Ausgabe 
(4.4.1933) Nr. 87
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Das Fiel -es neuen Bremer Senats:

Ein grobes Vremea in einem groben

VenUchlnad

VüegeemeUee Dr. MMerL vor den Ver­treter» der bremischen Wirtschaft

In einer zahlreich besuchten Versamm­lung des Clubs zu Bremen nahm gestern im großen Glockensaal der Präsident des bremischen Senats, Pg. Dr. Markert, das Wort zu einer grundsätzlichen Regierungs­erklärung des nationalen Senats. Der Vor­sitzende des Clubs zu Bremen, Friedrich Ro- selius, begrüßte Bürgermeister Dr. Mar­tert und den vollzählig erschienenen Senat und betonte in seiner kurzen Begrüßungs­ansprache, daß sich die bremische Wirtschaft voll und freudig hinter die nationale Re­gierung zu gemeinsamer Aufbauarbeit stelle. Hierauf nahm Bürgermeister Pg. Dr. Mar­kert das Wort zu folgenden Ausführungen:

Veemer! Deutsche Volks­genossen!

Als am 6. März unter dem Jubel einer unabsehbaren Menschenmenge die Haken­kreuzfahne auf dem ehrwürdigen Bremer Rathaus gehißt wurde und die Einsetzung eines Reichskommissars erfolgte, sahen wir auch hier erreicht, daß sich alle Stände zur nationalen Sache bekannten. Reinen Her- zcns und reinen Wollend, getragen von dem unerschütterlichen Glauben an unseren Füh­rer Adolf Hitler und gestärkt durch diesen Klauben haben wir die Geschäfte in Bre­uen nach und nach übernommen. Am 18. März war es dann soweit, daß der Senat der nationalen Front sämtliche Amtsgeschäfte übernehmen konnte. Die ab­gerissenen Fäden zur Reichsregierung sind wieder fest geknüpft worden. Ruhe und Ordnung wurden aufrecht erhalten und mit scharfer Hand da eingegriffen, wo es not­wendig war.

Welches W- die Ausgabe«, die sich die nationale Regierung gestellt hat?

Der Marxismus hat in Bremen, wie in allen deutschen Ländern, feine verheerenden Wirkungen gezeigt. 65 000 Menschen, Mit Familienangehörigen vielleicht 90 00V, lie­gen auf der Straße und leben von der öffentlichen Unterstützung. Die Fabriken stehen still oder arbeiten verkürzt. Hafen­verkehr und Werftindustrie liegen darnieder. Die Unternehmungen und der Staat sind überschuldet. Die Verwaltung im Staat und in den Betrieben sind übersetzt und über­organisiert. Die stolze Handelsstadt und ihre wichtigsten wirtschaftlichen Gebilde sind Kostgänger des Reiches geworden. Wenn man sich auf Grund der nun zur Verfügung stehenden Unterlagen ein Bild der Entwick­lung der letzten Jahre macht, so erschrickt man. Die Frage, wie war so etwas mög­lich, schreit einem immer auS den Unter­lagen entgegen. Die Zeit, die wir hinter uns haben, war krank, krank bis ins Mark.

Um aus dem, was die nationale Regie­rung übernommen hat, wieder einen fest­gefügten Bau zu zimmern, muß man einen Mut besitzen, der jede Schwierigkeit über-, winden will. Diesen Mut besitzt die natio­

nale Regierung. Die Quelle dieses Mutes ist der Glaube an die Sieghaftigkeit der nationalen Revolution und an den Führer derselben. Die weitere Quelle ist das Ver­trauen auf Bremen, das jeder haben mutz, der sich die Mühe macht in die vielhundert­jährige Geschichte der alten Hansestadt ein­zudringen.

