Ausgabe 
(10.5.1933) Nr. 121
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Erziehung zum StaatSvoü

Die Sicherung -er uaßisualen Mvslutisa durch

die Schule

Mr meinen:

Am heutigen Mittwoch tritt in Berlin zum Ersten Male ein Kongreß des ganzen schaffen­den Volkes zusammen, um vor dem Führer zu bekunden, daß der KlassenkampMdaM des Marxismus überwunden und der Wille zur Volksgemeinschaft in die Tat umgesetzt werden soll.

Vertreter der Christlichen Geweickschasten, des DHV., GDA. und zahlreicher kleiner Ver­bände find aus dem ganzen Reich in Berlin zusammengekommen, um die Parole Adolf Hitlers entgegenzunehmen.

Der 1. Mai war der gewaltige öffentliche Auftakt, der 2. Mai brachte die staatspoliü- schen Entscheidungen und nun am heutigen 10. Mai wird zum ersten Male Heerschau ge­halten, werden die Ziele Abgesteckt, die jetzt in gemeinsamer Arbeit erreicht werden sollen.

Die Vertreter aller jener Verbände, die bis­lang ihre Positionen nur im Kampf gegenein­ander behaupten konnten, reichen sich jetzt die Hände und mit ihnen dann das ganze schaffende Volk an diesem Tage dem Mann, der der j Melodie der deutschen Arbeit einen neuen Rhythmus verlieh, der dem Pulsfchlag des ganzen deuschen Volkes gleicht.

*

Am gestrigen Dienstag fand in Berlin die erste Zusammenkunft der neuen Unterrichts­minister unter dem Vorsitz von Dr. Frick fmtt, der bei dieser Gelegenheit eine grundsätzliche Rede über die Aufgabe der deutschen Schule hielt. Aus diesen Ausführungen möchten wir den Gedanken unterstreichen, daß die deutsche Schule der Zukunft den politischen Menschen zu bilden hat, der in allem Denken und Han­deln dienend und opfernd in feinem Volke wurzelt und der Geschichte und dem Schicksal seines Staats ganz und unabtrennlich zu in- nerst verbunden ist. Wir hoffen von der Neu­gestaltung der deutschen Schule, daß die großen Werte deutscher Kultur weit stärker in den Vordergrund treten als bisher.

Minister Dr. Frick hat nicht nur hierfür die notwendigen Formulierungen gefunden, son­dern darüber hinaus auch die Gründe aufge­zeichnet, warum bislang die Schaffung eines Reichsschulgesetzes mißlingen mußte. Nach der Auffassung der Weimarer Verfassung ist der Wille der einzelnen Eltern allein maßgebend für die weltanschauliche Form der Schule. Der nationalsozialistische Staat aber steht auf dem Standpunkt, daß die Erziehung der Jugend durch die Schule zur gliedhaften Einordnung des einzelnen in das Volksganze führt, damit ein geschlossener politischer Wille und eine ge­meinsame geistige Bildung und Ausbildung auch für die Zukunft die Einmütigkeit unseres Volkes sicherstellt.

*

Während der ehemalige französische Finanz- minister Rehnaud in Marseille gegen Deutsch­land hetzt und behauptet, daß Frankreich not­gedrungen wieder zur Machtthefe zurückkehren müsse, veröffentlicht der Vizepräsident des 'Auswärtigen Ausschusses der französischen Kammer, Abgeordneter Paul Bastid, im „Matin" seine Eindrücke während der drei­wöchentlichen Reise durch Deutschland und äußert sich dabei wie folgt:

„Es wäre ebenso lächerlich wie gefährlich, wenn wir in Frankreich die Bedeutung und Größe der nationalen Revolution leugnen oder unterschätzen wollen, die ein großes Volk von 65 Millionen Menschen erfaßt hat. Das nationalsozialistische Regime hat alle Aussicht in Deutschland, zu bestehen, weil es in seiner völkischen, romantischen und militärischen Ge­stalt den Wünschen und Bedürfnissen des deut­schen Volkes wunderbar entspricht. Es wäre Heller Wahnsinn, auf den Sturz dieses Regimes spekulieren zu wollen oder den früheren deut­schen Parteien nachzutrauern. Nach Hitler -abe es nur das Chaos. Dieses Niederer-

Sr. Frick vor de« Unteerichis- miiMern

Berlin, 9. Mai. Im Rerchsministerium des In­nern fand heute eine Zusammenkunft der Unter-- richtsminister der deutschen Länder statt, auf der Reichsminister Dr. Frick eine längere Ansprache hielt, in der u. a. folgendes ausführte:

In den letzten drei Monaten haben wir in ei­nem in der deutschen Geschichte unerhörten Aus­maß nNd unerhörten Tempo die politische Macht im Reich erobert und gegen gewaltsame Umsturz­versuche weitgehendst gesichert. Jetzt stehen wir vor der schwierigen Aufgabe, auf lange Sicht diese Macht auch innerlich derart zu festigen, daß in alle Zukunft ein Rückfall in die Fehler der Ver­gangenheit unmöglich wird. Dazu muß die Grundlage in der Erziehung unseres Volkes ge­schaffen «erden.

