Ausgabe 
(5.4.1933) Nr. 88
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Ein schwarzer Tag für die Luftfahrt

3 LuftWisSunglmke in 24 Stund«,

Durchgreifende Umgestaltung i» der deutschen Landwirtschaft

Das Kabiaett beschriebt:

Schächtverbot, Handelsverträge, Todesstrafe sstr politische Gewalttaten

Berlin, 4. April. In der heutigen Kabinetts- sitzung, an der zum ersten Male der neue Reichs­bankpräsident Dr. Schacht teilnahm, beschäftigte sich das Kabinett wider Erwarten nicht mit der Außenpolitik. Das Kabinett verabschiedete mehrere Vesetze.

1. Das Gesetz über das Schlachten von Deren, in dem bestimmt wird, daß warmblütige Tiere beim Schlachten vor Beginn der Blütentziehung zu betäuben find (Schächtverbot).

2. Das Gesetz über die vorläufige Anwendung zweiseitiger Wirtschaftsabkommen mit ausländi­schen Staaten.

3. Ein Gesetz zur Abwehr Politischer Gewalt­taten. In diesem Gesetz wird folgendes bestimmt: Mit dem Tode oder mit lebenslänglichem Zucht­haus oder mit Zuchthaus bis zu 15 Jahren kann, soweit bisher mildere Strafen angedroht find, be­straft werden:

1. Wer Verbrechen gegen 8 5 Absatz 1 und 11 des Gesetzes gegon den verbrecherischen und ge­meingefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen vom 9. Juni 1884 begeht.

2. Wer ein öffentlichen Zwecken dienendes Bau­werk in Brand setzt oder sprengt oder wer eine Inbrandsetzung in der Absicht begeht, in der Be­völkerung Angst oder Schrecken zu erregen.

3. Wer ein Verbrechen gegen 8 229 Abs. 2,

die 88 312, 315 Abs. 2, 324 StGB. begeht

(Gistberbringung, Ueberschwemnnmg, Beschädi­gung von Eisenbahnanlagen, gemeingefährliche Vergiftung).

Dieses Gesetz ist beschlossen worden, weil trotz der verschärften Strafandrohung in der letzten Zeit neue Gewalttaten begangen worden find.

Die Reichsregierung beschloß endlich die Rati- stzierung des Rauschgift-Abkommens.

Keine Wiederaufnahme des Abwehebstzkstts

Unser Ziel erreicht

Berlin, 4. April. Die Reichsregicrung hat mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, datz der Abwchrboykott gegen die deutschfeindliche Hetze feine Wirkung im Ausland nicht verfehlt hat. Ab­gesehen von kleineren Ueberbleibseln der Greuel­hetze gegen Deutschland ist im übrigen die Hetze vollkommen abgestellt worden. Die Reichregierung steht auf dem Standpunkt, daß es keinen Zweck hat, gegen diese Ueberbleibsel im Wege des Boykotts weiter vorzugehen, zumal es sich hier um eine Hetze handelt, die ihre« Ursprung bei den Kom­munisten hat. Der deutsche Abwehrboykott wird also am Mittwoch vormittag nicht wieder aufge­nommen, da er überflüssig geworden ist. Die Reichsregierung betont jedoch, datz die Abwehr­organisation der nationalsozialistischen Partei noch ausrecht erhalten bleibe, so datz für den Fall cknes Wiederauflebens der Hetze der Abwehrkampj jeder- Lkit wieder einsetzen könn«»

Grausame Folge der Unglücke

Ein zweites amerikanisches Luftschiff zerstört

Newyork,4. April. Das amerikanische Klein-LuftschifsI 3" stürzte aus der Suche nach den Ueberlebenden des Luftschiffes Acron", in der Nähe der Bonds-Küsten- wachtstation, ins Meer ab. Küstenflugzeuge und Küstenwachtschiffe eilten dem ebenfalls verunglückten Klein-Luftschiff zu Hilfe. Un­ter der übernommenen Besatzung sind zwei Leichtverletzte. Man sprach von fünf Toten. Es wird versucht, das Gas auszulasten und das Luftschiff ins Schlepptau zu nehmen.

