Ausgabe 
(16.4.1933) Nr. 99
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Lebendige Sstern

Opfer und Hingabe als gestaltende Kräfte deutscher

Geschichte

scheu Gefühl, das stärker ist in uns als Ver-

„Fröhliche Ostern" ruft Nachbar zum Nach­bar; die Frau des Hanfes sorgt für die Küche, die noch m Arbeit Stehenden freuen sich auf die freien Tage und auch die vielen, allzuviel«:, die immer „feiern" müssen, arbeitslos sind, auch sie versuchen, ein frohes Osterfest zu ver­bringen. Frohsinn gehört zum täglichen Brot und wir sind die letzten, die nicht jedem, so er Freude daran hat, einen Besuch der Ostvr- wiese gönnen.

Und doch, sieht man von dem für so man­chen nur üblichen Kirchgang in den Ostertagen ab, will es uns scheinen, als ob wir alle den Tagen um Ostern einen zu alltäglichen, zu gewohnheitsmäßigen und darum abgegriffenen Wert einräumen, als ob wir in der Hast der Arbeit und dem Drängen der Sorgen und Nöte den lebenden Gedanken des Osterfestes ver­schüttet haben. Wir feiern zwar Ostern und auch den Karfreitag zählen wir zu den wich­tigen kirchlichen Feiertagen, aber es bleibt im­mer bei denen, die nicht mehr den Weg zur Kirche finden, aber auch bei denen, die regel­mäßig an Festtagen den Gottesdienst besuchen, es bleibt eine Form, eine Gewohnheit ohne lebendigen Inhalt, ohne schöpferische, wegwei­sende Kraft, ohne Selbstbesinnung, es bleibt und es ist eine fröhliche Osterwoche ohne die geheimnisvolle und doch so gewaltige, menschen- und Volkbildelide Kraft des Karfreitag.

Oft ist der deutsche Acker umgepflügt wor­den, oft hat er ohne Saat gelegen, von Unkraut bewuchert und oft blühten giftige Blumen auf deutschen Feldern. Stürme gingen durch die deutsche Geschichte. Mag es das Ringen der Grafen, Fürsten, Herzöge, Könige und Kaiser gegeneinander gewesen sein, mag es der 30jah- rige Krieg sein, oder die Zeit, da Hunnen, Magyaren, Schweden deutsches Land verwüste­ten, Napoleon den preußischen König nach Tilsit und Memel jagte und schließlich das Schlacht- gewitter, in dem Russen brennend und mor- deird deutsche Bauernhöfe vernichteten, immer wieder kam Ostern und immer wieder war diesem Ostern, dieser Auferstehung ein Karfrei­tag vorangegangen.

Wir kennen Geschichtszahlen und Daten, Anekdoten und Histörchen und wir kennen die Titten und Gebräuche unserer Vorfahren, nur tvenig wissen wir von den Stunden, in denen deutsche Menschen, Könige, Bischöfe, Ordensrit­ter, Mönche, deutsche Sonaten ihr Gethsemane durchlebten und ihren Herrgott baten, den Kelch von ihnen zu ndhmen. Auferstanden sind sie mir, wenn sie ihn nicht von sich wiesen, wenn sie den Weg, der ihnen vorgezeichnet war, tapfer zu Ende gingen. Was wissen wir noch von Teja, dem Ostgotenkönig mit der Streit­axt in der Faust, wie er in einer Feldschlucht sein Volk verteidigte, bis er fiel; was wissen wir noch von Hagen Tronje, der zu König Etzel fuhr, um zu sterben; was wissen wir wirk­lich von Martin Luther, der als Mönchlein das Gefüge ganz Europas erschütterte; was küssen wir von den Stunden, die Friedrich der ^voße nach verlorenen Schlachten durchlebte smd was wissen wir von den Männern, die M letzten Völkerringen immer wieder Entschei­dungen fällen mußten, die den letzten Einsatz

ihrer selbst forderten. Vieles läßt sich berichten, aber das, was wir meinen, ruht in den Her­zen des einzelnen. Von dem Gethsemane ist nur selten die Rede und doch liegt in dem bewußten Opfer seiner selbst, in der gegenwär­tigen Todesbereitschaft, in der Ueberwindung der Materie des Lebens und des Blutes die lebendige Kraft des deutschen Schicksals.