Die nationale Revolution gibt der deutschen Schule und ihrer Erziehungsaufgabe ein neues Ge- setz:

Die deutsche Schule hat den politischen Men­schen zu bilden, der in allem Denken und Han­deln dienend und opfernd in seinem Volke wur­zelt und der Geschichte und dem Schicksal seines Staates und unabtrennlich zuinnerst verbunden ist.

Die neue Schule geht grundsätzlich vom Gemein­schaftsgedanken aus, der ein uraltes Erbteil un­serer germanischen Vorfahren ist und demgemäß unserer angestammten Lebensart am vollkommen­sten entspricht. Er fordert

freie Sindnns des einzelne« durch das Sekanttwshl.

Zwar bleibt die Entfaltung der Persönlichkeit nach wie vor bedeutsame Aufgabe, aber den selbstver­ständlichen Rahmen nicht nur, sondern auch den RichtungsPunkt ihrer Entwicklung brldet die Volksgemeinschaft, in die wir hineingeboren sind. Hieraus ergeben sich Volk und Vaterland als wichtigste Unterrichtsgebiete, jenes in der reichen Fülle seiner Leistungen, von denen seine Ge­schichte, Sprache und Dichtung, heimische Kunst und heimischer Gewerbefleitz zeugen, dieses 'in der Vielgestaltigkeit seines natürlichen Aufbaues in Boden, Tier- und Pflanzenwelt einerseits und in der Gestaltung dieses Erdraumes durch die schaf­fende Hand unserer Vorfahren von Urzeiten her andererseits.

Zu den edelsten Werten, deren Pflege uns am Herzen liegen muß, gehört unsere Muttersprache. Dabei fei zugleich auch der deutschen Schrift ge­dacht, die ihren unbedingten Vorrang vor der lateinischen niemals verlieren darf. Im Hinblick auf das angedeutete allgemeine Bildungsüel ergibt sich. daß die Geschichte unter den Schulfächern in vorderster Linie steht. Das ungeheure Erlebnis

des Weltkrieges mit dem heldenhaften Ringen des deutschen Volkes gegen eine Welt von Feinden, die Zersetzung unserer Widerstandskraft durch vaterlandsfeindliche Kräfte, die Entwürdigung un­seres Volkes durch das Versailler Diktat und der ihr folgende Zusammenbrach der liberalistisch- marxistischen Weltanschauung sind ebenso eingehend zu behandeln wie das beginnende Errvachen der Natron vom Ruhrkampf an bis zum Durchbruch des nationalsozialistischen Freiheitsgedankens und bis zur Wiederherstellung der deutschen Volksge­meinschaft am Tage von Potsdam.

Neben der so geforderten stärkeren Betonung deutscher Kulturwerte im Geschichtsunterricht und in hen ihm verwandten Fächern bedarf auch der lebenskundliche (biologische) Unterricht nach zwei Seiten hin des Aufbaues. Zunächst sei die

Aasfe»l«n-r

genannt. Die rassenkrmdliche Aufklärung aber ist durch eine nicht weniger wichtige erbgesundheitliche zu ergänzen. Schon bei der Jugend kann und muß das Verständnis dafür geweckt werden, daß ein Volk auch in seinem rassischen Gefnge keine un­abänderliche Größe ist.

Die kSrvsrllche Ertüchtign««

ist eine unentbehrliche Voraussetzung unserer völ­kischen Dauer, Eine besondere Seite dieser Auf­gabe ist die Wehrhaftigkeit. Die Wehrhaftigkeit bedeutet, daß das deutsche Volk wieder lernt, im Wehrdienst die höchste vaterländische Pflicht und Ehrensache zu sehen.

Alle Berufsarbeit ist Pflichtmäßige Leistung im Dienst von Volk und Staat. Diese Auffassung stellt den tiefen Sinn aller Berufsarbeit wieder her. Die Schulen aller Arten haben die Aufgabe, diese Berufsauffassung in ihren Schülern zu ent­wickeln und zu festigen. Auch der äußere Ausbau des Schulwesens muß dieser Ausgabe entsprechen. Der Volksschule, die in Wahrheit die Schule des Volkes ist, hat die erste Sorge der Nation zu gelten. Der Zugang zur höheren Schule und Hochschule darf fernerhin nicht von völlig freiem Belieben der Eltern der Schüler abhängig sein.

Aus diesen Ausführungen ergibt sich bereits, daß die schulpolitischen Bestimmungen der Reichsver­fassung keine geeignete Ordnung des deutschen Schulwesens ermöglichen. Ein Hauptgrund, wes­halb die Schaffung des Reichsschulgesetzes nach Ar­tikel 146 der Re'ichsverfassung mißlingen mußte, ist darin zu sehen, daß in der Verfassungsbestimmung der Wille der einzelnen Eltern allein maßgebend für die weltanschauliche Form der Schule ist.

