Ausgabe 
(2.5.1933) Nr. 113
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

2. 1V22

^»rHpgsns is^

sKLÄ

KL>-

MM

.dsro--'

Verlag» Redaktion und Geschäftsstelle: Papenstraße 15. Sprech­stunde der Redaktion: Montag bis Freitag von 18 bis 19 Uhr. Fernsprecher: Domsheide 26021. — Die BNZ erscheint wöchent­lich siebenmal als Morgenzeitung und kostet 2.30 frei Haus. durch die Post zuzüglich 42 Bestellgeld.

Das Amtliche Sega« -es Senats BWÄWAUWMHWWZ -er Freien Sanselta-1 Vreme«

u. Familienanzeigen 0.06; sonstige kleine Anzeigen 0.03 Platzvorschr. o.Verbindlichkeit! Bei Betriebsstörung» Streik, Ver­bot usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückz. d. Bezugsvr

Der Führer an das Volk:

Ehret die Arbeit und mhtet den Arbeiter

DeuWlan- m seinen Massen geeint, seiert den Tag der Arbeit

Der 1. Mai in Bremen

Anstatt

Bremen ein Flaggenmeer . Kahl recken sich die Fahnenmasten in den mil­chigen Himmel. Noch schläft die Stadt. Da jdröhnt es erst zaghaft, dann immer lauter durch den erwachenden Tag. D^r Tag der Arbeit, der Mär wird eingeläutet. Weit trägt der Nebel >en Schall über das Häusermeer hinein in die Zähnungen der Menschen, die — noch schlaftrun­ken — empfinden, daß nicht nur ein neuer Tag, sondern eine neue Zeit angebrochen ist.

Bald wird eine Fahne nach der anderen gehißt, aus den Häusern an hohen Fahnenstöcken, kleine Wimpel werden zwischen Maiengrün an die Fen­ster gehängt, um zu bezeugen, datz alle helfen wol­len, den Tag der Arbeit so schön zu gestalten, so wie es in ihren Kräften steht.

Schon wer den Morgen dieses ersten Mai er­lebt, ist erstaunt über die Flaggenfülle, mit der sich unsere alte, ehrwürdige Hansestadt Bremen geschmückt hat. Wir denken zurück an historische Ereignisse — die Heimkehr der Ozeanflieger in ihrer Vaterstadt, wir denken an die ersten er­hebenden Feiern der nationalen Revolution. Nie aber war Bremen so festlich geschmückt, in ein solch unendliches Flaggenmeer getaucht! Mag man sehen, wohin man will, in die City, in die Vorstädte oder draußen aufs Landgebiet, es gibt kaum ein Haus in der ganzen Stadt, das nicht irgendwie Flaggenschmuck zeigt oder mit Tannengrün und Guirlanden geschmückt ist.

Schon in aller Frühe sieht man unzählige Men­schen dem Stadtinnern zustreben zu den großen Gotteshäusern.

Der FeftgotteSdisnft im Dom

So übe. füllt, wie der Dom am 1. Mai wär, so überfüllt ist er nur an ganz wenigen Tagen im Jahr. Jeder Platz ist besetzt und sogar in den Gängen stauen sich all die, die gekommen sind, um vom lebendigen Christentum zu vernehmen, das uns die seelische Einheit gibt. Mit Maien­grün ist die Kanzel geschmückt. Zärt und fein sind die sungen Blätter am Strauch und doch ver­körpern sie uns den Frühling, den deutschen Früh­ling! — Fahnen werden hereingetragen. Alles erhebt sich und grüßt mit erhobener Hand die Farben des erwachten Deutschland und die schwarz­weißroten Fahnen des Stahlhelm und des Kampfbundes Niedersachsen. In die andächtige Stille fällt der Gesang des Domchores und der Gesang der Gemeinde, die ergriffen und beglückt die Verse singt:

„Wach' auf. wach' aus, du deutsches Land!

Du hast genug geschlafen.

Bedenk, was Gott an dich gewandt,

Wozu er dich erschaffen."

Und dann spricht Pastor Heinz Weidemann von dem Adel der Arbeit. Ganz schlicht, wie ein Freund zu uns spricht. Ganz unpathetisch und doch dringt jedes Wort in die Herzen der An­dächtigen. Es ist alles so einfach mit einem Male. Draußen ist Frühling in deutschen Landen und die Herzen quellen über voll Liebe. Haß, Neid, Mißgunst verschwinden, wie die Worte vor- überrauschen. Was bleibt, ist tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit für den, der Un Volk aus der Zer­

rissenheit im Glauben an Gott und seine Kraft zueinandersührte. So daß wir an unserem Mit­menschen nicht vorübergehen, ohne ihm tief in die Augen gesehen zu haben — gleich ob er Arbeiter, Bürger, Bauer ist. Jeder an seinem Platz, wenn er auf ehrliche Weise sein Brot erwirbt. Nicht im Eigendünkel sich verkriechen, endlich spüren,

daß die Scholle, die uns gebahr, uns zusammen­schweißte zu einem Volk. —

Als Pastor Weidemann längst geendet hatte und die machtvollen Klänge der Orgel den ehr­würdigen Dom durchbrausten, erwachte man — säst wie aus einem Traum, der nun endlich Wirklichkeit werden wird. — Draußen wallt der Nebel auf und nieder und schleiert um die Spitzen der Domtürme. Bald wird die Sonne den Nebel durchdringen, bald werden wir am Ziel sein:

