Ausgabe 
(3.4.1933) Nr. 86
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Vaeis -er StSeenfeie- m Europa

Versailles soll um jeden Preis ausrechterhaven werden

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DariS, 2. April. Am Sonnabend fanden «wischen den Mitgliedern der franzS- ftschen Regierung und dem Botschafter m Rom, de Joewenel, einerseits nnd dem englischen Botschafter in Paris ande­rerseits wichtige Besprechungen über den Italienischen Viererpakt statt.

Obgleich eine amtliche Verlautbarung Über diese Besprechungen nicht erfolgt ist, veist man in gut unterrichteten Kreisen darauf hin, daß die französische Regierung »umnehr sämtliche von ihr gewünschten In­formationen in Händen habe und am Mon­tag in einem Ministerrat ihve Haltung ge­il der dem italienisch-englischen Vorschlag egen werde. Der englische Botschafter dem französischen Außenminister ein Mide Memoire" überreicht, in dem die «Mische Regierung noch einmal ihre Auf­fassung dargelegt habe, die angeblich rvc- Mch von den Erklärungen abweicht, die aedonald vor kurzem im Unterhaus ab­gaben hat. Die englische Regierung soll ch in der Frage der Gleichberechtigung imd der Revision der Verträge

wesentlich größere Zurückhaltung auferlegt haben und den franzö­sischen Wünschen weitgehend entge­gengekommen sein.

Auch die italienische Regierung, deren Chef i« den letzten Tagen eine eingehende Aus­sprache mit dem französischen Botschafter hatte, soll angeblich sehr beruhigende Zn- stcherrmgen gemacht haben. Es ist anzu­nehmen, daß sich die französische Regie­rung zu Verhandlungen auf der nunmehr geschaffenen Grundlage bereit erklären wird.

PerLinax schreibt imEcho de Paris", die italienische Regierung habe sich bereit er­klärt, den Wünschen der Kleinen Entente «nd Polens weitgehend entgegenzukommen. England sei ebenfalls von seinem Ursprünge lich weitgehenden Revisionsgedanken abge­rückt und habe sich davon überzeugt, daß eine derartige Revision eher, zum Kriege als zum Frieden führen würde. Auf der anderen Seite sei der Beweis erbracht, daß Deutschland für die Znerkennung der Gleichberechtigung noch nicht reif sei.

Der außenpolitische Berichterstatter des Excelsior" meint, die französische Regie­rung werde gegenüber dem italienischen Plan keine negative Haltung .einnehmen. Sie werde sich dabei von fünf Gesichtspunk­ten leiten lassen:

1) sei sie der Auffassung, daß es vorteil­hafter sei, die verschiedenen Möglichkeiten, die der Völkerbund einschließe, zu beraten; anstatt die Meinungsverschiedenheiten zwi­schen den europäischen Staaten noch zu vergrößern.

2) wünsche sie, die Möglichkeit einer Wiederaufrüstung Deutschlands durch ^in Abkommen zwischen den vier Großmächten zu verhindern; diese Wiederaufrüstung würde aber unweigerlich eintreten, wenn die Abrüstungskonferenz Leine positiven Er­gebnisse zeitige;

3) halte sie es für angebracht, eine Un­gleichung. der FriedenSv ertrage an die augenblickliche Lage im Rahmen des Ar­tikels 19 des Völkerbundspaktes schon jetzt zu besprechen,, bevor diese Frage Gegen­stand internationaler Meinungsverschieden­heiten werde;

4) wünsche sie, am Vorabend der Welt- vtrtschastskonferenz mit den großen euro- Lkttschen Mächten über die Finanz- und

Wirtschaftsfragen zu sprechen;

5) sei sie der Auffassung, daß der Plan eines Viererpaktes die übrigen europäischen Staaten in keiner Weise schädige.

Wie derExeelsior mitteilt, sollen die endgültigen Verhandlungen über den Vie­rerpakt in Rom stattfinden.