Die nationale Regierung will unbedingt den po­litischen Charakter der Schule in dem Sinne her­gestellt wissen, daß die Schule durch ihre Er­ziehung die gliedhaste Einordnung der Schüler ins Volksganze herbeiführt, damit der geschlossene (Fortsetzung auf Seite 2)

Der ewige Kampf

Die Abrüstungskonferenz in Genf hat wieder einmal einen ihrer schon fast sprichwörtlich ge­wordenen Krisenpunkte erreicht. Die letzte vierwöchige Vertagung hat die Schwierigkeiten in keiner Weife zu nnndern vermocht, im Ge­genteil, jeder Tag, den die Konferenz länger dauert, vergrößert sie und macht die vollkom­mene Unmöglichkeit einer Lösung sichtbarer und klarer. Für uns wahrhaftig keine Über­raschung, sondern nur die Bestätigung besten, was die deutsche Politik schon seit Jahr und Tag wissen konnte. Wir haben niemals daran gezweifelt, daß in dem Augenblick, wo Deutsch­land die entschiedene Forderung erheben wüiche nach der praktischen Durchführung der Gleich­berechtigung, die ihm im 5-Mächte-Mbkommen im Dezember vorigen Jahres versprochen wor­den war, die Einheitsfront, die vierzehn Jahre gegen uns gestanden hat, wieder da sein würde, als hätte es niemals ein Locarno gegeben, als habe man niemals einen Kellogg-Pakt unter, zeichnet.

Und doch ist die Lage eine andere und doch. wissen wir, daß die politische Kräfteverteilung in Europa nach einer Lösung schreit, die kom­men muß, wenn nicht der Kontinent einer noch furchtbareren Erschütterung entgegengehen soll, als sie der Weltkrieg gewesen ist.

Wenn das ganze Bestreben — vor allem Frankreichs — darauf hinausläuft, die deutsche Politik verantwortlich zu machen für den fast schon als sicher zu bezeichnenden Mißerfolg der Konferenz, so wird man doch auf die Dauer die Völker, die auf die Erfüllung gegebener Versprechen warten, nicht darüber hinweg­täuschen können, daß es Frankreich ist mit seiner immer wiederholten Forderung nach Sicherheit, das jede Möglichkeit einer Ver­ständigung zerstört.

Es ist aus die Dauer ein unhaltbarer Zu­stand, daß das Volk, das über die stärkste Armee und die größte Luftflotte verfügt, wie gebannt an einem Begriff hängt und ihn zu einer kategorischen Forderung erhebt, während das Volk, das inmitten hochgerüsteter Nach­barn über ein kleines vollkommen unzureichen­des Heer verfügt, gezwungen werden soll, diese Sicherheit zu garantieren. Das sind Forde­rungen und Konstruktionen, die jeder geschicht­lichen Erkenntnis Hohn sprechen und darum auch auf die Dauer nicht die Grundlagen einer Politik sein können.

Denn was ist die Politik weiter als die Sicherstellung des Bestandes und der Entwick­lungsmöglichkeiten eines Volkes? Und diese Entwicklung vollzieht sich nicht nach irgend­welchen theoretischen Ueberlegungen, sondern verläuft in Bahnen, die fest vorgezeichnet sind und deren Spuren uns die Geschichte von Jahrtausenden gelehrt hat. Diese Lebensge­schichte der Völker zeigt uns, daß aus der Spannung zwischen dem Sieger und dem ge- demütigten Besiegten naturnotwendig der Wille des Besiegten entstehen muß, sich frei zu > machen von den Fesseln, die ihm auferlegt j worden sind und sich die Stellung wieder zu schaffen, die er zu seinem Leben braucht. Die französische „Sicherheit" wird deshalb solange keine wirkliche Sicherheit sein können, solange im Herzen Europas Staaten sind, deren Ge­biet vollkommen schutzlos und offen den aus

wachen eines großen Volkes hat trotz gewisser Schattenseiten gewiß etwas Grandioses an sich.

Abschließend stellt er fest, daß nach seiner Er­fahrung der Nationalsozialismus von keinerlei feindseligen Gefühlen gegen das Ausland im allgemeinen und Frankreich im besonderen be­seelt ist. Jedenfalls sei es nicht richtig, 5aß das deutsche Volk Frankreich haßt. So ganz können wir Herrn Bastid in seinen Schluß­sätzen nicht zustimmen, wenn wir ihm auch durchaus bestätigen können, daß Deutschland

bei einer ..verständigen Haltung Frankreichs größeren Wert aus einen friedlichen und ge­sunden Ausbau seines Vaterlandes legt, als mit Frankreich in kriegerische Verwicklungen zu geraten. Voraussetzung aber für eine weitere friedliche Gesinnung des neuen Deutschlands ist eine völlige innere Umstellung der französischen Politik. Nicht wir, sondern Frankreich hat es in der Hand, den Ausbruch von Haßgefühlen gegen Frankreich zu verhin­dern.