Bemerkungen zur Datierung und Identifizierung erzbischöflicher Grablegen im Bremer St.-Petri-Dom
Von Karl Heinz Brandt
Wie die häufige Einnistung von Baudenkmälern vielen ein Kennzeichen ihrer Bedeutung ist, scheint entsprechend die ständige oder doch immer wieder aufflammende Diskussion bei anderen historischen Quellen deren besonderen Stellenwert zu charakterisieren, seien sie archäologischer oder schriftdokumentarischer Art. In diesen Kreis gehören die Grablegen 1 der Bischöfe, Erzbischöfe und höheren Kleriker des Bremer St.-Petri-Domes. Dies betrifft nicht nur die kompletten Anlagen oder Leergräber, sondern auch einzelne Teile der Ausstattung und deren Identitätsaussagen 2 .
1 Zum Begriff vgl. Lexikon des Mittelalters, Bd. IV, München 1989, Sp. 1628. Trotz der dortigen klaren Definition wird in diesem Beitrag der kürzere Begriff »Grab« beibehalten, was sich auch in Hinsicht auf die Leergräber als zweckmäßig erweist.
2 Wenn sich diese auch in Grenzen halten und mehr Irritationen als Klärung brachten, so haben sie doch, wenn auch auf Sparflamme, das Interesse am Bremer Dom und den amtlichen Grabungen, die anerkanntermaßen die historische Bedeutung dieser ehemaligen Metropolitankirche wieder in den Blick der Forschung und der Öffentlichkeit gerückt haben, wachgehalten. Allerdings nur bei denen, die keiner Erinnerung und Erweckung bedurften. Obwohl es sich bei den rund sechs Jahre dauernden Ausgrabungen um ein amtliches Forschungsprojekt handelte, das seit 1975 außerdem vom Denkmalschutzgesetz legitimiert wurde, haben sich alle (!) betroffenen Behörden bis auf den heutigen Tag ihrer Pflicht entzogen, das Projekt bis zum Abschluß zu fördern. Denn tatsächlich ist nur ein Bruchteil der ergrabenen Quellen erforscht und publiziert (Karl Heinz Brandt, Zur archäologischen Mittelalterforschung in Bremen, in: Brem. Jb. 71, 1992, S. 196-200). Neben der wissenschaftlichen Erforschung der reichen Textilfunde, die im Schatten der musealen Präsentation im Sande verlaufen ist, stand bisher als größte Aufgabe die Bearbeitung der Baugeschichte in Frage. Nachdem ich selbst als damaliger Landesarchäologe und Projektleiter wegen Pensionierung diese Aufgabe nicht übernehmen konnte, schien auch diesem Fachgebiet das Schicksal der Textilforschung zu widerfahren. Zwar nicht mehr dienstlich, dafür aber moralisch verpflichtet, habe ich nach einem Fachmann gesucht, der diese schwierige Aufgabe übernehmen könnte. Dank der Bemühungen von Prof. Dr. Ralf Busch, Hamburg (!) ist es kürzlich gelungen, hierfür einen Bauhistoriker zu gewinnen. Daß ein solches Forschungsprojekt seinen Preis hat, versteht sich von selbst. Aber auch jetzt haben sich Stadt und Land Bremen, auf deren Territorium der Dom liegt, wiederum ahnungslos verhalten. Sollten auch keine außerbremischen Mittel für diese gesetzlich verankerte Landesaufgabe zu beschaffen sein, bleibt die amtliche Grabung ein Flop! Kann man es deshalb jemandem verübeln, wenn er meint, Dom und Dombezirk seien besser dort geblieben, wo sie bis 1803 waren, nämlich bei Hannover?
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