Ein einig' Volk von Brüdern In keiner Not uns trennen und Gefahr! --

Die Jugendweihe

in der Stephanikirche

Bereits um 7 Uhr morgens zogen aus allen Stadtteilen die nationalen Jugendverbände hin­aus zur St. Stephanikirche, um an einem von Pastor Denckhaus geleiteten Jugendfest- gottesdienst teilzunehmen. Als um 7.30 Uhr das erste Orgelvorspiel begann, war die Kirche — eine Seltenheit in Bremen — weit über den letz­ten Platz hinaus gefüllt. Die Jungen lauschten andächtig dem Spiel und sangen einleitend den Choral „Großer Gott wir loben Dich". Nach ei­nem sehr wirkungsvollen Eingang ssp ruch sang der Mädchensingkreis einen Kanon „Sieh Deine Liebe und Deine Wahrheit" nach dem Psalm 43, dem ein Gebet und darauf ein außerordentlich wirkungsvoller Sprechchor junger Männner folgte, der endete mit den Worten :„Wir deutsche Jugend stehen dienstbereit: Deutschland soll leben für alle Zeit." Während der Schriftverlesung (Psalm 46) erhob sich die Jugendgemeinde andächtig von ihren Plätzen. Nachdem noch einmal der Mädchensing­kreis die Hörer mit fein geschulten Stimmen fesselte, folgte der gemeinsame Gesang des alten schönen Lutherliedes, das gerade für unsere heu­tige Zeit von großer Kraft und Bedeutung ist: „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen". Darauf ergriff Pastor Denckhaus das Wort zu seiner Predigt, in der er einen Vergleich zog zwischen einer Gestalt der alten deutschen Sage: „König Günther" und den Men­schen unserer heutigen Zeit. Wie einst König Günther einen unsichtbaren Helfer hatte, der den Stein schleuderte, der den Sprung tat, der mit unsichtbarer Hand diesen Stein weiter noch schleu­derte als Brunhild, so bedeutet dieses Gleichnis für uns in unseren Tagen, daß auch hinter all un­serem Handeln eine unsichtbare Kraft, ein unsicht­barer Helfer steht, der uns über ein Trümmer­feld, über Schmutz hinweg zum Sieg führen wird. Adolf Hitler, der große Kanzler des Reiches, rief die Deutschen hinaus, um die Kluft im Volk, die unendlich breit war, endgültig zu überbrücken. Aber alles brennende Wollen ist nichts, wenn nicht dieser unsichtbare Helfer hinter uns steht, der uns stählt und der uns Kraft gibt, dieses hohe Ziel dennoch zu erreichen. Wir können ihn, den un­sichtbaren Helfer, nicht fordern zum Dienst, er ist kein Knappe, wie einst Siegfried Knappe war. Er ist der einzige, dem alles gehört. Aber wir können ihn bitten, wir müssen uns niederzwingen auf die Kniee, auf daß nicht an unsere Schuld gedacht wird, sondern das uns geholfen wird. Und dann als zweites, was wir tun können: hin- ausschreiten in den Kampf. Günther mußte sich von Siegfried leiten lassen, sonst wäre trotz des unsichtbaren Helfers alles verloren. WyZ maß

Dieser

sich in jeder Kampfbewegung leiten lassen.

Leiter und Führer ist uns Adolf Hitler.

Da aber, wo wir diese beiden Losungen, Nieder­knien und Kämpfen, befolgen, da muß es auf­wärts gehen zum Ziel. Befolgen wir sie nicht, muß Deutschland sterben. Darum laßt uns hin­aus in den Kamps gehen unter des Volkskanzlers und Gottes Führung.

Diese Predigt, ganz auf das Verständnis der Jugend eingestellt, hinterließ auf alle Jungen einen tiefen Eindruck, so daß das, was man sonst selten erlebt, Wahrheit wurde, die Jugend hatte eine Predigt und damit Gottes Wort bis ins letzte verstanden und begriffen. Die eindrucksvolle Feie« wurde beschlossen durch ein Gebet und den Segen. Unter den Klängen des Deutschland­liedes verließen die Fahnenabordnungen und dar­auf die Jugendverbände die Kirche.

Gottesdienst in der Liebsrauen- iieche

Der Tag der nationalen Arbeit wurde m der Liebfrauenkirche eingeleitet durch einen Gottes­dienst, der eine sehr zahlreiche Gemeinde versam­melte. Nachdem die Fahnen der deutschen Frei­heitsbewegung durch SA-Abordnungen sowie Fah­nenabordnungen des Wiking-Bundes vor dem Altar Aufstellung genommen hatten, wurde das Lied „Allein Gott in der Höh sei Ehr" gesungen.