Die Kennworte der nationalen Regierung heißen:

Umkehr und Mf-mr

Die nationalsozialistische Bewegung ist in den Bremer Handels- und Wirtschaftskrei­sen lange Zeit deshalb nicht vorangekom­men, weil man ihnen mit dem WortAu­tarkie" ein Schreckgespenst vor Augen sielt. Was hat es damit für eine Bewandtnis? Autarkie bedeutet die lOVProzentige Selbst- versorgung eines Landes in sich, unter Ver­zicht aufsiede Wechselwirkung mit dem Aus- land. Daraus ergibt sich, daß der National­sozialismus mit Autarkie nichts zu tun hat, denn wir beschäftigen uns grundsätzlich nicht mit Utopien. Was wir wollen, ist etwas ganz anderes. Wir wollen einen Bauernstand, der auf seiner Scholle fest verwurzelt sitzt und sein gesundes Einkom­men hat. Um das zu erreichen, schützen wir den Bauern und besiedeln das Land. Da­durch entsteht vermehrte Aufnahmefähigkeit des inneren Marktes, also auch vermehrte Möglichkeit für den Import. Wir wollen weiter die Arbeitslosigkeit beseitigen und die neun Millionen Arbeitslosen wieder be­schäftigen. Arbeitsdienst und Siedlung sol­len uns dabei helfen, dazu eine sinnvolle Arbeitsbeschaffung. Hat der Arbeiter wieder ein gesundes Einkommen, so steigt dadurch wieder die Aufnahmefähigkeit des inneren Marktes und damit tritt zugleich eine Ver­mehrung der Jmportmöglichkeit ein.

Was den Export anbetrifft, so werden wir jede Möglichkeit ihn zu steigern, auf das tatkräftigste unterstützen. Es kann also keine Rede davon fein, daß der Nationalso­zialismus welthandelsfeindlich ist. Es ist uns allerdings nicht damit gedient, daß, wie in den letzten Jahren über Welthandels- fragen theoretisiert wird, und große Töne angeschlagen werden, während er in der Praxis immer mehr zurückgeht, und die Hä­fen zu Schifsssriedhöfen geworden sind.

Wir haben die Bedeutung des Welt­handels sehr Wohl erkannt und wissen, daß wir ohne eine große Menge ausländischer Rohstoffe, Kolonialwaren usw. nicht aus­kommen können. Wir wissen weiter, daß Deutschland für einen erheblichen Teil sei­ner Industrie den Export braucht. Wir sind uns weiter bewußt, daß die Hansestädte den Sonderauftrag des deutschen Volkes haben. Export und Import zu Pflegen. Aber die Weltwirtschaft läßt sich nur dann wieder auf eine normale Basis bringen, wenn ihre einzelnen Glieder, die Nationalwirtschaften gesund und aufnahmefähig sind. Italien, England. Frankreich und andere Länder

machen in dieser Hinsicht erhebliche Anstren­gungen. Die Aufgabe der nationalen Re­gierung in Deutschland ist es, für uns das­selbe zu tun. Wir wollen uns in Bremen zu diesem Vorgehen im vollen Umfange po­sitiv einstellen und wenn wir wiederum einen Blick in die bremische' Geschichte tun, dann wollen wir das Vorgehen des Rei­ches in seiner jetzigen Wirtschaftspolitik aus vollster Ueberzeugung begrüßen.

Wann hat denn Bremen Blütezeiten ge­habt? Immer nur dann, wenn hinter ihm ein wohlhabendes starkes und geachte­tes Deutschland sich befand. Die Hansezeit die erste große Blüte Bremens, hatte als Hinterland das alte deutsche zReich, das bis zum Beginn der Religionskämpfe, die in den 30jährigen Krieg ausarteten, über einen enormen Wohlstand verfügte. Mit dem 30jährigen Krieg verfiel das Reich und die Blüte Bremens sank dahin. Daß wir in den folgenden Jahrhunderten von Spa­nien, England und sogar Holland über­flügelt wurden, lag nicht etwa daran, daß in Bremen ooer Hamburg keine Hanseaten mehr gesessen hätten, sondern lag an der Ohnmacht des Reiches. Mit dem Bismarck- schen Deutschland fetzte eine erneute Blüte Bremens ein, also wiederum der Grundsatz, es gibt keine Handelsstädte als gegebene Größe, sondern die Lage einer Handels­stadt ist davon abhängig, wie das Land, das hinter ihr liegt, aussieht.