Französisches Luftschiff im Sturm

zerstört

Paris, 4. April. Während eines heftigen Sturmes mußte das einzige größere lenk­bare Luftschiff, über das die französische. Marineluftfahrt verfügt, am Dienstag zwi-^ schen Rocheforj und Lorient notlanden und zerbrach in zwei Teile. Von der zwölfköpfi-' gen Besatzung wurde ein Korvettenkapitän und ein Fähnrich zur See schwer verletzt.

Das Luftschiff ist ein halbstarres Schiff von 10 0V0 cbm. Es war am Dienstag mor­gen in Rochefort aufgestiegen, nur eine Uebungsfahrt an der Küste entlang nach

Lorient zu unternehmen. Unterwegs wurde das Schiff von einem heftigen Sturm über­rascht und sah sich in der Nähe von Gue- rande zur Notlandung gezwungen.

Trauerkmdgebnng des Präsidenten Rooseveft

Ncwyork, 4. April. Präsident Roosevelt hat aus Anlaß des Absturzes des LuftschiffesAcron" eine Trauerbotschaft erlassen, in der er die Katastrophe als amerikanisches Natronalunglück bezeichnet.

Nur wenige »Arrsn'-WssA kelle gesunden

Washington, 4. April. An Hand eingegangener Funkberichte gibt das Staatsdepartement bekannt, daß bisher nur wenige Teile desAcron"-Wracks aufgefunden wurden. Zwei weitere Leichen wur­den geborgen.

Einen ausführlichen Bericht über das schwere Unglück des amerikanischen LuftschiffsAcron" bringen wir aus Seite S dieser Ausgabe.

Einigung des deutsche« Bauernstandes unter nationalsozialistischer Führung

Berlin, 4. April. Auf Einladung des Prä­sidiums des Reichslandbundes traten am Dienstag im Lanübundhause zu Berlin die Leitung des agrarpolitischen Apparates der NSDAP sowie der Nationalsozialistischen Bauernschaften, die Spitzenvertretung der Vereinigung der deutschen christlichen Bauern­vereine und anderer Bauernverbände und das Präsidium des Reichslandbnndes zu einer Sitzung zusammen, um eine Einigung des deutschen Bauernstandes herbeizuführen. Aus Vorschlag des Geschäftssührenden Prä­sidenten des Reichslandbnndes, Graf von Kalckreuth, wurde einstimmig beschlossen, so­fort eine Gemeinschaft zur Schaffung einer einheitlichen Staudesvertretung des gesam­ten deutschen Bauerntums zu bilden.

Die Durchführung der organisatorischen Regelung müsse spätestens zum 1. Januar 1934 abgeschlossen worden sein. Daraus wurde dieReichsführergemeinschaft" des deutschen Bauernstandes gebildet, die sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen­setzt: den Präsidenten des Reichslandbnndes, Graf von Kalckreuth, Lind, Pg. Willikens, Pg. Meinberg, den Vertretern des agrar- politischen Apparates der NSDAP und der diesem angegliederten nationalsozialistischen Bauernschaften Pgg. Darre, Luber, Backe, Deininger, den Spitzendertretern der Ver­einigung der deutschen christlichen Bauern­vereine, Freiherr. von Lüninck-Kobleuz, Schill, Hundhammer, Sternes.

Der Leiter des agrgrPolstiüben Apparates

der NSDAP, Dr. Walter Darre, wurde ein­stimmig gebeten, den Vorsitz derReichs- führergemeinschast" zu übernehmen.

Auf Antrag des Grafen Kalckreuth wurde beschlossen, aus der besonderer: Verbunden­heit des deutschen Bauerntums mit dem Führer des neuen Deutschland, Adolf Hitler, diesen zu bitten, der Schirmherr der Reichs- führergemeinschast des deutschen Bauern­standes zu sein, um dadurch dem Einigungs­werk seinen besonderen Schutz zu verleihen. Der große Einigungsgedanke des gesamten Berussstandes soll durch die unmittelbare und eindeutige Verknüpfung mit der Person -es Staatssührers klar und offen aus den Niederungen des überwundenen Parteiden­kens herausgehoben werden.