Pastor Rahm legte seiner Predigt das Wort zu Grunde: „Ich wünsche, daß ein Mensch fröhlich sei bei seiner Arbeit, denn das ist sein Teil" und führte sodann aus-: Als unser Volkskanzler Adolf Hitler im Juni in Bremen weilte, sprach er den Satz: „Das Wunder liegt hinter uns." Er dachte dabei an den Weg seiner 'einzigartigen Bewegung« Tage und Stunden in denen unsere Herzen höher schlugen, in denen wir uns als fromme Men­schen vor unserem Gatte beugen mußten aber folgten darauf. Ein solches Wunder verkörpert auch der 1. Mär. Ein Tag, der in früheren Jahren die Fahne der Internationale zeigte, ist heute in ein einziges Flaggenmeer der nationalen Erhebung getaucht. Der Sinn des Tages bestehe darin, so fuhr Pastor Nahm fort, daß das Volk sich zur Arbeit bekenne, zur Ehre, zum Edlen un8 zu den Aufgaben der Arbeit. Der Deutsche sei stets vom Fleiß beseelt gewesen, aber er sei in den letzten Jahren an einen Abgrund geraten, an dem er die Arbeit als eine Frohn erblicke. Das sei zumeist eine Folge der immer mehr vorwärts­schreitenden Technik und Mechanisierung. Pastor Rahm gedachte derjenigen, denen durch die schwere Wirtschaftslage jede Arbeilsmöglichkeit versagt ist. Seelisch bedrückt und geschlagen schauen diese den­noch voll Vertrauen auf eine bessere Zukunft. Wir wünschen, daß dieser Tag als ein lebendiger Pulsschlag durch unser Volk gehe. Ein halbes Jahrhundert habe die Arbeiterschaft um diesen Tag gekämpft, erst der Nationalsozialismus habe ihn ihr schenken können. Möge dieser Tag die Erfüllung bringen und uns immer wieder den Satz, den unser Führer geprägt hat, ins Gedächt­nis zurückrufen: „Wenn Fürsten zu ihrem Lande zurückkehren» so bedeutet das wenig oder nichts, wenn aber Millionen Arbeiter den Weg zu ihrem Vaterlande wiederfinden, so ist das ein Fanal zue Freiheit."

Mächtig ertönt das Lied „Ich hab' mich er­geben". Mit dem Gebet und dem Segen sowr.: einem stolzen Bekenntnis zum deutschen Vater­lands, das seinen Ausdruck in der National­hymne findet, klingt dieser eindrucksvolle Gottes­dienst aus.

Arbeiter auf Fahrrädern von draußen in Sonn­tagskleidern kommen herein um an den kurzen Feiern teilzunehmen.

Die Arbeiter i« -r« Betriebs«

Punkt 8 Uhr haben sich Arbeitgeber und Arbeit­nehmer aller Betriebe in ihren Arbeitsräumen zu einer kurzen Feier versammelt. Die Belegschaft der Betriebe ist zu diesen feierlichen Kundgebungen voll­zählig erschienen. In den größeren Werken wird dieser Tag unter Mitwirkung von Musikkapellen eingeleitet. Unter den Klängen des Präsentier- marsches werden die Flaggen der nationalen Er­hebung gehißt. Es folgen die Ansprachen der Ar­beitgeber und der Vertreter der Arbeitnehmer.

Von den vielen Kundgebungen greifen wir eine der feierlichsten, die der Firma Martin Brinkmann Aktiengesellschaft, heraus. Etwa 2500 Angestellte des Bremer und Hemelinger Betriebes hatten sich eiu- gesunden und nahmen auf dem großen Vorplatz des Fabrikgebäudes in der Dötlingerstraße Auf­stellung. Nach dem gemeinsamen Gesang des nie­derländischen Dankgebetes, unter Mitwirkung der NSBO-Kapelle (Leitung Gaumusikmeister Otto Strauß) nahm als Arbeitgeber das Vorstands- MitglM Ler FirMa Mar tin Brinkmann. Wolf­

gang Ritter, das Wort. Er führte aus: Verehrte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen! Am 30. Ja­nuar dieses Jahres hat der alte ehrwürdige Ge­neralfeldmarschall und Reichspräsident von Hinden- burg den Führer der größten deutschen Volksbewe­gung, Adolf Hitler, beauftragt, die Geschicke Deutschlands zu leiten.

Seit diesem Tage sind in Deutschland gewaltige Veränderungen vor sich gegangen, Veränderungen, die man noch vor wenigen Monaten für unmöglich gehalten hatte. Der Volkskanzler Adolf Hitler er­strebt den deutschen Volksstaat, in dem Arbeiter, Bürger und Bauer gleiche Rechte und gleiche Ehre haben. Dem einen der drei Stände, nämlich dem deutschen Arbeiter, ist der heutige Tag geweiht. Es gilt heute, ihm zum Bewußtsein zu bringen» daß ex ein gleichberechtigtes Glied des deutschen Volksstaates ist, es gilt ihm zu zeigen, welchen gewaltigen Wert gerade seine Arbeit im Rahme» PeZ ganzen hat