Nicht nur die Männer, die in die Geschichte eingegangen sind, haben das durchlebt und durchkämpft. Der deutsche Soldat, er ist nicht nur mit einem Hurra auf den Lippen oder von einer berstenden Granate überrascht in den Tod gegangen. Viele von ihnen waren sich be­wußt, als sie das rechte Bein zum Sprung anzogen, als sie über den Graben hinaus- schnellten, daß ihre Stunde schlug. So mancher braune Soldat unserer SA-Kameraden, er fiel nicht heimtückisch von hinten erschossen, sondern wußte, geh ich diesen meinen Weg zu Ende, dann bezahle ich das mit meinem Leben. Auch diese Kameraden haben ihr Gethsemane durch­lebt, auch für sie hat es Augenblicke, Stunden,

Tage und Wochen gegeben, in denen sie darum sichten, daß der Kelch an ihnen vorübergehen möge, aber sie haben gestanden zu ihrer Sache und sind gefallen, sind auferstanden und einge­gangen in eine Gemeinschaft, aus deren Kraft und Segen wir heute das neue Deutschland bauen.

Es ist eine deutsche Angelegenheit, dieser Kar­freitag, wie wir ihn sehen. Es ist das deutsche Schicksal, von Schächern verhöhnt und geschla­gen zu werden und doch ans Ziel zu gelangen. Nur wir Deutschen kennen den Begriff des Helden, der nicht nur mutig und tapfer um des Sieges willen in den Kampf geht, sondern der auch mit dem Schwerte in der Faust eine verlorene Position halt, bis er selbst gefallen ist. Da erst beginnt das eigentlich Heldische, da erst beginnt das wirklich Tragische, das Schick­salgestaltende, das Lebendige unserer Geschichte. Wir Deutschen kämpfen nicht allein um eine Sache, ein Ding, einen Vorteil, nicht um Lohn und Gewinn, wir kämpfen aus einem inner­lichen Muß heraus, behaftet von einen: heldi-

nunft und Ueberleguug, das man verspotten und verhöhnen kann, über das doch zugleich größer ist als alle anderen Kräfte dieser Erde.

So sehen wir den Karfreitag, als Selbst­überwindung des Einzelnen nicht nur im ein­maligen religiösen Erlebnis, sondern immer wieder im Werden unseres Volkes als Grund­satz des Lebens, als Quelle aller Siege, als Grundlage aller schöpferischen Leistung.

Auch im Alltag, im Beruf, im Ringen um die Existenz bleibt der Gedanke der Opfer- bereitschaft, bleibt das Gute, das sich selbst veas zehrt, die Quelle aller schöpferischen Lebens­gestaltung. Da mögen die Schächer kommen, und es gibt heute ebenso viele von ihnen wie immer, die Neider, die Spötter, die Besser­wisser; mag all das Kleine, Niederträchtige, Er­bärmliche, Selbstsüchtige aufspritzen und schein­bar siegen, erhalten bleibt nur der und es wächst nur der, und es kommt nur der aus Ziel, der den Kelch nimmt und ihn trinkt und sich größer, opferbereiter und darum deutscher zeigt als alle -die anderen.