Die Federführung der Reichsführergemein­schaft wurde in die Hände von Graf Kalck­reuth gelegt, Wetter wurde beschlossen, daß örtliche Führergemeinschaften in entsprechen­der Zusammensetzung in den Ländern und Provinzen zur Durchführung der Absichten der Reichsführergemeinschaft zu bilden sind. Mit denjenigen wirtschaftspolitischen, land­wirtschaftlichen Organisationen, die nicht in der Reichsführergemeinschaft vertreten sind, wurde zunächst nicht in engere Verhandlun­gen eingetreten:

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Adolf Hitler empfing am Dienstag mittag vom Reichslandbund die Präsidenten Gras. Kalckreuth, Lind, Willikens und Weinberg, die Direktoren BoeL. Kriegsheim, Dr. Si-

borg und von Sybel sowie den Chef bey Präsidialabteilung Dr. Wenzel in Gegen­wart des Leiters des Agrarpolitischen Ap­parates der NSDAP, Walter Darr6, zur persönlichen Entgegennahme der Entschlie­ßung des Bundesvorstandes des Reich Aland- bundes.

Grobe Säuberung im deutschen Gekrei-ehandel

Juden und Marxisten werden gegangen

Berlin, 4. April. Der ReichsernährungS- minister hat umfangreiche Personalände- rungen in den Verwaltun-gsräterr und Ge­schäftsstellen zum Reichsministerium für Er­nährung und Landwirtschaft ressortierenden öffentlichen und halböffentlichen Gesellschaf­ten vorgenommen. Dabei sind grundsätzlich die jüdischen Mitglieder und Marxisten durch nationale Wirtschaftsvertveter ersetzt worden, wie auch der neu ernannte Beirat desj Fettmonopols unter diesem Gesichtspunkt zusammengestellt worden ist. Im einzelnen handelt es sich um den Beirat der Deutschen Getreidehandelsgesellschaft, um Vorstand und Verwaltungsrat der Getreideindustrie- und Kommission-A.-G., um den Verwaltnngsrat der Reichsmaisstelle, um den Aufsichtsrat der Deutschen Bodenkultur-A.-G. und um erste Personalv eränderungen im Ministerium selbst.

Bei der Umbildung des Beirates der Deutschen Getreidehandelsgesellschaft scheiden von den sechs Vertretern des Getreidehan- dels alle, abgesehen von Reißner, aus, dar­unter die Herren Friedsam, Zielenziger und Lehmann. Voraussichtlich werden auf Vor­schlag des Deutschen Land-Handelsbundes die Herren Dr. Netschert, Baumann und Eichinger und zwei weitere Nationalsozia­listen berufen werden.

Bei der Getreide-Industrie- und Kommis- sion-A.-G. scheiden alle Juden aus dem Vorstand des Verwaltungsrates aus, ins­besondere Generaldirektor Hirsch, Direktor Sinasohn und Generaldirektor Wagner von der zum Konzern der GJC gehörenden Deutschen Mühlenvereinigung. Die Neu­besetzung erfolgt in den nächsten Tagen.

Aus dem Verwaltnngsrat der Reichsmais- stelle scheiden alle Marxisten und jüdischen Mitglieder aus, darunter der Sozialdemo- krat Dr. Baade, Cohen-Reuß, Reichsmini­ster a. D. Dr. Hermes, Direktor Lübke und Müller; von der Deutschen Bauernschaft Levy-Rosenthal, Arthur Lehmann, Heinr. Hirschland, Siegward Steinharter. Dafür werden in den Verwaltnngsrat neu berufen: Daßler, M.d.R. (NSDAP), Stamerjohann, von Bonin, Professor Fehr, Baumann unÄ Eichinger vom Landbund und als Stell­vertreter Dr. Bethke-Königsberg, Direktor Siburg und Direktor Kühn.

In der Deutschen Bodenkultur-A.-G. ist der Vorsitzende, der frühere Staatssekretär Dr. Heukamp, durch Staatssekretär v. Rohr ersetzt. Ausgeschieden sind Minister a. D. Dr. Hermes, Schmidt-Köpenick vom so­zialdemokratischen Landarbeiterverband, ver sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Spliedt vom Allgemeinen Deutschen Gewerkt schastsbund und der socialdemokratische Neichstagsabgeordnete Temr,?l. Dafür