seit langem nicht mehr in diesem Maße, eine Flut von Lügen, VerlemMmng und Haß gegen Deutschland über Frankreichs, öffentliche Meinung. Das Beste ist, diese Wut ruhig und kaltblütig sich verlaufen zu lasten, aber an der sachlichen Grundeinstellung Frank­reichs zu dem, was für uns eine Lebensfrage ist, Freiheit und Gleichheit im Rat der Völ­ker, wird sich nichts ändern. Freiheit und Gleichheit steht Wohl ebenso wie Brüderlich­keit auf jedem französischen öffentlichen Ge­bäude mehr oder weniger geschmackvoll ange­schrieben, selbst über dem Eingang vieler Kir­chen, aber diese kalten Mauern sind so ge-. duldig wie das Papier. Die Freiheit, die Frankreich meint, ist nicht unsere Freiheit. „Wenn man die internationale Zusammen­arbeit auf dauerhafter Grundlage ins Werk setzen will, dann muß man ein für allemal für die deutsche Wiederaufrüstung und für jede Revision der Verträge die Tür schließen." Was hier der „Temps" schreibt, ist die Mei­nung und das Ziel der französischen Regierung und ihrer Genfer Diplomatie. Die offene Be­gründung aber für diese deutschfeindliche Po­litik gibt der immer sehr klare und ausgezeich­net unterrichtete Außenpolitiker des „Echo de Paris", der auch mit Herriot zusammen in Amerika war. „Das Deutschtum darf nicht wie­der das Haupt erheben, und das einzige Mit­tel, der deutschen Revanchelust erfolgreich ent­gegenzutreten, ist die Wiederherstellung unse­rer Bündnisse im Weltkrieg, also unserer be­waffneten Bündnisse. Die Macht ist nicht auf feiten Deutschlands, und wir müssen dafür sorgen, daß es das nicht vergißt. Auch selbst wenn Deutschland nicht wieder aufrüstet, würde doch jede geringste Art der Abrüstung Frankreichs unweigerlich die zahlenmäßige und industrielle Ueberlegenheit des Reiches verstär­ken." Da dies die unbestreitbar letzten Beweg­gründe der französischen Politik sirw, so wird man sich ernstlich fragen müssen, wie lange es noch einen Sinn hat, für die Abrüstungs­komödie in Genf und überhaupt für den Völ­kerbund Geld und Zeit zu verlieren.

Das Deutschtum soll nicht wieder das Haupt erheben. Wo es die Macht hat und solange es die Macht hat, handelt Frankreich nach die­sem Grundsatz, im Großen wie im Kleinen, in Wort und Tat. Ein Barometer der fran­zösischen Stimmung sind Hunderte von Aeuße­rungen maßgeblicher und unmaßgeblicher Franzosen, Dutzende von Nadelstichen und Schikanen, die sich Deutsche in Frankreich ge­fallen lasten müssen. Unter den Begleitern Herriots in Washington war auch der Ehef­redakteur des „Matrn", Stephane Lauzanne. Als Herriot wieder in Frankreich eingetroffen war, erzählte Stephane Lauzanne „Geschichten aus dem Krieg", die der schöngeistige Beetho­ven-Verehrer Herriot ihm in den Plauder- stunden an Bord der „Jle de France" anver­traut hatte. Darunter war eine, die uns Deutsche näher angeht. Herriot erzählt, er habe unmittelbar nach der Skagerrak- Schlacht den Admiral Beatty begrüßt, als ge­rade die englische Flotte mit verbeulten Ka­minen, zerschossenen Panzern und gerammten Bordwänden im englischen Heimathafen einge­troffen sei. Bald darauf sei Beatty ein deut­scher in der Schlacht am Skagerrak gefangen­genommener Schiffskommandant, Führer eines Torpedo- oder Unterseebootes, vorgeführt wor- den. Beatty habe ihm gentlemanlike kamerad­schaftlich die Hand gereicht. Der deutsche Offi­zier habe darauf dem englischen Admiral i« die Hand gespuckt. Beatty habe dann begreif-