DieRepublique", die dem Ministerpräsi­denten nahesteht, warnt vor einer ableh­

nenden Haltung Frankreichs, da die Folge eine Wiederaufrüstung Deutschlands wäre, das sich dabei auf die Nichterfüllung des Art. 8 des Völkerbundspaktes stützen weide. Frankreich könnte natürlich protestieren, werde aber bei den Großmächten kaum Gehör finden, weil es selbst die Angebote' zu einer Verständigung abgelehnt habe.

Marxisten versuchen Tarnung

Bier Rädelsführer verhaftet.

Rübeland (Harz), 2. April. Ehemalige Angehörige des Reichsbanners, der SPD. und der KPD, insgesamt 33 Mann, hatten sich hier zusamwengetan, um angeblich eine Stahlhelmortsgruppe" zu bilden. Es wurde jedoch bekannt, daß die Leute nur unter diesem Deckmantel den Kamps gegen die nationale Regierung im Sinne der Marxisten weiterführen wollten. Die vier Rädelsführer wurden jetzt festgenommen. Sie haben die von ihnen verfolgte politische Absicht bereits zugegeben. In der Wohnung eines der Verhafteten, Albrecht sen., wur­den zwei Jagdgewehre drei Teschings und eine Büchse gefunden. Bei einer Ein­wohnerin von Neuwert bei Rübeland fand die Polizei 39 Sprengkapseln, 8 Meter Zündschnur, eine Scheibenbüchse, zwei Vorderlader, einen Teschmg sowie zahl­reiche Munition und eine Menge Material zur Herstellung ovn Patronen. Die Frau will von dem Besitz der Waffen nichts ge­wußt haben; sie glaubte angeblich daß sie von ihrem verstorbenen Sohn stammten.

Verbrecher in SA-Uniform

Köln, 2. April. Wie die Polizei meldet, suchten am Sonnabend morgen in -er Nähe des Botanischen Gartens zwei Leute in SA.-Unisormen die Wohnung eines jüdi­schen Kaufmanns auf. Unter Mitnahme von 1000 RM. in bar und 70 holländischen Gulden verschwanden sie wieder. Wie sest-

Umfangreiche Waffenfunde

gestellt wurde, handelt es sich bei den Tä­tern um verbrecherische Elemente, die die SA.-Unisormen unrechtmäßig trugen. Lei­der hat man bisher die Burschen noch nicht fassen können. Ein ähnlicher Vorfall trug sich am Sonnabend gegen 23 Uhr in der Wüllnerstraße zu. Hier waren Männer, die SS.-Uniform und die Armbinde der Hilss- polizei trugen, in die Wohnung eines Kauf­manns eingedrungen. Nach einer kurzen Durchsuchung entfernten sie sich wieder un­ter Mitnahme von zwei Jagdgewehren und 35 Mark in bar. Auch in diesem Fall haben die noch unbekannten Täter fälschlicherweise die SS.-Uniform getragen. Die Polizei setzt alle Hebel in Bewegung, um die ge­meingefährlichen Burschen zu fassen.

BramMweig räumt aus

Braunschweig, 2. April. Das braunschwei- gische Staatsmniisterimn erließ eine Ver­ordnung zur Durchführung der Verord­nung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat, nach der im Lande Braunschweig bestehende Organisationen der kommunistischen und marxistischen Turn- Sport- und Gesangvereine, des Arbeiter­samariterbundes, des Schachvereins, über­haupt derartiger Vereinigungen im weitesten Ausmaß verboten werden. Auch die Wie­dererrichtung gleicher oder ähnlicher Ogani- sationen sowie das Tagen von Abzeichen und Zeigen von Fahnen derartiger Ver­einigungen wird in das Verbot einbezogen.

Der Tag des großen Boykolts

Boykott-Posten, die mit ihren Plakaten vor den jüdischen Geschälten Aufstellung

nahmen in dezz Straßen Berlins

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Me ist die Lage?