Es ist das Geheimnis unserer Bewegung und der Grund unseres Sieges, daß wir so diele Mitkämpfer fanden, die nur um der Sache willen, durchglüht von der Liebe -des deutschen: Sozialismus alles hergaben, was sie an Kräf­ten zur Verfügung stellen konnten. Wir denken da nicht nur an die, die da berufen stich, aus Grund ihres Könnens im Amt für die Sache zu streiten, sondern wir erinnern uns auch der vielen Stillen, die nicht hervortraten, die nicht aufgerufen wurden und darum heute noch bei­seite stehen, die aber doch immer wieder geopfert haben, immer wieder den Kampf mit sich selbst aufnahmen, um der Idee, um des Sozialismus willen, der das neue Deutschland gestalten soll. In diese Front gehört nicht nur die Armee unserer SA-Kameraden, es gehören auch die Frauen und Mädchen dazu, die oftmals Nacht um Nacht gebangt und gewartet haben und dann doch wieder am nächsten Morgen den Mann und Freund hinausgehen liehen. Da gehören alle die Frauen hinzu, die Jahr für Jahr auf ein Familienleben an der Seite ihres Mannes verzichteten und da denken wir vor allem an die Mütter, die dazu berufen waren, den Mann und Sohn ganz hinzugeben und heute, da wir anderen mit schassender Hand an einen fröhlichen Aufbau gehen, nur Leid in sich tragen. Sie haben ein Gethsemane auf sich genommen, haben sich alle bereit erklärt, jede nach ihren Kräften ,einen Kelch auszu- trinken und haben sich alle das Recht aus Ueber­windung des Leides, das Recht auf Aufer­stehung erkämpft.

Stürme sind über das deutsche Land gegan­gen. Immer wieder ist der deutsche Acker ge­pflügt worden und ans seinen Furchen ist neues Leben gewachsen. Jedes Jahr kommt ein Tag, den wir Karfreitag nennen und jedes Jahr feiern wir Ostern. Fröhliche Ostern sagen wir, und wir sollen uns freuen und können fröh­lich sein, wenn in uns das Bewußtsein brennt, daß wir siegen wollen, indem wir uns opfern.

—-art.

Drei Monate deutsche Revolution

Von NeichSminiftee Dr. Goebbels

Man kann Revolutionen auf zwei Arten machen: man kann den Gegner solange mit Maschinengewehren zusammenschießen, bis er die Ueberlegenheit desjenigen anerkennt, der im Besitz dieser Maschinengewehre ist. Man kann aber auch durch die Wucht der Idee und aus dem Geiste heraus ein neues Geschlecht schaffen, das den Gegner nicht nur überwindet, son­dern sogar gewinnt. Der Nationalsozialismus ist den zweiten Weg gegangen. Er ist ohne Frage der schwerere aber auch geschichtlich gesehen der bessere und sicherere. Wir sind stolz darauf, am Tage der nationalen Revolution ohne einen einzigen Schuß diese Revolution aus dem Geiste heraus zum Siege geführt zu haben, und wir werden nicht aufhören, diesem Geiste getreu die Revolution weiterzuführen, bis auch der letzte Deutsche von seiner Ge­walt ergriffen ist?

Nach einer Periode der Auflösung bis zur Anarchie nach vierzehn Jahren restloser Zerstörung aller Begriffe von Kultur, Recht, Sitte, Ehre und Anstand, zu einer Stunde, da die bolschewistische Gefahr im Herzen Europas riesengroß geworden war, hat die nationale Revolution ein festes Bollwerk deutscher Gesinnung aufgerichtet, das unzerstörbar sein wird, weil es seine Kräfte aus dem fanatischen Bekenntnis zum eignen Volk und zur Zukunft Deutschlands schöpfte. Was 50 Jahre seit Bismarck unvorstellbar erschien: endlich die Eini­gung ganz Deutschlands zu einem Staat und einem Reich zu vollziehen, das hat die Regierung der nationalen Revolution in wenigen Wochen zustande gebracht. Wenn die Re­gierung Hitler nichts getan hätte oder noch tun würde als diese eine Tat, sie wäre allein durch sie bereits für immer in das Buch der Geschichte eingezeichnet. Sie hat aber nicht nur dem deutschen Volk die inbrünstig ersehnte staatliche Einheit gebracht, sie hat auch den deut­schen Arbeiter endlich in das Gefüge von Volk und Staat eingegliedert und ihm darin den Ehrenplatz gesichert, der ihm zukommt.

Mit eiserner Zähigkeit wird die Regierung der nationalen Revolution auf dem Wege weiterschreite«, den Gewissen und Verpflichtung ihr vorgezeichnet haben, und sie ist über­zeugt, daß mit ihr das ganze deutsche Volk marschiert getreu dem Wollen und dem Wahl­spruch der nationalsozialistischen Bewegung: Nichts für uns nnd alles für Deutschland!

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