Jahrgang 
Band 78 (1999)
Seite
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Bemerkungen zur Datierung und Identifizierung erzbischöflicher Grablegen im Bremer St.-Petri-Dom

Von Karl Heinz Brandt

Wie die häufige Einnistung von Baudenkmälern vielen ein Kennzeichen ihrer Bedeutung ist, scheint entsprechend die ständige oder doch immer wieder auf­flammende Diskussion bei anderen historischen Quellen deren besonderen Stel­lenwert zu charakterisieren, seien sie archäologischer oder schriftdokumentari­scher Art. In diesen Kreis gehören die Grablegen 1 der Bischöfe, Erzbischöfe und höheren Kleriker des Bremer St.-Petri-Domes. Dies betrifft nicht nur die komplet­ten Anlagen oder Leergräber, sondern auch einzelne Teile der Ausstattung und deren Identitätsaussagen 2 .

1 Zum Begriff vgl. Lexikon des Mittelalters, Bd. IV, München 1989, Sp. 1628. Trotz der dortigen klaren Definition wird in diesem Beitrag der kürzere Begriff »Grab« beibehal­ten, was sich auch in Hinsicht auf die Leergräber als zweckmäßig erweist.

2 Wenn sich diese auch in Grenzen halten und mehr Irritationen als Klärung brachten, so haben sie doch, wenn auch auf Sparflamme, das Interesse am Bremer Dom und den amtlichen Grabungen, die anerkanntermaßen die historische Bedeutung dieser ehema­ligen Metropolitankirche wieder in den Blick der Forschung und der Öffentlichkeit ge­rückt haben, wachgehalten. Allerdings nur bei denen, die keiner Erinnerung und Er­weckung bedurften. Obwohl es sich bei den rund sechs Jahre dauernden Ausgrabungen um ein amtliches Forschungsprojekt handelte, das seit 1975 außerdem vom Denkmal­schutzgesetz legitimiert wurde, haben sich alle (!) betroffenen Behörden bis auf den heu­tigen Tag ihrer Pflicht entzogen, das Projekt bis zum Abschluß zu fördern. Denn tatsäch­lich ist nur ein Bruchteil der ergrabenen Quellen erforscht und publiziert (Karl Heinz Brandt, Zur archäologischen Mittelalterforschung in Bremen, in: Brem. Jb. 71, 1992, S. 196-200). Neben der wissenschaftlichen Erforschung der reichen Textilfunde, die im Schatten der musealen Präsentation im Sande verlaufen ist, stand bisher als größte Auf­gabe die Bearbeitung der Baugeschichte in Frage. Nachdem ich selbst als damaliger Landesarchäologe und Projektleiter wegen Pensionierung diese Aufgabe nicht überneh­men konnte, schien auch diesem Fachgebiet das Schicksal der Textilforschung zu wider­fahren. Zwar nicht mehr dienstlich, dafür aber moralisch verpflichtet, habe ich nach einem Fachmann gesucht, der diese schwierige Aufgabe übernehmen könnte. Dank der Bemühungen von Prof. Dr. Ralf Busch, Hamburg (!) ist es kürzlich gelungen, hierfür einen Bauhistoriker zu gewinnen. Daß ein solches Forschungsprojekt seinen Preis hat, versteht sich von selbst. Aber auch jetzt haben sich Stadt und Land Bremen, auf deren Territorium der Dom liegt, wiederum ahnungslos verhalten. Sollten auch keine außer­bremischen Mittel für diese gesetzlich verankerte Landesaufgabe zu beschaffen sein, bleibt die amtliche Grabung ein Flop! Kann man es deshalb jemandem verübeln, wenn er meint, Dom und Dombezirk seien besser dort geblieben, wo sie bis 1803 waren, näm­lich bei Hannover?

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