Jahrgang 
Band 72 (1993)
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

zumeist nur »Vornamen«. Die so eingetragenen Personen lassen sich ohne weitere Zusätze zum Namen nur sehr selten identifizieren. Allerdings gelingt es dennoch manchmal durch Vergleiche mit anderen Necrologien. 28

Den Namen beigegebene Zusätze ermöglichen es demgegenüber wesent­lich leichter, die Personen zu identifizieren. So weist uns beispielsweise der am vierten Januar (Buchstabe D) in der ersten Zeile am Anfang eingeschrie­bene Text Liavizonis archiep<iscop>i eindeutig auf den an diesem Tag im Jah­re 1013 verstorbenen Bremer Erzbischof hin. 29 Der zweite Januar (Buchstabe B) gibt uns in der ersten Zeile ebenso nicht nur einen Namen, sondern auch durch einen Zusatz einen Hinweis auf eine bekannte historische Persönlich­keit. Dort finden wir, auch wieder den Priestern zugeordnet, folgenden Ein­trag: Adalhardi abb<atis>. Durch den Zusatz als Abt gekennzeichnet, fällt es nicht schwer, diese Person historisch einzuordnen. Es handelt sich um den am 2. Januar 826 verstorbenen Adalhard, Vetter Karls des Großen, Abt von Corbie und Gründer Corveys an der Weser. 30 Auch der am 6. Januar (Buch­stabe F) in der ersten Zeile eingeschriebene Text Adalgarii abb<atis> bezieht sich wieder auf einen Abt aus Corvey. Adalgar verstarb als Abt von Corvey im Jahre 877. Sein gleichnamiger Bruder war vom Corveyer Mönch zum Erz­bischof von Hamburg-Bremen aufgestiegen. 31

Schon durch die an diesen Januartagen eingetragenen Personen haben wir einen ersten Fingerzeig zur zeitlichen Erstreckung dieses Necrologs gewon-

Geschenk auch im Dom, wie besonders angegeben wird im Chor, begangen: dicti Eildagi anniversarius et Elizabet uxoris sue agetur singulis annis in choro Bremensi guarto idus Januarii, vgl. BUB I, Nr. 338. Vgl. auch BUB I, Nr. 29 zum Eintrag des Hericus advocatus in einem Domnecrolog und entsprechend im Necrolog aus St. Willehadi-Stephani. Vgl. auch BUB II, Nr. 637 memoria Alhey- dis gue occurrit in crastino Phylippi et Jacobi, Nr. 174: in anni-versario domini Wilhelmi perpetui vicarii occurrente Semper in festo undecim milium virginum. BUB II, Nr. 567 stiftet der Domdekan Moritz von Oldenburg für sich und seine Tante einen Altar im Dom und gibt dabei an, daß deren Memorie begangen werden solle in anniversario depositionis die predicte domine Hadewigis, videli- cet III idus Februarii. BUB II, Nr. 606: in anniversario magistri Gerlaci ... vicarii ... gui est annis singulis in tercio decimo kaiendas Julii.

29 Vgl. Series episcoporum ecclesiae catholicae occidentalis, Bd. II Archiepiscopa- tus Hammaburgensis sive Bremensis, Stuttgart 1984, S. 25: »Obiit 1013 ian. 4 et sepultus est Brema in ecclesia cathedrali ...«

30 Vgl. Joseph Fleckenstein in: Lexikon des Mittelalters Bd. 1, München/Zürich 1980, Sp. 105.

31 Adam von Bremen merkt zu diesem in seiner Darstellung Rimberts an: Cui Adalgarius abba germanum et aeguivocum suum concessit Adalgarium, gui postea et socius predicationis et meruit heres esse dignitatis. Trillmich, Adam (wie Anm. 5), S. 206 und 216. Vgl. auch Karl Schmid, Die Klostergemeinschaft von Fulda im früheren Mittelalter (Münstersche Mittelalter-Schriften 8/2.1-3), München 1978, S. 360 (A3). Daß auch weiterhin die Verbindung zwischen Bre­men und Corvey recht eng war, geht beispielsweise daraus hervor, daß Adam sich für seine Darstellung noch Unterlagen aus diesem Kloster besorgen konnte: Sanctus Rimbertus sedit annos XXIII. Annos eius et obitum decessoris sui reppe- rimus in guodam compoto a Corbeia delato. Vgl. Trillmich, ebd., S. 206.

25