Wir sind auf Gedeih und Verderb mit dem Reiche verbunden und

daraus haben wir unsere Konse* quenzen zu ziehen.

Sie Bedingungen unserer Lage

Außer diesem großen Grundsatz ist un­sere Bremer Wirtschaftspolitik noch von ganz bestimmten Faktoren abhängig. Zu­nächst von der Lage. Bremen liegt tief im Binnenlands und dadurch günstiger als Hamburg oder etwa Emden. Hamburg hat jedoch den Vorteil, für die Binnenschiff- fahrt im weitesten Maße zugänglich zu sein. Das ist bei der Kleinheit des Weserstromes für Bremen nur bedingt der Fall. Eine Erleichterung könnten vielleicht Kanalbau­ten bringen. In erster Linie muß jetzt für Bremen die Kanalisierung der Weser von Minden bis Bremen gefordert werden, die ohnehin zur Speisung des Mittellandkanals notwendig ist. Unser gegebenes nächstes Hinterland ist Hannover und das Ruhrge- biet. Unser Bestreben wird also sein, im Zusammengehen mit der Reichsbahn der Hafen der genannten Gebiete tatsächlich zu werden.

Von weiterer Bedeutung ist die Gestal­tung der Weser von Bremen bis zum Meere. Bremen hat kein so ausgedehntes Hafengebiet, wie etwa Hamburg, sondern die Unterweser ist als ein langgestrecktes Hafengebiet zu betrachten. Der Hafen Br?- mens dehnt sich also von den eigenen Hä­fen aus, über V'egesack, bis Wesermünde- Bremerhaven. Das wird man sich vor Augen halten müssen, um unsere zukünftige Politik zu verstehen.

Die Industrie Bremens ist etwas ganz anderes, als etwa die bodenständige In­dustrie einer Stadt im Binnenlands Un­sere Industrie ist schiffahrtsbedingt, d. h. sie setzt sich im wesentlichen zusammen aus Jmportindustrien, Exportindustrien und Werften.

Daraus zieht die nationale Regierung, mit der Nüchternheit, die uns in wirt­schaftlichen Dingen kennzeichnen soll, die Konsequenz, daß die Lebensfähigkeit Bre­mens, und zwar aller Stände, steht und fällt mit Handel und Schiffahrt.

Unsere vornehmste Sorge gilt irisolgebefferr dem Wiederausba« der bremischen und damit der deutschen Schiffahrt

Wir werden nichts unterlassen, um sie wieder in Stand zu setzen. Getreu der na­tionalsozialistischen Auffassung vom Leben, die die Resignation verdammt und das Element des Lebens in der Wahrhaftigkeit und im Angriff sieht, wollen wir die Schiff­fahrt nicht nur gesunden lassen, sondern wollen wir vorstoßen. Dazu brauchen wir die Initiative des selbständig handelnden Reeders. Diese werden wir wiederherstellen. Wir werden jedes Fachwissen heranrieken

das zur Verfügung steht und werden i« Personalfragen nicht kleinlich sein.

Wenn wir in Bremen Schiffahrt und Handel und damit die gesamte bremische Wirtschaft wiederherstellen wollen, so brau­chen wir dazu vor allem wieder den han­seatischen Geist. Ich bin der Ueberzeugung, daß die Erhaltung der Hansestädte als Stadtstaaten heute und in der Zukunft ebenso notwendig ist, wie in den verflosse­nen Jahrhunderten. Die Hansestädte haben