Bon Julius Miete

Der Daily Mirror schreibt an einer Stelle Geld ist vielleicht die Macht, die Hitler zum Ein-! halt bringt". Diesen Satz soll man mit Aufmerk­samkeit lesen und im Gedächtnis bewahren. Ob gewollt oder ungewollt, er legt Hintergründe bloß, die zum Verständnis des augenblicklichen und zu­künftigen Geschehens wertvoll und notwendig sind«

Wenn man die Greuelpropaganda der letzten Wochen aufmerksam verfolgte, so wird jedem klar geworden sein, daß sie viel zu umfassend und viel zu gut organisiert war, um als spontaner Ausfluß der Weltmeinung gelten zu können. Das Bestehen einer Zentralstelle von weitreichendem Einfluß und starker Macht muß und darf wohl als sicher gelten. Sieht man aber eine solche Zen-i trale als gegeben an, so ist ohne weiteres klar, daß sie nicht nur entstand, um die deutschen Ju-, den vor Gewalt und Mißhandlung, die nirgends vorkamen, zu schützen. Es müßen größere und schwerwiegendere Ziele vorhanden sein, die den Einsatz eines solchen Apparates lohnend erschein neu lassen.

Der Daily Mirror schreibtGeld ist vielleicht die Macht". Es wird keinen großen Trugschluß bedeuten, wenn man diesen Satz wörtlich nimmt und das Geld oder besser gesagt das inter-j nationale Großkapital als die treibende Kraft auch für die Judenhetze ansieht. Deutschland war in den letzten 15 Jahren ein beliebtes und ge^ fügiges Ausbeutungsobjekt dieses Großkapitals; die Maßgebenden deutschen Parteien waren mehr oder! minder dem internationalen Kapital verhaftet; und Großkapital und Judentum find zwei Be-, griffe, die sich fast decken. In Deutschland fühlte es sich bislang sicher. Plötzlich wurde dies anders« Eine andere, vollkommen entgegengesetzt eingestellte Regierung ließ befürchten, daß die mit vieler Mühe gehegte und gepflegte deutsche Frucht sauer werden würde. Gefahr war im Verzüge, aber noch niemals gab das international« Großkapital seine Ziel« kampflos auf. Die traditionelle innere Zerrissenheit Deutschlands bestand nicht mehr An­bot keine Angriffsfläche, indem man etwa eine Partei gegen die andere hätte ausspielen können. Mit rein innerdeutschen Mitteln war der Kampf also nicht mehr zu führen. Es blieb nur der An­griff von außen. So griff man zur Greuelpro­paganda, wahrscheinlich in der Hoffnung, daß einesteils die kaum 15 Jahre zurückliegende, ähn­lich geartete Kriegspropaganda ein gut vorberei­tetes Feld zurückgelassen habe, andererteils aber auch, weil man wohl damit rechnete, die in der ganzen Welt vorhandene Judenschaft würde eim gute Trägerin nnd Verbreiterin dieser Weltbeeiu. flussung sein. Zu beachten ist, daß diese Greuel. Propaganda direkt und indirekt überall in erster Linie auf die Beseitigung der neuen deutschen Re­gierung und viel weniger auf die der behaupteten Greuel abgestellt war. Doch man hatte zweier­lei übersehen, die innere Festigkeit und starke Ver­ankerung der deutschen Regierung im Volk und ferner die Möglichkeit, die ausgestellte jüdisch« Front in Deutschland selbst anzugreifen. Dies« Heiden schweren Fehler der internationalen Geg­ner des nationalen Deutschlands werden noch durch die Tatsache verstärkt, daß die NSDAP seil Jahren auf die im internationalen Judentum be­gründete Gefahr hingewiesen hatte, wodurch der Abwehrkampf sofort die nötige Resonanz im Volk« finden konnte. So aus eine größeren Gesichts- Winkel gesehen, verliert die jüdische Greuelhetze, indem sie zu einer Teilaktion wird, auf der einen Seite sehr an Bedeutung, während sie auf der anderen gerade hierdurch zu einem unerhört lau-< ten Alarmsignal wird, das uns mit Vehemenz in die Ohren gellen sollte.

Der Kampf ist entbrannt. Die Schlacht L»t Jordan ist seine erste Phase, mehr nicht. Ab« gerade darum mußte sie unter allen Umständen gewonnen werden. Das sollte sich jeder sagen, d« in seiner traditionellen deutschen Objektivität nochs nicht das richtige Verständnis für die Abwch« und Gegenangrisfssorrnen aufbringen konnte,»?